Otto Ernst
Satiren, Fabeln, Epigramme, Aphorismen
Otto Ernst

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Es muß noch ganz anders kommen!

Ein rheinischer Großbazar hatte einmal einen Ausverkauf mit gleichzeitigem Konzert der Düsseldorfer Husaren angezeigt. Die Militärbehörde machte dann allerdings einen Strich durch den schönen Plan; aber das Konzertprogramm ist der Nachwelt wie alles Echte unverloren geblieben.

Es hieß darin:

  1. »La Paloma«, spanisches Ständchen, Karotten, 2 Pfd. 55 Pfg. von Yradier.
  2. »Phantasie aus Lohengrin« Ganz junge Erbsen 1 Pfd. 36 Pfg. von Wagner.
  3. Die Mühle im Schwarzwald (Idylle) Kohlrabi 1 Pfd. 19 Pfg. von Herold. usw. usw.

Selbst im Zeitalter der Heidelandschaft mit Zigarettenreklame ist das schon eine ganz hübsche Leistung. Aber es gäbe noch hübschere. Wir möchten vorschlagen, unsere Dichter mit Interlinear-Anzeigen herauszugeben, und wollen gleich an einem Beispiel zeigen, wie wir uns das denken:

Im wunderschönen Monat Mai
Sommerbeinkleider in allen Größen
von Mark 1,50 an
.

Als alle Knospen sprangen,
Blumenständer ff. bronziert, Mark 2. – und höher.

Da ist in meinem Herzen
Dr. med. A. Müller, Spezialist für Herzkrankheiten, Juliusstraße 1b, IV.
Die Liebe aufgegangen.

Damenhüte – die neuesten Pariser Modelle stets vorrätig.

Im wunderschönen Monat Mai,
Hochfeine Moselweine, vorzüglich geeignet für Maibowle pro Fl. (mit Glas) von 25 Pfg. an.

Als alle Vögel sangen,
Prima fette Gänse, Pfd. 43 Pfg.

Da hab ich ihr gestanden
»Der Galanthomme oder Der galante junge Mann in allen Lebenslagen.«
87. Aufl. Geh. Mark 5.–.
Mein Sehnen und Verlangen.

Babyausstattungen komplett, von Mark 3.– an bis zu den feinsten.

Natürlich wäre auch diese Methode noch der Vervollkommnung fähig. Man könnte z. B. Dichtung und Reklame Wort für Wort oder Buchstaben für Buchstaben abwechseln lassen. Nur wäre hierbei zu bedenken, daß – vielleichthier und da – ein Anzeigenleser sich seines durch Geld gewissermaßen etwas reichlich verdreckten Zeitalters schämen könnte.

 


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