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5. Markgraf Otto von Brandenburg mit dem Pfeile.

3. Preis der Minne.

       

    Biedrer Mann, sieh, dein Gemüthe hehret,
Wenn ein Weib dich minniglich nur grüßet,
    Alle deine Hoffnung wird gemehret,
Frauengüte Mannen Kummer büßet:
    Ohne Minn' ist Niemand werth,
Unkeusche kennt nicht Minnepflicht.
Der Reine ahnt Unminne nicht,
Der Minne recht begehrt.

    Wie soll man beßer sprechen von der Minne?
Niemand kennt so Edles und so Gutes.
    Wer da minnt, der waltet guter Sinne,
Minne macht den Mann nie argen Muthes.
    Wer der Minne sich ergab,
Den läßt sie manche Tugend sehn,
Die Weisen müßen all gestehn,
Sie mahnt von Sünden ab.

    Ja, wohl Ihm, der gern zu allen Stunden
Unminne flieht, ihn mag wohl Ehre ehren.
    Minne ward bei Sünden nie gefunden;
Guten Mann wohl mag sie Tugend lehren.
    Viel weise Leute sprechen so
Daß Unminne Sünde sei.
Minn' ist aller Sünden frei:
So macht die Minne froh.


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