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Der Flausrock

(1790)

Nach dem Altenglischen

                Ein Regensturm mit Schnee und Schloßen
Zog düster über Land und Meer,
Daß traufengleich die Dächer gossen;
Die Küh im Felde brüllten sehr.
Frau Käthe, die zwar niemals zanket,
Sprach hastig: »Geh doch, lieber Mann,
Geh hin, eh Bleßchen uns erkranket,
Und zieh den alten Flausrock an.

Die beste Kuh ist unser Bleßchen;
Und höre, wie sie kläglich brüllt!
Sie hat uns schon manch liebes Fäßchen
Mit Milch und Butter angefüllt.
Entsetzlich tobt des Sturms Gesause!
Geh hin, mein lieber guter Mann,
Und hole Bleßchen mir zu Hause,
Und zieh den alten Flausrock an.«

»Mein Flausrock dient' in Sturm und Regen,
Solang er neu und wollig war.
Doch jetzo hält er schwerlich gegen;
Ich trag ihn schon an dreißig Jahr.
Frau, laß uns nicht so nährig geizen.
Wer weiß, wie bald man sterben kann!
Bedenk, für eine Tonne Weizen
Schafft sich ein neuer Flausrock an.«

»Für so viel Weizen trug zur Feier
Der Herzog Ulrich seinen Rock
Und murrte doch, er sei zu teuer,
Und schalt den Schneider einen Bock.
Der fromme Herr war Fürst im Lande,
Und du bist ein gemeiner Mann.
Der Hochmut führt in Sünd und Schande!
Drum zieh den alten Flausrock an.«

»Nicht prunken will ich, liebes Käthchen,
Nur warm durch Sturm und Regen gehn.
Schon zählen läßt sich jedes Drähtchen,
Ja Fäserchen und Fetzen wehn.
Sieh Roberts, Wilms und Bartels Kleider;
Wann gehen die so lumpig, wann?
Doch Werkeltag und Sonntag leider
Zieh ich den alten Flausrock an!«

»Der Flausrock, deucht mir, ist noch billig;
Ich hab ihn gestern erst geflickt.
Du weißt, wie sorgsam ich und willig
Dich stets gepfleget und geschmückt.
Du findest hier ein warmes Stübchen
Und eine warme Suppe dann.
So geh denn hin, mein wackres Bübchen,
Und zieh den alten Flausrock an.«

»Ein jedes Land hat seine Weise,
Und seine Hüls ein jedes Korn.
Die Wirtschaft, Frau, kommt aus dem Gleise,
Verliert der Mann erst Zaum und Sporn.
In Sturm und Regen übernachte
Das Bleßchen, wo es will und kann!
Denn nimmer, ob sie auch verschmachte,
Zieh ich den alten Flausrock an!«

»Mein Herzensmann, seit dreißig Jahren
Hab ich in Fried und Einigkeit
Mit dir viel Freud und Leid erfahren
Und dich mit manchem Kind erfreut.
Zum Segen zog ich alle sieben
Mit Wachen und Gebet heran.
Nun, Männchen, laß dich immer lieben
Und zieh den alten Flausrock an.«

Frau Käthe, die zwar niemals zanket,
Mag gern des Wortes sich erfreun;
Auch wird's mit Ruhe mir verdanket,
Laß ich nur fünf gerade sein.
Stillschweigend stand ich auf vom Sitze,
Ein wohlgezogner Ehemann,
Verschob aufs eine Ohr die Mütze
Und zog den alten Flausrock an.


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