Emile Gaboriau
Der Strick um den Hals
Emile Gaboriau

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8

Mit all seinem Anstrich eines feudalen Rittersitzes war das Schloß von Boiscoran in Wahrheit doch nichts als das sogar ziemlich vernachlässigte Absteigequartier eines Junggesellen.

Von den achtzig bis hundert Gemächern, die sich darin befanden, waren nur acht bis zehn möbliert, und noch dazu auf eine ziemlich bunt durcheinandergewürfelte Weise. Ein Salon, ein Speisegemach, einige Gastzimmer, das war alles, wessen Herr von Boiscoran bedurfte. Er selbst bewohnte in der ersten Etage ein ganz kleines Gemach, dessen Tür auf den Flur der großen Treppe hinausging.

Als der Untersuchungsrichter, der Staatsanwalt und der Gerichtsschreiber Méchinet, von Antoine geführt, an diese Tür gelangten, befahl Herr Galpin-Daveline dem Kammerdiener anzuklopfen.

Kaum hatte der wackere Mann gehorcht, als aus dem Innern eine junge kräftige Stimme rief: »Wer ist da?«

»Ich bin es, Herr«, antwortete der treue Diener, »ich möchte . . .«

»Geh zum Teufel!« unterbrach die Stimme.

»Ich möchte aber doch . . .«

»Laß mich in Ruhe, Quälgeist, ich bin erst gegen Morgen eingeschlafen!«

Da schob der Untersuchungsrichter ungeduldig den Diener beiseite und versuchte, indem er die Türklinke ergriff, zu öffnen; aber das Zimmer war von innen verschlossen.

»Ich bin es, Herr von Boiscoran«, rief er, »öffnen Sie!«

»Ei sieh da, der gute Daveline!« klang es nun heiter aus dem Zimmer zurück.

»Ich muß Sie dringend sprechen!«

»Und ich stehe dem sehr hochgeehrten Herrn Beamten sofort zu Diensten! – Nur einen Augenblick, um meine apollinischen Formen mit dem Notwendigsten zu umhüllen, und ich erscheine!«

Und in der Tat öffnete sich gleich darauf die Tür, und Herr von Boiscoran stand da mit ganz verworrenen Haaren, die Augen noch voller Schlaf, aber strahlend in Jugend und Gesundheit und mit lächelnden Lippen. Offen reichte er seine Hand hin.

»Bei meiner Treu'«, sagte er, »das ist ja ein trefflicher Einfall, den Sie gehabt haben, bester Daveline, mich schon zum Frühstück aufzusuchen . . .«

Und Herrn Daubigeon begrüßend, fuhr er fort: »Ungerechnet, daß ich Ihnen noch danken muß, auch unsern lieben Staatsanwalt zur Begleitung veranlaßt zu haben! Das ist ja eine wahre Ausgießung des Gerichts!«

Plötzlich aber hielt er inne, betroffen durch den Ausdruck, der sich in Herrn Daubigeons Zügen malte, und ebenso durch Herrn Galpin-Davelines Verhalten, der, statt in die dargebotene Hand einzuschlagen, einen Schritt zurücktrat.

»Aber, zum Teufel – was ist denn vorgefallen, mein guter Freund?«

Nie hatte der Untersuchungsrichter eine steifere Haltung gehabt, als da er jetzt sagte:

»Wir müssen unsere Beziehungen vergessen, mein Herr. Es ist nicht der Freund, der heute vor Ihnen erscheint, sondern der Richter.«

Herr von Boiscoran schien verwirrt, aber nicht der Schatten einer Unruhe verdüsterte seine offene, biedere Miene.

»Ich will gehängt sein«, begann er, »wenn ich begreife . . .«

»Treten wir ein«, sprach Herr Daveline zu seinen Begleitern.

Als sie die Schwelle überschritten, murmelte Méchinet Herrn Daubigeon ins Ohr: »Dieser Mann ist sicher unschuldig! Nie hätte ein Schuldiger uns so empfangen!«

»Schweigen Sie, Herr!« entgegnete der Staatsanwalt in strengem Ton, obgleich er sich ganz geneigt fühlte, dem Aktuar beizustimmen. »Schweigen Sie!« – Und ernst und bekümmert stellte er sich in eine Fensterbrüstung.

Herr Galpin-Daveline stand dagegen aufrecht mitten im Zimmer und bemühte sich, in seinem Geiste alles, bis auf den geringsten Gegenstand, auf das genaueste zu erforschen und zu beobachten.

Die Unordnung, in welcher sich das Zimmer befand, bewies, mit welcher Hast Herr von Boiscoran sich abends zuvor niedergelegt. Seine Kleider, seine Stiefel, sein Hemd, seine Weste, sein Rock und sein Strohhut lagen bunt durcheinander auf den Möbeln und dem Fußboden.

Die hellgrauen Hosen, welche er jetzt trug, waren dieselben, wie sie Cocoleu, Ribot, Gaudry und Frau Courtois bezeichnet hatten.

»Jetzt, mein Herr«, hob Herr von Boiscoran im mißvergnügten Ton eines Mannes an, der nicht weiß, ob man ihn zum besten hat, »jetzt werden Sie mir, da Sie nicht mehr mein Freund sind, erklären, was mir die Ehre eines so frühen Besuches verschafft?«

In Herrn Galpin-Davelines Antlitz regte sich kein Muskel.

»Haben Sie die Güte, mein Herr, mir Ihre Hände zu zeigen«, sagte er kalt.

Eine helle Röte überzog Herrn von Boiscorans Wangen; in seinen Augen malte sich eine seltsame Betroffenheit.

»Wenn das ein Scherz ist«, fragte er, »so scheint mir, hat er lang genug gedauert.«

Es war ersichtlich, daß er nahe daran war, in Zorn zu geraten. Herr Daubigeon glaubte, dem zuvorkommen zu müssen.

»Unglücklicherweise, mein Herr«, sprach er, »gab es nie eine ernsthaftere Lage. Entsprechen Sie dem, was der Herr Untersuchungsrichter von Ihnen fordert.«

Mehr und mehr in Staunen gesetzt, ließ Herr von Boiscoran seine Blicke schnell umherschweifen.

An der Tür lehnte Antoine, der alte Kammerdiener, und die Seelenangst stand ihm auf der Stirn geschrieben. In der Nähe des Ofens hatte der Aktuar Méchinet sich an einen Tisch gesetzt, vor sich sein Papier, seine Federn und sein mitgebrachtes Tintenfaß.

Mit einem Achselzucken, welches deutlich besagte, daß er auf einen Aufschluß über diesen Vorgang verzichtete, zeigte Herr von Boiscoran seine Hände.

Sie waren vollkommen rein und weiß; die Nägel ziemlich lang und sorgfältig gereinigt.

»Wann haben Sie sich zuletzt die Hände gewaschen?« fragte Herr Galpin-Daveline nach einer genauen Besichtigung.

Bei dieser Frage klärte Herrn von Boiscorans Gesicht sich auf, und in helles Lachen ausbrechend, rief er: »Meiner Treu'! ich gestehe, daß ich erschrocken war. Ich geriet schon in Unruhe, ja ich fürchtete mich fast!«

»Und Sie hatten Grund, sich zu fürchten«, entgegnete Daveline, »eine schreckliche Beschuldigung lastet auf Ihnen! Und von der Antwort auf die Frage, die ich Ihnen stelle, und die Ihnen lächerlich scheint, hängen vielleicht Ihr Glück und Ihre Freiheit ab.«

Für diesmal war kein Irrtum mehr möglich. Herr von Boiscoran fühlte sich von jenem Schauer ergriffen, den die Justiz jedem, auch dem ehrlichsten Menschen, einflößt.

Er erbleichte und sprach mit bebender Stimme: »Was? – Eine Anklage lastet auf mir, und Sie sind es, Galpin-Daveline, der vor mich hintritt, um mich zu verhören?«

»Ich bin Beamter, mein Herr!«

»Aber Sie waren auch mein Freund. Wenn irgend jemand gewagt hätte, in meinem Beisein Sie eines Verbrechens, einer Gemeinheit, einer Schändlichkeit anzuklagen, so hätte ich Sie aus allen Kräften verteidigt; ohne Zögern, ohne Hintergedanken hätte ich Sie verteidigt, bis man mir den greifbaren, unwiderruflichen, überzeugenden Beweis Ihrer Schuld geliefert hätte. Und würde man mich endlich von Ihrer Schuld überzeugt haben, so hätte ich Sie beklagt, aber ich würde mich nicht weniger erinnert haben, daß es eine Zeit gab, in welcher ich Sie so hoch achtete, daß ich Ihnen eine Verbindung erleichterte, welche uns zu Verwandten gemacht hätte . . . Aber Sie!?

. . . Man beschuldigt mich, ich weiß nicht wessen, doch augenscheinlich irrtümlich, und alsbald schenken Sie der törichten Anklage Glauben und zeigen sich bereit, mein Richter zu sein! . . . Wohl! Es sei! Ich habe mir gestern abend bei meiner Rückkehr nach Hause zuletzt die Hände gewaschen.«

Es war nicht umsonst, daß Herr Galpin-Daveline sich seines kalten Blutes und seiner Selbstbeherrschung gerühmt hatte. Er zuckte während dieser harten Anrede nicht einmal mit den Wimpern, und immer in demselben Ton fortfahrend, fragte er: »Was ist aus dem Wasser geworden, dessen Sie sich bedienten?«

»Es muß noch dort in meinem Ankleidezimmer sein.«

Der Untersuchungsrichter beeilte sich, es in Augenschein zu nehmen.

Auf dem marmornen Tisch stand eine Porzellanschale voll Wasser. Dieses Wasser war schwarz und schmutzig. Auf dem Grunde sah man deutlich einige verkohlte Überreste. Auf der Oberfläche schwammen sehr kleine, aber doch erkennbare Reste verbrannten Papiers.

Mit der größten Vorsicht trug der Untersuchungsrichter selbst die Schale an den Tisch, an welchem Méchinet saß, und fragte, indem er sich an Herrn von Boiscoran wandte: »Ist dies das Wasser, in welchem Sie sich nach Ihrer Rückkehr gestern abend die Hände gewaschen?«

»Ja«, sagte Herr von Boiscoran in einem Ton verächtlicher Sorglosigkeit.

»Sie haben also verbrannte Gegenstände berührt?«

»Sie sehen es wohl!«

Der Staatsanwalt und der Aktuar, die sich fast gegenüberstanden, warfen sich einen bedeutsamen Blick zu. Sie hatten gleichzeitig denselben Eindruck empfunden.

Wenn Herr Boiscoran nicht schuldig war, so war er jedenfalls ein Mensch von außerordentlicher Kühnheit und Energie, der einen lang überlegten Plan verfolgte; denn seine Antworten schienen ihn als offenbare Geständnisse gleichsam an Händen und Füßen gebunden dem Gericht zu überliefern.

Der Untersuchungsrichter selbst schien von Erstaunen erfaßt zu sein. Aber das währte nur einen flüchtigen Augenblick.

»Schreiben Sie«, befahl er dann, sich zu dem Aktuar wendend, und er diktierte ihm das Protokoll mit der größten Sorgfalt, das Gesagte sogar hin und wieder verbessernd, um den rechten Ausdruck im gefeiltesten Stil zu treffen. »Fahren wir fort«, sprach er darauf zu Herrn von Boiscoran. »Sie haben den gestrigen Abend draußen außer dem Hause zugebracht?«

»Ja!«

»Sie sind um acht Uhr ausgegangen und erst um Mitternacht zurückgekehrt?«

»Ja, nach Mitternacht.«

»Sie hatten Ihr Gewehr mitgenommen?«

»Ja.«

»Wo ist es?«

»Da«, antwortete Herr von Boiscoran, mit einer sorglosen Bewegung nach der Kaminecke weisend.

Hastig bemächtigte Herr Galpin-Daveline sich des Gewehrs.

Es war eine Luxuswaffe von der auserlesensten Arbeit. Auf dem Laufe las man den Namen des Fabrikanten: Klebb.

»Wann haben Sie dieses Gewehr zuletzt abgefeuert?« fragte der Untersuchungsrichter.

»Vor vier oder fünf Tagen.«

»Bei welcher Gelegenheit?«

»Um die Kaninchen zu schießen, die meine Gehölze verderben.«

Mit aller Aufmerksamkeit, deren er fähig war, untersuchte Herr Galpin-Daveline die Waffe, indem er die Mechanik derselben spielen ließ, welche eine gewisse Ähnlichkeit mit dem System Remington hatte.

Dann öffnete er den Lauf und überzeugte sich, daß das Gewehr geladen war.

In jedem Lauf befand sich eine Patrone in einer metallenen Hülse.

Nachdem dies festgestellt war, stellte er das Gewehr an seinen früheren Platz und fragte, indem er dann die von Pitard gefundene metallene Hülse aus der Tasche zog und Herrn von Boiscoran hinhielt:

»Kennen Sie das hier?«

»Sehr wohl!« antwortete Herr von Boiscoran. »Es ist die Hülse einer meiner Patronen, die ich wahrscheinlich nach dem Schuß weggeworfen habe.«

»Glauben Sie denn der einzige Mensch im Lande zu sein, der eine Flinte von diesem System besitzt?«

»Ich glaub' es nicht nur, ich bin überzeugt davon!«

»So daß eine Patronenhülse von Klebb, diese zum Beispiel, gleichviel, an welchem Ort sie gefunden wäre, unzweifelhaft Ihre Anwesenheit daselbst beweisen würde?«

»Unzweifelhaft nicht. Ich habe mehr als einmal gesehen, wie die Bauernkinder die Hülsen, die ich wegwarf, aufhoben, um damit zu spielen.«

Während der Gerichtsschreiber seine Feder über das Papier hinfliegen ließ, erlaubte er sich einige bedeutsame Mienenspiele. Er war mit dem Hergang einer Kriminaluntersuchung zu vertraut, um sich nicht von der Taktik des Herrn Galpin-Daveline Rechenschaft zu geben; es war eine gefährliche und hinterlistige Taktik, welche darauf hinausging, den Angeklagten schon vor dem Beginn eines ernstlichen Angriffs zu verwirren.

»Er spielt ein verzweifelt gefährliches Spiel«, flüsterte er, indem er sich zu Herrn Daubigeon beugte.

Der Untersuchungsrichter hatte sich niedergesetzt.

»Angenommen, daß es so sei«, begann er von neuem, »so bitte ich Sie nun, mein Herr, mir zu erzählen, wie Sie den gestrigen Abend von acht Uhr bis Mitternacht verbracht haben. Übereilen Sie sich nicht; nehmen Sie sich Zeit nachzudenken, denn Ihre Antwort wird jedenfalls von entscheidender Bedeutung sein.«

Bis zu diesem Augenblick hatte Herr von Boiscoran seine Ruhe behalten; aber es war eine unheimliche Ruhe, die einen furchtbaren und nur mühsam zurückgehaltenen inneren Aufruhr verriet.

Die Warnungen des Richters und noch mehr der Ton, in dem sie gegeben wurden, empörten ihn ebenso wie dessen niedrige Heuchelei. Indem er es jetzt aufgab, sich noch länger zu zügeln, rief er mit blitzenden Augen:

»In der Tat, mein Herr, was wollen Sie von mir, wessen beschuldigt man mich?«

Herr Galpin-Daveline kam nicht aus seiner Ruhe.

»Wenn der Augenblick da ist, werden Sie es erfahren, mein Herr. Antworten Sie fürs erste, und glauben Sie mir, in Ihrem eigenen Interesse, antworten Sie aufrichtig. Was taten Sie gestern abend?«

»Ei! Was weiß ich! Ich bin spazierengegangen!«

»Das ist keine Antwort.«

»Es ist dennoch wahr. Ich bin ohne weiteren Zweck dem Zufall nachgegangen.«

»Das Gewehr auf der Schulter?«

»Ich trage mein Gewehr immer bei mir; mein Kammerdiener kann es Ihnen bezeugen.«

»Sind Sie nicht durch das Moor der Seille gegangen?«

»Nein!«

Der Untersuchungsrichter schüttelte mit einer ernsten Gebärde den Kopf.

»Sie sagen nicht die Wahrheit.«

»Mein Herr –«

»Ihre Stiefel, die ich dort unter Ihrem Bette stehen sehe, geben Ihnen den bestimmtesten Gegenbeweis. Woher der Schmutz, mit dem sie bedeckt sind?«

»Die Wiesen um Boiscoran sind sehr feucht.«

»Leugnen Sie nicht länger. Sie sind gesehen worden.«

»Was?«

»Der Sohn Ribots ist Ihnen begegnet, als Sie eben den Damm bei dem Teiche überschritten.«

Herr von Boiscoran antwortete nicht.

»Wohin gingen Sie?« fragte der Richter weiter.

Zum erstenmal verriet sich in den Zügen des Herrn von Boiscoran wirkliche Besorgnis; die Besorgnis eines Menschen, der plötzlich einen unvermuteten Abgrund unter seinen Füßen sich öffnen sieht.

Er zögerte, dann aber antwortete er, wohl einsehend, daß alles Leugnen vergeblich wäre: »Ich ging nach Bréchy.«

»Zu wem?«

»Zu dem Holzhändler, dem ich meinen Schlag von 1870 verkauft habe. Da ich ihn nicht zu Hause fand, bin ich auf der großen Straße zurückgekehrt.«

»Das ist falsch«, sprach Herr Galpin-Daveline, streng ihn mit einer Handbewegung unterbrechend.

»Wie?«

»Sie sind nicht nach Bréchy gegangen.«

»Erlauben Sie –«

»Und der Beweis ist, daß Sie gegen elf Uhr eiligen Schrittes durch den Wald von Rochepommier gegangen sind.«

»Ich?«

»Ja, Sie, mein Herr! Sagen Sie nicht nein, denn sehen Sie, Ihre Beinkleider sind noch ganz bedeckt mit den Ginsterdornen, welche Sie gestreift haben.«

»Der Ginster wächst nicht nur in den Wäldern von Rochepommier.«

»Das ist wahr, aber Sie sind dort gesehen worden.«

»Von wem?«

»Von Gaudry, dem Wilddieb. Er hat Sie so gut gesehen, daß er uns sogar Ihre Gemütsverfassung schildern konnte. Sie waren sehr erregt, sehr zornig; Sie fluchten, Sie rissen die Blätter von den Zweigen der Bäume herab. – Und hier haben Sie einen Beweis von Gaudrys Glaubwürdigkeit«, fuhr der Richter fort, indem er während des Gesprächs aufstand, den auf einem Lehnstuhl liegenden Rock des Herrn von Boiscoran ergriff, dessen Taschen durchwühlte und alsbald daraus eine Hand voll welker Blätter hervorzog.

»Es gibt Bäume und Blätter überall«, flüsterte Herr von Boiscoran.

»Ja, aber eine Frau Courtois hat Sie aus dem Walde von Rochepommier heraustreten sehen. Sie haben ihr geholfen, einen Sack, den sie selbst nicht aufheben konnte, wieder auf ihren Esel zu laden. Leugnen Sie es? Nein! Und Sie tun recht, denn sehen Sie, hier auf dem Ärmel und dort auf dem Kragen Ihres Rocks seh' ich weißlichen Staub liegen, und das ist nichts anderes als Mehl.«

Herr von Boiscoran senkte das Haupt.

»Gestehen Sie nun«, beharrte der Untersuchungsrichter, »daß Sie gestern zwischen zehn und elf Uhr in Valpinson gewesen sind?«

»Niemals, mein Herr; das war nicht der Fall!«

»Gleichwohl ist zu Valpinson, in der Nähe der alten Schloßruine, diese Patronenhülse von Klebb, die ich Ihnen soeben zeigte, aufgefunden worden.«

»Aber, mein Herr«, unterbrach Herr Boiscoran, »habe ich Ihnen nicht gesagt, daß ich unzählige Male gesehen, wie die Bauernkinder diese metallenen Hülsen aufgehoben haben, um damit zu spielen? – Übrigens«, fügte er hinzu, als ob er einzulenken suchte, »was hätte ich für ein Interesse, es zu leugnen, wenn ich in Valpinson gewesen wäre?«

Bei diesen Worten richtete Herr Galpin-Daveline sich in seiner ganzen Höhe empor und sagte im feierlichsten Ton: »Das will ich Ihnen sagen. Gestern abend ist Valpinson, von dem nichts mehr als Asche übrig ist, in Brand gesteckt worden.«

»Wie?«

»Gestern abend sind zwei Flintenschüsse auf den Grafen von Claudieuse abgefeuert worden!«

»Großer Gott!«

»Und die Justiz vermutet, die Justiz hat sehr starke Gründe, anzunehmen, daß Sie, Jacques von Boiscoran, der Brandstifter und der Mörder sind!«


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