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Dem Genius der Menschlichkeit

      Hinweg, wer kühn ins Heiligtum,
Ein Ungeweihter, drang!
Dir, Weinerschaffer, dir zum Ruhm
Tön ernster Hochgesang!
Laß, Vater, Wohlgefallen dir
Des frommen Chores Lob,
Du, der aus Wust und roher Zier
Gestalt und Anmut hob!

Du hast die Menschen zum Genuß
Des Lebens erst geweiht,
O namenreicher Genius
Erhabner Menschlichkeit.
Du zeigtest, Noah, du, Osir,
Der Wildnis schönen Bau.
Preis dir, Jao! Bacchos, dir!
Scholl Rebhain, Flur und Au.

Nach Beer und Eichel, ungeschlacht,
Durchbrach der Mensch den Wald,
Kaum schlau zu Fischfang oder Jagd,
Und haust' im Felsenspalt.
Sein Weib und Kind wehklagt' um ihn
Im Sturm ohn Hüll und Glut;
Oft naht' ein Feind, vom Hunger kühn,
O Graun! und schwelgt' in Blut.

Dein Lenz erschien: die Wilde traf
Ein Lamm, gesäugt am Bach;
Liebkosend bot sie Klee dem Schaf,
Und traulich folgt' es nach.
Mit Herd' und Hund durchschweifte man
Forthin die öde Welt;
Die Hirtin melkt' und sang und spann,
Und wirtlich raucht' ihr Zelt.

Kam Mangel, schmerzhaft trennte sich
Vom schönen Tal die Schar,
Wo Freund und Sippe nachbarlich
Ihr Rat und Helfer war.
Da pflanztest du des Landes Frucht
Ins schöne Tal hinein:
Getreid und Obst vielfacher Zucht
Und Honig, Öl und Wein.

Bald blüht' in Ordnung Dorf und Stadt
Durch freigewählten Zwang;
Die Kunst schuf Meißel, Schnur und Rad,
Schuf Kraftred und Gesang.
Die Weisheit forschte himmelwärts
Und ward Religion;
Jenseits des Grabes sah das Herz
Unsterblichkeit und Lohn.

Im Menschen wohnt der Gottheit Geist
Und strebt von Höhn zu Höhn.
Weh ihm, wer nicht von Herzen preist,
Was wahr ist, gut und schön!
Ein Tier des Feldes, wühlt er nur
Nach schnöder Sättigung;
Nie gab dein stilles Wort, Natur,
Nie Red und Lied ihm Schwung!

Heil, Heil! o Himmelsgenius
Erhabner Menschlichkeit,
Der Sinn und Herzen zum Genuß
Urreiner Schöne weiht!
Dir schwören wir beim Feiertrank
Von neuem Biedermut;
Und laut ertönt's im Hochgesang:
Seid menschlich, froh und gut!


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