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3. Kapitel.
Schlachten und Kämpfe

Nachdem unsere sämtlichen Regimenter nach dem Westufer des Gardasees beordert worden waren mit dem Befehl, in Tirol zu operieren, schob ich das zweite Regiment und die zweiten Bersaglieri gegen Caffaro vor, um mich der dortigen Brücke samt der starken Stellung von Monte Suello zu bemächtigen. Dieser Auftrag wurde mit Schnelligkeit und Entschlossenheit ausgeführt, und in einem ruhmvollen Gefecht wurden die Österreicher dort verjagt. Der Anfang unseres Feldzuges ließ sich somit aufs beste an und ich schickte mich an, mit den mir verbliebenen verfügbaren Regimentern jener unserer hochgemuten Vorhut in geringem Abstand zu folgen, als die verhängnisvolle Schlacht vom 24. Juni erfolgte.

Nachdem mir General La Marmora den unseligen Ausgang dieser Schlacht mitgeteilt und mir den Befehl gegeben hatte, ohne auf die Mitwirkung unseres Heeres zu rechnen, das sich hinter den Oglio zurückzog, Brescia zu decken, rief ich die Vorhut aus Tirol zurück und richtete meine Absichten sogleich auf Konzentrierung aller Streitkräfte, die ich zusammenziehen konnte, bei Lonato, östlich von Brescia, unweit des Südendes des Gardasees. einem Punkte, der eine dreifache Aufgabe erfüllte: er deckte Brescia, deckte Salò und gab die Möglichkeit, Menschen und Materialien des Hauptheeres, das, wie ich wußte, zersprengt war, an sich zu ziehen, was denn auch geschah. Unsere hochgemuten Freiwilligen, die nur an Vaterlandsliebe und Begeisterung reich waren, eilten auf meinen Befehl in beschleunigten Märschen nach Lonato, aber da sie mit jämmerlichen Gewehren ausgerüstet waren und der notwendigsten Ausstattungsgegenstände entbehrten, so war es für sie schwer, schnell dorthin zu gelangen, besonders für die Regimenter des Südens.

In den Tagen, die dem unseligen 24. Juni folgten, besetzten wir Lonato und Desenzano Am Südende des Sees, östlich von Lonato; Rivoltella liegt noch weiter östlich, zwischen Desenzano und Peschiera. unter Vorschiebung unserer Posten bis Rivoltella, erst mit einem Regiment, dann mit mehreren, die, sobald sie anlangten, sich in Schlachtordnung aufstellten, da mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen war, daß die Österreicher nach dem Rückzug unseres Heeres nicht müßig bleiben würden. Indes würden die süditalienischen Regimenter, aller Anstrengungen vorwärtszukommen ungeachtet, nicht mehr zur Zeit angelangt sein, um uns zu unterstützen, wenn der Feind seinen Vorteil wahrgenommen und sich auf uns geworfen hätte. Wenn mir recht ist, so würden wir am 26., als dem Tage, an dem das Erscheinen des Feindes erwartet werden konnte, ihm nicht mehr als 8000 Mann haben entgegenstellen können mit einer Gebirgsbatterie und einem Vierundzwanzigpfünder von der Flottille, den ich auf der Höhe über Lonato hatte aufstellen lassen. Aus dem allen kann man sehen, daß der Beschluß, Lonato gegen das siegreiche feindliche Heer zu halten, falls dieses gegen uns anmarschiert wäre, einigermaßen gewagt war; gleichwohl erwies er sich als sehr vorteilhaft. Die italienischen Freiwilligen können darauf stolz sein und die Jugend mag daraus die Lehre ziehen, daß es stets gut ist, ehe man sich vor einem noch so starken Feinde zurückzieht, ihn sich wenigstens erst einmal anzusehen und zu prüfen und dann mit kaltem Blute sich den Schaden und Schimpf zu vergegenwärtigen, der aus einem übereilten Rückzug hervorgehen kann. – Indem wir Lonato und Desenzano hielten und unsere Vorposten in Rivoltella und rechts von unserer Front bis nach Pozzolengo Weiter landeinwärts (südlich), nach Osten etwas weiter vorgeschoben als Rivoltella. standen, deckten wir Brescia wirksam, wie es uns vorgeschrieben worden war, ferner Salò mit seinem Zeughaus, seinen Magazinen und der Flottille, und konnten zu unserer großen Genugtuung die zerstreuten Mannschaften des Heeres sowie einige Wagenparks aufnehmen.

Mir widerstrebt es, den Gefallenen Fußtritte zu geben, und ich möchte nicht, daß man das, was ich über die Heerführung sage, als Rache auffasse. Aber ich muß es doch aussprechen, daß, während Alle die prächtigsten Ergebnisse von einem prächtigen Heere erwarteten, das doppelt so groß war wie das der Feinde, und über ungeheure Mittel und die erste Artillerie der Welt verfügte, auch große Begeisterung bei der Truppe und große Tapferkeit zeigte, es ein schrecklicher Schlag für alle war, sich in einem Augenblick enttäuscht zu finden und zu sehen, wie dieses nämliche prächtige Heer in Verwirrung und ohne vom Feinde verfolgt zu werden, sich 30 Miglien weit hinter einen Fluß zurückzog! Das Hauptheer ging vom Mincio an den Oglio zurück, und zwar erst, nachdem es sich geschlagen hatte. Aber warum zog sich der rechte Flügel, die Po-Armee, zurück? Mit 90 000 Mann und einem Flusse wie den Po vor der Nase, trat diese Armee den Rückzug an: von wem verfolgt? Der Feind hatte 80 000 Mann am Mincio, und wenn er auch siegreich war, so mußten nach einer Schlacht gegen ein überlegenes Heer diese 80 000 Mann doch auch vermindert und wenigstens ermüdet sein. Und warum ging der Rückzug vom Po bis zu den Apenninen? Ich vermag mir darüber keine Rechenschaft zu geben. – Ich kenne den österreichischen Heerführer nicht, der 1866 unsere Feinde befehligte; Erzherzog Albrecht. aber er muß jedenfalls ein genialer Heerführer gewesen sein, der ein mehr als doppelt so starkes Heer aus Soldaten, die sicherlich den Seinigen ebenbürtig waren, zu schlagen vermocht hat. Die Siege der Preußen im Norden führten dann allerdings dazu, daß er Halt machte. Aber mit etwas mehr Entschlossenheit hätte er meine 8000 Mann ohne Artillerie vernichten und im Herzen der Lombardei und Piemonts sein Sommerquartier aufschlagen können, um dann mit großer Wahrscheinlichkeit den Frieden unter für ihn sehr günstigen Bedingungen zu erzwingen.

Unter unseren Freiwilligen herrschte jedoch keine Verwirrung noch Furcht oder Verzagtheit. Alle betrübte das nationale Unglück, aber keiner machte sich Sorgen um das Geschick des Vaterlandes, und die Begeisterung, mit der jene wackere junge Mannschaft den heimischen Herd verlassen, erhielt sich nicht nur ungemindert, sondern nahm angesichts unserer schwierigen, kritischen Lage nur noch zu: Krieg! Kämpfen! das verlangten alle, und wenn wenigstens 1 Monat Zeit gewesen wäre, um unsere Freischaren zu organisieren und an das Lagerleben zu gewöhnen, und wenn man sie zweckentsprechend bewaffnet hätte, so würden sie Wunder getan haben. Erwägt man ohne Leidenschaft die Ursachen der Katastrophe unseres Heeres und sieht von der Unfähigkeit gewisser Führer und von der geringen Anhänglichkeit des bäuerlichen Elements an die nationale Sache ab, so kann man mit der Unparteilichkeit des Geschichtsschreibers ohne Bedenken das Urteil fällen, daß der von Anfang an befolgte Kriegsplan fehlerhaft gewesen ist, nämlich das gesamte feindliche Heer mit nur einer Hälfte des eigenen Heeres schlagen wollen, während dann der österreichische General mit seinem ganzen Heer unser halbes schlug – nach einer Methode, die insgemein dem, der sie befolgt, den Sieg verleiht, wie zahlreiche Beispiele aus der Geschichte der Schlachten beweisen.

Das italienische Heer teilte sich in 2 Teile: der eine von 120 000 Mann am Mincio und der andere von 90 000 Mann am Po: jeder der beiden Teile dem österreichischen Heere überlegen, das außerhalb seiner Festungen nur etwa 80 000 Mann zählte. Daß man nach verschiedenen Punkten hin mit Divisionen oder höchstens je einem Armeekorps drohende Bewegungen ausführte, dann aber in einer Gesamtstärke von nur 80 000 Mann den entscheidenden Schlag gegen das Gros des feindlichen Heeres unternahm: darin scheint mir der erste Fehler zu liegen, den unser Armeekommandant begangen hat. Die Pomündung wäre nach meiner Ansicht der geeignetste Punkt für den Übergang unseres großen Heeres gewesen, da wir dort so viele Dampfer und Barken haben konnten, wie wir nur wollten. Waren wir dann aber einmal Herren beider Ufer des mächtigen Stromes, dann konnten wir sofort den Rest unserer Streitkräfte und das ganze Kriegsmaterial in kurzer Zeit hinüberschaffen. Kam dann der Feind heran, um uns anzugreifen, so hatte er wenigstens nicht seine Stütze an dem furchtbaren Festungsviereck. Das Festungsviereck – an Mincio und Etsch – wurde bekanntlich gebildet durch die Festungen Mantua, Peschiera, Verona und Legnago. Der österreichische General benutzte unsere Fehler und zog klugerweise alle Truppen, die er verfügbar hatte, um Verona zusammen, und fiel dann auf unsere halbierte Mincio-Armee, die zuerst zur Offensive überging. Es waren noch nicht viele Jahre her, seit Napoleon I. in ähnlicher Weise operiert und, indem er die Belagerung von Mantua im Stich ließ, die beiden Hälften des österreichischen Heeres eine nach der anderen auf den beiden Ufern des Gardasees geschlagen hatte. Sie hatten den Fehler gemacht, sich zu teilen, um ihn anzugreifen, indem sie die große Fläche des Sees zwischen sich legten; aber der große Stratege kam ihnen zuvor und vernichtete sie. Garibaldi spielt hier auf die Erfolge der Franzosen in Oberitalien gegen die Österreicher im Winter 1796/97 (Treffen von Arcole und Rivoli) an. Er kommt dann aber noch in einem besonderen »Nachtrag« zu den Memoiren, dem er das Datum »Civitavecchia 15. Juli 1875« voransetzt, auf die Schlacht von Custozza zurück, um diese mit verschiedenen Schlachten älterer und neuerer Zeiten zu vergleichen und die begangenen Fehler, ähnlich wie er es schon in der obigen zusammenhängenden Erzählung tut, hervorzuheben und zu erläutern

Nach der großen Feldschlacht von Custoza hielten wir die Stellungen von Lonato und Desenzano, bis ein Befehl vom Armeekommando uns anwies, die Feindseligkeiten gegen Tirol aufzunehmen, da das Heer wieder in den Stand gesetzt sei, zur Offensive zurückzukehren. Nachdem ich das 2. Regiment zur Deckung von Salò, der Flottille und der wichtigsten Punkte des Sees bis Gargnano Am Westufer nördlich von Salò. zurückgelassen, das ganze dem Befehl des Generals Avezzana übergeben, die Batterien zur Verteidigung der Westküste fertiggestellt hatte, schlug ich mit dem 1. und 3. Regiment und dem 1. Bataillon Bersaglieri wieder den Weg nach dem Caffaro ein. Mittlerweile hatte der Feind, durch den Sieg von Custoza zuversichtlich gemacht, nach unserem Abzug vom Caffaro diesen Punkt sowie den Monte Suello stark besetzt. Ich entschloß mich daher, ihn durch einen Handstreich daraus zu verjagen, um mir den Weg nach Tirol zu eröffnen. Am 3. Juli bei Tagesanbruch aus Salò aufbrechend, erreichte ich gegen Mittag Rocca d'Anfo und fand dort, daß Oberst Corte, der damals unsere aus den drei erwähnten Abteilungen gebildete Vorhut befehligte, schon seine Dispositionen getroffen hatte, um den Feind aus unserem Grenzgebiet zu verjagen. Er hatte den Major Mosto mit 500 Mann über die Berge und durch die Täler westlich von Rocca d'Anfo nach Bagolino entsandt, zu dem Zwecke, den Feind in der rechten Flanke und im Rücken zu umgehen. Da aber Mosto von Rocca d'Anfo aus einen österreichischen Vorposten bei Sant' Antonio, etwa einen Kanonenschuß von der Festung entfernt, wahrnahm, so suchte er diesen ebenfalls zu umgehen, indem er eine Abteilung der ersten Bersaglieri unter dem Befehl des Hauptmanns Bezzi über die Berge sandte. Keine der beiden zur Umgehung ausgesandten Abteilungen hatte Erfolg infolge der Schwierigkeiten der Wege sowie eines Platzregens. Ich erwartete vielleicht zu viel von der Begeisterung der hochgemuten Freiwilligen und hätte besser getan, den Angriff auf den nächsten Tag zu verschieben, da die Soldaten müde und von Regen durchnäßt, Waffen und Munition aber in kläglichem Zustand waren. Aber da ich auf die Wirkung eines schnellen, unerwarteten Angriffs und insbesondere auf die Begeisterung von Leuten rechnete, die ich weit größere Schwierigkeiten hatte überwinden sehen, so entschloß ich mich zum Kampfe.

Als Kapitän Bezzi gegen 3 Uhr nachmittags durch das Gebirge links den vereinbarten Punkt erreicht hatte, gab er ein Signal, und ich befahl nun der Angriffskolonne, die bis dahin unter der Deckung der Festung geblieben war, im Eilschritt vorzugehen und den Feind anzugreifen. Oberst Corte marschierte an der Spitze der Kolonne mit seinen Adjutanten und leitete mit der ihm eigenen Kaltblütigkeit den Angriff in bester Ordnung und mit einer Hingebung, die der italienischen Freiwilligen würdig war. Eine Zeitlang ging alles gut und der Feind wich vor der Tapferkeit der Unsrigen zurück; aber nachdem er durch die Reserven, die die Höhen des Monte Suello besetzt hielten, verstärkt worden war, fanden die Unsrigen immer stärkere Positionen vor sich, und endlich kam ihr ungestümer Anprall zum Stehen, und eine große Zahl Verwundeter, die von ihren Genossen unterstützt auf der Hauptstraße zurückgingen, brachte die Kolonne einigermaßen in Verwirrung. Wir verloren einen unserer besten Offiziere, den Hauptmann Bottino, und noch eine ziemliche Zahl anderer hochgemuter Krieger. Die Zahl unserer Verwundeten war ohne Zweifel viel beträchtlicher als die der Feinde, ein Vorzug, der gewöhnlich den italienischen Freiwilligen von dem berüchtigten Hofkriegsrat zugestanden wird, indem dieser sie zwingt, mit Kettenschlössern gegen überlegene feindliche Feuerwaffen zu streiten. Und hier handelte es sich um tirolische Schützen, da die feindlichen Korps ganz aus diesen Bergbewohnern bestanden. Eine eigentliche Flucht fand nicht statt, Furcht blieb unseren jungen Streitern fern, aber sie waren erschöpft durch die Anstrengungen der voraufgegangenen Märsche und durch den Angriff auf so schwierige Stellungen. Ihr größter Teil und besonders das 3. Regiment, das keine Patronentaschen hatte, behielt keine einzige Patrone trocken und hatte überdies sehr schlechte Gewehre, die entweder versagten oder, wenn sie Feuer gaben, den Feind nicht erreichten, der seinerseits, mit prächtigen Karabinern bewaffnet, uns niedermähte. Kurz, der Tag blieb unentschieden, und man verharrte in den eingenommenen Stellungen unter dem Monte Suello. Ich selbst wurde am rechten Bein verwundet und genötigt, mich zurückzuziehen, indem ich den Oberbefehl dem Oberst Corte übertrug, der sich den ganzen Rest des Tages über wacker in den eroberten Stellungen behauptete. Oberst Bruzzesi vom 3. Regiment half ihm tapfer dabei.

Als am Morgen des 4. der Feind sich vom Monte Suello zurückzog, besetzten wir diesen mit dem Bataillon Cairoli vom 3. Regiment, das ich am Tage zuvor auf der Straße nach Barghe angefunden und dem ich befohlen hatte, vorwärts zu marschieren. Am gleichen Tage besetzten wir Bagolino und den Caffaro. Der Rest der Freiwilligenkorps, denen noch alles Notwendige mangelte, war gegen Tirol in Bewegung, aber langsam, da sie genötigt waren, sich unterwegs auszurüsten. Balvone und Darzo wurden nach geringem Widerstand besetzt und endlich auch Ponte Dazio und Storo, wo ich mein Hauptquartier aufschlug. Storo, ein kleines Dorf am Zusammentreffen der beiden Täler von Giudicaria und Ampola, konnte wegen dieses Umstandes für uns wichtig werden; aber damit es das wirklich würde, war es nötig, daß wir die Höhen besetzten, die es umgaben, besonders Rocca Pagana, einen hohen Berggipfel, der sich, fast vertikal, drohend über Storo erhebt. – Da wir sodann in die Giudicaria vordringen mußten, so wurde es ferner zu einer unabweisbaren Notwendigkeit für uns, zuerst das Fort von Ampola einzunehmen, das das Tal gleichen Namens beherrscht und in das Tal von Ledro Das Ledrotal setzt in östlicher Richtung das von Storo aus nach Nordosten verlaufende Tal Ampola fort und mündet auf Riva, am Nordende das Gardasees. führt, von dem aus der Feind vorstoßen konnte, um, indem er Storo und Ponte Dazio einnahm, uns von Brescia, unserer Operationsbasis, abzuschneiden. Nachdem wir unsere linke Flanke durch die Besetzung Condinos Condino nördlich von Storo im Val Bona (oder Giudicaria) am Chiese; das hernach erwähnte Cimego etwas oberhalb (nördlich) am nämlichen Fluß. und der Berge im Westen gesichert hatten, wandte sich unsere Sorge ausschließlich der Umgehung des beherrschenden Forts von Ampola zu. – In diesen Tagen stieß die berühmte 18. Brigade unter Major Dogliotti mit 15 prächtigen, zwölfpfündigen Geschützen zu uns. Angesichts dieser prächtigen Artillerie habe ich mir eine Vorstellung davon bilden können, was unsere italienische Artillerie zu leisten vermag, und die Überzeugung gewonnen, daß sie keiner in der Welt nachsteht.

Am 16. Juli versuchte der Feind uns aus Condino zu vertreiben. Die Unsrigen waren gegen meinen Befehl von Condino bis nach Cimego vorgegangen und hatten die Brücke, die dort über den Chiese führt, besetzt, ohne aber daran zu denken, auch die Höhen zu besetzen, wie das in dieser gebirgigen Gegend unumgänglich notwendig gewesen wäre, um die Streitmacht, die sich im Tal befand, zu sichern. So vertrieb der Feind mit überlegenen Streitkräften aller 3 Waffengattungen die Unsern aus Cimego, und ohne die Geschütze unserer ausgezeichneten Artillerie, die eben damals uns erreicht hatte, hätte der Tag uns viel kosten können. Glücklicherweise aber waren unsere Verluste nicht bedeutend, und daß sie überhaupt größere waren als die der Feinde, hatte nur, hier wie überall, seinen Grund in unseren schlechten Gewehren. – Major Lombardi, einer der besten unserer Offiziere, der sich in allen Schlachten Italiens ausgezeichnet hatte, starb an diesem Tage den Heldentod. An dem nämlichen Tage wurde ich, als ich zu Wagen von Condino nach Storo zurückkehrte, aus einem feindlichen Hinterhalt über Rocca Pagana einige Zeit beschossen, aber niemand wurde verletzt. Damals zeichnete sich bei Condino besonders der Oberst Guastalla aus. Die hochgemuten Offiziere, die mit der Belagerung des Forts von Ampola beauftragt waren, General Haug und Major Dogliotti, führten ihre Aufgabe in Kürze trefflich durch. Die Freiwilligen erkletterten die jäh zerklüfteten Berge, die das Fort umgeben, brachten die Besatzung dahin, daß sie sich nicht mehr im Freien blicken ließ, und schlossen das Fort auf allen Seiten ein. Die Kanonen aber, die die Freiwilligen und Artilleristen entweder auf den Schultern hinauftrugen oder zwischen den Abhängen der Berge an Seilen aufwärtszogen, schossen bald nicht nur die sehr festen Kasematten, sondern auch alle anliegenden Gebäude in Trümmer. Die von unseren braven Artilleristen entsandten Granaten aber schlugen zahlreich auch durch die Schießscharten hindurch und verursachten große Verluste. Auch eins unserer Geschütze, das der tapfere Leutnant Alasia, der dabei das Leben verlor, auf der Hauptstraße aufgestellt hatte, trug wesentlich dazu bei, den Feind außer Fassung zu bringen. So ergab sich schließlich nach nur wenigen Tagen der Belagerung und der Beschießung aus Kanonen und Flinten jenes kleine, aber für uns außerordentlich wichtige Fort.

Der Krieg in Tirol kann, wie in allen Gebirgslanden, nur durch Besetzung der Höhen geführt werden. Vergebens würde man auch mit den stärksten Streitkräften gegen viel schwächere versuchen, den Feind im Tal zu verfolgen: er würde, mit seinen ausgezeichneten Schützen auf den Gipfeln und Abhängen der Berge, die Truppen, die im Tal entlangzögen, niederknallen.

So begannen wir, mit Ausnahme des Monte Suello, wo wir, vielleicht aus zu großer Ungeduld, von dieser Methode absahen, unsere Vorwärtsbewegung stets mit Besetzung der umliegenden Berge, und wenn auch die Tiroler Jäger sich auf diese Art der Kampfesführung verstehen, die ausgezeichneten Flinten, mit denen sie ausgestattet sind, mit erstaunlicher Meisterschaft handhaben, außerdem auch an und für sich tapfere Kämpfer sind, so vermögen sie doch, wenn es gelingt, die Berggipfel über ihnen zu besetzen, keinen Widerstand zu leisten, und unsere Zähigkeit im Vorgehen wurde stets, wenngleich unter beträchtlichen Verlusten, von Erfolgen gekrönt, die wir besonders der Besetzung der Höhen zu verdanken hatten.

»Den Adler machen« war deshalb das Lieblingswort der Freiwilligen, denen wir dies, nämlich vor jedem Vormarsch im Tal sich der Höhen zu bemächtigen, ganz besonders einschärften. Auch beim Zurückgehen aber muß man, soweit das Terrain und die Umstände es nur immer erlauben, diese Methode befolgen.

Die Ergebung des Fort d'Ampola und die Besetzung der Bergketten, die sich von Rocca Pagana bis zur Höhe des Burelli, Giovio, Cadré usw. erstrecken und die beiden Täler von Ledro und Giudicaria beherrschen, eröffnete uns ohne Schwierigkeit den Weg in das Tal von Ledro und gestattete uns, die Vorhut unserer Kolonne rechts bis Tiarno und Bezzecca Tiarno an der Wendung des Tals nach Osten, Bezzecca etwas unterhalb Tiarno. vorzuschieben. Unsere Bewegung zur Rechten in das Tal von Ledro war um so bedeutsamer, als wir von hier aus die Vereinigung mit dem zweiten Regiment bewirken mußten, das sich über den Monte Nota gegen Pieve Molina und den Gardasee bewegte, meinen Befehlen zuwider, die es durch das Tal Lorina auf Ampola hatten dirigieren wollen, um uns bei dessen Belagerung zu unterstützen. Das Regiment hatte sich in Unordnung zu weit nach rechts vorgewagt und sich der Gefahr ausgesetzt, vom Feinde vernichtet zu werden, wennschon die einzelnen Kompagnien sich tapfer gegen überlegene Feinde geschlagen hatten.

Ich sagte oben, daß ich das 2. Regiment in Salò belassen hatte zum Schutz unserer Flottille, unserer Arsenale und der dortigen Befestigungen. Dann aber hatte das 10. Regiment das 2. ab gelöst und letzteres Befehl erhalten, durch das Tal Destina Etwa in der Mitte zwischen Gardasee und dem kleinen See von Idro; Hauptort Turano. in unsere rechte Flanke zu marschieren, jenes Querjoch zu übersteigen und durch das Tal Lorina auf Ampola herabzugehen. Doch erlitt das Regiment auf diesem Marsche reichliches Ungemach und viele Beschwerlichkeiten und beging nicht wenige Fehler. Und hätte die Ergebung des Forts von Ampola sich nur einen Tag länger hingezogen oder hätten wir die Besetzung von Bezzecca verzögert, so war jenes Regiment ohne Zweifel verloren, wie aus dem, was folgt, zu ersehen ist. – Da mir die Besetzung des Tals von Ledro, besonders um die Vereinigung mit dem 2. Regiment zu sichern, sehr dringend erschien, so hatte ich dem General Haug befohlen, die Sorge für die Belagerung von Ampola dem Major Dogliotti zu überlassen und sich selbst mit so viel Truppen, als die Belagerung zuließ, nach dem genannten Tale zu begeben. Das aber erwies sich – vor der Einnahme des Forts – als eine allzuschwierige Unternehmung und konnte nicht ausgeführt werden. Wie dem sei, ich war über das Schicksal des 2. Regiments in Unruhe und verlor, sobald das Fort sich ergeben hatte, keinen Augenblick, um das 5. Regiment, das einzige, das in Reserve geblieben war, nach dem Tal von Ledro zu dirigieren, verstärkt durch die Kompagnien der verschiedenen Regimenter, die zur Kapitulation von Ampola beigetragen hatten, und 2 Bataillone des 9. Regiments, das die Höhen des Monte Giovio besetzt hielt. – Die Bewegung durch das Ledro-Tal war noch rechtzeitig erfolgt, weil der Feind, der 6000 seiner besten Soldaten im Tal von Conzei zusammengezogen hatte, durch dieses Tal auf Bezzecca abstieg, um die einzelnen Abteilungen des 2. Regiments von uns abzuschneiden und zu vernichten. Das Tal von Conzei nämlich, das von Norden herabkommt, stößt bei Bezzecca rechtwinkelig auf das Tal Ledro. Aber am 20. Juli, da die Straße von Ampola nach der Ergebung des Forts frei war, besetzte die Spitze unserer Angriffskolonne jenes Dorf, und in der Nacht wurde ein Bataillon des 5. Regiments unter dem Befehl von Martinelli ausgesandt, um auf den Höhen im Osten zu rekognoszieren. Dieses Bataillon fand sich, ich weiß nicht durch wessen Schuld, oder vielleicht nur durch Zufall, am frühen Morgen von bedeutenden feindlichen Streitkräften umstellt. Die Reste des Bataillons zogen sich, vom Feinde verfolgt, auf unsere Hauptabteilung zurück, die Bezzecca und die benachbarten Dörfer im Norden besetzte, wobei sich nun ein ernstes Treffen entspann.


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