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Siebenunddreißigstes Kapitel


Großes Dorf der Camantschen in Texas. – Blinder Lärm. –, Zusammentreffen mit einer Streifpartei der Camantschen; sie kehren um und begleiten die Dragoner nach ihrem Dorfe. – Große Büffelherden; die Büffel durchbrechen die Reihen der Dragoner. – Wilde Pferde; ihr Scharfsinn. – Joseph Chadwick und Catlin schießen ein wildes Pferd. – Das Einfangen mit dem Lasso. – Die Kette des Felsengebirges. – Annäherung an das Dorf der Camantschen. – Große Zahl ihrer Pferde.


Das Regiment brach endlich auf und wir beide, mein Freund Joseph Chadwick und ich, folgten ihm. Es nahm seinen Weg gerade westwärts auf der Wasserscheide zwischen dem Waschita und dem roten Flusse nach dem Felsengebirge zu. Unser Weg ging beständig durch eine schöne grüne Prärie mit einzelnen schönen Gruppen von Bäumen und Gesträuchen. Alles war fröhlich und munter, denn jeder hoffte nunmehr dem tödlichen Miasma an der Mündung des Waschita entgangen zu sein. Es ging auch alles ganz vortrefflich, und nur in der zweiten Nacht entstand großer Lärm im Lager. Wir lagerten auf einer schönen Prärie, wo wir jeden Augenblick den Überfall eines lauernden Feindes befürchteten. Mitten in der Nacht nun, als alles sicher und ruhig zu sein schien, fiel plötzlich ganz in unserer Nähe ein Schuß, dem ein furchtbares Stöhnen folgte. Sofort waren wir alle auf den Beinen, unsere Pferde, erschreckt durch den Schuß und den Lärm, zerrissen ihre Riemen, womit sie befestigt waren, und eilten in vollem Laufe davon und von allen Seiten erscholl der Ruf: »Indianer! Indianer! Pahnihs!« In wenigen Augenblicken war jedoch die Ruhe wiederhergestellt und wir hörten nun, wie unsere Pferde nach allen Seiten wie besessen davonliefen; nur einige, die sich von ihren Pfählen nicht hatten losreißen können, blieben im Lager zurück. Wir lagerten uns nämlich stets in einem Viereck von 15–20 Ruten Durchmesser; an den Seiten entlang wurden die Sättel nebst dem Gepäck etwa fünf Fuß voneinander entfernt niedergelegt, und jeder band sein Pferd, nachdem er es hatte grasen lassen, an einen, wenige Schritte von seinen Füßen in der Erde befestigten Pfahl, so daß alle Pferde sich innerhalb des Vierecks und, wie wir glaubten, im Falle eines Angriffes in vollkommener Sicherheit befanden. In dieser Überzeugung hatten wir uns ruhig dem Schlafe überlassen, aus dem wir auf die erwähnte Weise geweckt wurden.

Als wir einige Augenblicke zum Kampfe gerüstet gestanden hatten und kein Feind sich zeigte, so forschte man allgemein nach der Ursache dieses blinden Lärms und es ergab sich endlich folgendes: Ein Rekrut, der in dieser Nacht auf dem Posten stand, glaubte aus einem, wenige Schritte von ihm entfernten Busche einen Indianer hervorkriechen zu sehen; da dieser auf seinen Zuruf nicht antwortete, so gab er Feuer und erschoß ein Dragonerpferd, das sich in der vorhergehenden Nacht verlaufen hatte, dann unserer Spur gefolgt war und nun, als es das Lager erreichte, seinen Tod fand.

Wir wurden durch diesen Vorfall zwei Tage aufgehalten, denn wir mußten über vier Meilen zurückreiten, um unsere entflohenen Pferde aufzusuchen, von denen indes fünfzehn oder zwanzig gar nicht wiedergefunden wurden.

Am vierten Tage unseres Marsches entdeckten wir frische Büffelspuren und bald darauf eine ungeheure Herde, die auf den entfernten Hügeln graste. Auch den Rauch von den Feuern der Indianer sahen wir in verschiedenen Richtungen vor uns aufsteigen und an demselben Tage nachmittags erblickten wir eine große Anzahl Indianer zu Pferde in der Entfernung von mehreren englischen Meilen, die uns zu beobachten schienen. Das Blitzen der Lanzenspitzen im Sonnenschein ließ uns anfangs glauben, daß es mexikanische Reiterei sei, die sich unserem weiteren Vordringen widersetzen wolle; als wir jedoch etwas näher gekommen waren, erkannten wir durch unsere Ferngläser, daß es eine Streifpartei der Camantschen war.

Das Regiment machte Halt und nachdem die erforderlichen Befehle erteilt waren, marschierten wir gerade auf die Indianer zu, die indes, nachdem wir uns ihnen bis auf etwa zwei englische Meilen genähert hatten, plötzlich hinter dem Hügel verschwanden und nach einiger Zeit in anderer Richtung, und zwar auf einem entfernteren Hügel, wieder erschienen. Das Regiment änderte sogleich seinen Marsch, allein kaum war dies geschehen, so verschwanden die Indianer abermals, um an einer anderen Stelle wieder zum Vorschein zu kommen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen befahl der Oberst Dodge dem Regiment zu halten, während er selbst mit wenigen Offizieren und einem Fähnrich, der eine weiße Fahne trug, vorwärts ritt; ich schloß mich ihm an und diesmal hielten die Indianer stand. Als wir ihnen so nahe gekommen waren, daß wir alle ihre Bewegungen beobachten konnten, hielten wir an; der Fähnrich ritt eine kurze Strecke vorwärts und bewegte die weiße Fahne, um sie aufzufordern, zu uns zu kommen. Kaum hatten sie dies Zeichen bemerkt, so sprengte ein Indianer auf einem milchweißen Pferde und mit einer langen Lanze, woran ein Stück einer weißen Büffelhaut befestigt war, auf uns zu.

Die Entfernung zwischen beiden Teilen betrug etwa eine halbe englische Meile auf einer schönen, sich allmählich abdachenden Prärie; auf dieser Strecke tummelte er sein wildes Pferd eine Viertelstunde lang umher, bis er endlich unserer Fahne sich näherte, diese einen Augenblick mit seiner Lanze berührte, dann sein Pferd herumwarf und auf den Obersten Dodge lossprengte. Als er diesem nahe gekommen war, reichte er ihm die Hand, die der Oberst sogleich ergriff und schüttelte, worauf wir seinem Beispiele folgten. Sobald die übrigen Indianer sahen, daß ihr Abgesandter freundlich empfangen und nicht ermordet wurde, wie sie ohne Zweifel erwartet hatten, kamen sie in vollem Jagen zu uns herangesprengt. Das Regiment marschierte in regelmäßiger Ordnung auf und es begann nun ein allgemeines Händeschütteln, indem jeder Indianer die Reihen der Dragoner entlang ritt und jedem die Hand reichte. Dies währte natürlich einige Zeit und ich betrachtete mir unterdes den stattlichen Krieger, der mit der weißen Fahne an der Lanze zu uns gekommen war. Er ritt ein schönes wildes Pferd, weiß wie Schnee, mit einer starken Mähne und einem langen, vollen Schweife, der den Boden berührte. Der Zaum war an einem schweren spanischen Gebisse befestigt und an den Füßen trug er ein Paar schwere spanische Sporen, die er dem Pferde bei jedem Sprunge tief in die Seiten drückte, so daß sie ganz mit Blut bedeckt waren; Gebiß und Sporen hatte er offenbar in den beständigen Kämpfen an der mexikanischen Grenze erbeutet. Der Köcher hing an einem Riemen auf dem Rücken und der Schild am linken Arm, in der linken Hand hielt er den Bogen, in der rechten eine vierzehn Fuß lange Lanze und an der linken Seite, quer über den Schenkeln, befand sich die Flinte in einem schönen Futteral von Ziegenfell.

siehe Bildunterschrift

Tafel XIII. Büffeljagd unter dem weißen Wolfsfell.

Auf ähnliche Weise waren auch die übrigen ausgerüstet, von denen mehrere noch ein zweites Pferd am Zügel führten, das, wie wir erfuhren, das Lieblingskriegsroß war; aus allen diesen Umständen ersahen wir, daß sie sich auf einem Kriegszuge befanden.

Nachdem das Händeschütteln vorüber war, stiegen wir von den Pferden, die Pfeife wurde angezündet und ging von Hand zu Hand, worauf die Unterredung begann, die mit Hilfe eines Spaniers, den wir glücklicherweise bei uns hatten, und eines Camantschen, der etwas Spanisch verstand, geführt wurde.

Der Oberst Dodge setzte ihnen auseinander, daß wir in friedlicher Absicht in ihr Land kämen, – daß der Präsident uns beauftragt habe, in ihre Dörfer zu gehen, um die Häuptlinge der Camantschen und Pahnipicts zu sehen, ihnen die Hand zu reichen, die Friedenspfeife mit ihnen zu rauchen und Handelsverbindungen mit ihnen anzuknüpfen, die für beide Teile vorteilhaft sein würden.

Sie hörten aufmerksam zu und verstanden alles vollkommen; sie erklärten, daß sie dem Worte des Obersten Vertrauen schenkten, daß ihr großes Dorf nur einige Tagemärsche entfernt sei, daß sie ihren Kriegszug aufgeben und uns dahin begleiten wollten. Wir brachen noch an demselben Tage auf und sie haben uns getreulich über Berg und Tal geleitet und des Nachts neben uns geruht.

Wir hatten etwa dreißig Osagen, Tschirotihs, Senecas und Delawaren als Führer und Jäger bei uns, die, mit den 90–100 Camantschen, unserem Zuge, wie er über die grünen Prärien dahinmarschierte, ein höchst malerisches Ansehen gaben. Da wir jetzt ganz auf Büffelfleisch angewiesen waren und fast stündlich bei Büffelherden vorüberkamen, so hatten wir stets frisches Fleisch in hinreichender Menge, denn die Indianer der verschiedenen Stämme suchten natürlich ihre Geschicklichkeit und die Abrichtung ihrer Pferde im besten Lichte zu zeigen.

Eines Tages, als das Regiment auf dem Marsche war und die Indianer auf eine Herde Büffel Jagd machten, brachen die erschreckten Tiere durch die Dragoner hindurch und rannten Pferde und Reiter über den Haufen, was zu höchst komischen Szenen Anlaß gab, wobei sie indes auch manchen Schuß aus Flinten und Pistolen erhielten.

Die Büffel sehen sehr schlecht, was wohl größtenteils dem dichten Haar zuzuschreiben ist, das ihnen über die Augen herabschlägt; sie folgen daher hauptsächlich dem Geruch und sobald einer davonläuft, folgt die ganze Herde, ohne sich um das zu kümmern, was um sie her vorgeht.

Der Landstrich, den wir zwischen dem falschen Waschita und dem Dorfe der Camantschen durchzogen, ist auch reich an wilden Pferden, von denen wir täglich mehrere Herden sahen. Kein anderes Tier der Prärien ist so wild und so scharfsinnig, als das wilde Pferd und keinem anderen ist so schwer beizukommen. Ihr Auge ist so scharf, daß sie ihren Feind schon erkennen, wenn er auch noch eine englische Meile entfernt ist; sie laufen dann sogleich davon und machen gewöhnlich erst Halt, nachdem sie drei bis vier solcher Meilen zurückgelegt haben. Ich habe oft den Versuch gemacht, mich an sie heranzuschleichen, wenn sie grasten und spielten, doch ist mir dies nur einmal gelungen. Ich stieg nämlich vom Pferde und schlich mit meinem Freunde Chadwick einige englische Meilen weit durch eine Schlucht, bis wir uns einer Herde auf Flintenschußweite genähert hatten, wo ich, hinter einem kleinen Gebüsch versteckt, eine Skizze entwarf. Die Herde zeigte fast alle Farben, wie man sie unter einer Meute englischer Hunde findet: einige waren milchweiß, andere glänzend schwarz, noch andere fuchsrot, braun, stahlgrau oder gefleckt; ihre dichten Mähnen hingen in der wildesten Unordnung über Hals und Gesicht herab und der lange Schweif schleppte auf der Erde.

Nachdem wir unsere Neugier befriedigt hatten, beschlossen wir, uns eines dieser Pferde dadurch zu bemächtigen, daß wir es durch den Knorpel am oberen Teile des Halses schossen; es wird dadurch betäubt, fällt zu Boden und wird an den Füßen gefesselt, erhebt sich aber bald wieder, ohne weiteren Nachteil von der Verwundung zu haben. Erfahrene Jäger bedienen sich oft dieses Mittels, wenn sie der Tiere auf andere Weise nicht habhaft werden können. Wir waren nur mit leichten Vogelflinten bewaffnet, die nicht so sicher eine Kugel schießen wie eine Büchse. Wir schossen ein schönes stahlgraues Pferd, es stürzte und im nächsten Augenblicke war die ganze Herde aus dem Gesicht verschwunden. Wir eilten sogleich auf unser Schlachtopfer zu und fanden zu unserer großen Betrübnis, daß wir nicht nötig hatten, es zu fesseln, denn es war tot – unsere Schüsse hatten ihm die Halswirbel zerschmettert. Mein Freund Chadwick war außer sich über diesen unglücklichen Schuß und wir kamen überein, beim Regiment nichts von diesem Vorfall zu erzählen.

Gewöhnlich fängt man die Pferde dadurch, daß man ihnen, während man sie im vollen Jagen verfolgt, die Schlinge des Lasso um den Hals wirft, wodurch sie zu Boden gerissen werden. Der Lasso ist ein von ungegerbtem Leder geflochtener oder gedrehter Riemen, zehn bis fünfzehn Ellen lang und an dem einem Ende mit einer Schlinge versehen.

Will der Indianer ein wildes Pferd einfangen, so besteigt er den schnellsten Renner, den er erhalten kann, schlingt sich den Lasso um den Arm und sprengt in vollem Jagen unter die Herde; hat er einem wilden Pferde die Schlinge des Lasso um den Hals geworfen, so steigt er ab und läuft so schnell er nur kann, während er den Lasso allmählich und vorsichtig durch die Hand gleiten läßt, bis das Pferd, durch Mangel an Atem erschöpft, zu Boden fällt. Er nähert sich nun vorsichtig dem Kopfe des Pferdes, fesselt es an den Vorderfüßen, löst den Lasso, damit es wieder frei atmen kann und befestigt seine Schlinge um die untere Kinnlade des Tieres, wodurch er es in seine Gewalt bekommt und es ihm unmöglich macht, sich auf den Rücken zu werfen, denn es schlägt gewaltig um sich, sobald es wieder frei zu atmen vermag, bis es, ganz mit Schaum bedeckt, sich der Macht des Menschen unterwirft und für seine Lebensdauer dessen Sklave wird. Er legt nun vorsichtig die Hand auf die Nase und die Augen des Pferdes, bläst ihm in die Nasenlöcher und es ist gezähmt; er nimmt ihm dann die Fesseln ab und führt oder reitet es ins Lager zurück.

Die wilden Pferde dieser Gegenden sind kleine, aber kräftige Tiere mit stark hervortretenden Augen, schmaler Nase, hohen Nasenlöchern, dünnen Füßen und zarten Schenkeln. Sie stammen unstreitig von den bei der Eroberung Mexikos durch die Spanier eingeführten Pferden ab, von denen einige in die Prärien entliefen, dort verwilderten und die Stammrasse aller wilden Pferde bildeten, die auf den Ebenen von hier bis zum Winnipegsee, 400–600 Meilen gegen Norden herumschwärmen. Über das erste Erscheinen der Pferde unter den Indianern gibt es viele sehr merkwürdige Sagen, die dies bestätigen. Die Sioux nennen das Pferd Schonka-Wakon, Medizinhund.

Sie sind den Indianern dieser weiten Ebenen von großem Nutzen bei der Jagd, aus ihren Wanderungen usw. und ihre Kleinheit macht sie zu diesen Zwecken geeigneter, als wenn sie von größerer und stärkerer Rasse wären. In der Zeit, wenn es an Büffeln und anderem Wilde fehlt, werden die Pferde in großer Anzahl getötet und gegessen. Hinsichtlich der Ernährung werden sie Winter und Sommer sich selbst überlassen, da sie stets Gras in hinreichender Menge finden.

Wir trafen auf unserem Marsche viele Herden dieser schönen Tiere und hatten mehrmals Gelegenheit, zu sehen, wie die Indianer sie mit dem Lasso einfingen. Den ersten glücklichen Fang dieser Art machte einer unserer Führer und Jäger Namens Beatte, ein Franzose von Geburt, der von seiner Kindheit an unter den Osagen gelebt hatte und die Geschicklichkeit und Gewandtheit der Indianer in noch höherem Grade besaß als diese selbst; er gilt für den geschicktesten Jäger dieser westlichen Regionen.

Als nämlich eines Tages das Regiment zu der gewöhnlichen Stunde um Mittag Halt machte, bat Beatte den Obersten Dodge um Erlaubnis, mit einigen Jägern auf eine in der Ferne weidende Herde wilder Pferde Jagd machen zu dürfen. Nachdem sie die Erlaubnis erhalten, ritten sie eine Schlucht entlang und näherten sich den nichts böses ahnenden Tieren, die, sobald sie die Reiter erblickten, die Flucht ergriffen. Ich beobachte durch mein Fernglas alle Manöver Beattes, dem es, nachdem er die Herde zwei bis drei englische Meilen weit verfolgt hatte, endlich gelang, ein Pferd mit der Schlinge zu fangen und es »niederzubrechen«. Bald darauf kam Beatte mit seinem wilden Pferde, das am ganzen Körper zitterte und mit weißem Schaum bedeckt war, zurück, band ihm eine Büffelhaut über den Rücken, eine Schlinge um die untere Kinnlade, und als wir aufbrachen, ritt er es ohne Schwierigkeit. Das Ganze, vom Beginn der Jagd an, war das Werk einer Stunde.

Die Pferde, die während unseres Marsches eingefangen wurden, waren indes nur von mittelmäßiger Güte, da man die schönsten auf diese Weise nicht erhalten kann, indem sie, sobald sie verfolgt werden, an der Spitze der Herde davoneilen und in wenigen Augenblicken verschwunden sind. Man kann sich nur dadurch ihrer bemächtigen, daß man sie (wie bereits früher beschrieben) am Genick verwundet, wodurch jedoch stets der Mut des Tieres gebrochen wird.

Nachdem wir noch mehrere sehr beschwerliche Tagemärsche zurückgelegt, sagten uns unsere Camantschenführer, daß wir in der Nähe ihres Dorfes seien und wir erblickten in der Tat bald darauf von einer sanft aufsteigenden Anhöhe herab das einige englische Meilen entfernte Dorf in einem der reizendsten Täler, die das Auge jemals gesehen hat. Das Tal streift von Nordwest nach Südost, ist mehrere englische Meilen breit und wird in der Entfernung von einer schönen Bergkette begrenzt, die offenbar ein Ausläufer der Rocky Mountains ist und, gleich den anderen Gliedern dieser gewaltigen Gebirgskette, aus rötlichem Granit oder Gneis besteht. In der Mitte dieses schönen Tales sahen wir aus dem Gebüsche, das die Ufer der Flüsse bekränzt, die Spitzen der Wigwams der Camantschen hervorragen. Bis auf eine englische Meile von dem Dorfe war das Tal mit grasenden Pferden und Maultieren bedeckt. Die Führer der uns begleitenden Streifpartei erklärten nun, das Regiment möge Halt machen, während sie voran in das Dorf reiten und dort melden wollten, wer wir seien. Wir stiegen daher ab und konnten deutlich sehen, wie die Indianer schnell ihre Pferde einfingen und bald darauf einige hunderte ihrer tapfersten Krieger in vollem Jagen auf uns zukamen und gleich regulärer Kavallerie vor uns in einer Linie aufmarschierten. Wir waren schnell wieder zu Pferde gestiegen und das Regiment stellte sich in drei Reihen auf, vor denen der Oberst Dodge mit seinem Stabe hielt, wobei auch mein Freund Chadwick und ich uns befanden. In der Mitte dieser ersten Linie ließ der Oberst eine weiße Fahne aufpflanzen, worauf die Indianer ebenfalls eine solche absandten und daneben aufstellten Bei allen Indianerstämmen, die ich besuchte, sowohl bei den noch im Urzustande lebenden, als bei denen, die schon kultivierter sind, ist, wie bei den zivilisierten Völkern, die weiße Fahne ein Zeichen des Waffenstillstandes und gilt für heilig und unverletzlich. Wenn der Häuptling in den Krieg zieht, so nimmt er eine weiße Fahne mit, die gewöhnlich in einem Stücke weißen Felles besteht, das um einen kleinen Stab gewickelt ist und von ihm unter der Kleidung oder auf andere Weise getragen wird; außerdem hat er noch eine rote Fahne bei sich und je nach den Umständen wird entweder die weiße Fahne, als Zeichen des Waffenstillstandes, oder die rote als Zeichen des Kampfes oder für »Blut«, wie die Indianer sagen, entfaltet..

Die beiden Linien, aus alten Feinden bestehend, die sich nie gesehen hatten, hielten in der Entfernung von zwanzig bis dreißig Schritten einander gegenüber, und es gereicht den Camantschen, die man als mörderisch und feindselig schildert, zur Ehre, daß sie völlig unbewaffnet vor uns erschienen, die wir mit glänzenden Waffen als Kriegspartei mitten in ihr Land eingedrungen waren.

Sie mußten uns als ihre natürlichen Feinde betrachten – denn dafür halten sie alle bleichen Gesichter – und dennoch kamen sie ohne alle Waffen ganz nahe zu uns heran, ohne irgendeinen Ausdruck der Furcht oder des Mißbehagens, vielmehr zeigte sich aus allen Gesichtern unverkennbare Freude und Ungeduld, uns die Hände zu reichen, und dies auf die einfache Versicherung des Obersten Dodge, daß wir in friedlicher Absicht zu ihnen kämen.

Nachdem wir auf diese Weise etwa eine halbe Stunde lang uns gegenseitig angeblickt hatten, sprengte der Hauptanführer auf den Obersten zu, reichte zuerst diesem die Hand, dann den übrigen Offizieren, und endlich, indem er die einzelnen Glieder entlang ritt, auch jedem Dragoner; diesem Beispiele folgten die anderen Häuptlinge und Krieger, und nach Beendigung dieser Zeremonie, die über eine Stunde währte, ritten die Indianer langsam nach ihrem Dorfe zurück und führten uns an die Ufer eines schönen klaren Flusses und zu einer frischen Quelle, etwa eine halbe englische Meile vom Dorfe, indem, wie sie sagten, dort ein passender Platz für unser Lager sei.

Kaum hatten wir uns gelagert oder vielmehr unsere Sachen auf den Boden gelegt, so ritten der Major Mason, Kapitän Brown, Kapitän Duncan, Leutnant Wheelock, mein Freund Chadwick und ich durch das Dorf in die Prärie, wo mindestens 3000 Pferde und Maultiere grasten. Wir waren sehr begierig, die schönen arabischen Pferde zu sehen, welche die Krieger der Camantschen besitzen sollten und von denen so viel Rühmens gemacht wurde. Wir ritten überall herum, fanden uns indes sehr getäuscht, denn es waren zwar einige ziemlich hübsche Pferde darunter, aber die schönen arabischen Rosse, von denen wir im Osten so viel hatten sprechen hören, mußten sich entweder weiter südwärts befinden, oder es waren bloße »Phantasiepferde«.

Die Pferde der Camantschen sind im allgemeinen klein, sehr dauerhaft und brauchbar und sämtlich wilder Abkunft. Unter den großen hier weidenden Herden befinden sich vielleicht ein Drittel Maultiere, die wertvoller sind als die Pferde.

Die Offiziere und Soldaten kauften hier eine Anzahl der besten Pferde, wofür sie eine schlechte Decke und ein großes Messer gaben, was zusammen etwa vier Dollars wert war. Wollte man diese Pferde in den östlichen Städten wieder verkaufen, so dürfte man dort mindestens 80–100 Dollars für das Stück erhalten. Es wurden uns stündlich Pferde zum Kauf angeboten und wenn wir Gegenstände zum Tausch gehabt und überdies die Mittel besessen hätten, die Pferde nach Hause zu bringen, so hätte man einen ansehnlichen Gewinn machen können, wie sich aus folgendem Vorfall ergibt. Ein junger hübscher Indianer trieb sich mehrere Tage um mein Zelt herum und betrachtete unausgesetzt einen alten abgenutzten baumwollenen Schirm, den ich zum Schutze gegen die Sonne ausgespannt hatte, da ich am Fieber litt. Endlich schlug er mir vor, das hübsche Pferd, das er ritt, gegen meinen Schirm und ein Messer auszutauschen. Als ich nicht geneigt dazu war, indem ich den Schirm nicht entbehren konnte, bot er mir das Pferd für den Schirm allein an, und da ich auch dies ablehnte, so brachte er ein anderes, noch schöneres Pferd zum Verkauf, weil er glaubte, das erste sei mir nicht gut genug gewesen, um den Schirm dafür hinzugeben. Nachdem ich ihm nun mit vieler Mühe begreiflich zu machen gesucht, daß ich krank sei und den Schirm nicht entbehren könne, kehrte er in das Dorf zurück und kam nach kurzer Zeit mit einem der größten und schönsten Maultiere zurück, die ich jemals gesehen habe; da ich jedoch auch dies verschmähte, so ritt er endlich fort.

Als ich dem Kapitän Duncan, in dessen Zelte ich wohnte, diesen Vorfall erzählte, rief er aus: »Verdammter Kerl! wo ist er geblieben? He, Gosset! nimm meinen alten Schirm aus dem Gepäck, den ich mit der Bratpfanne zusammen eingepackt.« – Der Kapitän, mit dem Schirm, holte den Indianer bald ein, begleitete ihn ins Dorf und kehrte in kurzer Zeit, zwar nicht mit dem Maultier, aber doch mit dem Pferde, das mir angeboten wurde, zurück.


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