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Die 46. Fabel, vom Hirtenbuben und dem Wolf

Kindisches Lügengefoppe wird in dieser Fabel gestraft.

Ein törichter Knabe hütete die Schaf auf einem Berg, und gar oft schrie er, daß er seine Lust hatte, den Bauerleuten mit verstelltem Jammer: o helft mir, helft mir, der Wolf ist unter den Schafen. Die Ackerleut, die nahe bei ihm waren, verließen ihre Pflüge und liefen hinzu, ihm zu helfen, und als sie sahen, daß es nichts war, gingen sie ärgerlich wieder an ihre Arbeit.

Einmal aber, so kommt der Wolf in Wahrheit gerannt und fällt unter die Schafe, da rufet und schreit der Knab ernstlich um Hülf, aber die Bauerleut kamen nicht herbei, weil er sie zu oft mit Schimpf betrogen, der Wolf trug die Schafe davon, und der Knab ward streng gestraft von seinem Herrn.


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