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Die Spinnerin

Auch diesem Liedchen hat Sappho, deren göttliche Gesänge vielleicht unter den herkulanischen Rollen umsonst Rettung erwarten, durch ein kleines Fragment den Ton gestimmt:

Lieb Mütterlein, ich kann nicht
An dem Webestuhl dir rasseln!
Mein Herz gewann dem Jüngling
Die Gewalt der schlanken Kypris!
        Ich armes Mädchen!
Mein Spinnerädchen
Will gar nicht gehn,
Seitdem der Fremde
In weißem Hemde
Uns half beim Weizenmähn!

Denn bald so sinnig,
Bald schlotternd spinn ich
In wildem Trab,
Bald schnurrt das Rädchen,
Bald läuft das Fädchen
Vom vollen Rocken ab.

Noch denk ich immer
Der Sense Schimmer,
Den blanken Hut,
Und wie wir beide
An gelber Weide
So sanft im Klee geruht.


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