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Friederike von Dönhoff

Die Augen des Königs wurden nun auf eine der ersten jungen Hofschönheiten gelenkt, eine prächtige Blondine, die einundzwanzigjährige Gräfin Sophie Juliane Friederike von Dönhoff. Sie war Hofdame der regierenden Königin, und bei Hof hieß sie die Hebe, wahrscheinlich wegen ihrer jugendkräftigen Gestalt. Zu diesem bei dem König vielvermögenden körperlichen Vorzug fügte sie noch den, der auch viel bei ihm galt, daß sie vortrefflich Pianoforte spielte und sang. Nach dem Tode des Fräulein Voß ergab die Komtesse Dönhoff sich dem König unter denselben Bedingungen, die diese gestellt hatte, nämlich, daß die Königin ihre Einwilligung erteilte und daß von dem Hofprediger auch ihre Ehe zur linken Hand eingesegnet werde. Die Familie bestand darauf ausdrücklich. Die neue Ehe wurde am 11. April 1790 in der Kapelle zu Charlottenburg von Zöllner eingesegnet.

Die zweite Gemahlin erhielt eine königliche Ausstattung, eine Mitgift von 200 000 Talern, die Mutter ein Geschenk von 50 000, die jüngere Schwester 20 000 Taler, Baron Langermann aus Mecklenburg, ihr Onkel, 40 000 Taler. Das Haus des Ministers Heynitz wurde um 30 000 Taler für sie gekauft.

»Die Komtesse Dönhoff – berichtet Dampmartin – blendete durch jenes gefährliche Zusammenspiel von Reizen, Liebenswürdigkeit, Kaprizen und Launen, welche die Leidenschaft noch mehr entflammen. War der König beharrlich in seiner Anbetung, so durfte er auf deliziöse Vergnügungen rechnen, nur mußte er dabei auf ein ruhiges und friedliches Leben verzichten. Die Gräfin masste sich als Gemahlin des Königs auch an, als Souveränin zu sprechen. Aber der König liebte es weit mehr, sein Vergnügen durch Nachgiebigkeit zu erlangen, als sich in ermüdende Dispute einzulassen. Die Augen der Königin füllten sich mit Tränen, wenn sie der sanften Ingenheim gedachte. Die Damen des Hofs ordneten sich nicht ohne Widerstreben dem Vorrange unter, den eine, die aus ihrer Mitte war, erlangt hatte.«

Madame Rietz war klug genug, sich dem Befehle des Königs zu fügen, der sie allerdings zum Ertragen des beleidigendsten Hochmuts der Dönhoff verurteilte; die Rietz war ja doch sicher, daß der Gebieter des trockenen Tones der vornehmen Dame bald genug überdrüssig werden und zu dem Kreise zurückkehren werde, in dem er sich ungezwungen bewegen konnte. Bald wurde dem König das Einmischen der Gräfin in die Politik unerträglich. Um ihrem Stolz zu genügen, hatte die Gräfin Dönhoff Potsdam verlassen und sich nach Berlin begeben. Sie muß nicht ohne bedeutende politische Begabung gewesen sein. Bei den Vorbereitungen zum Feldzuge gegen Frankreich 1792 richtete sie folgenden imperatorischen Brief an den König:

»Ich gebe Sie ganz auf, wenn Sie sich mit solchem Leichtsinn in ein so gewichtiges und schweres Unternehmen einlassen. Entweder müssen Sie an der Spitze von 200 000 Preußen und 250 000 Östreichern marschieren oder auf jede Hoffnung des Sieges verzichten. Mit einer Handvoll Leute werden Sie nur Ihr Leben aufs Spiel setzen und Ihre Ehre bloßstellen. Sie werden von den Grenzen zurückgeschlagen werden. Ihre ritterliche Laune macht Sie zu einem Don Quichotte, der ebenfalls Berg und Tal durchzog, um überall das Recht wieder herzustellen, sich auf alles stürzte, was ihm in den Weg kam, und losschlug, ohne auf die Zahl und Stärke seiner Gegner Rücksicht zu nehmen.«

Dieser Brief und die sonstigen Äußerungen der Gräfin Dönhoff wurden von den einflußreichsten Mitgliedern der französischen Emigration benutzt. Man beschuldigte sie, daß sie von den Freunden der französischen Freiheit, dem Prinzenerzieher Leuchsenring, Fräulein v. Bielefeld und anderen gewonnen worden sei, den Krieg gegen Frankreich zu hintertreiben, ja, man klagte sie sogar eines Einverständnisses mit den Jakobinern an, und daß sie sich habe bestechen lassen. Alle diese Beschuldigungen waren bloße Gerüchte, die im Publikum, wo sie sehr verhaßt war, ihren Weg machten.

Sie hatte dem König einen Sohn am 24. Januar 1792 geboren; er erhielt den Namen Wilhelm Graf von Brandenburg. Er ward am 14. Februar getauft, der König hielt seinen Sohn selbst über die Taufe. Vier Monate nach der Geburt dieses Sohnes am 30. Mai 1792, kurz bevor der König zur Rheinkampagne sich begab, reiste die Gräfin plötzlich ab in die Schweiz. Am 4. Januar 1793, während der König noch am Rhein war, gebar sie eine Tochter, die Julie, Gräfin von Brandenburg, getauft wurde.

siehe Bildunterschrift

D. Chodowiecki. Friedrich Wilhelm III. stellt die Kinder der Gräfin Dönhoff seiner Familie vor und macht diese Kinder auf diese Weise ehelich.

Der Bruch der Dönhoff mit dem König war drastisch. »Sie hatte« – erzählen die »vertrauten Briefe« – »nicht Verstand genug, den König zu fesseln, und ließ sich, durch einige Schwärmer verführt, einfallen, sich in Staatsgeschäfte mischen zu wollen.« Kurz nachdem der König von der Rheinkampagne zurückgekehrt war, machte sie ihm eine Überraschungsszene in Potsdam, am 19. November 1793. Sie kam abends sieben Uhr heimlich mit der Gräfin Solms, die ihre neugeborene Tochter trug, in den neuen Garten von Potsdam, wo der König eben im neuen Pavillon sein gewöhnliches Konzert mit dem Violoncellisten Duport hielt. Der König war selbst Virtuos auf dem Cello, doch hinderte ihn in späteren Jahren sein starker Unterleib, das Instrument zwischen den Knien zu halten.

Die vernachlässigte Favoritin stürzte sich mit aufgelöstem Haar durch die Versammlung zu des Königs Füßen, sie stellte ihm die neugeborene Tochter mit den Worten vor: »Hier, nehmen Sie Ihr Eigentum zurück!«

Der König blieb ruhig, führte die Damen in ein anstoßendes Kabinett, wo die heftigste Szene sich abspielte. Der König aber behielt seine Kaltblütigkeit und sagte gelassen: »Versorgung«.

Darauf ward die kleine Gräfin Brandenburg mit dem Grafen Brandenburg zugleich im neuen Garten erzogen. Die Aufsicht erhielt Madame Rietz.

Die Mutter aber blieb vom Hofe verwiesen mit einer Pension von 8000 Talern. Die Szene, die die Gräfin dem König machte, war auf ein Wiederanknüpfen des Verhältnisses berechnet gewesen. Die Gräfin irrte sich aber in der Wahl des Mittels. Der Bruch blieb. Der Grund des Bruches war die große Verschiedenheit der Charaktere. Der König mochte mit der heftigen Dame sich nicht weiter befassen.

Die Gerüchte, die im Publikum umliefen, über Begünstigungen, welche die Gräfin dem Grafen Medem und dem Grafen Lehndorff habe zukommen lassen, waren ebenso bloße Gerüchte, wie ihre Verbindung mit den französischen Jakobinern. Die Gräfin, welche die Lichtenau in ihrer Apologie selbst als eine Dame »von englischem und römischem Geiste« bezeichnet, lebte darauf eingezogen zu Angermünde in der Uckermark. Unter der folgenden Regierung ward ihr erlaubt, nach Berlin zu kommen und ihre Kinder zu sehen. Sie starb erst 1834 auf ihren Gütern bei Werneuchen in der Mittelmark.


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