Jeremias Gotthelf
Wie Uli der Knecht glücklich wird
Jeremias Gotthelf

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Achtes Kapitel

Ein Knecht kommt zu Geld, und alsbald zeigen sich die Spekulanten

Den ganzen Winter über hatte Uli fast kein Geld gebraucht und so wenig Kleider, daß er sich selbst verwunderte. Ein einziges Mal war er im Wirtshaus gewesen, und da hatte ihn der Meister noch selbst gehen heißen. Er solle auch einmal gehen und eine Halbe haben, damit er nicht vergesse, wie es in einem Wirtshause sei. Er komme später selbst nach, dann wollten sie miteinander heim. So ging es auch. Der Meister zahlte ihm noch einen Schoppen, und zum erstenmal in seinem Leben kam Uli mit einer Ürti von wenig Batzen und als ein vernünftiger Mensch zum Wirtshaus hinaus. Er hätte nicht geglaubt, sagte er dem Meister, daß das möglich sei.

Es schien, als sei er mit der Erkenntnis dieser Möglichkeit um einen ganzen Fuß größer geworden. Als er so mit seinem Meister vernünftig heimging und mit ihm redete als wie mit einem Kameraden, da durchrieselte ihn eine Ahnung, daß er auch einst als Meister aus einem Wirtshause gehen könne, wenn er so fortfahre, und er träumte die ganze Nacht durch von Höfen, die er kaufen wollte, und von Säcken Geld, die er mit sich herumtrug, um die Höfe gleich zu bezahlen. Aber er bystete, berzete, gruchsete unter dem Gewichte dieser Säcke, daß er manchmal fast zu ersticken fürchtete, und wenn er sie abstellte, so wurden sie ihm gestohlen oder er konnte sie sonst nicht mehr finden. Dann versprach ihm ein schönes Meitschi, es wolle sie ihm zeigen, und ging voran; ihm aber fielen die Schuhe von den Füßen, als er dem Meitschi nach wollte, und als er diese in beide Hände nahm, konnte er seine Beine nicht vorwärtsbringen, es war ihm, als ob er gspannet wäre. Das Mädchen aber lief immer geschwinder, er konnte je länger je weniger Schritte machen, obschon er bachnaß sich schwitzte. Endlich verschwand das Mädchen, und eine alte Frau kam mit dem Besen und wollte ihn fortjagen, weil er ihr durch die Bäunde (Hanfpflanzungen) gehe, und er wollte davonlaufen und konnte wieder nicht und mußte dem Besen darhalten und sich wüst sagen lassen, und endlich rief er aus: «Uy, Uy, su hör doch, du alts Räf!» Darob erwachte er, und sein Mitknecht fragte ihn, was er doch gehabt hätte, er hätte ihn schon lange gemüpft (gestoßen), aber er hätte nicht erwachen wollen. Er hätte sich bald angefangen zu fürchten und hätte noch den Meister geholt, wenn er jetzt nicht erwachet wäre. Ds Toggeli hätte ihn gedrückt, sagte Uli. Den Traum konnte er lange nicht vergessen, und wenn er sich nicht geschämt hätte, er wäre seinetwegen zu einer Wahrsagerin gelaufen, denn er selbst konnte gar nicht einig darüber werden, ob derselbe bedeute, daß er einst einen Hof werde kaufen können, oder aber das Gegenteil; heute dünkte ihn dies und morgen das Andere. Auffallend war es, daß wenn er gegessen und gut geschlafen hatte, es ihm immer schien, als sei er eine gute Vorbedeutung; hingegen wenn er müde war und hungrig, so hätte ihm niemand ausgeredet, der Traum bedeute, daß er um alles kommen werde, was er habe oder sich erwerbe, und zuletzt aller Menschen Schuhwisch abgeben müsse.

Unterdessen ging es ihm sehr gut. Er ging dem Meister mit allem Fleiß an die Hand, als ob es seine eigene Sache wäre, und fühlte dabei alle Tage mehr, daß er doch auf diese Weise ein ganz anderer Kerli werde, als er zu selber Zeit einer gewesen sei, wo er es für eine Schande geachtet, ein guter, treuer Knecht zu sein, und seinen Ruhm dareingesetzt, den Meister zu überlistelen, zu viel zu fressen und zu wenig zu arbeiten. Er setzte eine Ehre darein, das ganze Jahr durch vom Lohne nichts einzuziehen, ihn ganz stehen zu lassen, und er zwängte es auch durch. Er ließ es sich gesagt sein, daß man nicht auf die Zukunft hin oder vielmehr auf künftigen Erwerb hin anschaffen dürfe, sondern daß der zukünftige Erwerb der Zukunft gehöre und die Vergangenheit die Gegenwart ernähren müsse, das heißt daß man aus dem verdienten Lohn seine Bedürfnisse müsse bestreiten können. Und da in der Zukunft der Gebrauch wohl sicher ist, aber nicht der Erwerb, so muß die Vergangenheit uns auch die Notpfennige liefern für die Tage, von denen man sagt, sie gefallen mir nicht.

Es war aber auch ein Tag großer Freude für Uli, als auf Weihnacht nachmittags der Meister ihn ins Stübli rief, ihm dreißig Kronen vorzählte und noch einen Neuentaler als Trinkgeld dazulegte. Dem starken Burschen zitterte die Hand, als er es einstrich, denn so viel Geld hatte er noch nie beisammen gehabt. Und als der Meister ihn noch lobte und ihn ermahnte, so fortzufahren, so gäbte er noch ein Kerli ab, so bekam er Augenwasser. Er begann nun auch zu danken und zu erzählen, was er mit dem Gelde machen wolle. Kleider mußte er haben, Hemder besonders; aber wenn nicht den halben, doch den Drittel des Lohns wolle er beiseitetun. Er hätte nicht geglaubt, sagte er, wie wohl so dreißig Kronen bschüßten, wenn man Sorg dazu hätte; es schienen nur so dreißig Krönlein, und doch könnte man weit längen damit, wenn man abzuteilen wüßte. Er hätte nie geglaubt, daß das Geld so darhalten könne; früher hätte er es immer damit gehabt wie der Bauer mit dem herbeigeführten Heu, wo man ein Klafter nur anzusehen brauche, so sei es nicht mehr da. Jetzt gehe es ihm mit dem Gelde wie mit einem selbstgemachten, gutgelegenen Stock Heu; gäb wie man davon nehme, so scheine es eim, er mindere nicht und man hätte immer gleich viel. Der Meister mußte lachen ob dieser Vergleichung, die Meisterin dagegen wurde gerührt und sagte ihm: Er sei ihr recht lieb geworden, und wenn die Näherin auf die Stör komme, so werde die ihm als Weihnachtskindli von ihr ein Hemd machen, das Tuch sei schon lange zweg dafür. Uli meinte, der Meister hätte ihm schon zu viel gegeben und alles dürfte er nicht nehmen, er hätte es nicht verdienet. Der Meister hätte so viel an ihm getan, daß er ein Lehrgeld fordern könnte. Aber wenn sie ihm einen Gefallen tun wolle, so solle sie doch so gut sein und ihm Tuch für etwa drei Hemder kaufen; er wolle gleich recht viel zusammen machen lassen, es hätts dann eine gute Weil. Wenn man nur so eins ums ander kaufe, so müsse man immer hingerfür (wieder von vornen) anfangen. Er verstehe sich nicht auf das Tuch und sei noch allemal betrogen worden; entweder hätte man es ihm zu teuer gegeben, oder das Tuch sei dünn gewesen oder der Faden bröde, es hätte immer an einem Orte gefehlt und es sei nicht lange gegangen, so hätte er Hemder gehabt wie Spinnhubbelen. Sie wolle ihm wohl den Gefallen tun, sagte die Bäurin, aber daß sie es allemal treffe, sei auch nicht gesagt. Die Weber und Krämer seien so einer Bäurin je länger je mehr z'schlimm. Vielleicht daß sie selbst hätte, wo sie ihm für drei Hemder geben könnte, sagte Uli. Ja, sie hätte wohl, sagte die Meisterfrau, aber sie verkaufe den Diensten nicht gerne etwas. Sie hätte es auch schon getan, aber noch allemal Verdruß davon gehabt. Die Diensten seien den Krämern fast die besten Kunden, denn sie profitierten am meisten an den Diensten, könnten ihnen die dümmsten Sachen anhängen, allweg die, welche niemand Witzigs kaufen wolle. Es brauche nur eine Bäurin einem Dienst etwas zu verkaufen, so führten es alle Krämer, alle Schneider, alle Näherinnen, kurz alle die, welche miteinander im Kornplatz seien, aus und sagten: An einem andern Ort hätten sie es wohlfeiler gekauft, wenn ds Buren es für sich hätten brauchen können, sie hätten es den Diensten nicht verkauft. Es sei doch schlecht, ihnen fürs Erste schlechten Lohn zu geben und dann noch für gutes Geld schlechte Sachen. «Bald sagt der Schneider, es halte den Stich nicht, und die Näherin behauptet, es bekomme ihr Löcher unter den Fingern, und so wird man verdächtigt und verbrüllet, daß es eine schröckliche Sache ist. Ich weiß wohl, daß es Meisterleute gibt, welche ihre Diensten betrügen und ihnen den sauer verdienten Lohn abläschlen; aber die sind doch die mindern, und es meinen es mehr Meisterleute gut mit den Diensten, als die Diensten glauben und die Krämer sagen. Darum, Uli, will ich sehen, daß ich dir irgendwo kaufen kann, so gut, als wenn es für mich wäre. Ich brauche mein Tuch dann so, daß mich kein Krämer verbrüllet und kein Schneider verdächtigt.»

Uli hatte gar große Freude an seinem Schatz und betrachtete ihn oft im Stillen. Es hatten aber noch andere Leute ihre Augen auf demselben. So ein Bürschchen, das Geld hat, ist gerade wie ein Hunghafen für die Wepsen; es sucht ein jeder, der gerne Geld hätte und es nicht verdienen mag, daraus zu schlecken. Da sollte er dem fünf Batzen leihen, weil dieser gerade kein Geld bei sich hatte, dort wollte ein Anderer nur einen Batzen für ein Päckli Tubak. Sein Nebenknecht wußte auf einmal einen herrlichen Schick zu machen mit einer Uhr, allein es fehlte ihm ein Neuertaler. Die eine Jumpfere wollte ein prächtiges blaues Tüchlein kaufen von einem Aargauer, der, ins Haus geschlichen, seine Baumwollenware für seidene ausgab; allein Uli sollte ihr dreizehn Batzen leihen, weil sie es der Meisterfrau nicht sagen mochte. Der Schuhmacher, der auf der Stör war, hatte absolut vier Kronen nötig und versprach teuer und fest, bis Ostern es wiederzugeben mit einer Krone Zins. Der Hechler, der bald darauf kam, sollte vier Neutaler haben, er wüßte mit Flachs gerade jetzt viel zu machen und wollte mit Uli den Profit teilen. Dem Uli gefiel das ganz prächtig, es flimmerte ihm lauter Gold vor den Augen. Er dachte, es wäre ja dumm, wenn er das Geld im Trögli haben wollte, während es ihm so viel verdienen könnte; da sei er nicht ein Narr und gebe es nicht. Er ließ es sich noch einmal gut versprechen, daß man ihm auch halten wolle, und gab es dann hin. So hatte er auf einmal freilich kein Geld mehr, sondern Gülten, schöne Pfosten: an einem Orte vier Kronen, am andern mehr als sechs. Das sei besser, dachte er, als so die Stümpleten batzenweise, die trage nichts ab. Jetzt könne er doch sagen, er hätte kein Geld mehr, er hätte alles ausgeliehen. Er kam sich recht gewichtig vor mitten unter seinen Schuldnern, aber seinem Meister sagte er nichts davon. Der brauche nicht alles zu wissen, dachte er, und vielleicht hätte er den Profit lieber selber genommen und dem Hechler das Geld selbst gegeben. Er müsse auch etwas anfangen, das nicht alle Leute wüßten. Er hatte den besten Glauben zu seinem Meister, indessen das Mißtrauen noch nicht ganz verloren, und gar wenige Diensten lassen es gerne den Meister wissen, wieviel Geld sie haben, und beichten ihm noch weniger, was sie mit demselben anfangen.

Das ging eine Zeitlang recht schön, und Uli rechnete zum öftern nach, wieviel Zins ihm bereits gelaufen sei. Ostern ging vorbei und der Schuhmacher brachte kein Geld, aber er entschuldigte sich bündig, indem er vornehme Kunden bekommen, Stiefelschäfte gekauft und diese bar hätte bezahlen müssen, und versprach, der Zeit nach am Zins nachzutun. Nun mühte sich Uli ab, zu rechnen, wieviel per Woche der Schuhmacher ihm nachzutun hätte, aber das brachte er trotz vielem Schwitzen nicht heraus. Es pressierte übrigens auch nicht, denn Michelstag kam, und Uli hatte seine vier Kronen noch nicht gesehen. Dem Hechler ging es sehr fatal. Der Flachs hatte eher ab- als aufgeschlagen. Er fand, mit dem einen Teil wäre besser zu warten als ihn jetzt zu verkaufen, den andern aber hatte er einem Händler dings (auf Kredit) verkauft, und den konnte er auf keinem Märit mehr antreffen und hatte vergessen, zu fragen, wie er heiße, und niemand wollte von so einem wissen, er habe schon viele Leute gefragt. Da begann es Uli doch Angst zu machen. Es fing ihm an vorzukommen, wenn er nur sein Geld wieder hätte, so wollte er zufrieden sein, an den Zins nicht denken, von Profit nichts sagen; aber eben, das Geld wieder zu kriegen, das war eine Kunst. So oft er es forderte, waren neue Ausreden da, und wenn er ungestüm wurde, so blieb man ihm die Antwort auch nicht schuldig. Man könne es einmal nicht aus den Steinen herausschlagen; er höre ja, wenn man es hätte, so wollte man es ihm geben. Er solle machen, was er könne, und wenn er sehe, es zu nehmen, so solle er es nehmen. Man hätte gar nicht geglaubt, daß er ein so Wüster sei, sonst hätte man lieber nichts mit ihm wollen zu tun haben. Er wußte sich gar nicht zu helfen und lief wie sturm herum. Der Gedanke, es sei doch schrecklich, was er so sauer verdient, so liederlich zu verlieren und gar nichts dafür zu haben, ließ ihn nicht mehr essen, nicht mehr schlafen. Ehedem beim Hudeln, dachte er, hätte er doch gewußt, was er mache, und sein Geld selbst verschlengget; jetzt, wo er meine, gut zu tun, und bös habe, gehe es ihm noch ärger als zuvor und er komme gerade so weit als der ärgste Hudel; das sei doch schrecklich, und er sei der unglücklichste Hung auf der Welt, und das werde wohl an einem Orte geschrieben sein, daß er zu nichts kommen solle. Jetzt wüßte er, was sein Traum bedeuten solle und die Geldsäcke, die er nicht mehr finden könne.

Der Meister konnte gar nicht begreifen, was Uli hatte. Endlich glaubte er ihn krank, denn er sah keine andere Ursache seines sonderbaren Wesens. Er sah der Sache noch einige Zeit zu; aber als Uli immer schlechter aussah, fragte er ihn einmal, was ihm doch fehle, etwas sei nicht recht da. Uli wollte nicht mit der Sprache heraus. Erst als der Meister sagte, wenn er so dumm tun wolle, so könne er seinethalben; aber er hätte doch geglaubt, mehr Vertrauen zu verdienen als so. Uli wisse ja, daß wo er ihm helfen könne, es nie Nein sei bei ihm. Nachdem Uli noch manchmal gesagt, er dürfe es nicht sagen, gestund er endlich seinen Kummer und wie seine ganze Ersparnis vom letzten Jahr, auf die er sich so gefreut, dem Tüfel zu sei; er werde wohl nie einen Kreuzer davon wiedersehen.

«Ja, das hättest du denken sollen,» sagte der Meister, «es wissen so viele Diensten nichts mit ihrem Gelde anzufangen, lassen es sich ablocken und kommen so darum. Aber ich mische mich nicht gerne in diese Sache, wenn man mich nicht apartig frägt», fuhr er fort. «Man meint sonst gleich, ich wolle Vogt sein oder gar das Geld für mich, und sie werden mißtrauisch. Es tut mir leid für dich, aber den Hechler und den Schuhmacher hättest du kennen sollen, du weißt ja, was das für Vögel sind. Aber gell, Uli, dr Gyttüfel hat dich plaget! Weißt du, daß dir der Schuhmacher nicht weniger als hundert Prozent versprochen hat per Jahr, während ehrliche Leute sonst nur vier geben? Und der Hechler hat dir das Maul sonst süß gemacht. Aber eben so fängt man die einfältigen Leute, und wenn einer so viel verspricht, so sollte man doch denken können, der werde nicht halten wollen, er würde sonst nicht so viel versprechen.» Ja, sagte Uli, das alles komme ihm jetzt hintendrein selbst in Sinn, aber er möchte dem Meister doch angehalten haben, daß er ihm zu seinem Gelde verhelfe, er hintersinne sich sonst noch. Der Meister schüttelte den Kopf dazu, indessen rettete er mehr, als er anfangs erwartete, da weder Schuhmacher noch Hechler gerne seine Kundsame verlor.

Als er Uli das Geld übergab, sagte ihm dieser: «Meister, behalte du es und kalte es (bewahre es auf). Ich brauche es nicht, und wenn ich es habe, so behalte ich es nicht lange; ich bin gar ungfellig mit dem Gelde: entweder vertue ich es, oder man betrügt mich darum, oder es wird mir gestohlen, und zuletzt, wenn niemand sonst dazu käme, so würden es mir die Mäuse fressen.» «Nein,» sagte der Meister, «das Geld will ich nicht behalten, ich habe genug an meinem zu hüten, wenn ich schon nicht viel habe. Aber weißt du was, tue du das i dKasse.» «Was ist das?» fragte Uli. «He, das ist eine Kasse, wo man das Geld, welches man nicht braucht, hineinlegen kann, bis man es braucht, und unter der Zeit bekömmt man einen billigen Zins, und es ist gut versichert, daß man gar nichts zu fürchten hat.» «Das ist kommod,» sagte Uli, «aber kann man hineintun, so viel man will, und kommt es einem dann nicht aus, wenn man dort Geld hat?» Das sei eben gar kommod, bekam er zur Antwort, daß man viel und wenig hineintun könne und wann man wolle. Was das Auskommen anbetreffe, so solle er sich deshalb nicht fürchten. Wer Geld am Zins habe, dem komme es früher oder später immer aus. Und zudem glaube er nicht, daß es einem Knechte schade, wenn man vernehme, er hätte Geld am Zins. Ds Gunträri, er glaube, das vermehre nicht wenig seinen guten Namen und verschaffe ihm einen gewissen Respekt. In einer solchen Kasse brauche er sich auch um den Zins nicht zu bekümmern. Sobald ein Jahr um sei, werde der Zins zum Kapital geschlagen und trage wieder Zins, so könne sich, zu vier Prozent gerechnet, in siebenzehn Jahren das Kapital verdoppeln. Und sobald er es nötig habe, kriege er es ohne Umstände in gesetzlicher Frist wieder ganz bestimmt, denn solche Kassen seien gut verbürget und hintersetzt. Da könnten Diensten weitaus am besten ihre Gelder einlegen, eben weil man auch weniges nehme und zu jeder Zeit, weil sie sich da vor keinen Schelmereien, Kunstgriffen usw. in acht zu nehmen hätten, nichts zu tun hätten mit Benefizien, Inventarien, Geltstagen oder gar mit Rechtsagenten. Da könnten sie ganz ruhig ihr Geld hintun, arbeiten lassen, bis sie es einmal brauchten, und könnten jedem, der ihnen abentlehnen wolle, ohne Lüge sagen, sie hätten keins. Nur solle er sich vor einer St. Galler Kasse hüten, die seien nicht die richtigsten; entweder könnten sie da gar nicht rechnen oder nur zu gut, und überdem geltstagen sie dort gerne. Da schmollte Uli mit dem Meister, daß er ihm dieses nicht früher gesagt, so wäre er nicht zu Schaden gekommen. «Du hasts gehört,» sagte darauf dieser, «ich kann einen Knecht nicht behandeln wie ein kleines Kind. Willst du aber, daß ich dich halte wie ein Kind, so mußt du vor allem aus mit Zutrauen an mich kommen, mußt mir das Maul gönnen. Das Kind kömmt zum Vater und frägt um Rat und sagt: Vater, was meinst; Vater, was glaubst?»

Uli bekannte sich im Fehler und bat den Meister, sein Geld in die Ersparniskasse zu tun; es waren fünfzehn Kronen, welche er übrig zu haben glaubte. Es trage zwar nicht viel ab, meinte er, aber es sei ihm doch sicher. «Das scheint dir,» sagte der Meister, «und eben diese Ungeduld ists, was so viele Menschen um Hab und Gut bringt. Wem es auf dem rechten Weg zu langsam geht, wird entweder ein Spitzbube oder ein Hudel. Warte nur einige Jahre, lege immer zu, so wirst du sehen, zu welchem Kapital du kommen wirst.»


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