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Die 3. Fabel, von dem Löwen und seinen Genossen

Es ist ein Sprichwort: Hüte dich vor der Gesellschaft der Großen. Hievon sagt Esopus eine Fabel.

Ein Rind, eine Geiß und ein Schaf gesellten sich zu einem Löwen und zogen miteinander auf das Gejag in einen Forst. Alsbald fingen sie einen Hirsch, der ward in vier Teile geteilet. Da sprach der Löw: den ersten Teil nehm ich, darum daß ich ein Löw und König aller Tiere bin; der andre ist mein, darum daß ich stärker bin denn ihr; so will ich auch den dritten Teil haben, darum daß ich fester gelaufen bin denn ihr; welcher aber den vierten anrühret, der soll meine Klaue spüren.

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Nach anderen hat diese Fabel sich begeben mit einem Esel und einem Fuchs. Und als der Esel nun von dem Löwen geheißen ward, den Hirsch zu teilen, machet er drei Teile daraus. Über das ward der Löwe zornig, fletschte die Zähne gegen den Esel und sprach zu dem Fuchs, er sollt teilen. Da stieß der Fuchs die Teile alle drei wieder zusammen und gab sie dem Löwen ganz. Der sprach wohlgefällig: Fuchs, wer hat dich gelehret, so wohl zu teilen? Antwortet das Füchslein: die Sorg und Angst, darin der Esel gestanden, die hat michs gelehrt.


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