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Die Kirche

        Du, Vater, sandtest deinen Sohn,
    Mit deinem Geist gerüstet,
Zu bessern unter Schmerz und Hohn,
    Was Priesterwahn verwüstet.
»Ich geb euch«, sprach er, » ein Gebot:
Liebt, Kinder, liebt euch bis zum Tod!«

Die Jünger gingen aus voll Kraft
    Und tauften, welche kamen,
Aus allem Volk, zur Brüderschaft
    In ihres Meisters Namen.
Doch bald ersann man neue Lehr
Und teilte sich und zankte sehr.

Die neuen Lehrer hatten bald
    Gebiet von Land und Leuten
Und machten Bündnis, durch Gewalt
    Für Gottes Reich zu streiten.
Man stimmt' um Wahrheit, trat in Zunft
Und schied den Glauben von Vernunft.

»Mein Reich ist nicht von dieser Welt!«
    So sprach der große Meister.
Umsonst! Es zwang der Glaubensheld
    Durch Fleischesmacht die Geister.
Den Forscher traf der Kirche Bann;
Nicht Träne nur, auch Blut schon rann.

Da rief, vom hehren Traum erwacht,
    Ein Mann in seiner Zelle:
»Ihr Völker, auf! aus träger Nacht!
    Schon dämmert Morgenhelle!
Ja, blinzt und tobt, ihr Eulenzunft!
Das Wort soll leuchten und Vernunft!«

Nun stieg die Sonn und strahlte hell,
    O Deutschland, deinem Volke
Mit warmem Licht; da hob sich schnell
    Die düstre Nebelwolke.
Denn lange lag, von Dünsten schwer,
Die kalte Mitternacht umher.

Noch waltet, statt Religion,
    Der alten Satzung Düster.
Noch trotzen dir, o Gottes Sohn,
    Gebotnes Glaubens Priester.
Wann bricht aus Nebel Sonnenschein?
Daß wir des warmen Lichts uns freun!


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