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Gesang der Neufranken für Gesetz und König

(1792)

Melodie des Marseillermarsches

        Sei uns gegrüßt, du holde Freiheit!
    Zu dir ertönt froh der Gesang!
    Du zerschlägst das Joch der Bezwinger
    Und erhebst aus Elend in Heil!
    Du erhebst aus Elend in Heil!
Uns zu erneun, kehrst du vom Himmel,
    Längst deinen Geweihten ersehnt!
    Was hemmet ihr, Bezwinger, noch
    In verschworner Wut die Erneuung?
        Mit Waffen in den Kampf,
        Für Freiheit und Gesetz!
    Naht, Bürger, naht! Bebt, Mietlingsschwarm!
        Entfliehet oder sterbt!
Chor
      Wir nahn, wir nahn! Bebt, Mietlingsschwarm!
        Entfliehet oder sterbt!

 

Oh, wie betäubt von Todesschlummer,
    Wie gar entmenscht starrte der Mensch!
    Du berührst ihn sanft, er erwachet
    Und vertraut sich, denket und fühlt!
    Er vertraut sich, denket und fühlt!
Ihr, die zum Vieh Menschen entwürdigt!
    Unmenschen, ihr trotzet noch jetzt?
    Ihr straft, wo ein Gedank ertönt,
    Und erzwingt fühllosen Gehorsam?
        Mit Waffen in den Kampf,
        Für Freiheit und Gesetz!
    Naht, Bürger, naht! ff.

In der Befehdung wüstem Alter
    Habt ihr des Volks Kette gefügt!
    Mit berittnen Horden bezwangt ihr,
    Was Betrieb und Künste gebaut,
    In Gefild und Städten gebaut!
Wie ihr das Volk, banden den Landmann
    Leibeigen sich Ritter und Knapp!
    Ihr weigert die Erlösung noch?
    Ihr verstärkt die Kette der Knechtschaft?
        Mit Waffen in den Kampf,
        Für Freiheit und Gesetz!
    Naht, Bürger, naht! ff.

Nur des Berittnen weicher Enkel
    Ist von Geburt edel und klug!
    Ihm allein wird alle Verwaltung;
    Das Geschäft nicht, aber die Macht!
    Das Geschäft nicht, aber die Macht!
In dem Gepräng eiteler Torheit
    Mißhandelt er Geist und Verdienst!
    Kaum schützet noch ein Titelschall;
    Und des Bürgers Namen ist Schmähung!
        Mit Waffen in den Kampf,
        Für Freiheit und Gesetz!
    Naht, Bürger, naht! ff.

Wie das Gezücht unnützer Hummeln
    Euch den Ertrag, Bienen, entrafft,
    So verschwelgt des Landes Gemeingut
    Der gebornen Höflinge Schwarm,
    Von Geburt schon edel und klug!
Und es erwächst Schuld und Beschatzung,
    Weitwuchernder Üppigkeit Frucht!
    Für Haupt wird da gesteurt und Brot;
    Und die Witwe weint mit den Waisen!
        Mit Waffen in den Kampf,
        Für Freiheit und Gesetz!
    Naht, Bürger, naht! ff.

Wann hat gemeines Wohls Empfindung
    Euch in der Brust, Edle! geglüht?
    Unerzogen selbst, nur gebildet,
    Auch dem Volk versperrt ihr das Licht,
    Auch dem Volk das heilige Licht!
Und es erträgt Raub des Gewildes,
    Hetzgeißel und Jäger und Hund!
    Die Saaten, die es kaum geschirmt,
    Die zerstampft ihm tobende Rennjagd!
        Mit Waffen in den Kampf,
        Für Freiheit und Gesetz!
    Naht, Bürger, naht! ff.

Und es erträgt zahllose Heere,
    Die wie der Feind lasten und drohn:
    Nur genährt zum Dienste der Willkür,
    Dem Gewerb und Pfluge geraubt!
    O dem Greis und Kinde geraubt!
Und es erträgt Kriege des Thrones,
    Arglisten und Launen ein Spiel!
    Und, Jammer! an ein fremdes Volk
    Wird verkauft sein Blut von der Habsucht!
        Mit Waffen in den Kampf,
        Für Freiheit und Gesetz!
    Naht, Bürger, naht! ff.

O du Beherrscher, sei uns Vater;
    Und dir gehorcht kindlich das Volk!
    Die Erfahrnen hör und die Guten,
    Die das Volk dir sendet zum Rat,
    Zu dem treuvorsorgenden Rat!
Es sei geehrt Fleiß nur und Tugend,
    Wohltätiger Eifer und Geist!
    Doch nährst du der Gebornen Stolz
    Und erstickst die Rufe der Menschheit;
        Mit Waffen in den Kampf,
        Für Freiheit und Gesetz!
    Naht, Bürger, naht! Bebt, Mietlingsschwarm!
        Entfliehet oder sterbt!

Chor
      Wir nahn, wir nahn! Bebt, Mietlingsschwarm!
        Entfliehet oder sterbt!

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