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9.
Spitzel

Der Hotch-Potch-Klub bestand schon seit den Sechzigerjahren. Er war von einer Gruppe junger Stutzer gegründet worden, als bequemer gesellschaftlicher und politischer Tummelplatz, bis man die nötige Reife erworben hatte, um zu den heiligen Hallen des Snooks-Klub, zum ›Remove‹, zu den ›Wayfarers‹, ›Burtons‹, ›Ostrich Feather‹ und andern Zufluchtsstätten gesetzter Leute zugelassen zu werden. Der Klub hatte, dank einem bedeutenden Küchenchef, in seiner ersten Zeit besondere Standfestigkeit und Ansehen gewonnen. Er hatte zwar noch immer eine gewisse Beziehung zu seinem Namen, und darin bestand seine Anziehungskraft für Michael: alle möglichen Leute gehörten dazu. Von Walter Nazing und jungen Auch-Schriftstellern und Gönnern der Bühne, die nach Venedig fuhren, um von Liebe in Gondeln plaudern zu können und von dem Geheimnis, wie man dieser und jener Dame den Hof machen könne, bis zu Auch-Generälen mit typisch emporgebürstetem Haar, die Vorsitzende von Kriegsgerichten gewesen waren und Menschen ohne Aufhebens hatten niederknallen lassen wegen augenblicklicher Schwächen der menschlichen Natur. Von Wilfrid Desert (der jetzt nicht mehr kam) bis zu Maurice Elderson im Spielzimmer konnte er mit allen verkehren und mit dem Allerneuesten und Allerletzten in Fühlung treten. Das tat er gerade im Hotch-Potch-Rauchzimmer gegen Abend, zwei Nächte, nachdem Fleur zu ihm gekommen war, als man ihm meldete:

»Ein gewisser Mr. Forsyte, Sir, wartet in der Halle auf Sie. Nicht der, der lange Jahre vor seinem Tod hier Mitglied war, sondern sein Vetter, glaube ich.«

Da er sich bewußt war, daß seine augenblicklichen Genossen kaum das Ideal seines Schwiegervaters sein dürften, ebensowenig wie Soames das ihre, ging Michael hinaus und fand Soames auf der Waage stehen.

»Ich wiege immer dasselbe«, sagte Soames aufblickend. »Wie geht es Fleur?«

»Sehr gut, danke, Sir.«

»Ich wohne in der Green Street. Ich bin wegen eines jungen Mannes in der Stadt geblieben. Hast du einen Posten in deinem Bureau für einen Beamten, der gut rechnen kann? Ich suche eine Stelle für ihn.«

»Kommen Sie herein, Sir«, sagte Michael und trat in ein kleines Zimmer ein.

Soames folgte ihm und blickte sich um.

»Hat das Zimmer einen besonderen Namen?« fragte er.

»Bei uns heißt es ›das Grab‹, es ist nett und ruhig. Wollen Sie einen Sherry?«

»Sherry!« wiederholte Soames. »Ihr jungen Leute glaubt, ihr habt den Sherry erfunden; als ich noch ein Knabe war, hätte niemand es sich im Traum einfallen lassen, zu dinieren ohne ein Glas herben Sherry zur Suppe und ein Glas feinen alten Sherry zum Nachtisch. Sherry!«

»Das glaub ich Ihnen gern. Es gibt wirklich nichts Neues. War Venedig zum Beispiel nicht auch schon einmal Mode, und das Stricken, und gekrönte Häupter? Es kehrt alles immer wieder. Ist Ihr junger Mann an die Luft gesetzt worden?«

»Er heißt Butterfield und braucht eine Stelle.«

»Das entwickelt sich zu einer Epidemie; wir bekommen täglich Angebote. Ich möchte nicht aufschneiden, aber unser Geschäft erfordert Fachkenntnisse. Es handelt sich um Bücher.«

»Ich halte ihn für fähig, ordentlich und höflich. Ich verstehe nicht, was du mehr von einem Angestellten verlangen könntest. Er hat eine gute Schrift, und soweit ich es beurteilen kann, sagt er die Wahrheit.«

»Das ist natürlich wichtig«, sagte Michael, »aber ist er auch ein tüchtiger Lügner? Ich will damit sagen, ich könnte ihn vielleicht eher als Reisenden unterbringen, um Luxusausgaben und dergleichen zu verkaufen. Könnten Sie mir ein wenig reinen Wein einschenken über ihn? Eine menschliche Schwäche würde nur zu seinen Gunsten sprechen – ich will ja nicht gerade sagen, daß der alte Danby Sinn dafür hätte; aber er braucht es auch nicht zu wissen.«

»Hm! Na ja – er – eh – hat seine Pflicht getan – ganz gegen sein eigenes Interesse –, tatsächlich hat er sich nur furchtbar geschadet. Er scheint verheiratet zu sein und zwei Kinder zu haben.«

»Ho ho! Sehr gut! Wenn ich ihm eine Stelle verschaffte, würde er – würde er wieder seine Pflicht tun, glauben Sie?«

»Ich spaße nicht«, sagte Soames, »ich fühle mich verantwortlich für den jungen Menschen.«

»Jawohl«, sagte Michael nachdenklich, »und in einem solchen Fall ist es immer das beste, schleunigst einen andern für den Betreffenden verantwortlich zu machen. Könnte ich ihn sehen?«

»Ich habe ihm gesagt, er solle heute abend nach dem Dinner zu dir kommen. Ich dachte, daß du es vorzögest, ihn erst einmal privat vorzunehmen, ehe du ihn für dein Bureau vorschlägst.«

»Sehr rücksichtsvoll, Sir! Da wäre nur noch eines. Meinen Sie nicht auch, daß ich die Pflicht, die er getan hat, kennen müßte – im Vertrauen natürlich? Ich sehe sonst nicht, wie ich es vermeiden kann, in Verlegenheit zu geraten.«

Soames starrte in das Gesicht seines Schwiegersohnes, dessen Mund sehr groß war, und zum soundsovielten Mal fühlte er ein gewisses Vertrauen und Zuneigung. Er sah so ehrlich aus.

»Na ja«, sagte er, ging zur Tür und vergewisserte sich, daß sie schalldicht war, »es handelt sich um eine Sache, die uns eine Verleumdungsklage zuziehen kann, deshalb mußt du alles im eigenen wie in meinem Interesse streng diskret behandeln.« Und mit leiser Stimme erzählte er die Tatsachen.

»Wie ich erwartet habe«, schloß er, »kam der junge Mann heute morgen wieder zu mir. Er ist natürlich in großer Aufregung. Ich möchte ihn im Auge behalten. So lange ich nicht mehr weiß, kann ich mich nicht entschließen, einen weiteren Schritt zu tun. Außerdem – –« Soames zögerte; es war ihm zuwider, ein edles Motiv für sich in Anspruch zu nehmen: »Ich – es scheint eine schlimme Sache für ihn zu sein. Er bekam dreihundertundfünfzig Pfund im Jahr.«

»Verdammt schlimm!« sagte Michael. »Wissen Sie, daß Elderson hier Mitglied ist?«

Soames schaute mit neu erwachtem Verdacht zur Tür, die noch immer schalldicht schien, und sagte: »Zum Teufel! Kennst du ihn?«

»Ich habe mit ihm Bridge gespielt«, sagte Michael; »er hat mir mein gutes Geld abgeknöpft – verflixt guter Spieler.«

»Ah!« sagte Soames – er selber spielte niemals Karten. »Aus naheliegenden Gründen kann ich den jungen Mann nicht in mein eigenes Geschäft nehmen, aber dir kann ich vertrauen.«

Michael hob salutierend die Hand. »Furchtbar schmeichelhaft, Sir! Fürsorge für die Armen – auch ich werde ein großartiger Spitzel sein! Ich werde heute abend mit ihm sprechen und Sie wissen lassen, was ich aus ihm herausbekommen habe.«

Soames nickte.

Dieses Gespräch leistete Michael den guten Dienst, daß es ihn von seinen eigenen Gedanken ablenkte. Gefühlsmäßig stand er schon auf Butterfields Seite, und sich eine Zigarette anzündend, ging er ins Spielzimmer. Er setzte sich auf das hohe Kamingitter – das viereckige Zimmer und die drei viereckigen, schräg zur Wand stehenden Kartentische mit den drei Dreiecken von Spielern machten Eindruck auf ihn. ›Wenn nur‹, dachte Michael, ›der vierte Spieler unter dem Tisch säße, dann wäre das Bild vollkommen. Es ist der vierte Spieler, der das Bild stört.‹ Und nicht wenig erregt sah er, daß Elderson vierter Spieler war! Aufmerksam und gleichgültig schnitt er mit einem Messer die Spitze seiner Zigarre ab. Barmherziger! Was für versiegelte Bücher Gesichter doch waren! Auf jedem standen Seiten und Seiten privater Gedanken, Interessen, Pläne, Phantasien, Leidenschaften, Hoffnungen und Ängste; und plötzlich sauste der Tod hernieder – klatsch! – und ein Geschöpf war hinweggefegt wie eine Fliege an der Wand, und niemand sah mehr den kleinen undurchdringlichen Mechanismus, der im geheimen arbeitete, für seine eigenen Zwecke und erfüllt von seiner eigenen Wichtigkeit. Und niemand brauchte sich mehr darüber den Kopf zu zerbrechen, ob es ein ehrliches oder ein hinterhältiges kleines Spielchen gewesen war. Es war schwer zu sagen. Es gab die verschiedensten Sorten. Elderson zum Beispiel. War er ein abscheulicher Patron oder ein unschuldiges Lämmlein, dem man es nicht ansah? ›Irgendwie‹, dachte Michael, ›scheint er hinter Weibern her zu sein. Aber warum?‹ Hinter seinem Rücken hielt er die Hände ans Feuer und rieb sie aneinander wie eine Fliege ihre Flügel, wenn sie im Sirup gesessen ist. Wenn man nicht einmal sagen konnte, was im eigenen Hause im Herzen der eigenen Frau vorging, wie in aller Welt sollte man im Gesicht eines Fremden lesen können, noch dazu in einem der undurchdringlichsten Mechanismen der ganzen Welt, einem englischen Gentleman, der geschäftlich tätig war! Wenn's nur im Leben so zuginge wie im ›Idioten‹ oder in den ›Brüdern Karamasoff‹, wo jeder mit höchster Lungenkraft seine Herzensgeheimnisse herausposaunte! Wenn nur bei der Einrichtung der Klubspielzimmer so ein Schuß Epilepsie mit am Werk gewesen wäre! Aber nichts – gar nichts! Die Welt war voll wunderbarer Geheimnisse, die jedermann ohne Erklärungen und Enthüllungen für sich behielt!

Der Diener kam herein, sah nach dem Feuer, stand einen Augenblick ausdruckslos wie ein Storch, wartete auf einen Befehl, der das Summen staccato durchdrungen hätte, wandte sich um und ging hinaus.

Mechanisierung! Überall – Mechanisierung! Eine List, das Leben so vollkommen auszuschließen, daß überhaupt kein Leben mehr zum Ausschließen zurückzubleiben schien.

›Alles‹, dachte er, ›kommt mir fast so vor, wie wenn einer einen eingeschriebenen Brief an sich selber schickt. Und vielleicht ist es gut so. Ist denn ›das Leben‹ etwas Gutes – ja? Möchte ich denn das Leben wieder so ganz unverhüllt sehen?‹

Elderson saß jetzt, und Michael konnte seinen Hinterkopf genau betrachten. Er enthüllte ihm gar nichts.

›Ich bin kein Spitzel‹, dachte er, ›man müßte etwas aus der Art schließen können, wie er sein Haar hinten nicht scheitelt.‹ Er verließ das Kamingitter und ging heim.

Beim Dinner kam es ihm zum Bewußtsein, daß er Fleur ab und zu beobachtete, und er war mit sich nicht zufrieden. Spitzel! Und dennoch, wie sollte er nicht versuchen, hinter die wahren Gedanken und Gefühle eines Menschen zu kommen, der sein Herz wie eine Ziehharmonika nach seinem Belieben stöhnen und quietschen ließ!

»Ich habe das Modell gesehen, das du Aubrey gestern geschickt hast«, sagte sie. »Sie hat nichts von den Kleidern erwähnt, aber sie hat mich so angeschaut! Was für ein Gesicht, Michael! Wo hast du sie gefunden?«

Michael durchzuckte der Gedanke: ›Könnte ich sie eifersüchtig machen?‹ Doch er war entsetzt darüber. Ein niedriger Gedanke – kleinlich und gemein. »Sie kam zu mir ins Bureau«, sagte er. »Die Frau eines kleinen Packers, der bei uns war und – eh – Bücher stibitzt hat. Er verkauft jetzt Ballons; sie brauchen dringend Geld.«

»Aha. Hast du gewußt, daß Aubrey sie als Akt malt?«

»Herrje! Nein! Ich dachte, sie würde sich gut für einen Buchumschlag eignen. Was meinst du, soll ich das verhindern?«

Fleur lächelte. »Es bedeutet mehr Geld, und es ist schließlich ihre Sache. Es macht dir doch nichts aus, nicht wahr?«

Wieder dieser Gedanke, und wieder das Zurückschrecken davor!

»Nur das eine«, sagte er, »daß ihr Mann so ein anständiger kleiner Kerl von einem Langfinger ist, und ich möcht ihn nicht noch mehr bedauern müssen.«

»Sie wird es ihm selbstverständlich nicht erzählen.«

Sie sagte das so natürlich, so einfach, daß die Worte ihre ganze seelische Einstellung verrieten. Das, was den Gefährten quälen würde, das sagte man dem armen Teufel einfach nicht! Er sah an dem Zucken ihrer weißen Lider, daß auch ihr zum Bewußtsein kam, wie sie sich verraten hatte. Sollte er die Gelegenheit benützen und ihr sagen, was June Forsyte ihm mitgeteilt, damit einmal alles gesagt würde, alles? Aber wozu – zu welchem Zweck? Würde es die Dinge ändern, würde es sie veranlassen, ihn zu lieben? Es würde sie nur ein wenig mehr quälen und ihm das Gefühl verursachen, daß er alles verlieren könnte, wenn er ihr Vertrauen erzwingen wollte! Nein! Lieber den Grundsatz der Geheimtuerei weiter verfolgen, den sie unbewußt angenommen hatte, lieber die Zähne zusammenbeißen und grinsen. Er murmelte: »Ich fürchte, er wird sie ziemlich mager finden.«

Ihr Blick war ruhig und glänzend; und wieder quälte ihn der niedrige Gedanke: Könnte er sie eifersüchtig–?

»Ich habe sie nur einmal gesehen«, fügte er hinzu, »und da war sie angezogen.«

»Ich bin nicht eifersüchtig, Michael.«

›Nein‹, dachte er, ›weiß Gott, ich wünscht, du wärst es!‹

Die Worte: »Ein junger Mann namens Butterfield wünscht Sie zu sprechen, Sir«, hatten die Wirkung, als würde die Tür seiner Zelle geöffnet.

In der Halle stand der junge Mann und starrte Ting-a-ling an.

›Nach seinen Augen zu urteilen‹, dachte Michael, ›hat er mehr von einem Hund als der kleine Teufel.‹

»Kommen Sie in mein Arbeitszimmer hinauf«, sagte er, »es ist kalt hier unten. Mein Schwiegervater hat mir gesagt, daß Sie eine Stelle suchen.«

»Ja, Sir«, sagte der junge Mann und folgte ihm die Treppe empor.

»Bitte, setzen Sie sich«, sagte Michael, »und nehmen Sie eine Zigarette. Also bitte. Ich kenne den ganzen Wirbel. Nach Ihrem Schnurrbart zu schließen waren Sie so wie ich im Krieg. Sagen Sie mir ehrlich wie zwischen Leidensgenossen: Ist Ihre Geschichte unbedingt zuverlässig?«

»So wahr mir Gott helfe, Sir; ich wünschte nur, sie wär es nicht. Ich hatte nichts dabei zu gewinnen und alles zu verlieren. Es wäre gescheiter gewesen, den Mund zu halten. Sein Wort steht gegen meines, und mich hat man auf die Straße geworfen. Es war meine erste Stelle seit dem Krieg, und ich bekomme mein Lebtag kein Zeugnis von ihm.«

»Frau und zwei Kinder, wie ich höre?«

»Jawohl, und die sind unter die Räder gekommen wegen meines guten Gewissens! Nie mehr im Leben tu ich so was wieder, das weiß ich. Was ging es mich an, wenn die Gesellschaft betrogen wurde? Meine Frau hat ganz recht, ich war ein Dummkopf, Sir.«

»Schon möglich«, sagte Michael. »Verstehen Sie etwas von Büchern?«

»Jawohl, Sir, ich bin ein guter Buchhalter.«

»Heiliger Moses! Unser Geschäft ist, sie loszuwerden. Meine Firma ist ein Verlagsgeschäft. Wir möchten einen Extrareisenden anstellen. Verstehen Sie die Kunst der Überredung?«

Der junge Mann lächelte matt. »Das weiß ich nicht, Sir.«

»Hören Sie zu«, sagte Michael, der dem Blick dieser Augen nicht widerstehen konnte, »alles läuft auf eine schwadronierende Anpreisung hinaus. Aber natürlich muß man auch das lernen. Wahrscheinlich sind Sie kein eifriger Leser?«

»Also, Sir, nicht gerade ein eifriger.«

»Das ist vielleicht ganz gut. Ihr Geschäft würde darin bestehen, dem armen Hascher, der Bücher verkauft, einzureden, daß jedes der Bücher auf Ihrer Liste – sagen wir ungefähr fünfunddreißig – in großer Anzahl für seinen Laden unbedingt notwendig ist. Es ist ein Glück, daß Sie Ihr Gewissen über Bord geworfen haben, denn tatsächlich werden es ja die meisten Bücher nicht sein. Ich fürchte, niemand wird Ihnen Unterricht in Überredungskunst erteilen können; aber vielleicht können Sie sich ungefähr vorstellen, was wir brauchen, und wenn Sie diese Woche für eine oder zwei Stunden herkommen wollen, werde ich Sie über unsere Autoren aufklären und Sie vorbereiten, sogar vor Peter zu treten.«

»Vor Peter, Sir?«

»Vor Petrus mit den Schlüsseln – glücklicherweise ist das Mr. Winter, nicht Mr. Danby; ich glaube, daß ich ihn dazu bringen könnte, es einen Monat mit Ihnen zu versuchen.«

»Sir, ich werd mein Bestes tun. Meine Frau versteht was von Büchern, sie könnte mir viel helfen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie dankbar ich Ihnen bin. Tatsache ist, durch den Verlust dieser Stelle hab ich allen Mut verloren. Bei zwei Kindern hab ich nichts ersparen können. Ich pfeife auf dem letzten Loch.«

»Na, es wird schon gehen. Kommen Sie morgen abend um neun her, da werd ich Sie instruieren. Ich glaube, Sie haben gerade das rechte Gesicht für das Geschäft, wenn Sie nur noch das Schwadronieren lernen! Nur ein Buch unter zwanzig ist wirklich notwendig, alle übrigen sind Luxus. Ihre Kunst wird eben darin bestehen, den Leuten einzureden, daß neunzehn eine Notwendigkeit sind und das zwanzigste ein Luxus, den sie sich unbedingt leisten müssen. Es ist genau wie bei Lebensmitteln oder Kleidern oder irgend etwas anderm in unserer Zivilisation.«

»Jawohl, Sir, das versteh ich.«

»Schön! Gute Nacht und viel Glück!«

Michael stand auf und streckte die Hand hin. Der junge Mann ergriff sie mit einer seltsamen ehrerbietigen kleinen Verbeugung. Eine Minute später stand er draußen auf der Gasse; und Michael in der Halle dachte: ›Mitleid ist Blödsinn! Hab ja ganz vergessen, daß ich ein Spitzel sein sollte!‹


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