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Die frühe Melkerin

        In roter Frühe,
Da hüpf ich barfuß oft hinaus
Und wähle, welche Blum im Strauß
    Am schönsten blühe.
Die Vöglein seh und hör ich wach
Und denke still dem Traume nach
    In roter Frühe.

    In roter Frühe,
Da spiegl ich mich am klaren Teich
Und meine, daß dem Morgen gleich
    Mein Antlitz glühe.
Die Locken streicht zurück die Hand
Und bindet sie mit losem Band
    In roter Frühe.

    In roter Frühe,
Da geh ich froh und leicht wie Flaum
Ans Morgenwerk und spüre kaum
    Die kleine Mühe.
Mir dünket alles hold und schön,
Wann süß die Morgenlüftchen wehn,
    In roter Frühe.

    In roter Frühe,
Da eil ich rasch zur Blumenau;
Entgegen brummen mir im Tau
    Die glatten Kühe.
Die bunten Eimer melk ich voll
Und singe, was man singen soll,
    In roter Frühe.

    In roter Frühe,
Da baut des Nachbars Sohn das Feld
Und nötigt, daß ich halb verstellt
    Am Dorn verziehe.
Die ganze Gegend ruht so still;
Da kann man machen, was man will,
    In roter Frühe.


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