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Das Gastmahl

          Ein edler Schmaus hat uns geschart,
Nicht karg noch allzu statisch;
Ein Schmaus nach alter Griechen Art,
Einfältig und sokratisch.
Die Feierstund in sanftem Gang
Würzt unsern Trank
Mit holder Red und Chorgesang.

Zum Labsal beut ein Ehrentag,
Nach langer Mühn Ermattung,
Uns bald ein festlich Schmausgemach,
Bald grüner Bäum Umschattung.
Man bringt bescheiden, was man weiß,
Dem trauten Kreis;
Und Anmut kränzt den ernsten Fleiß.

Im Stillen spähn wir da und dort
Urreiner Wahrheit Schimmer.
Uns schwebt, gehüllt in geistig Wort,
Bald etwas Glanz, bald Flimmer.
Gesellt in edler Freunde Kranz,
Entbrennt der Glanz
Und strahlt durch Herz und Seele ganz.

Zu düster und einsiedlerisch
Entschwebt das Wort der Zelle,
Erheitert's nicht am frohen Tisch
Der Unterredung Helle.
Gesellig Wort fliegt leichtgewandt
Durchs Vaterland,
Willkommen rings, wie längst bekannt.

Ein heitres Wort voll edles Sinns
Durchströmt das Volk mit Gluten.
Man liebt, statt niedriges Gewinns,
Das Schöne zu dem Guten.
Gestreut wird hoher Menschheit Saat;
Bald keimet Rat,
Strebt auf und reift Heroentat.

Noch wildert rings der Barbarei
Verjährter Wust und Schimmel.
Doch emsig pflegen wir und treu
Des Götterstrahls vom Himmel.
Aus deutscher Wildnis blühe schön
Ein neu Athen,
Wo Xenophont' im Schatten gehn.

Ohnmächtig droht die stolze Welt,
Den Himmelsgeist zu lähmen;
Er fliegt und leuchtet und erhellt:
Der Stolz verweht wie Schemen.
Wie groß der Knecht den Herrscher nennt,
Kein Enkel kennt
Des Tatenlosen Monument.

Des Enkels Kind und Enkel preist
Dein Lied, Petrark und Dante,
Der Luther und Shakespeare Geist,
Der Milton' und Cervante.
Wer Menschentugend schön gedacht
Und gut vollbracht,
Ist seines Volkes Ruhm und Macht.


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