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Die 22. Fabel, von dem Wolf und dem Hund

Von der süßen Freiheit hört diese Fabel.

Ein Wolf und ein Hund kamen in einem Wald zusammen, und sprach der Wolf zu dem Hund: Bruder, wie kommts, daß du so feist bist und dein Balg so glatt? Antwortet der Hund: das kommt davon, daß ich Hüter des Hauses bin wider Diebe und Mörder, und der Herr gibt mir Brots genug und die Bein vom Fleisch, alles Gesind hat mich lieb und wirft mir für, was ihm übrig bleibt. Also wird mein Bauch gefüllet und der Balg geschliffen, ich lieg unter dem Vordach, mir gebricht nicht kühlen Wassers, und leb allezeit in Behagen und Wohlsein. Den Wolf gelüstete, daß ihm auch solches Leben widerfahren möchte, und der Hund sprach: so komm mit mir, du brauchst kein Sorg haben, es soll dir wohlgeschehen. Während sie miteinander gingen, da sah der Wolf von ungefähr, wie der Hund an seinem Halse geschunden war, und fragte, wer ihm das getan. Der Hund antwortet: weil ich gern lustig bin und springe, darum werde ich des Tages mit dem Hundsband an eine Kette gelegt, aber bei der Nacht bin ich ledig und lauf in dem Haus herum, wo ich hin will, und lieg, wo es mir gefällig ist. Darwider sprach der Wolf: so war ich töricht, das zu verlangen, das du mir so hoch gelobt hast. Ich will frei leben, will über das Feld wandern nach meinem willen, mich soll keine Kette binden, mich soll nichts irren, mir sollen die wilden Wege der Berge offen sein, und will nicht in Sorgen stehen. Darum bleib du in deinem Leben, das du gewohnet bist, so will ich in meinem bleiben.


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