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Die 38. Fabel, vom jungen Eber und dem Wolf

So einer noch die Höslein näßt, ist nicht viel mit seinem Heldentum.

Ein junger Eber lebte in einer großen Herde von Schweinen, er blähte sich vor Hoffart, grunzte, wetzte die Zähne und hieb um sich, damit er meinte, die andern Schweine zu erschrecken, fürchtete ihn aber keines darum. Weil nun niemand sein Drohen für Ernst nahm, ging er zorniglich hinweg und kam zu einer Herde Lämmer, die erschraken sehr und flohen voll Angst, als er sein Toben und ungestümlich Wesen begann. Da sprach der Eber bei sich: hier ziemet mir wohl zu bleiben, hier fürchten alle meinen Zorn, ich werde geehrt und gewürdigt von jedermann. Als er es so eine Weile getrieben hatte, kam ein hungriger Wolf und wollt sich die Lämmer holen, die sahen ihn von fern und flohen hinter die Schroffen der Berge. Der übermütige Eber aber wollte nicht fliehen, da nahm ihn der Wolf und trug ihn gegen den Wald, daß er ihn fresse, und kam von ungefähr unter die Schweinsherde, die der Eber verlassen hatte. Als die Schweine ihr schreiendes Eberlein erkannten, fuhren sie gemeinsam wider den Wolf und erlösten den auf den Tod verwundeten Eber aus dem Rachen des Wolfs. Da stund er mitten unter ihnen schamrot und voller Schmerzen und vergaß seines Übermuts.


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