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Einunddreißigstes Kapitel


Beschreibung der Büffel. – Zauberkreise. – Das Einholen der Büffel und Abschießen des Pfeils. – Büffeljagd. – Gebrauch des Lasso. – Das Jagen in der Maske einer weißen Wolfshaut. – Tötung der Pferde bei der Büffeljagd. – Büffelkälber. – Die Büffel werden in ungeheurer Menge getötet. – Angriff der Büffel durch weiße Wölfe. – Betrachtungen über die wahrscheinliche Ausrottung der Büffel und der Indianer.


 


Anmerkung zu Seite 158, Anfang des 31. Kapitels.

Max von Neuwied sagt über den Büffel: »Man hat den amerikanischen Bison für identisch oder doch sehr nahe verwandt mit dem noch jetzt in Rußland lebenden Zubr oder Wisent angesehen, allein beide Tierarten bilden vollkommen verschiedene Spezies. – Den Bison hat man schon öfter gezähmt, doch soll er zur Arbeit nicht besonders gut zu gebrauchen sein. Man soll Bastarde vom Hausstier und der Bisonkuh gezogen haben, die sehr stark und tapfer waren und alle anderen Stiere abschlugen. Ein recht großer, starker Hausstier soll aber den Bison besiegt haben. Von den Runzeln an der Basis des Bisonhorns hat man gesagt, daß sie das Alter des Tieres anzeigten; allein dies ist eben so unbegründet, als man das Alter der Klapperschlange nach ihren Schwanzklapperringen bestimmen will.«


 

Über die Büffel, die diese Länder in zahlreichen Herden bewohnen, habe ich bereits oben (Kap. 4 und 24) gesprochen und will hier noch einiges hinzufügen.

Diese edlen Tiere, in den naturgeschichtlichen Werken so genau beschrieben, sind in dieser weiten Wildnis ein Gegenstand von großem Interesse und großer Wichtigkeit, da sie, gleich dem Wilden, vor der Annäherung des zivilisierten Menschen schnell verschwinden und in wenigen Jahren nur noch in Büchern und Bildern vorhanden sein werden.

Das Wort »Büffel« wird mit Unrecht auf diese Tiere angewendet, die dem östlichen Büffel ebensowenig gleichen, als dem Zebu oder dem gemeinen Ochsen. Ob sie dem europäischen Bison, den ich niemals gesehen habe, ähnlich sind, weiß ich nicht. Nach den zahlreichen Abbildungen und Beschreibungen ist jedoch der Bison der amerikanischen Prärien von dem Bison des nördlichen Europa und Asien sehr verschieden. Der amerikanische Bison, oder wie ich ihn nennen werde, der Büffel, ist das größte wiederkäuende Tier, das gegenwärtig in Amerika lebt und scheint in den Ebenen dieses weiten Landes von dem Großen Geiste eigens für die roten Männer geschaffen zu sein, die fast ausschließlich von seinem Fleische leben und sich mit seinen Häuten bekleiden. Die Farbe dieser Tiere ist ein dunkles Braun, das sich aber nach den Jahreszeiten sehr verändert; das lange Haar oder der Pelz des Winters und Frühlings wird ganz dünn und fast schwarz, wenn nach dem Abwerfen des Winterkleides ein neuer Haarwuchs hervorkommt.

Der Büffelstier erreicht oft das ungeheure Gewicht von 2000 Pfund und hat eine lange und zottige, schwarze Mähne, die in großer Fülle über Kopf und Schultern herabhängt und oft bis auf die Erde reicht. Die Hörner sind kurz, aber sehr stark und haben nur eine Biegung, d. h. sie bilden einen einfachen Bogen, ohne die geringste Annäherung an eine Spirallinie, wie bei dem gemeinen Ochsen und der Ziege. Die Kuh ist viel kleiner als der Stier und durch die eigentümliche Gestalt der Hörner ausgezeichnet, die stets gekrümmter sind und ihre Spitzen mehr einwärts nach der Mitte der Stirn kehren.

Eines der merkwürdigsten Kennzeichen des Büffels ist die eigentümliche Bildung und der Ausdruck des Auges, dessen Augapfel sehr groß und weiß, die Iris dagegen schwarz ist. Die Augenlider stehen immer weit offen und der Augapfel rollt beständig auf und nieder, so daß ein großer Teil der Iris von dem unteren Augenlide verdeckt wird, während das reine Weiß des Augapfels in halbmondförmiger Gestalt darüber hervorglänzt.

Diese Tiere leben im eigentlichen Sinne des Wortes herdenweise, aber sie wandern nicht. Sie grasen zuweilen in ungeheurer und fast unglaublicher Menge beisammen und durchziehen weite Landstriche, und zwar ebenso oft von Osten nach Westen und von Westen nach Osten, als von Norden nach Süden; obwohl man dies Herumstreifen durch regelmäßige Wanderungen nach den Jahreszeiten hat erklären wollen. Ihr Verbreitungsbezirk in Nordamerika erstreckt sich vom 30.–55. Grad nördlicher Breite und von der äußersten Westgrenze der Vereinigten Staaten bis an den Fuß der Rocky Mountains. Die Grenzen ihres Vorkommens im Osten und Westen werden durch ganz andere Ursachen bedingt, als im Norden und Süden, wo die Temperatur ihrer Verbreitung Schranken setzt. Innerhalb dieser 25 Breitengrade leben die Büffel, ohne daß sie nötig hätten, der Strenge des Klimas sich zu entziehen, gegen das die Natur sie mit einem mehr oder weniger dichten Pelze versehen hat.

Es ist erwiesen, daß der Büffel bis zum Winnipegsee in den strengsten Wintern ausdauert, indem er sich in den Wäldern aufhält und unter dem Schnee das Gras hervorscharrt, das dort beim Eintritt des Winters schnell mit allen seinen Säften gefriert und daher ein sehr nahrhaftes Futter gewährt; und oft, wenn nicht gewöhnlich, sind die Büffel in dieser Jahreszeit dort fetter, als unter dem 30. Breitengrade an den Grenzen von Mexiko, wo man die Strenge des Winters nicht kennt, aber während des langen Herbstes eine brennende Sonne die Vegetation allmählich austrocknet und ihrer nährenden Bestandteile beraubt, so daß diese armen Tiere, während sie sich dort selbst im Winter einer wärmenden Sonne erfreuen, kein saftiges Gras zu ihrer Nahrung haben.

Die Mündung des Tetonflusses kann man als den eigentlichen Mittelpunkt des Büffellandes betrachten, da sie ungefähr gleich weit von beiden Extremen entfernt ist. Die schönsten Tiere finden sich auf den dortigen Prärien und ich konnte keinen besseren Aufenthaltsort wählen, um über die Jagd, die ihre endliche Ausrottung beschleunigen muß, noch einiges mitzuteilen.

Die Sioux sind verwegene Reiter und tüchtige Jäger. In dem Herzen ihres Landes befindet sich eine der größten Niederlagen von Waren und Branntwein und es ist der Sammelplatz von Leuten, die unermüdlich jeder abgezogenen Büffelhaut nachspüren.

Die zahllosen Herden dieser Tiere, die man zuweilen auf den Prärien antrifft, sind von vielen Schriftstellern erwähnt worden und es kann sie noch jetzt jeder sehen, der sich die Mühe nimmt, diese Gegenden zu besuchen. In der Jagdzeit, im August und September, versammeln sie sich an manchen Orten oft in solcher Menge, daß die Prärien buchstäblich meilenweit ganz schwarz erscheinen. Man sieht dann nicht selten mehrere Tausende, in eine Wolke von Staub gehüllt, die von den Stieren aufgeregt wird, die sich auf dem Boden wälzen oder wütend miteinander kämpfen. Die Stiere verfolgen immer die Kühe und die ganze Masse ist in steter Bewegung, wobei alle beständig ein tiefes, dumpfes Gebrüll ausstoßen, das einem fernen Donner gleicht.

Während sie sich in dieser Jahreszeit in dichten Massen an einem Orte versammeln, ist das umliegende Land auf eine Strecke von mehreren Meilen ganz von ihnen entblößt, und man kann mehrere Tage und Nächte reisen, ohne einen einzigen Büffel zu sehen, während man einige Wochen später auf demselben Wege zahlreiche kleine Herden erblickt, die sich über das ganze Land verbreiten und teils grasen, teils ruhig liegen oder sich im Schlamme wälzen. Der Ausdruck »ein Büffel in seinem Schlamm« ist sehr bezeichnend für denjenigen, der jemals Gelegenheit hatte, einen Büffel zu sehen, der seinen erhitzten Körper in einem Schlammpfuhl abzukühlen sucht.

Wenn diese großen Tiere, die wegen ihres starken und zottigen Haares sehr unter der Hitze des Sommers leiden müssen, in Niederungen weiden, wo sich zwischen dem Grase etwas stehendes Wasser befindet, unter dem der Boden erweicht ist, so läßt sich der Büffel auf ein Knie nieder und wühlt mit den Hörnern und zuletzt mit dem Kopfe die Erde auf, wodurch eine Vertiefung entsteht, in die das Wasser sich hineinzieht, und ein kühles und angenehmes Bad bildet, in das er sich hineinstürzt, wie das Schwein in den Kot.

In dies köstliche Bad legt sich nun der Büffel auf die Seite und dreht sich mit Hilfe der Hörner und des Höckers auf dem Rücken im Kreise herum, wodurch er immer tiefer in den Schlamm versinkt, der ihn, wenn er aufsteht, wie ein Mörtel bedeckt, seine Farbe verändert und von allen Teilen seines Körpers herabläuft, was ihm ein abschreckendes Ansehen gibt.

siehe Bildunterschrift

Tafel XI. Indianer, einen Büffel verfolgend.

Gewöhnlich macht der Führer der Herde diese Vertiefungen und wenn es ein anderer Stier übernimmt, so vertreibt er ihn, stürzt sich hinein und bleibt, nachdem er seinen Körper abgekühlt und in eine wandelnde Masse von Schlamm verwandelt, noch darin stehen, bis es ihm beliebt, einem anderen Platz zu machen; so geht es fort, bis die ganze Herde, die zuweilen aus mehreren hundert Stück besteht, an die Reihe gekommen ist. Jeder Büffel erweitert die Vertiefung etwas und nimmt einen Teil des Schlammes mit hinweg, der an seinem Körper hängen bleibt, beim Trocknen eine graue oder weißliche Farbe annimmt und allmählich abfällt. Dadurch erhält die kreisförmige Vertiefung oft einen Durchmesser von 15–22 Fuß und eine Tiefe von zwei Fuß; das Wasser in der Prärie zieht sich dorthin, setzt vegetabilische Stoffe ab und in einigen Jahren ist sie mit einem fruchtbaren Boden ausgefüllt, auf dem Gras und Kräuter in ungewöhnlicher Üppigkeit gedeihen.

Viele Reisende, die nicht weit genug gegen Westen vordrangen, um die Lebensart der Büffel und die Entstehung dieser geheimnisvollen Kreise zu beobachten, die oft in Gruppen und von verschiedener Größe vorkommen, haben nach ihrer Rückkehr sehr schöne und sinnreiche Theorien über den Ursprung dieser sonderbaren und unerklärlichen Erscheinungen aufgestellt, die man mangels einer vernünftigen Erklärung Zauberkreise genannt hat.

Andere haben angenommen, diese Kreise entständen durch die Tänze der Indianer, die allerdings in den meisten Fällen im Kreise aufgeführt werden; allein eine geringe Überlegung zeigt sogleich das Unwahrscheinliche einer solchen Behauptung, da die Indianer zu ihren Tänzen stets einen trockenen und harten Boden und zwar in der Nähe ihrer Dörfer wählen, während die »Zauberkreise« sich immer auf niedrigem, feuchtem Boden befinden.

Da mein Besuch des »Fernen Westens« mich tief in das Herz des Büffellandes führte, wo ich Gelegenheit hatte, diese Tiere in allen Phasen ihres Lebens, sowie die verschiedenen Arten der Jagd auf dieselben, zu beobachten, möchte ich noch einige Worte hierüber sagen.

Die Lieblingsjagd der Indianer dieser Gegend ist die Büffeljagd, die fast immer zu Pferde und mit Bogen und Lanze stattfindet. Sie haben kleine aber sehr brauchbare Pferde, die sie auf den Prärien fangen, wo man sie oft wild in zahlreichen Herden antrifft. Auf seinem kleinen wilden Pferde, das einige Jahre lang abgerichtet worden ist, sprengt der Indianer in vollem Jagen mitten in die Herden der Büffel, Elen und selbst Antilopen hinein. Das Pferd ist das schnellste Tier der Prärie und bringt seinen Reiter mit Leichtigkeit an die Seite des Wildes, das dann in der Entfernung weniger Schritte seinen tödlichen Waffen eine leichte Beute wird.

Bei der Jagd des Büffels oder eines anderen Tieres »entkleidet« der Indianer gewöhnlich sich und sein Pferd, indem er den Schild, den Köcher und jedes Stück seiner Kleidung, das ihm hinderlich sein könnte, wegwirft; in die linke Hand nimmt er den Bogen und fünf oder sechs Pfeile und an der rechten Hand (oder am Gürtel befestigt) hängt eine schwere Peitsche, die er auf unbarmherzige Weise gebraucht, um sein Pferd zum schnellsten Laufe anzutreiben.

Diese Pferde sind so abgerichtet, daß der Indianer sich wenig des Zügels zu bedienen braucht, der auf dem Halse des Pferdes hängt, während es sich dem Büffel auf der rechten Seite nähert, wodurch der Reiter in den Stand gesetzt wird, seinen Pfeil nach der linken Seite hin abzuschießen; dies geschieht in dem Augenblick, wenn er im Vorbeijagen sich dem Herzen des Tieres gegenüber befindet, das dann den tödlichen Pfeil »bis an die Feder« empfängt. Wenn der Indianer eine zahlreiche Herde verfolgt, so jagt er gewöhnlich dicht hinter ihr her, bis er ein Tier ausgewählt hat, das er dann so bald als möglich von den übrigen dadurch abzusondern sucht, daß er zwischen dieses und die Herde hineinsprengt.

Die Indianer bedienen sich niemals eines eigentlichen Zaumes mit Gebiß, sondern eines Halfters, der mit einer Schleife um die untere Kinnlade des Pferdes befestigt ist und mehr zum anhalten, als zum lenken dient. Hat der Indianer den Lauf seines Pferdes auf den von ihm ausgewählten Büffel hin gerichtet, so strengt es alle seine Kräfte an, ihn so nahe als möglich zu begleiten, während der Halfter unberührt auf dem Halse liegt und der Reiter mit dem gespannten Bogen sich auf der linken Seite des Pferdes vorwärts beugt, um den tödlichen Schuß zu tun, sobald er dem Büffel zur Seite ist. Das Pferd, das sich instinktmäßig vor dem Büffel scheut, hält die Augen starr auf das so dicht vor ihm befindliche wütende Tier gerichtet und sobald es die geringste Entfernung von ihm erreicht hat, der Reiter mag geschossen haben oder nicht, wendet es sich ab, um jedes Zusammentreffen mit den Hörnern des Büffels zu vermeiden, der sich oft plötzlich gegen seinen Verfolger kehrt. Aber bei aller Vorsicht von seiten des Reiters, und trotz des Scharfsinns seines Pferdes, kommen dennoch dergleichen Kollisionen vor; denn die Aufregung bei dieser Jagd ist so groß, daß Instinkt und Vernunft ihre Herrschaft verlieren und Roß und Reiter sich dem Tode entgegenstürzen, als geschähe es zum Zeitvertreib oder zum Vergnügen. (Vergl. die Schilderung der Büffeljagd im 4. Kapitel.) Ich habe mich stets für sehr vorsichtig gehalten, allein auch ich bin in dies Delirium der Jagd verfallen und habe mich mehrmals, mit Staub und Blut bedeckt, von der Prärie erhoben, während meine Flinte zwanzig bis dreißig Schritte von mir mit zerbrochenem Schaft am Boden lag und mein Pferd, eine halbe englische Meile entfernt, ruhig weidete, auf der ganzen Prärie aber, so weit das Auge reichte, kein lebendes Wesen mehr zu erblicken war.

Für den Neuling ist diese Jagd mit großer Gefahr verbunden, während der von Jugend auf damit beschäftigte Indianer sie als ein Vergnügen betrachtet, beim reiten den Atem nicht verliert und mit sicherer Hand die tödliche Waffe entsendet.

Wenn der Indianer auf der Jagd einen Büffel oder im Kriege einen Feind verfolgt, so läßt er gewöhnlich den am Pferde befestigten Lasso – einen zehn bis fünfzehn Ellen langen, aus Streifen von rohem Leder geflochtenen Riemen – auf der Erde nachschleppen, damit er, wenn er vom Pferde fällt, dieses damit wieder anhalten kann. Dieser Lasso dient hauptsächlich zum einfangen der wilden Pferde, indem man ihnen die am Ende befindliche Schlinge um den Hals wirft.

In dem langen und sehr strengen Winter bedient sich der Indianer auf der Jagd der Schneeschuhe, die ihn leicht über den Schnee hinwegtragen, während die Büffel durch ihr großes Gewicht tief einsinken und dadurch leicht eine Beute ihrer Verfolger werden. Der Schnee wird von den Gipfeln und Abhängen der Hügel hinweggeweht, so daß diese ganz entblößt werden und den Büffeln zur Weide dienen; dagegen häuft er sich in den Vertiefungen und Schluchten so bedeutend an, daß es den verfolgten Tieren oft unmöglich ist, sich hindurchzuarbeiten. Da im Winter das Haar oder der Pelz des Büffels am längsten und dichtesten ist, das Fell mithin einen größeren Wert hat, so werden in dieser Jahreszeit die meisten Tiere getötet, denen man nur die Haut abzieht, um sie an die Pelzhändler zu verkaufen, während man das Fleisch den Wölfen überläßt.

Die Schneeschuhe, die sehr verschiedene Formen haben, sind zwei bis drei Fuß lang, einen Fuß und darüber breit und bestehen aus einem oder mehreren Reifen, über die ein Netzwerk von Lederriemen gespannt ist, worauf der Fuß wie bei einem Schlittschuh befestigt wird. Mit diesen Schneeschuhen gleitet der Indianer mit erstaunlicher Schnelligkeit über den Schnee hin ohne einzusinken und hinterläßt kaum eine Spur seines Weges.

Der Mensch stellt den armen Büffeln zu allen Jahreszeiten und auf die verschiedenste Weise nach – er jagt sie zu Pferde in den Ebenen, verfolgt sie im Winter im Schnee auf Schneeschuhen und beschleicht sie, wenn sie ruhig grasen, unter der Maske eines Wolfes und schießt sie nieder, ehe sie einmal die Nähe der Gefahr ahnen.

Es gibt in diesem Lande verschiedene Arten von Wölfen, der furchtbarste und zahlreichste ist der weiße Wolf, der oft in Rudeln von 50–60 Stück auf den Prärien herumschwärmt, die dann in der Ferne einer Herde Schafe ähnlich sehen. Sie erreichen oft die Größe des größten neufundländischen Hundes. Wenn die Büffel in Menge vorhanden und es daher den Wölfen nicht an Nahrung fehlt, so sind sie harmlos und fliehen den Menschen. Sie halten sich stets in der Nähe der Büffelherden, um sich desjenigen zu bemächtigen, was die Jäger von den erlegten Büffeln zurücklassen, oder die verwundeten Tiere anzufallen. Sind die Büffel in einer Herde beisammen, so scheinen sie die Wölfe wenig zu fürchten und lassen sie ganz nahe herankommen. Dies benutzen die Indianer, um die Büffel zu beschleichen, indem sie sich eine vollständige Wolfshaut über den Kopf ziehen und so maskiert oft über eine halbe englische Meile weit auf Händen und Füßen fortkriechen, bis sie sich der arglosen Herde auf wenige Schritte genähert haben und dann mit Leichtigkeit den fettesten Büffel niederschießen.

Der Büffel ist ein sehr furchtsames Tier und flieht die Nähe des Menschen mit dem größten Scharfsinn; wird er aber eingeholt und verwundet, so wendet er sich oft mit der größten Wut gegen seine Verfolger, die dann ihr Heil in der Flucht suchen müssen. Die Pferde werden dann gewöhnlich getötet, während der Indianer sich durch seine Gewandtheit und seinen Scharfsinn zu retten weiß.

Solange die Kälber jung sind, halten sich die Stiere immer in der Nähe der Kühe, als ob sie die Jugend schützen wollten, und es ist sehr gefährlich, sie in dieser Zeit anzugreifen, denn man kann sicher darauf rechnen, daß sie sich gegen ihre Verfolger kehren, die sich oft gegenseitig zu Hilfe eilen müssen. In den ersten sechs Monaten ist das Büffelkalb rot und sieht den Kälbern des gezähmten Rindviehes zum verwechseln ähnlich. Im Herbste, wenn es das Haar wechselt, erhält es eine braune Färbung, die es für immer behält. Bei der Verfolgung einer großen Büffelherde zu einer Zeit, wenn die Kälber erst wenige Wochen alt sind, haben mir ihre wunderlichen Manöver oft viel Unterhaltung gewährt. In der Verwirrung und dem Gedränge mehrerer hundert oder tausend dieser Tiere verlieren die Kälber oft ihre Mutter aus dem Gesicht und bleiben weit hinter der Herde und den Jägern zurück; sie sind dann in großer Verlegenheit, wo sie sich verbergen sollen, da die ebene Prärie nichts darbietet, als sechs bis acht Zoll hohes Gras oder einen um wenige Zoll höheren Busch von wilder Salbei. Auf diesen laufen sie dann zu, knien nieder, stecken die Nase in den Busch, schließen die Augen und halten sich wahrscheinlich für vollkommen sicher, während sie auf den Hinterfüßen stehen und daher schon in der Entfernung von einigen englischen Meilen gesehen werden können. Wir ritten oft, nachdem wir die Herde verfolgt hatten, auf demselben Wege zurück, um diese kleinen zitternden Tiere auszusuchen, die bei unserer Annäherung ihre Stellung nicht verließen, aber während wir von den Pferden stiegen, ihre Augen starr auf uns gerichtet hielten. Sie lassen sich dann nach geringem Widerstande fangen. Ich habe oft nach einem hier bekannten Brauche meine Hände über die Augen des Kalbes gelegt und einige Male stark in seine Nasenlöcher hineingeblasen, worauf es meinem Pferde stets mehrere Meilen weit bis in den Stall gefolgt ist. Ich hatte früher schon viel von diesem sonderbaren Brauche gehört, aber niemals daran glauben wollen, bis ich mich endlich durch den Augenschein überzeugte. Herr Laidlaw hatte aus diese Weise etwa ein Dutzend Kälber eingefangen, die er mit der Milch einer Kuh nährte. Er wollte sie mit dem Dampfboote nach St. Louis senden, in dessen Nähe er eine große Pflanzung besitzt; da jedoch das Dampfboot einen Weg von mehr als 300 Meilen zu machen hatte, und überdies eine oder zwei Wochen auf einer Sandbank liegen blieb, in einem Lande, wo es keine Milch gab, so starben alle bis auf eines, das jetzt ganz munter auf der erwähnten Besitzung lebt.

Dem Reisenden in diesen Gegenden drängt sich der betrübende Gedanke auf, daß die Zeit nicht fern ist, wo das letzte dieser edlen Tiere den unvorsichtigen Verfolgungen der weißen und roten Männer zum Opfer fallen wird und daß diese schönen grünen Gefilde dann für die Zukunft ohne Wild und ohne Bewohner sein werden. Damit man aber nicht glaube, daß dies bloße Phantasiegebilde sind, so will ich eine Tatsache mitteilen, welche die Richtigkeit meiner Behauptung dartun wird.

Als ich im Mai 1832 bei meiner Fahrt den Missouri aufwärts in Fort Pierre ankam, erzählte mir Herr Laidlaw, daß wenige Tage zuvor auf der anderen Seite des Flusses sich eine zahllose Büffelherde gezeigt habe, worauf etwa 500–600 Sioux um Mittag zu Pferde durch den Fluß gesetzt und gegen Sonnenuntergang mit 1400 frischen Büffelzungen zurückgekehrt seien, für die sie nur einige Gallonen (vier Quart) Branntwein forderten, die sofort ausgetrunken wurden. Dieses Töten der Büffel zu einer Zeit, als die Häute ohne Pelz und mithin ohne Wert waren und im Lager sich große Fleischvorräte befanden, ist ein schlagender Beweis von der Sorglosigkeit des indianischen Charakters.

In diesem merkwürdigen Lande, wo weder Gesetze noch gesellschaftliche Verordnungen dem armen Indianer den Trunk als ein Laster oder eine Unschicklichkeit darstellen, hält er es für etwas harmloses, sich dem Genusse des Branntweins hinzugeben, solange er noch imstande ist, sich dies köstliche Getränk zu verschaffen. Sie halten die Weißen für klüger und glauben ihrem Beispiele folgen zu müssen – aber alle Weißen, die sie in ihrem Lande sehen, verkaufen ihnen Branntwein und die meisten trinken selbst, die Indianer finden bald Geschmack daran und um diesen zu befriedigen, suchen sie so viel Büffel als möglich zu töten, um für deren Häute usw. verdünnten Alkohol zu kaufen, der ihnen mit vier Dollars das Gallon berechnet wird.

Es ergibt sich aus dem Vorstehenden, daß nicht nur rote und weiße Männer, sondern auch die Tiere bei der Vernichtung der Büffel tätig sind, obgleich die letzteren in geringerem Grade und aus einem löblicheren Grunde. Ich habe oben erwähnt, daß die weißen Wölfe in allen Jahreszeiten den Büffelherden folgen, um die von ihren Feinden getöteten zu verzehren oder über die kranken oder altersschwachen Tiere herzufallen.

Solange eine Herde beisammen ist, greifen die Wölfe diese niemals an, da sich alle sofort zu gemeinsamem und erfolgreichem Widerstande vereinigen. Wenn aber die Herde weiter zieht, so bleiben häufig alte oder verwundete Tiere zurück und werden dann, sobald die Herde aus dem Gesichte verschwunden ist, von den Wölfen, die oft bis zu fünfzig Stück beisammen sind, angefallen und getötet. Der Büffel ist jedoch ein starkes und wütendes Tier und leistet, wenn ihm der Rückzug abgeschnitten ist, verzweifelten Widerstand und nicht selten tötet er seine sämtlichen Angreifer, indem er sie teils mit den Hörnern in die Luft schleudert, teils mit den Füßen tot tritt.

Auf meinen Reisen hatte ich mehrmals Gelegenheit, einem solchen Kampfe beizuwohnen. Einst kehrten wir von einer Jagd zurück und bemerkten in der Entfernung einen großen Stier, der von einem Rudel Wölfe umgeben war. Wir näherten uns bis auf Pistolenschußweite und nachdem ich eine Skizze entworfen, verjagten wir die Wölfe, die sich in einige Entfernung zurückzogen. Der alte Stier hatte einen verzweifelten Widerstand geleistet, denn mehrere seiner Feinde lagen tot oder schwer verwundet am Boden; aber er selbst war übel zugerichtet: die Augen waren ihm ausgerissen, die Nasenspitze ganz und die Zunge zur Hälfte abgebissen und von den Schenkeln hing die Haut und das Fleisch in Stücken herab. In diesem traurigen Zustande stand das alte Tier mitten unter seinen Verfolgern, die für einige Minuten den Angriff eingestellt hatten, um ihn mit erneuten Kräften wieder zu beginnen. Ich ritt näher und sagte ihm: »Nun ist es Zeit, alter Bursche, mach', daß du wegkommst!« Und als ob er, wenngleich blind und halbtot, einen Freund in mir erkannt hätte, lief er plötzlich in gerader Richtung über die Prärie davon. Wir setzten unseren Weg fort, als wir aber nach einiger Zeit zurückblickten, sahen wir, daß er aufs neue von seinen Verfolgern umringt war, deren unersättlicher Gefräßigkeit er ohne Zweifel zum Opfer gefallen ist.

Ich kann nicht unterlassen, hier noch einige Betrachtungen über die wahrscheinliche Ausrottung der Büffel und der Indianer hinzuzufügen.

Die Natur bietet in ihrem ursprünglichen wilden Zustande wohl nirgends schönere und lieblichere Landschaften dar, als in den weiten Prärien des Westens, und keine schöneren Exemplare von Menschen und Tieren, als diejenigen, die jene Landschaften bewohnen, den Indianer und den Büffel, die gemeinschaftlichen ursprünglichen Besitzer des Bodens, die gemeinsam vor der Annäherung des zivilisierten Menschen in die großen Ebenen des Westens geflohen sind, wo sie gemeinsam untergehen und wo ihre Gebeine nebeneinander bleichen werden.

Gewalt ist vielleicht Recht, Habgier eine Tugend und jenes Volk und jene Tiere sind vielleicht von Rechts wegen zum Untergange verdammt. Es kann leicht bewiesen werden – denn wir haben eine zivilisierte Wissenschaft, die dies und noch ganz andere Dinge beweist, wenn es darauf ankommt, die Ungerechtigkeiten des zivilisierten Menschen zu beschönigen – es kann bewiesen werden, sage ich, daß der Schwache und Unwissende gar keine Rechte hat – daß es in dem Zustande der Unwissenheit keine Tugenden gibt –, daß die Gaben Gottes keine Bedeutung und kein Verdienst haben, als bis der zivilisierte Mensch sie sich aneignet und zu seinem Nutzen und Luxus verwendet. Wir haben eine Art des Begründens, wodurch dies alles und selbst noch mehr bewiesen werden kann. Ich sage: wir können dergleichen Dinge beweisen, aber ein Indianer kann es nicht. Seiner natürlichen Einfachheit ist diese Art der Beweisführung unbekannt, die trefflich dazu geeignet ist, den Interessen der zivilisierten Welt förderlich zu sein, die im Verkehr mit den Wilden stets ihr eigener Richter ist und in der gegenwärtigen aufgeklärten Zeit mancherlei Gelüste hat, die nur dann gesetzlich befriedigt werden können, wenn man beweist, daß die Gesetze Gottes mangelhaft sind.

Es genügt in unserer verfeinerten und ausschweifenden Zeit nicht, dem Indianer sein Land zu entreißen und die Kleider vom Leibe zu nehmen, man muß ihm auch noch den Unterhalt entziehen, um der feinen Welt einen neuen und unnützen Luxusgegenstand zu verschaffen. Die Rasse der Büffel muß ausgerottet und der Indianer seiner Subsistenzmittel beraubt werden, damit die weißen Leute einige Jahre länger in Büffelroben einherstolzieren können!

Die Büffel, die einst in zahllosen Scharen über das ganze Land vom Atlantischen Ozean bis zu den Rocky Mountains verbreitet waren, sind vor der Annäherung des zivilisierten Menschen in die weiten Prärien des Westens geflohen. Da sie in den Wäldern ihren Todfeinden leicht zur Beute wurden, so bewog sie der Instinkt, sich in die weiten und baumlosen Grasebenen zurückzuziehen, wo sie den Angriffen weniger ausgesetzt sein würden; und über diese einsamen aber schönen Gefilde sind sie, gleich dem Indianer, immer weiter gegen Sonnenuntergang geflohen, bis sie endlich auf einen schmalen Strich Landes im Osten der Felsengebirge beschränkt worden sind.

Dieser Landstrich, der sich von der Grenze Mexikos im Süden bis zum Winnipegsee im Norden erstreckt, besteht fast ganz aus einer einzigen Grasebene, die für den kultivierten Menschen niemals von Nutzen sein kann. Hier leben die Büffel und mit ihnen die Indianerstämme, die Gott geschaffen hat, damit sie sich dieses schönen Landes und seiner Genüsse erfreuen.

In diesen Ebenen sieht man den schönsten Indianer, hier ist er am prächtigsten gekleidet, nur hier kann er alle seine Bedürfnisse befriedigen und nur hier ist er ein stolzer und ehrenwerter Mensch.

Nach einer mäßigen Schätzung leben mehr als 300000 Indianer von dem Fleische des Büffels, und zugleich liefert ihnen dies Tier alle übrigen Bedürfnisse, da sie keine anderen kennen. Wer nicht selbst unter diesen Indianern gelebt und ihre Sitten und Gebräuche genau beobachtet hat, kann sich keine Vorstellung davon machen, wie sie jeden einzelnen Teil eines Büffels nützlich zu verwenden wissen. Das Fleisch wird auf die eine oder die andere Weise zur Nahrung zubereitet und sie leben ausschließlich davon. Die Häute werden gegerbt und teils als Mäntel, teils als Zelt- und Bettdecken benutzt – ungegerbt werden sie zu Kanoes, Sätteln, Zügeln, Halftern, Lassos und Stricken verarbeitet. Das Gehirn dient zum Gerben der Häute – aus den Hörnern macht man Löffel – aus den Knochen Sattelgestelle, Kriegskeulen und Werkzeuge zum schaben der Häute oder man zerschlägt sie, um das Mark zu erhalten. Die Sehnen werden zu Bogensehnen oder zur Verstärkung des Bogens verwendet, oder sie bedienen sich ihrer statt des Zwirns, zum nähen ihrer Kleider und zum aufziehen der Glasperlen. Die Beine und Hufe werden ausgekocht, um den Leim zu erhalten, den sie zur Befestigung der Pfeilspitzen und zu verschiedenen anderen Zwecken benutzen. Aus dem langen Haar vom Kopf und den Schultern flechten sie Halfter und den Schweif benutzen sie zu Fliegenwedeln. Auf diese Art wissen die Indianer die einzelnen Teile dieses wertvollen Tieres zu nützlichen Zwecken zu verwenden.

Noch ließe sich dies interessante Volk mit seinen Jagden, seinen Sprachen, seinen Sitten und Gebräuchen erhalten und mit ihm die Büffel, wenn man das System der Nichteinmischung einführen wollte. Allein dies ist nicht der Fall – das Schicksal der Büffel ist bestimmt und mit ihrer Ausrottung müssen auch die Bewohner dieser weiten Ebenen untergehen, die ihnen kein anderes Subsistenzmittel darbieten.

Es ist hart und grausam, daß die zivilisierten Menschen, die mit allem Luxus und Komfort des Lebens umgeben sind, jährlich an 150000-200000 Büffelhäute aus jenen Gegenden holen und daß der größte Teil dieser Tiere zu einer Zeit getötet wird, wo das Fleisch nicht aufbewahrt werden kann und daher den Wölfen überlassen wird, während der Indianer für jede Haut nur ein Nößel Branntwein erhält! Und zu dieser Zahl muß man noch diejenigen hinzufügen, die für den Unterhalt von 300000 Indianern getötet werden.

Man wird mir vielleicht einwenden, daß der Pelzhandel in diesen weiten westlichen Gegenden, der sich jetzt hauptsächlich auf den Ankauf von Büffelhäuten beschränkt, von großer und nationaler Wichtigkeit sei und unterstützt werden müsse. Hierauf erwidere ich (ganz abgesehen von dem Mißgeschick des armen Indianers), daß es doch wohl bei weitem vorteilhafter sein würde, ein solches Kapital zur Anfertigung wollener Kleidungsstücke zu verwenden und dadurch zugleich den Wollzüchter und den gewerbfleißigen Fabrikanten zu unterstützen, als den Hang zum Gebrauch der Büffelhäute zu nähren, die man doch in wenigen Jahren, wenn das letzte dieser Tiere getötet worden ist, wird entbehren müssen.

Man wird mir ferner den Einwurf machen, daß man ja den Indianer für seine Büffelhäute mit den Bedürfnissen des Lebens versehe; aber ich frage dagegen, welche Bedürfnisse hat denn der Indianer noch, wenn Büffel in hinreichender Menge vorhanden sind? Alle jene sogenannten Bedürfnisse für die Indianer sind künstlich gemacht, und wenn in acht bis zehn Jahren die Büffel in seinem Lande gänzlich verschwunden sind, wer, frage ich, wird ihn mit den Lebensbedürfnissen versehen und wer wird dann 300000 Indianern, die den Hungertod vor Augen haben und den tausenden von Wölfen, die ihnen folgen, Widerstand leisten, wenn sie über unsere unbeschützten Grenzen dringen, um sich die Mittel zur Erhaltung des Lebens zu verschaffen? Gott hat den Menschen im Naturzustande überall mit dem versehen, was er zu seinem Leben bedarf und bevor wir das Wild seines Landes töten und ihn mit neuen Wünschen bekannt machen, hat er keine Bedürfnisse, die er nicht befriedigen könnte.

Die verarmten und wiederholt verpflanzten Indianerstämme, etwa 90000 Seelen, erhalten von der Regierung jährlich 500000–600000 Dollars in barem Gelde; allein dies Geld geht sogleich in die Hände der weißen Männer über, und es können dafür die Lebensbedürfnisse in hinreichender Menge geliefert werden. Aber wer, frage ich, wird den Indianern, die sich an die von den weißen Männern ihnen verabreichten Bedürfnisse und selbst Luxusgegenstände gewöhnt haben, jene Lebensbedürfnisse liefern, wenn jene Jahresrenten aufhören, und dem letzten der Tiere, die Gott zu ihrem Unterhalte geschaffen, die Haut abgezogen worden ist?


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