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Wie der Kaufmann samt seinem Weib zu Leufried gekommen und wie Walter die schöne Jungfrau zu seinem Weib nahm.

Der Kaufmann besann sich nicht lange, brachte seine Sachen in Ordnung, und was er von Schulden nicht einziehen konnte, das befahl er einem seiner vertrauten Freunde, dem er eine Vollmacht zustellte. Als er sich ganz reisefertig gemacht, nahm er sein Weib und fuhr mit Freuden davon. Sie säumten sich gar nicht auf der Straße und kamen in gar kurzen Tagen zu ihrem liebsten Sohn und zu Leufried. Ihre Ankunft brachte ihnen allen große Freude, und ward eine Zeitlang zu Hof mit allerlei Kurzweil zugebracht.

Bald darnach brachte Leufried die Sache dahin, daß Walter der schönen Jungfrau vermählt ward, jedoch mit Willen ihrer beider Eltern. Denn der Jungfrau Vater war sehr arm, aber von gutem Adel und Walter nicht so ein Geldnarr, wie man deren viele findet. Er begehrte allein einer frommen und züchtigen Tochter, die ward ihm nach seinem Wunsch und Willen beschert. Denn eine solche wird niemandem zuteil, sie werde ihm dann von Gott dem Herrn beschert, wie Salomon klärlich davon schreibt.

Die Hochzeit ward mit großen Kosten gehalten, das alles aber richtete Leufried aus. Als nun die Hochzeit auch vergangen war, wie dann alle weltliche Freude ein Ende nimmt, setzte Leufried den Walter auf ein schönes Schloß, so ein gar großes Einkommen hatte, und gab es ihm zum Lehen. Seinen Herrn aber, Walters Vater, behielt er am Hof als seinen Hofmeister und geheimsten Rat. Denn er war ein sehr weiser Mann, dabei ganz gütig und ein Vater der Armen, darum er Leufried allezeit dahin wies, daß er seine Untertanen nicht hart beschwerte. Daraus erfolgte, daß er von allem seinem Landvolk gar in großen Ehren, lieb und wert gehalten ward.

Gott wollte, man fände solcher Räte viel an den Fürsten- und Herrenhöfen, welche dem armen Völklein so geneigt und günstig wären. Aber man findet leider der Suppenfresser und Federklauber viel mehr, so die Herren reizen, ihre armen Schäflein zu scheren und den Armen die Haut gar über die Ohren zu ziehen.

Ihr habt gehört, in welcher Gestalt Leufried sein Regiment anfing, auch daß er sonder weisen und guten Rat gar nichts handelte, derhalb ihm alle seine Handlungen glücklich und wohl ausgingen. Seine Eltern hielt er in großen Ehren. Den armen Leuten bewies er viel Gutes und teilte große Almosen aus, wo er sah, daß es die Notdurft erheischte. Was er in Gütigkeit abschaffen konnte, da vermied er mit allem Fleiß Zank und Hader.

Zum Weidwerk hatte er besondere große Lust und Begierde, dazu ihm dann sein Leu und Hund wohl dienten. Friedsam und ganz freundlich lebten Angliana und Leufried miteinander, die Kinder, so ihnen Gott bescherte, zogen sie in großer Gottesfurcht auf. Darum ihnen zu beiden Seiten, Jungen und Alten, großes Glück zu Hand ging, bis sie Gott aus diesem Jammertal zu der ewigen Freude und Seligkeit berief, zu der alle die kommen werden, welche in dem Willen Gottes leben, denen will er die ewige Glorie geben. Dazu helfe uns Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist. Amen.

 

Hier endet der Goldfaden, zuerst an den Tag
gegeben durch Georg Wickram von Colmar,
             Straßburg,
          bei J. Fröhlich, 1557.


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