Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Die 8. Fabel, vom Löwen und der Maus

Kleine Gutheit hat oft großen Dank, wie in dieser Fabel zu lesen.

Ein Löwe lag schlafend in einem Wald, und als die Mäuse geilten untereinander, sprang eine von ungefähr auf den Löwen, davon der Löw erwacht, und ergreifet sie behend. Die Maus bat ihn kläglich, ihr zu vergeben, dann sie das doch nicht mit Willen getan hätte, da ihrer viele miteinander hätten gescherzt, und flehete um Gnad. Der Löw gedacht in ihm selber, daß die Rach gegen eine Maus gar klein wäre, ließ sie laufen, und die Maus schied in Dankbarkeit hinweg. Wenig Tage hernach fiel der Löw in ein Netz, und als er sich gefangen sah, brüllete er überlaut und klagte mit großem Heulen. Alsbald hörete das die Maus, lief zu ihm hin und schauet, was ihm für ein Ungefäll wäre zugestanden. Da sie aber erkannte, daß der Löw gefangen war, sprach sie zu ihm: sei gutes Muts, ich will dir deine Gütigkeit wieder vergelten, fing drauf an, mit Fleiß die Stricke zu benagen, und öffnete alle Knoten des Netzes, daß der Löw wieder ledig wurde und fröhlich in den Wald kehrete.


 << zurück weiter >>