Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Gedichte
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

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Zefir

1745

            Rosen blühn auf schwarzen Stökken.
Seht, wie sich die Farben mischen!
Lilien stehn, wie weisse Kronen,
Stolz auf grünen Heroldsstäben.
Nelken stehn, wie bunte Kränze,
Aufgefärbten Schwanenhälsen.
Aber seht, sie stehn so stille!
Läßt sie Zefir so zufrieden?
Zefir, bist du denn so müßig,
Oder bist du weggeschwärmet?
Kannst du diese Flur verlassen?
Wohnst du nicht in diesem Garten?
Schwärmst du nicht in diesen Büschen,
Die mein Prinz für dich gepflanzet?
Komm, es warten tausend Nelken,
Komm, und schüttle sie zusammen,
Daß es läßt, als wenn sie küßten!
Schwärme doch um tausend Rosen!
Laß mich sehn, ob sich am liebsten
Rosen oder Nelken küssen!
Zefir kannst du nicht mehr schwärmen?
Oder bist du weggeschwärmet?
Sucht ihn doch, ihr muntern Knaben,
Sucht ihn doch, den Müßiggänger!
Kommt, dort wollen wir ihn suchen,
Dort bewegen sich die Lilien.
Seid nur still, ich hör ihn lachen,
Hört nur zu, er lacht recht laute!
Seht, dort schwärmt er um das Mädchen!
Seht, der Zefir jagt das Mädchen!
Seht, jetzt schwärmt er um den Busen!
Seht, jetzt weicht die leichte Seide!
Seht, jetzt zeigt er uns den Busen.
Kommt, wir wollen näher laufen,
Denn er soll uns noch was zeigen!

 


 


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