Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Gedichte
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

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An die Liebe.

              Liebe! Allerliebste Liebe,
Segne mich mit deinem Triebe!
Laß mich deinen Reiz empfinden,
Laß mich deine Gluth entzünden;
Laß mir hübsch durch dein Genießen
Zeit und Stunden schneller fließen!

Laß mir's an der Müh', zu wählen,
Aber nie an Schönen fehlen;
Und damit auch viel Beschwerden
Durch ein Mittel minder werden,
Laß mir künftig nur von allen
Eine schön seyn und gefallen!

Lehre sie, mich ganz zu kennen;
Klug zu frieren, klug zu brennen;
Lehre, witzig abzuschlagen,
Und nur reizend »Ja!« zu sagen.
Lehre sie, aus Wort und Werken
Meinen Wunsch und Willen merken!

Lehr' sie aber: Wunsch und Willen
Nicht zur Unzeit zu erfüllen,
Daß sie sich erst artig schäme,
Und sich nicht zu bald bequeme!
Lehre sie die süßen Mienen,
Die der Lust zum Vortheil dienen;
Lehre alle Fröhlichkeiten
Und dabei, was sie bedeuten!

Laß sie stets in Unschuld prangen,
Nie zu viel von mir verlangen;
Auch daß sie's verständig klage,
Wenn ich ihr zu viel versage! –
Lehre, wie man nie veralte,
Wie man Reiz und Werth behalte,
Wenn auch einst auf Brust und Wangen
Aller Rosen Schmuck vergangen!

Lehr' sie, wenn wir uns vereinen
Treu zu seyn und treu zu scheinen,
Daß sie mich mit nichts betrübe
Und mich immer stärker liebe!
Lehr' auch mich durch deine Lehren,
Solchen Engel recht zu ehren,
Daß er, wenn ich ihn vergnüge,
Keine Lust zum Wechsel kriege!

 


 


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