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Da Erlkini

(Frei nach Goethe)

Wer reit' no so spat durch Nacht und Sturm?
Es is da Voda mit sein Buam!
Sei Bua is heit b'soff'n, – er hot an Spitz
Und wocklt a ganz bedenkli im Sitz!

Hiatzt kemman dö zwoa ganz knopp an an Fluß,
Da Bua hört das Rauschen und red' schon an Stuß:
»Hörst, Voda,« so spricht a »hiatzt siach i genau
Am anderen Ufer, – a nockerte Frau!«

»Wos siachst? A Nockerte? – I net!
's is nur a Wachta, der dort steht!«
»Na, na, Herr Voda, – und wos s' hiatzt sogt!
Hörst net, wia mi dös Luada frogt,

Ob s' mir in ihrem Hemmad g'follt? –
Sog', wird's ihr so nockert im Winta net kolt?!«
»Bua,« sogt da Voda, »in dein Hirn,
Do tuat da Schnopsgeist phantasiern!«

»Und sixt net, Voda, – wo s' hiatzt tuat?
Ihr Hemmad hebt s' …« – »Sei auf da Huat,
Doß dich de Polizei net hört …
Sei stad und vadirb net a no – mei Pferd!«

»Und kimmst mit mir, so kriagst an Guld'n,
So sogt s', und i zohl a in Voda die Schuld'n!«

Dem Voda graust's, er reitet geschwind,
Sein alter Schnapsfrack – flattert im Wind!
Denn wer von seinen Schulden, spricht,
Den mag er sehen und hören auch nicht!

Sein Sohn doch mit stammelnder Lippe lallt:
»I man holt, – wann s' deine Schuld'n zahlt, –
Waast, Voda, – oft kunnt ma's do riskiern!
Kimm, loß ma uns olli zwa vaführn!«

»In olt'n Krocha mag i net, –
Nur dich, mei Schotz, – kimm, sei net blöd!
Mich reizt deine wocklige, buglate G'stolt, –
Und kimmst hiatzt net willig, so brauch' i Gewolt!«

»Und hiatztn, Herr Voda, – hiatzt greift s' mi an!
Mei guldane Uhr, – mei Ring – mit 'n Stan! –
Furt san s'! Gschwind, Voda, greif an die Brust,
Obst no dein Briaftaschl g'spürn tust?!«

Dem Voda grauset, er reitet geschwind,
Sein alter Schnapsfrack flattert im Wind!
Dös san kani leeren Phantasien …
Er starrt auf sein leeres Brieftaschl hin!

Und keuchend, fluchend reiten die zwei,
Bis endlich der grausame Spuk vorbei!

Gleich nächsten Morgen, in aller Früh
Erzähl'n sie den Raub der Gendarmerie.
Das wird sich schon finden! man löblich verspricht.
Die Zeit ging wie sonst den gewöhnlichen Gang, –
Die Gendarmerie tat zwar ihre Pflicht,
Sie sucht den Herrn Rauber drei Jahr' jetzt schon lang, –
Aber g'fund'n – hat s'ihn bis heute noch nicht!!

Buchschmuck


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