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Die beiden Krähen

Zwei Krähen flogen durch die Luft,
Die eine Kräh' zur andern ruft:
»Krah, Krah, – sie da,
Tief unter uns, im grünen Klee,
Da liegt etwas, so weiß wie Schnee!
So weiß, wie ich's noch niemals sah,
So weiß und auch so rund,
Krah, Krah!«

Rasch flogen beide Krähen munter
Ein Er und eine Sie, hinunter.
Der Kräherich ganz selig war,
Ihr aber sträubte sich das – Haar!
Voll Scham, errötend, sprach sie: »Ah!
Was treiben denn die beiden da?
Daß man sich ein so offnes Feld
Für so intime Sachen wählt!!
Sie läßt sich – anstandslos verführen, –
Und wie sich beide – amüsieren!
Und wo er sie jetzt gar – berührt!
Auch ist sie gar nicht adjustiert!

Und wie er sie umschlungen hält!
Sind beide überhaupt – vermählt?!
Vielleicht noch nicht einmal – verkündet?
Daß sie die Polizei nicht findet?!
Wie sie da liegt, im Mondenscheine! –
Wie sie da wiegt die prallen Beine! –
Und er ist immer noch – bei Kraft?

Das nenn' ich wirklich – fabelhaft! –
Sieh nicht so lang auf diese Beine!
Senk' deinen Blick, sonst – fängst du eine!«
So spricht die Krähin, tugendrein;
»O schäm' dich doch, infames Schwein!« –
Das Krähenmännchen spricht bloß: »Na,
Auf diese Art wird man – Mama!
Und wenn die Sache dir mißfällt,
Was stehst du denn so lang noch da?
Was hast du dich denn hergestellt?
Was siehst du selbst noch zu?
Krah – Krah!«

Buchschmuck


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