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6. Kapitel.
Rosalino Pilo und Corrao

Vor dem 5. Mai verließen zwei Jünglinge aus Sizilien Genua, um sich nach Trinakrien Alter Name für Sizilien. zu begeben. Der eine, auffallend schön, mit braunem Haar, gehörte der Familie der Fürsten von Capace an und zeichnete sich durch jene Feinheit der Formen aus, die eine Besonderheit des Wohlstandes zu sein scheint. Der andere besaß die Schönheit des südlichen Plebejers, rabenschwarzes Haar, regelmäßige, aber wie in Erz erstarrte Züge, eine untersetzte, kräftige Gestalt. Er gehörte unverkennbar zu der Volksklasse, die das Geschick dazu verurteilt hat, die Arme zum Unterhalt zu brauchen, in der aber zuweilen einer ersteht, der, von Ehrgeiz getrieben, sich aus seinem Kreise hervorhebt. Und wenn ihn sein Genie unterstützt, so sehen wir ihn sich aus den untersten Schichten zu leitender Stellung aufschwingen: so die Cincinnatus, Marius, Columbus. Beide Männer aber, Rosalino Pilo und Corrao, besaßen ein löwenmutiges Herz. Und die Tausend fanden sie in Sizilien schon vor, wo sie, nach einer wunderbaren Überfahrt gelandet, sich sogleich anschickten, für die Befreiung des Volkes zu wirken, indem sie die mutvollen Söhne des Ätna aufriefen, sich in der Hoffnung auf nahe Hilfe vom Festlande her zu erheben.

Zwei Menschen, nicht mehr, stiegen auf ihrer heimatlichen Erde ans Land, geächtet und zum Tode verurteilt, und durcheilten die ganze Insel, indem sie ihrer heiligen Sendung mit so großer Zuversichtlichkeit oblagen, als befänden sie sich im sichersten Obdach. Erfahre das, Tyrannis, und lerne daraus, daß hier kein Land für Spione ist. Du hast deine Zeit verloren, da du jede Art von Korruption übtest. Hier, auf der Lava des Vaters der Vulkane, hat deine mit Blut und Schande befleckte Macht keinen Bestand. Nimm die Larve der Verfassung, an die kein Mensch glaubt, von deinem Gesicht und zeige dich in deiner verzerrten Fratze eines Heliogabal und Caracalla. Für dich handelt es sich nur noch um eine kurze Zeit, einige Jahre, vielleicht nur noch um Tage. Wenn es den wutentbrannten Abkömmlingen der Zwietracht und der Größe gelingt, sich untereinander zu verständigen, so wird in wenigen Stunden, wie bei der Vesper, keine Spur der ganzen schurkischen Wirtschaft mehr übrig sein.

Rosalino Pilo wurde in einem Scharmützel mit den Bourbonischen, als die Tausend in der Umgegend von Renne mit letzteren wenige Schüsse wechselten, von der feindlichen Kugel getroffen, während er sich anschickte, mir von den Höhen von San Martino zu schreiben, und sank tot zu Boden. Italien verlor in ihm einen der Tapfersten jener prächtigen Heldenschar, deren edles Verhalten es seine Demütigungen und sein Elend vergessen läßt oder sie ihm weniger fühlbar macht. – Weniger glücklich als Rosalino war Corrao, der, nachdem er in allen Schlachten des Jahres 1860 mutvoll gestritten hatte, infolge einer privaten Streitigkeit durch eine italienische Kugel sein Leben verlor. – Sizilien aber wird sicherlich jene beiden heldenmütigen Söhne, die Vorläufer der Tausend, nicht vergessen.


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