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Zweiunddreißigstes Kapitel


Kantonnement Leavenworth. – Schayennes. – Floyd's Grab. – Black Bird's Grab. – Schöne Rasenhügel. – Mandanische Überreste. – Belle Vüe. – Die viereckigen Hügel. – Mündung des Platteflusses. – Schwimmende Büffel.


Das Kantonnement Leavenworth, der äußerste Militärposten an der Westgrenze der Vereinigten Staaten, unter dem Befehl des Obersten Davenport, liegt am Westufer des Missouri, etwa 130 Meilen oberhalb der Mündung dieses Stromes und an 400 Meilen vom Golf von Mexiko in einer schönen Gegend. Es wurde vor einigen Jahren von dem General Leavenworth, dessen Namen es trägt, erbaut und ist der Vereinigungspunkt mehrerer feindlicher Stämme. Gewöhnlich befindet sich daselbst ein Regiment Soldaten, um den Frieden unter diesen kriegerischen Indianern zu erhalten.

Ich muß hier noch einiges über meinen Aufenthalt an der Mündung des Tetonflusses nachholen. Unter den Bildnissen, die ich dort malte, war auch das eines Schayennehäuptlings, Nih-hih-o-ih-wuh-tis (der Wolf auf dem Berge) und einer Frau, Tis-sih-wuh-na-tis (die ihre Knie wäscht). Die Schayenner sind ein kleiner Stamm von etwa 3000 Seelen, der westlich von den Sioux zwischen den Black Hills (Schwarzen Bergen) und dem Felsengebirge wohnt. Es gibt, außer den Osagen, keinen schöneren und größeren Menschenschlag in Nordamerika; man findet kaum einen Erwachsenen, der unter sechs Fuß mißt. Sie besitzen unstreitig von allen Stämmen die meisten Pferde, denn sie leben in einem Lande, in dem die größten wilden Herden dieser Tiere vorkommen, die sie in Menge fangen und teils an die Mandaner, Sioux und andere Stämme, teils an die Pelzhändler verkaufen. Sie sind die verwegensten Reiter und Krieger und führen seit Menschengedenken einen unaufhörlichen Krieg mit den Pahnihs und Schwarzfußindianern.

Der Häuptling, den ich malte, trug einen Anzug von Hirschhaut, der längs der Ärmel und der Beinkleider mit breiten Streifen von Stachelschweinstacheln und Skalplocken verziert war. Sein starkes Haar hing ihm über die Schultern herab und in der Hand hielt er eine schöne Siouxpfeife, die ihm Herr Mackenzie geschenkt hatte. Er war einer der schönsten und würdevollsten Männer, die ich in dem Indianerlande gesehen habe, und nach den Aussagen der Handelsleute ein Mann von Ehre und strenger Rechtlichkeit. Die Frau war ziemlich hübsch und ihr aus dem Felle des Bergschafes gemachter Anzug mit Stachelschweinstacheln und Glasperlen geschmackvoll verziert; ihr Haar hing in breiten Flechten über die Brust herab.

Außerdem malte ich noch einen berühmten Krieger der Sioux, namens Mah-to-tschih-ga (den kleinen Bären), der unglücklicherweise wenige Augenblicke nach Vollendung des Gemäldes von einem seines Stammes getötet wurde; dieser Vorfall hätte auch mir fast das Leben gekostet, denn da ich eine Seitenansicht seines Gesichts gezeichnet hatte, so glaubte der ganze Stamm, ich hätte absichtlich die eine Hälfte des Gesichts weggelassen, weil sie »nichts wert sei«. Es war dies das letzte Gemälde, das ich unter den Sioux malte und wohl überhaupt das letzte, welches ich jemals an diesem Orte malen werde. Die Aufregung war so groß, daß ich mich am nächsten Tage auf das Dampfboot begab und sehr froh war, als ich mich am Bord befand.

Der, welcher diesen edlen Krieger tötete, war ein streitsüchtiger Mann desselben Stammes, namens Schon-ka (Hund). Als ich nach mehreren Monaten, während welcher Zeit mein Leben häufig bedroht gewesen, glücklich in St. Louis ankam, erfuhr ich, daß der »Hund« nebst seinem Bruder, nachdem man ihn lange Zeit verfolgt hatte, getötet und diese Angelegenheit dadurch erledigt worden sei. Das nähere hierüber werde ich später mitteilen.

Meine Fahrt von der Mündung des Tetonflusses bis zum Kantonnement Leavenworth war der mühsamste, aber dennoch der angenehmste Teil meiner ganzen Reise. Wir landeten gewöhnlich zur Nacht an der vorspringenden Spitze einer dürren Sandbank, wo wir uns auf Büffelhäute lagerten und vor Moskitos, Indianern und Bären gesichert waren. Diese Fahrt bot mir nicht nur Gelegenheit, alle Indianerstämme des Flusses zu besuchen und meine Mappe mit Skizzen der schönen Gegenden zu füllen, sondern auch die Jagdlust fand hinreichende Befriedigung, und Schwäne, Enten, Gänse, Pelikane, Hirsche, Antilopen und Büffel wurden von unseren Büchsen erlegt. Zuweilen hieß es freilich auch: »Rudert zu, ihr Burschen! Eine Streifpartei! Rudert, wenn euch euer Leben lieb ist, oder wir sind verloren!«

Ich ging oft ans Land und erstieg die grünen Hügel, deren weicher Rasen zur Ruhe und zum Nachdenken einlud und von deren Gipfel man eine Aussicht genoß, die keine Sprache und keine Feder zu schildern vermag. Einer der reizendsten Punkte in dieser Beziehung ist der unter dem Namen »Floyd's Grab« bekannte Hügel am Missouri, etwa 200 Meilen unterhalb St. Louis. Seinen Namen erhielt er von dem Sergeanten Floyd, der Lewis und Clarke auf ihrer Reise begleitete, im Jahre 1806 hier starb und auf diesem Hügel beerdigt wurde; sein Grab wird durch einen Pfahl bezeichnet, in dem die Anfangsbuchstaben seines Namens eingeschnitten sind. Wenige Meilen von diesem Hügel ist ein anderer, das »Grab des schwarzen Vogels« (Black Bird) genannt, weil ein berühmter Häuptling dieses Namens vom Stamme der Omahas auf sein Verlangen auf dem Gipfel beerdigt worden ist. Sein Grab wird ebenfalls durch einen Pfahl bezeichnet. Alle Reisenden in diesen Gegenden, weiße und rote, besuchen diesen Punkt, die einen der schönen Aussicht wegen, die anderen, um den Gebeinen eines ausgezeichneten Häuptlings ihre Achtung zu bezeigen. Der Häuptling starb an den Blattern in der Nähe dieses Hügels auf der Rückkehr von Washington, wo er in Gesellschaft des Indianeragenten einen Besuch abgestattet hatte; er befahl den ihn begleitenden Kriegern, seinen Körper auf den Gipfel dieses Hügels, der sein Lieblingsplatz war, zu bringen und dort auf seinem Lieblingspferde zu beerdigen, damit er »die Franzosen sehen könne, wenn sie in ihren Booten den Fluß hinauf und hinab schifften.« Alles geschah buchstäblich, wie er es angeordnet hatte. Man wählte aus seinen Pferden einen schönen weißen Hengst, führte ihn auf den Gipfel des Hügels und setzte daselbst, in Gegenwart des ganzen Stammes, mehrerer Pelzhändler und des Agenten, den toten Häuptling mit dem Bogen in der Hand auf das Pferd, hing ihm Schild und Köcher um und gab ihm die Pfeife, den Medizinbeutel, einen Vorrat von getrocknetem Fleisch, die gefüllte Tabakstasche nebst Feuerstein, Stahl und Zunder, damit er auf dem Wege zu den »glücklichen Jagdgefilden der Schatten seiner Väter« mit allem versehen sei. Die Skalpe, die er den Köpfen seiner Feinde abgezogen hatte, wurden an den Zaum des Pferdes befestigt und auf seinem Haupte prangte zum letzten Male der schöne Kopfputz aus den Federn des Kriegsadlers. Nachdem die Medizinmänner die letzten Zeremonien vollzogen hatten, bemalte jeder Krieger die Finger und die innere Fläche der Hand mit roter Farbe und drückte sie auf die Seiten des weißen Pferdes ab. Sodann wurde Erde herbeigebracht und Roß und Reiter bis über den Kopfschmuck des letzteren hinauf damit bedeckt. Dieser Grabhügel, der ebenfalls durch einen Pfahl bezeichnet wird, ist mit wilden Blumen überwachsen; man sieht ihn schon aus einer Entfernung von drei Meilen und er dient dem Reisenden als Landmarke.

Auf meiner Reise den Missouri hinauf besuchte ich in Gesellschaft des Majors Sandford diesen Grabhügel und bemerkte durch eine Öffnung, die ein Murmeltier (Ground-hog, Arctomys pruinosus, Pennant) oder irgendein anderes Tier darin gemacht hatte, den Schädel des Pferdes; mit geringer Mühe gelangte ich auch zu dem Schädel des Häuptlings, den ich mit mir nahm.

Man erzählt von diesem Häuptling, daß er sich des Arseniks, den er von den Pelzhändlern erhielt, dazu bedient habe, sich seiner Feinde, sowie derjenigen, die ihm im Wege standen, zu entledigen; der Tod seiner Opfer erfolgte dann natürlich immer genau zu der von ihm vorhergesagten Zeit und es gelang ihm auf diese Weise, den Glauben an seine übernatürliche Macht in seinem Stamme fest zu begründen und die unumschränkteste Gewalt bis zu seinem Tode auszuüben.

Ob diese Erzählung wahr oder falsch ist, kann ich zwar nicht entscheiden, hoffe aber, man wird es mir verzeihen, wenn ich nicht daran glaube. Ist sie wahr, so ist es ebenfalls wahr, daß sie dem indianischen Charakter nicht zur Ehre, den Pelzhändlern aber zur ewigen Schande gereicht. Sie würde im ersteren Falle ein Beispiel von indianischer Verworfenheit darbieten, wie mir auf meiner Reise kein ähnliches vorgekommen ist, zugleich aber auch auf die schlagendste Weise dartun, welch ein Verbrechen die Weißen in diesem Lande befolgen, da sie doch offenbar erst den armen Häuptling mit der furchtbaren Wirkung des Giftes bekannt machten und dann den damit verübten Verbrechen schweigend zuschauten. Die ganze Erzählung soll von Pelzhändlern herrühren und obgleich ich kein großes Vertrauen zu ihrer Gerechtigkeitsliebe habe, sobald es sich um die Indianer handelt, so kann ich doch zur Ehre der weißen Männer nicht glauben, daß sie so verderbt und so schwach sein würden, dergleichen Schandtaten von diesem Häuptling zu enthüllen, die, wenn sie begründet wären, sie selbst als direkte Mitschuldige an jenen absichtlichen und durch nichts hervorgerufenen Verbrechen würden erscheinen lassen. Ich habe vieles von diesem edlen Häuptling gehört und werde später auf ihn zurückkommen, um zu erzählen, wie er sein Leben gewagt und sein Blut vergossen, um die zu den furchtbarsten Qualen Verurteilten zu befreien und diesen barbarischen Brauch in seinem Stamme abzuschaffen – wie er, allen voran, seine tapferen Krieger gegen die Sakis und Fuchsindianer in den Kampf führte und die Ermordung seiner Frauen und Kinder verhinderte – wie er den Agenten der Indianer empfing und in seinem gastfreundlichen Wigwam bewirtete – und wie er sich der Gesandtschaft in der zivilisierten Welt entledigte.

Gäbe es im Lande der Indianer Bücher und Zeitungen, um die Ungerechtigkeiten, die die weißen Männer sich in diesen westlichen Gegenden zu schulden kommen lassen, zu berichten, so würde man Dinge erfahren, die einem das Haar sträubten, und zugleich den Indianer als einen redlichen und verträglichen Menschen kennen lernen. –

Es gibt wohl kaum ein schöneres Prärieland als die Umgegend der genannten beiden Punkte; das Land ist gegen Westen bis in unabsehbare Ferne leicht gewellt und überall mit grünem Rasen und hier und da mit einzelnen Baumgruppen bedeckt, der Boden ist fruchtbar und fähig, eines der schönsten und reichsten Länder der Welt zu bilden.

Wir fuhren von hier aus an beständig wechselnden schönen Ansichten vorüber und landeten am Fuße einer Reihe grasbedeckter Hügel, die, gleich tausend anderen, soviel ich weiß, keinen Namen tragen und die ich daher die »Rasenhügel des Missouri« nennen will. Ich erstieg diese Hügel mit meinem Malerapparat und zeichnete zwei Ansichten, die eine den Fluß aufwärts, die andere den Fluß abwärts. Von diesen Hügeln, die fünf bis sechshundert Fuß hoch und, so weit es sich erkennen ließ, sämtlich ganz mit lebhaft grünem Rasen bedeckt sind, überschaut man den Fluß fünf bis sechs Meilen weit, der zwischen sanft abgedachten Hügeln, reichen Wiesen, Wäldern und hunderten von Inseln, die mit stattlichen Baumwollbäumen ( Populus Canadensis) bewachsen sind, ruhig dahinfließt. Vergleicht man die im 10. Kapitel gegebene Beschreibung der wunderbar geformten Tonhügel, so wird man einsehen, wie die Verwitterung und die Auswaschung durch Regenwasser diesen Hügeln ihre gegenwärtigen sanft gerundeten Formen gaben und der sie allmählich überziehende dichte Rasen sie vor weiterer Zerstörung schützt.

Der Standpunkt, von dem ich die beiden erwähnten Ansichten zeichnete, befindet sich etwa sechs Meilen oberhalb des Dorfes der Puncahindianer und eine Meile oberhalb des »Turmes«; so heißt nämlich ein Tonhügel, der sich einige hundert Fuß hoch erhebt und aus der Ferne das Ansehen einer mit Zinnen versehenen Festung hat.

Ich verweilte hier zwei Tage, fuhr mehrmals über den Fluß, um die gegenüberliegenden Hügel zu besuchen, bemühte mich aber vergebens, meine beiden Begleiter Baptiste und Bongard auf die Schönheit der Gegend aufmerksam zu machen; sie zogen es vor zu schlafen, während ich einen Hügel nach dem anderen erstieg, wobei ich kein anderes lebendes Wesen erblickte, als hie und da einen Wolf, der widerstrebend sein schattiges Lager verließ oder schweigend meiner Spur folgte.

Bei diesem Herumstreifen fand ich am westlichen Ufer die Spuren eines ehemaligen Indianerdorfes, das ich, nach den vorhandenen Überresten, für einen alten Wohnsitz der Mandaner zu halten geneigt bin. Es ist im 11. Kapitel erwähnt worden, daß einige der ältesten Mandaner sich erinnerten, früher weiter stromabwärts gewohnt zu haben. Auf meiner Fahrt den Strom hinab habe ich mich von der Wahrheit dieser Aussage vollkommen überzeugt. Ich fand noch die kreisförmigen Vertiefungen für die Pfähle der Wohnungen, die Gruben zur Aufbewahrung von Lebensmitteln, die Gerüste für die Toten und die kreisförmige Aufstellung der Schädel, sowie Bruchstücke ihres Töpfergeschirres, die völlig mit dem übereinstimmten, das sie noch bei meiner Anwesenheit unter ihnen in Menge verfertigten, das aber kein anderer Stamm in jener Gegend zu machen versteht.

Diese Überreste und noch manche andere haben es mir sehr wahrscheinlich gemacht, daß die Mandaner allmählich vom Ohioflusse am Missouri hinauf durch das große Gebiet der Sioux bis an ihren gegenwärtigen Wohnsitz gewandert sind und daß sie von den Begleitern Madocs abstammen. Ich werde später mehr über diesen Gegenstand sagen.

Auf meiner Fahrt stromabwärts fand ich überall Spuren von der Anwesenheit der Indianer, die anfangs nur von Sioux, später aber von den Omahas und Otos herrührten. Man erkennt die letzteren leicht daran, daß sie ihre in Häute eingewickelten Toten auf Bäumen aufbewahren und daß am Kopfende einer jeden Leiche ein hölzerner Napf hängt, wahrscheinlich, damit der Verstorbene auf dem langen und beschwerlichen Wege, den er, wie sie glauben, nach dem Tode zurücklegen muß, Wasser schöpfen könne, um seinen Durst zu löschen. Man sieht diese Leichen oft zu Dutzenden auf einmal längs des Flusses.

Da die Wigwams der Sioux nur aus einem beweglichen Zelte bestehen, so lassen sie keine bleibende Spur zurück, dagegen ist die Art, wie sie ihre Verstorbenen bestatten, ein sicheres Kennzeichen. Sie legen diese zwar auch öfters auf Bäume oder Gerüste, gewöhnlich aber begraben sie die Toten auf den Gipfeln der Hügel oder bei den Dörfern und suchen sie durch Stäbe, die sie in die Erde stecken, vor den Hunden oder wilden Tieren zu schützen.

Ein hübscher Punkt ist Belle-Vue am Westufer des Missouri, etwa zwei Meilen oberhalb der Mündung des Platteflusses, der Wohnsitz des Majors Dougherty, eines der ältesten und tätigsten Agenten an der Grenze der Vereinigten Staaten. Es gewährte einen überraschenden Anblick, mitten in dieser Wildnis die Wohnung eines zivilisierten Menschen zu sehen, mit Getreide- und Kartoffelfeldern und zahllosen Obstbäumen, die sich unter der Last ihrer Früchte bogen, umgeben, und mit Schweinen, Geflügel und Kühen wohl versehen. Aber das beste von allem war der gütige Besitzer, der die vielen, ihm aus allen Weltgegenden zuströmenden, halb verhungerten Gäste stets wohlwollend und freundlich aufnimmt.

Ich befand mich hier in dem Lande der Pahnihs, eines zahlreichen Stammes, dessen Dörfer am Platteflusse liegen und von dem ich später mehr sagen werde. Der Major Dougherty, der seit mehreren Jahren Agent dieses feindlichen Stammes gewesen ist, hat durch seine genaue Kenntnis des indianischen Charakters und durch seine strenge Rechtlichkeit den friedlichen Verkehr aufrecht erhalten.

Etwa zwanzig Meilen oberhalb dieses Punktes kam ich an den sogenannten »viereckigen Hügeln« vorüber. Ich ging ans Land, um sie zu ersteigen, hatte mich aber über ihre Entfernung von dem Flusse sehr getäuscht, denn obgleich sie ganz nahe zu sein schienen, so brauchte ich doch zum Hin- und Herwege einen halben Tag. Sie erheben sich unter einem Winkel von 45 Grad etwa 200–300 Fuß hoch; auf ihrem Gipfel sind einige eine halbe englische Meile weit vollkommen eben, mit grünem Rasen bedeckt, und gleichen sowohl in der Gestalt als in den Bestandteilen völlig den im 10. Kapitel erwähnten tafelförmigen Hügeln.

Die Gegend an der Mündung des Platteflusses ist sehr schön und es wird sich daselbst unstreitig einst eine große und blühende Stadt erheben, sobald man die Indianer von dort verdrängt hat, was wohl in wenigen Jahren geschehen dürfte. Der Plattefluß, der von dem Felsengebirge herabkommt und sich in den Missouri ergießt, ist ein langer und mächtiger Strom Siehe Anmerkung 28.

Wir trafen während des ersten Teiles unserer Reise zahllose Büffelherden, und schlichen uns oft in einer tiefen Schlucht bis auf wenige Schritte an sie heran, wo dann auf den Ruf: »Feuer!« ein jeder von uns einen Büffel niederschoß. An der Mündung des White- (weißen) Flusses begegneten wir einer ungeheuren Herde, die über den Missouri setzte, und aus Unvorsichtigkeit geriet unser Boot mitten unter sie, so daß wir froh waren, glücklich davon zu kommen. Es war in der Brunstzeit und wir hörten bereits ihr Brüllen in der Entfernung von einigen englischen Meilen. Als wir sie erblickten, waren wir in der Tat erschreckt über die Menge, die auf der einen Seite des Flusses herab und auf der anderen Seite wieder hinaufeilte. An einigen Stellen war der Fluß ganz schwarz von Köpfen und Hörnern der schwimmenden Büffel, die sich selbst im Schwimmen bekämpften.

 


Anmerkung 28.

Wenn Catlin den Platte-Fluß einen mächtigen Strom nennt, so ist dies ein Irrtum (der übrigens verzeihlich ist, da er nur die Mündung sah), denn von allen Flüssen dieses weiten Gebietes ist er der seichteste und kaum für die kleinsten Boote fahrbar; ja im Sommer trocknet er so aus, daß er, gleich den Flüssen Neuhollands und Südafrikas, nur einzelne Wasseransammlungen zwischen großen Sandbänken enthält. Die Indianer nennen ihn »Nebraska«, d. h. »seichter Fluß«, und Washington Irving sagt sehr passend von ihm, daß er der schönste und unnützeste Fluß in der Welt sei. Es ist dies um so mehr zu beklagen, da die Quellen seines nördlichen Armes auf dem Südpasse, dem bequemsten Übergangspunkte über das Felsengebirge, liegen, und sein Lauf etwa 190 Meilen bis zu seiner Mündung in den Missouri gerade ostwärts geht, mithin die direkteste und vorteilhafteste Verbindung zwischen dem Missouri und dem Columbiastrom (oder vielmehr mit dem südlichen Arm desselben, dem Lewisflusse) im Oregongebiete bilden würde.


 

Da ich es für unvorsichtig hielt, zwischen diesen schwimmenden Tieren hindurchzufahren, so gingen wir ans Land und warteten einige Stunden vergebens, daß die Büffel ein Ende nehmen sollten; endlich schien ihre Zahl sich zu vermindern, wir fuhren wieder ab und kamen glücklich durch sie hindurch. Das etwa fünfzehn Fuß hohe Ufer der Prärie war von der großen Menge der hier durchschwimmenden Büffel so herabgetreten worden, daß sich eine Art von Landungsplatz gebildet hatte, wo einer nach dem anderen hinaufstieg; mehrere waren indes in dem Gedränge zu weit abwärts getrieben worden und standen nun, da sie diesen Punkt gegen die schnelle Strömung nicht wieder erreichen konnten, an dem hohen Ufer dicht zusammengedrängt. Als wir bei diesen vorüberfuhren und uns außer Gefahr glaubten, schoß ich einen von ihnen durch den Kopf; er stürzte, riß aber im Fallen mehrere hundert mit sich in das Wasser hinab, die in einem Augenblick unser Kanoe schwimmend umgaben, so daß wir in große Gefahr gerieten. Sie griffen uns zwar nicht an und kannten in der Verwirrung wahrscheinlich nicht einmal den Feind, der sich unter ihnen befand, allein unser Boot war in Gefahr, von ihnen zerdrückt zu werden, da sie sich wütend aneinander drängten und stießen; ich stand daher auf und suchte sie durch Bewegungen der Arme und durch Geschrei von unserem Kanoe fern zu halten, bis wir glücklich außerhalb ihres Bereichs gekommen waren.

Dies ist einer der früher erwähnten Fälle, wenn tausende dieser Tiere in der Brunstzeit sich versammeln und von Osten nach Westen oder in anderer Richtung wandern, je nachdem Zufall oder Umstände sie bestimmen; es ist dann am geratensten, ihnen auszuweichen, da sie nicht vor dem Menschen fliehen.

Während wir an diesem Tage weiter ruderten, sahen wir mehrere tote Büffel auf dem Wasser treiben oder auf den Vorsprüngen von Inseln und Sandbänken liegen. Nicht weit unterhalb der Stelle, wo sie durch den Fluß geschwommen waren, fanden wir mehrere, die in der Nähe des Ufers in Triebsand steckten: einige waren halb, andere bereits größtenteils versunken, von noch anderen befand sich der Kopf unter dem Wasser, während der halbe Leib daraus hervorragte, auf dem sich Raben und Krähen niedergelassen hatten und sich an dem Fleische gütlich taten.


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