Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Gedichte
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

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Abschied des alten Grenadiers.

1796.

                Ich bin der alte Grenadier,
Der Kriegeslieder sang,
Nun aber einsam, sitz' ich hier
Im Hüttchen und bin krank!

Ich hör: In aller Welt ist Krieg,
Die Völker schlachten sich;
Gott gibt den Ungerechten Sieg,
Ihr »Ach und Weh'!« hör' ich,

Und singe keine, denke die
Gesung'nen und die Zeit
Der achtzig Jahre, nenne sie
Theil meiner Ewigkeit.

Im Selbstgespräche frag' ich still:
Was wird sie seyn nach mir? –
»Was der im Himmel haben will,
Das
wird sie seyn nach dir!«

Die alten Freunde sind nicht mehr,
Die jungen sind nicht alt;
Ach, und von unserm Kriegesheer
Sterb' ich, der Letzte, bald!

Gestorben, hör' ich nichts von Blut,
Geflossen in den Rhein!
Gestorben, nichts von Uebermuth,
In Gottes Sonnenschein!

Folgt stolzer Menschen Hohn und Spott
Mir nach in's kühle Grab,
Es schadet nichts! ich bin bei Gott,
Und seh' auf sie herab!

In jenem Leben sind wir gleich,
Die Stolzen schämen sich. –
Seht ihr ein Wölkchen über euch?
Hochmüthler, das bin ich!

 


 


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