Autorenseite

   weiter >> 

Vorwort.

Gleichzeitig mit dem ersten Bande der Gesammelten Schriften erscheinen Theodor Mommsens Reden und Aufsätze, die, gesondert von jener umfangreichen Sammlung, so rasch als möglich zu veröffentlichen vor allem geboten schien. Unter diesen nehmen die Ansprachen, die Mommsen als Sekretär der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften in den Jahren 1874-1895 gehalten hat, den größten Raum ein. Diese Reden, die in Fülle und Tiefe der Gedanken zu den schönsten Blüten akademischer Beredtsamkeit gehören, sind sämtlich aufgenommen; von den Antworten auf die Antrittsreden der neu eintretenden Akademiker nur einige, deren Ausführungen besonders bedeutsam erschienen. Universitätsreden hat Mommsen nur die beiden an den Eingang des Bandes gestellten in seinem Rektorat gehalten. Von den Reden im Preußischen Abgeordnetenhaus habe ich die auf die Organisation der Kgl. Bibliothek und der Kgl. Museen bezüglichen zum Abdruck gebracht; die in ihnen dargelegten Reformvorschläge sind heute verwirklicht oder doch ihrer Verwirklichung nahe gebracht. Von den öffentlichen Vorträgen wissenschaftlichen Inhalts ist nur der S. 344 erwähnte über den Limes in diese Sammlung nicht aufgenommen; er wird in den Historischen Schriften erscheinen. Aus den nicht nur an Gelehrte sich wendenden Aufsätzen sind, außer dem S. 402 genannten über die Promotionsreform, einige Äußerungen zu Tagesfragen, wie auch die in fremden Sprachen verfaßten aus dieser Sammlung ausgeschlossen worden; unter diesen auch die lateinischen Glückwunschadressen, in denen Mommsen seine Meisterschaft im monumentalen Stil nicht selten dargetan hat. So haben von solchen Gelegenheitserzeugnissen nur die beiden Adressen in deutscher Sprache zu Moltkes neunzigstem Geburtstag Aufnahme finden können.

Die Inhaltsangaben der Reden sind, insoweit sie nicht von Mommsen herrühren, in eckigen Klammern beigefügt. Druckfehler, wie auch einige geringfügige Versehen habe ich stillschweigend verbessert. In dem Sendschreiben über die Annexion Schleswig-Holsteins schienen mir, besonders für die jüngere Generation, einige Hinweise geboten; andere Anmerkungen habe ich mir nicht gestattet. Zu den Angaben über die früheren Publikationen der hier aufgenommenen Stücke, von denen ich einige Herrn Dr. Emil Jacobs, Bibliothekar an der Kgl. Bibliothek in Berlin, verdanke, ist hinzuzufügen, daß die erste Rede, wie derselbe nachträglich festgestellt hat, großenteils in der Zeitschrift ›Im neuen Reich‹ IV. Jahrg., 1874, 2. Band S. 791-798 zum Abdruck gelangt ist.

Die Bildnisse Mommsens, für deren Beigabe die Leser dieses Buches der Verlagsbuchhandlung Dank wissen werden, sind nach Photographien hergestellt, von denen die an erster Stelle stehende im Jahre 1896 von dem ausgezeichneten Photographen Brogi in Florenz angefertigt worden ist. Die zweite, die Mommsen im Beginn seiner vierziger Jahre zeigt, ist nach einer im Jahre 1860 in Leipzig gemachten Aufnahme hier wiedergegeben.

Für nie versagenden Rat bei der Auswahl der Aufsätze und bei manchen Bedenken, die sich bei der Drucklegung ergaben, bin ich meinem verehrten Kollegen Herrn Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff zu aufrichtigem Dank verpflichtet.

Charlottenburg, 1. November 1904.
Otto Hirschfeld.


Theodor Mommsen

   weiter >>