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Raupe und Schmetterling

Es gibt zwei gewaltige Gegenpole auf dieser Welt:
Das junge Weib und das alte Weib!
Das junge Weib ist der Erscheinung ergötzlichste,
Das alte Weib der Verbeinung – entsetzlichste!
In der Zoologie entpuppt sich die Raupe zum Schmetterling,

Beim Weibe ist es umgekehrt:
Der leichte, holde Schmetterling,
Das junge, süße Weib am Spiegel,
Verliert sehr bald, was es empfing:
Der Anmut zart beschwingte Flügel!
Zur Raupe wird sie gar und ganz
Auf einem welken Blumenkranze,
Ein jeder Hund hat zwar 'nen Schwanz,
Doch nie ein altes Weibsbild – Flügel!

Und darum, Mädchen, denk nur recht
An diese traurige Verwandlung,
Und gib dein jungfräulich Geschlecht,
Bevor es räuplich werden möcht',
'nem flotten Burschen in – Behandlung!

Buchschmuck

»Morgenstunde hat Gold im Munde,«
Sprach die Jungfrau Kunigunde
Und verlor bei diesem Spruch
Das Gebiß aus ihrem Munde!


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