Autorenseite

 << zurück weiter >> 

8. Kapitel.
Angriff auf Palermo am 27. Mai 1860

Ein Kern von Tapferen marschierte unter Führung von Tükery und Missori als Vorhut voran. Hier befanden sich Nullo, Enrico Cairoli, Vigo Pelizzari, Taddei, Poggi, Scopini, Uziel, Perla, Gnecco und andere Tapfere, deren Namen ich mich zu meinem Leidwesen nicht mehr erinnere. Hierzu bemerkt Garibaldi: Da mir die Namen derer, die diese geweihte Schar bildeten, nicht mehr alle gegenwärtig sind, so habe ich die Namen obiger ruhmvoller Märtyrer aus den Tausend hier angeführt, wie sie sich meiner Erinnerung darbieten, obschon nicht alle jener Vorhut angehörten. Diese erlesene Schar aus den Tausend achtete für nichts die Überzahl, die Barrikaden, die Kanonen, die die Söldner der Bourbonen außerhalb Porta Termini zusammengehäuft hatten. Sie stürmte vorwärts, jagte die feindlichen Vorposten bei der Admiralsbrücke auseinander und verfolgte sie. Die Barrikaden von Porta Termini wurden im Fluge überwältigt und die Kolonne der Tausend nebst den Abteilungen der Picciotti folgten, an Heldenmut miteinander wetteifernd, den Spuren der stolzen Vorhut. Der nachdrückliche Widerstand, den die zahlreichen Feinde allerorten versuchten, half ihnen nichts, so wenig wie das Donnern der Geschütze zu Lande und auf dem Meere, oder ein Bataillon Jäger, das bei dem oberhalb der Stadt gelegenen Kloster von Sant' Antonio aufgestellt war und in der Entfernung einer halben Schußweite die Angreifer von links her bestreichen konnte. Es half alles nichts. Der Sieg lächelte dem Mut und der gerechten Sache, und nach kurzer Zeit drangen die Kämpfer für die Freiheit Italiens in das Innere von Palermo ein.

Da die Einwohner von Palermo gänzlich ohne Waffen waren, so konnten sie es anfangs nicht wagen, sich dem furchtbaren Schießen auszusetzen, das die Straßen erfüllte; denn es schossen nicht nur die Artillerie der Truppen und der Forts, sondern auch die bourbonische Flotte nahm die Hauptstraßen aufs Korn und bestrich sie mit ihren großen Projektilen. Und jedermann weiß, daß, wenn die Bombardiere eine arme Stadt ohne Hindernis bombardieren können, ihre Kannibalenbravour sich im höchsten Grade zu entfalten pflegt. Allein schon bald eilten die Einwohner von Palermo herbei und legten Hand an die Errichtung jener bürgerlichen Schutzwehren, die die Söldner der Gewaltherrschaft verzagen läßt, nämlich der Barrikaden. Als Leiter aber beim Barrikadenbau zeichnete sich der Oberst Acerbi von den Tausend aus, ein mutvoller Streiter in allen italienischen Schlachten. Die Einwohner bewaffneten sich also mit irgendwelcher Wehr, vom Messer bis zur Axt, und zeigten sich in den folgenden Tagen als eine imposante Masse, der keine Truppe, sie möge noch so trefflich organisiert sein, zu widerstehen vermag.

Von Porta Termini gelangte ich nach Fiera Vecchia und von dort nach Piazza Bologna, wo ich in der Erkenntnis, daß es schwierig sein werde, hier einen festen Kern der über die große Stadt zerstreuten Unsrigen zu bilden, vom Pferde stieg und in einem Hoftor Stellung nahm. Da ich nun meiner Stute Marsala den Sattel mit den Pistolenhalftern abnahm, entlud sich eine Pistole gegen den Erdboden; die Kugel streifte meinen rechten Fuß und riß ein Stück des unteren Hosenbeins weg. »Ein Glück kommt nie allein,« sagte ich zu mir.

Mit dem aus warmherzigen Patrioten gebildeten Revolutionsausschuß von Palermo verständigte ich mich dahin, mein Hauptquartier im Palazzo Pretorio, dem Mittelpunkt der Stadt, Der Palazzo Pretorio oder del Municipio liegt an den Quattro Cantoni (4 Ecken) im Kreuzungspunkt der beiden sich rechtwinklig schneidenden Hauptstraßenzüge der Stadt: Via Marqueda und Via Toledo oder Vittorio Emanuele. zu nehmen.

Kein großes Aufgebot von Bewaffneten lieferte uns die Stadt Palermo, weil ja die Bourbonen ängstlich besorgt gewesen waren, sie aller Waffen zu berauben; aber es muß gesagt werden: die Begeisterung jener wackeren Bürger ließ sich durch nichts abschrecken – weder durch die blutigen Kämpfe in den Straßen noch durch das mitleidslose Bombardement von Seiten der feindlichen Flotte, von dem Fort von Castellammare und dem königlichen Palast Vielmehr stellten sich viele bei uns ein, die aus Mangel an Gewehren sich mit Dolchen, Messern, Spießen und Eisengeräten jeder Art bewaffnet hatten. Auch die Kompagnien der Picciotti schlugen sich mit Tapferkeit und füllten die Lücken in den Reihen der Tausend aus. Selbst die Frauen waren hinreißend in ihrer patriotischen Begeisterung; inmitten des dichtesten Hagels der Bomben und Flintenkugeln ermutigten sie die Unsrigen durch Kundgebungen des Beifalls, durch Gebärden, durch Lebehochs! Sie warfen Stühle, Matrazen, Geräte aller Art für den Barrikadenbau aus den Fenstern und viele wagten, selbst auf die Straße hinabzusteigen, um bei der Errichtung mit Hand anzulegen. Die Bevölkerung war durch unseren kühnen Einmarsch überrascht worden, aber nach den ersten Augenblicken der Unschlüssigkeit wuchsen ihr Mut und ihre Unerschrockenheit von Tage zu Tage. Die Barrikaden stiegen wie durch Zauber empor, und ganz Palermo erschien wie von Barrikaden bewehrt. Vielleicht war ihre Zahl übermäßig groß, aber das hatte zweifellos den Einfluß, das Volk zu ermutigen und bei den bourbonischen Truppen Entsetzen zu erregen. Ferner aber erhielt die beständige Arbeit jedermann in Bewegung und leistete dadurch der Begeisterung Vorschub.

Eine der größten Schwierigkeiten in jener Lage der Dinge war der Mangel an Schießbedarf. Tag und Nacht wurden Kartuschen fabriziert, aber ihre Zahl blieb trotzdem unzureichend bei dem unaufhörlichen, fortgesetzten Kämpfen gegen die zahlreichen bourbonischen Truppen, die noch immer die Hauptpunkte der Stadt besetzt hielten. So litten unsere Soldaten und besonders die Picciotti, die sehr viel schossen, Mangel an Munition und setzten mich mit ihrem Verlangen nach solcher in keine geringe Verlegenheit. Gleichwohl wurden die Bourbonischen endlich auf das Fort Castellammare, den Palazzo di Finanze und den königlichen Palast nebst einigen anliegenden Häusern beschränkt, und wir waren Herren der ganzen Stadt. Die Hauptmacht der Feinde hatte ihren Halt im königlichen Palast, Am Südende der Via Toledo. hier befand sich auch der kommandierende General Lanza. Aber sie waren vom Meere und den anderen noch von den Ihrigen behaupteten Plätzen abgeschnitten. Verschiedene Abteilungen der Unsrigen hielten auch die Ausgänge der Stadt in das umliegende Land besetzt, so daß die Truppen des königlichen Palastes samt ihrem kommandierenden General sich schlechterdings abgeschnitten fanden und nach einigen Tagen schon Mangel an Lebensmitteln sich bei ihnen einzustellen begann; auch wußten sie nicht, wohin sie die Verwundeten schaffen sollten. Das bewog Lanza, mit uns in Unterhandlungen einzutreten, die zur Grundlage die Beerdigung der schon der Verwesung anheimfallenden Toten und den Transport der Verwundeten an Bord der Flotte, um nach Neapel geschafft zu werden, hatten. Das bedingte einen 24stündigen Waffenstillstand. Gott weiß, wie sehr wir seiner bedurften, die wir genötigt waren, Pulver und Kartuschen zu fabrizieren, die, kaum fertiggestellt, schon verschossen wurden. Hier kann ich nicht umhin zu verzeichnen, daß uns in jenen entscheidungsvollen Tagen, in denen wir die Kartuschen mit unserem Blute aufgewogen haben würden, von den im Hafen und auf der Reede ankernden Kriegsschiffen, unter denen sich eine italienische Fregatte befand, keinerlei Unterstützung durch Waffen oder Schießbedarf zuteil geworden ist. Nur verkaufte uns, wenn ich mich recht erinnere, ein griechisches Schiff eine alte eiserne Kanone.

Es fehlte nicht viel, so hätte das Erscheinen der bourbonischen Abteilungen von Meckel und Bosco, die, nachdem sie auf unseren Spuren gegen Corleone marschiert waren, endlich nach der Hauptstadt zurückkehrten, den feindlichen Anführer bewogen, seine Entschlüsse zu ändern. In der Tat war das Erscheinen der beiden genannten Generale an der Spitze von 5–6000 Mann erlesener Truppen eine Tatsache von großer Wichtigkeit und hätte verhängnisvoll für uns werden können. In ihrer Hoffnung, uns zu überraschen und zu vernichten, getäuscht und vielmehr von unserem Einmarsch in die Hauptstadt unterrichtet, kamen sie kochend vor Ärger an und bestürmten nachdrücklich die Porta Termini. Meine wenig zahlreiche Streitmacht, die noch dazu über die ganze Stadt verteilt war, konnte unmöglich hinreichende Mannschaft stellen, um dem einbrechenden Feinde zu widerstehen. Gleichwohl verteidigte sich die Handvoll Leute, die sich bei Porta Termini befanden, auf das wackerste und machte, indem sie sich bis Fiera Vecchia zurückzog, den Feinden jeden Fußbreit Terrain streitig. – Von den Fortschritten der Feinde auf dieser Seite benachrichtigt, nahm ich einige Kompagnien der Unsrigen zusammen und warf mich auf jene Straße. Unterwegs aber wurde ich davon in Kenntnis gesetzt, daß General Lanza an Bord des auf der Reede von Palermo liegenden englischen Kriegsschiffes, das Admiral Mundy kommandierte, die Verhandlungen fortzusetzen wünsche. – Ich übergab das Kommando in der Stadt dem General Sirtori, dem Chef meines Stabes, und begab mich an Bord des erwähnten Kriegsschiffes, wo ich die Generale Letizia und Chretien vorfand, die gekommen waren, um im Namen des Höchstkommandierenden des feindlichen Heeres mit mir zu unterhandeln. Ich entsinne mich der mir von General Letizia gemachten Vorschläge nicht mehr im einzelnen, doch erinnere ich mich, daß es sich um die Auswechslung der Gefangenen, die Einschiffung der Verwundeten auf die Schiffe der Flotte, um die Erlaubnis, den Truppen im königlichen Palast Lebensmittel zuzuführen, um die Zusammenziehung der feindlichen Streitkräfte bei Quattro Venti, einem mit dem Meere in Verbindung stehenden Punkte, wo sich große Magazine befanden, und endlich darum handelte, daß die Stadt Palermo ihre Ehrfurcht und ihren Gehorsam gegen Seine Majestät König Franz II. in irgendeiner Weise zum Ausdruck bringen sollte. Ich hörte die Verlesung der ersten Artikel geduldig an, aber als der Lesende an die für die Stadt Palermo entwürdigende Forderung kam, erhob ich mich voll Entrüstung und sagte dem General Letizia, er wisse wohl, daß er es mit Leuten zu tun habe, die sich zu schlagen verständen, und daß ich ihm keine andere Antwort zu erteilen hätte. – Er ersuchte mich dann um einen Waffenstillstand von 24 Stunden, um die Verwundeten einzuschiffen. Ich willigte ein, und damit endete die Konferenz. – Hier muß ich beiläufig bemerken, daß der Anführer der Tausend, der sich bis dahin als Flibustier behandelt gesehen hatte, jetzt plötzlich »Exzellenz« wurde, ein ihm stets verhaßter Titel, mit dem er in allen folgenden Verhandlungen belästigt wurde. So groß ist die Erbärmlichkeit der Mächtigen der Erde, wenn sie im Unglück sind.

Wie dem aber sein mochte, unsere Lage war nichts weniger als glänzend; in Palermo fehlte es an Waffen und Schießbedarf; die Bomben hatten einen Teil der Stadt zerstört; der Feind stand mit seinen besten Truppen in deren Innern und hielt mit den übrigen die festesten Punkte besetzt; die Flotte bestrich die Straßen mit ihren Geschossen, und die Kanonen des königlichen Palastes und des Forts Castellammare wirkten mit ihr zum Werke der Zerstörung zusammen. – Ich kehrte in den Palazzo Pretorio zurück, wo ich die angesehensten Bürger meiner harrend antraf; sie suchten mit dem scharfen Blicke des Südländers in meinen Augen zu lesen, was ich über die Ergebnisse der Verhandlungen dächte. Ich setzte ihnen rückhaltlos auseinander, was der Feind vorgeschlagen hatte, und begegnete keiner Niedergeschlagenheit. Sie forderten mich auf, vom Balkon aus zum Volke zu reden, das sich vor dem Hause versammelt hatte, und das tat ich.

Ich gestehe, daß ich zwar nicht mutlos war, wie ich das auch in noch schlimmeren Lagen nicht gewesen bin; allein wenn ich mir die Macht und Zahl des Feindes und dagegen die geringen Mittel vergegenwärtigte, über die wir verfügten, so war ich mir nicht ganz einig über das, was wir tun sollten: nämlich ob es besser sein würde, die Verteidigung der Stadt fortzusetzen, oder unsere gesamten Streitkräfte zusammenzunehmen und die Stadt wieder zu verlassen. Diese letztere Auskunft lastete wie ein Alp auf mir, aber ich wies den Gedanken mit Verachtung zurück: ich sollte die Stadt Palermo der Verheerung durch eine zügellose Soldateska preisgeben? So trat ich also, gleichsam mit mir selbst im Streit, vor das tapfere Volk der Vesper und gab meine Zustimmung zu allen vom Feinde gestellten Bedingungen kund; als ich jedoch zur letzten kam, erklärte ich, daß ich sie mit Entrüstung zurückgewiesen habe. Ein leidenschaftlicher Schrei der Empörung und der Billigung meines Verhaltens erhob sich einmütig aus jener Menge Hochherziger, und dieser leidenschaftliche Schrei entschied über die Freiheit zweier Völker und verfügte den Sturz eines Tyrannen. Ich aber fühlte mich dadurch wieder mir selbst ganz zurückgegeben, und von diesem Augenblick an verschwand jeder Anschein von Besorgnis, Unschlüssigkeit und Zögerung. Soldaten und Bürger wetteiferten aufs neue an Tätigkeit und Entschlossenheit. Die Barrikaden vervielfältigten sich, jeder Balkon, Die Häuser Palermos sind, wie wohl jedem Fremden gleich auffällt, mit zahlreichen Balkons – oft fast vor jedem Fenster der Hausfront – versehen. jeder Ausbau wurde mit Matratzen für die Verteidigung hergerichtet und Steine und Geschosse jeder Art herbeigeschafft, um den Feind zu zerschmettern. Auch die Fabrikation von Pulver und Kartuschen wurde in fieberhafter Eile bewerkstelligt; einige alte Kanonen, die man irgendwo ausgegraben hatte, kamen zum Vorschein, wurden montiert und an passenden Plätzen aufgestellt, andere den Handelsschiffen abgekauft. Die Frauen aller Gesellschaftsklassen zeigten sich auf den Straßen, um die Männer, die arbeiteten oder sich für den Kampf rüsteten, anzufeuern.

Die englischen und amerikanischen Offiziere, die sich auf der Reede befanden, beschenkten die Unsrigen mit Revolvern und Jagdflinten. Auch einige sardinische Offiziere legten Sympathie für die heilige Sache der Völker an den Tag, und die Matrosen der italienischen Fregatte brannten vor Begierde, die Gefahr der Brüder zu teilen, und drohten zu desertieren. Nur diejenigen, die den kalten Rechnern des Turiner Ministeriums gehorchten, wurden von solchem Schauspiel nicht bewegt und blieben untätige Zuschauer der Zerstörung einer der edelsten italienischen Städte, indem sie auf Befehle warteten – oder, sie hatten wohl schon den Befehl, uns, wenn wir unterlägen, noch einen Fußtritt zu geben und, wenn wir siegten, sich als unsere großen Freunde zu bezeigen. Ein junger Sizilianer aus angesehener Familie, der von mir an Bord der sardinischen Fregatte gesandt wurde und nicht ohne große Gefahr dorthin gelangte, mußte dort das Wort hören: »Ihr könntet ein Spion sein!« – statt Schießbedarf zu erhalten, um dessenwillen ich ihn gesandt hatte.

Dem sei nun wie ihm wolle – genug, der Feind wurde der Entschließung gewahr, die wir und die Bürger getroffen hatten, und erkannte, daß man nicht ungestraft ein Volk herausfordert, wenn es fest entschlossen ist, bis zum äußersten zu kämpfen. Der Despotismus aber versieht es sehr, wenn er seine Prokonsuln fett werden läßt, die dann natürlicherweise sich nicht entschließen können, ihren Schmerbauch zwischen den Barrikaden der »Canaille« in Gefahr zu bringen.

Noch bevor die 24 Stunden des Waffenstillstandes abgelaufen waren, meldete mir ein neuer Parlamentär den General Letizia. Dieser ersuchte jetzt um einen dreitägigen Stillstand, da die 24 Stunden für den Transport der Verwundeten an Bord der Schiffe nicht ausreichten. Ich gestand auch die 3 Tage zu, aber mittlerweile wurde keine Sekunde eifriger Arbeit an der Fabrikation des Pulvers und der Kartuschen verloren, während gleichzeitig auch an den Barrikaden weitergearbeitet wurde. In der Nähe der Hauptstadt aber bildeten sich bewaffnete Banden, die unsere Streitkräfte verstärkten und den Feind im Rücken bedrohten. Auch Orsini, der mit seinen Kanonen zurückgeblieben war, war angekommen und mit ihm andere Abteilungen. So verbesserte sich unsere Lage von Tag zu Tage, und den Bourbonischen sank der Mut, uns anzugreifen. – In einer neuen Besprechung mit General Letizia wurde über den Rückzug der Truppen verhandelt, die sich im königlichen Palast und bei Porta Termini befanden und die man bei Quattro Venti und auf der Mole zu konzentrieren wünschte, was für uns einen großen Gewinn bedeutete. – Die Einstellung der Feindseligkeiten und der Rückzug der Bourbonischen nach dem Meere zu erfüllte die Bevölkerung mit Zuversicht und erhöhte ihre Kühnheit in dem Grade, daß wir uns gezwungen sahen, an den exponierten Punkten Rothemden Hier bemerkt Garibaldi: Die roten Hemden, deren im Beginn der Unternehmung nur vereinzelte waren, hatten mittlerweile große Wichtigkeit erlangt und flößten den Freunden Zutrauen und Verehrung, den Feinden aber Schrecken ein. Die bourbonischen Parlamentäre erbaten Rothemden als Eskorte durch die Straßen von Palermo. Ich hatte die Anfertigung roter Hemden in möglichst großer Anzahl befohlen und sie verteilen lassen, um den Respekt, den jene Farbe einflößte, zu vermehren. aufzustellen, um Zusammenstöße zwischen den Sizilianern und den bourbonischen Truppen zu verhindern, da jene von unermeßlichem Haß gegen letztere erfüllt waren. Schließlich wurde über die Entfernung der Truppen verhandelt, die unmöglich längere Tage hindurch in den eingeengten Stellungen verbleiben konnten, die sie noch behaupteten, und über die vollständige Räumung der Stadt und der Forts.

Die Tapferkeit der Tausend und überhaupt der Verteidiger von Palermo war groß gewesen. Ihre Haltung und die der Bevölkerung hatte sich keinen Augenblick verleugnet Alle waren in der Tat entschlossen, sich unter den Trümmern der prächtigen Stadt zu begraben. So war denn auch unleugbar das Erreichte großartig und so, daß man unmöglich hätte mehr erwarten können. Es mußte wahrlich als ein Wunder erscheinen, da man nun 20 000 Streiter des Despotismus vor einer Handvoll Bürger, die sich jedem Opfer bis zum Martyrium geweiht hatten, kapitulieren sah; denn es war eine prächtige Truppe, die sich vortrefflich schlug. Jubelt nur, Männer, Frauen, Kinder, die ihr alle zur Befreiung der Vaterstadt beitruget! Palermo frei und die Tyrannen verjagt: da darf man wohl stolz sein und jubeln! Die erhabene Stadt der Vesper erstreckt, ihren Vulkanen gleich, ihre Ausbrüche weithin, und vor ihrem durchdringenden Wutschrei brechen die übelbefestigten Throne der Lüge und Gewaltherrschaft zusammen.

Wir verloren in Palermo den tapferen Ungarn Tükery; ich werde, wenn ich genauer unterrichtet sein werde, auch die übrigen kostbaren Verluste aufzählen. Unter unseren hochgemuten Verwundeten befanden sich Bixio, die beiden Cairoli, Benedetto und Enrico, Cucchi, Canzio, Carini, Bezzi.


 << zurück weiter >>