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Die 27. Fabel, von dem Vogler und den Vögeln

Höre auf des Weisen Worte, sagt diese Fabel.

In der Zeit des Lenzens, da mancherlei Geschlecht der Vögel in Freuden stehet, ihre Nestlein bauen und mit Gesange jubilieren, sahen sie einen zwinzelnden Vogler mit triefenden Augen seine Pfeiflein zurichten, die Rütlein mit Kleb bestreichen und die Bäume bestecken und sprachen in ihrer Torheit untereinander: ach, wie einen gütigen Menschen sehen wir da bei uns, ihm fließen die Tränen von seinen Augen, so er uns ansieht. Aber einer war unter ihnen gescheiter, der die Listen der Vogler, Sprenkel, Netze, Kloben und Leim, wohl kannte, der sprach zu ihnen: o ihr einfältigen Vögel, fliehet schnell hinweg, ich warne euch vor den Listen des untreuen Voglers. Ob ihr aber die Wahrheit erkennen wollt, so merket fleißig auf seine Werke, und werdet sehen, alsbald er einen unter euch mit seinen Listen fängt, so beißt er ihm den Hals ab, oder ersticket ihn und steckt ihn in seinen Weidsack.


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