Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Die 43. Fabel, vom Adler und dem Mistkäfer

Die Kleinen sollst du nicht verachten, wie diese Fabel lehret.

Ein Adler wollte einen Hasen fangen, der war in großer Angst, und da er niemanden sah, der ihm Hilfe bringen möchte, rief er einen Mistkäfer um Beistand an. Der versprach es und bat den Adler, den Hasen zu verschonen. Aber der Adler verachtet seine Rede und fraß den elenden Hasen vor seinem Angesichte auf. Der Schmach blieb der Mistkäfer eingedenk und spürte aus, wo der Adler seine Eier gelegt hatte, da flog er hin bis zu dem Nest und wälzet die Eier über den Rand, daß sie auf die Erde fielen und zerbrachen. Darüber ergrimmte der Adler sehr und flog auf zu seinem Schutzgotte Jupiter und begehrte von ihm eine sichere Statt, dahin er seine Eier möchte legen und brüten. Jupiter vergönnte ihm, wann die Zeit käme, daß er dann die Eier ihm in seinen Schoß legte. Da das geschah, und der Mistkäfer solches inne ward, rollte er einen Kotballen zusammen, und flog damit auf und ließ ihn fallen in des Gottes Schoß. Der sah den eklen Kot in seinem Gewande und wollt ihn herausschütten, da fielen des Adlers Eier mit hinaus und zerbrachen.

Daher ist entsprungen, daß die Adler nicht Eier legen, wann die Mistkäfer fliegen.


 << zurück weiter >>