Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Anzeige. Gutenberg Edition 16. Alle Werke aus dem Projekt Gutenberg-DE. Mit zusätzlichen E-Books. Eine einmalige Bibliothek. +++ Information und Bestellung in unserem Shop +++

Wie der Graf den Freiherrn samt dem Burgvogt mit sich heimführt und Ritter Leufried sie beide seiner liebsten Jungfrau übergab, nach ihrem Gefallen mit ihnen zu verfahren.

Als nun Leufried und der Graf bedachten, wie das Schloß, darauf sie waren, nicht so gar fest sei, sorgten sie, die Knechte, so wieder zu Land gekommen waren, möchten sie verkundschaften und das Landvolk in einen Tumult bewegen, daß es sich unterstünde, mit Gewalt ihren Herrn zu befreien. Darum säumten sie sich nicht lange, führten die beiden Gefangenen ganz gewahrsamlich und ritten wieder heim. Sobald sie nun zu Hof kamen, hat sich jedermann über die Gefangenen verwundert; denn niemand versah sich eines Unfriedens oder Lärms. Dieses Geschrei ist bald vor Angliana gekommen, die sich nicht lange säumte, sondern samt ihrem Frauenzimmer zu ihrem Vater ging. Sobald übergab Ritter Leufried die beiden Gefangenen seiner liebsten Jungfrau und tat ihr dabei die Ursache ihrer Gefängnis zu wissen. Darüber verwunderte sich die Jungfrau größlich und befahl, die beiden Gefangenen auf das sicherste zu verwahren, bis sie sich mit ihrem Vater und dem Ritter genugsam unterredet hätte. Also ließ man sie in einer besonderen Stube von gewaffneten Männern hüten. Nach zwei Tagen kamen auch die anderen Knechte und stellten sich wie sie; dann sie es dem Ritter im Wald zugesagt hatten. Sie wurden mit ihrem Herrn in derselben Stube verwahrt.

Als nun Angliana mit ihrem Vater und dem Ritter zu Rat gegangen war, haben sie die anderen Diener für ledig erkannt, dieweil sie alles, so sie gehandelt haben, auf Befehl ihres Herrn haben tun müssen. Den Burgvogt aber haben sie wegen seiner Drohworte bei seinem Herrn bleiben lassen und diesem eine Ranzion aufgelegt, nämlich tausend Dukaten. Desgleichen hat er sich gegen den Grafen gar hoch verschreiben müssen, ewigen Bund und Frieden mit ihm zu halten, in gar keinem Weg wider ihn noch die Seinen zu handeln denn gütlich und wozu er Fug und Recht habe. Den Burgvogt haben sie um fünfzig Dukaten ranzioniert. Die Ranzion ist schnell erlegt worden, und hat sich der Landsherr in keinem Weg gesperrt, damit er vor dem König nicht verklagt würde, hat sich auch demnach so ganz freundlich gegen und an dem Grafen gehalten, desgleichen an Ritter Leufried, daß sich des nicht genug zu verwundern war. Als alles ausgerichtet war, ist er samt seinem Burgvogt wieder nach Hause geritten. Nun dachte er erst nach, wie unbillig er dem Ritter aufsätzig gewesen ist, und also ist dieser Unwille auch zergangen.


 << zurück weiter >>