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III. Schaustellungen mit geschlechtlichem Einschlag

Neben den Tänzen mit geschlechtlichem Einschlag, bei denen es sich immer um den Tanz eines Mädchens, niemals um einen Gesellschaftstanz zu zweien handelt, spielen oder vielmehr spielten Schaustellungen, die in Beziehung zum Geschlechtlichen stehen, im Volksleben eine große Rolle. Die Tänze sind zwar im eigentlichen Sinne auch Schaustellungen, sie dienten aber in erster Linie als Anreiz für den Geschlechtsverkehr und waren daher in Anbetracht der Örtlichkeit auf einen engeren Kreis von Zuschauern beschränkt. Wir könnten diese Vorführungen gewissermaßen als »geschlossene Vorstellungen« bezeichnen. Demgegenüber sind die Schaustellungen, die wir im folgenden beschreiben werden, öffentliche Vorstellungen bei Jahrmärkten und Volksbelustigungen, die gegen Bezahlung des Eintrittsgeldes jedermann zugänglich waren. Der Geist der Neuzeit in Japan, der sich westlichem Fühlen und Denken anpaßte, stand natürlich solchen von ihm als »unzüchtig« betrachteten Schaustellungen ablehnend gegenüber und wie die öffentliche Ausübung des Phalloskultes sind auch solche Schaustellungen heute verboten. Ob sie als »geschlossene Vorstellungen« nicht doch noch vorkommen, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wird sich aber damit verhalten, wie mit dem Phalloskultus. Dieser ist aus dem öffentlichen Leben verschwunden, lebt aber in abgelegenen Gegenden, in der Familie und namentlich in den Anschauungen der Freudenmädchen ruhig weiter. Was früher Glauben war, ist zum großen Teil Aberglauben geworden, wie überall auf der Erde, wo ein alter Glaube durch die Vorherrschaft von staatlich anerkannten oder auch staatlich gestützten Glaubensrichtungen aus der Öffentlichkeit verdrängt worden ist. Vielleicht haben sogar diese Schaustellungen zum Teil einmal einen religiösen Hintergrund gehabt, wenn sich dies auch heute nicht mehr feststellen läßt, da uns eine ununterbrochene Überlieferung fehlt. –

Wir haben oben von der Sonnengöttin Amaterasu gesprochen und dem Eingang der Felsenhöhle, in die sich die Göttin zurückzieht. Das Volk sah darin die Veranlassung zu einer Sonnenfinsternis, machte aber aus diesem Eingang zur Felsenhöhle eine bildliche Bezeichnung für den weiblichen Geschlechtsteil, offenbar weil man in dem Cunnus, der im vorliegenden Falle irgendwie mit dem Cunnus der Sonnengöttin zusammenhing, etwas Glückbringendes oder Bösesabhaltendes sah. Auf dieses Felsentor, das Ama-no-Iwato, den Eingang zur himmlischen Höhle, stoßen wir nun bei einer Schaustellung, in deren Mittelpunkt der weibliche Geschlechtsteil steht.

In der Yedo-Periode (1830–1843) gab es eine »unzüchtige« Schaustellung nahe beim Ryōgoku-bashi, einer Brücke, die über den Sumidafluß führte, ein Misemono, wie der Japaner sagt. Es war etwas dem Yaretsuke oder Sorefuke Ähnliches, zwei Schaustellungen, von denen wir gleich sprechen werden, aber der Unterschied gegen diese beiden liegt darin, daß bei ihnen gewisse Handlungen seitens der Zuschauer vorkommen, während bei der in Rede stehenden Schaustellung eine junge Frau nur die Röcke hochhob und ihren Geschlechtsteil zeigte. Das Eintrittsgeld zu einer solchen Schaustellung betrug ein Hachimon, wir wollen dafür sagen: acht Heller.

In dem erotischen Buche: »Karine-no-Yume Monogatari (die Geschichte eines Freudenmädchens in einem einstweiligen Bordell, wörtlich: Der Traum eines Schläfchens), verfaßt von Ichimyōkai Hodoyoshi (Utagawa Kuniyoshi) ist ein Bild (das farbige Titelbild), das diese »unzüchtige« Schaustellung zeigt. Dabei steht das folgende volkstümliche Lied:

»Musashi Shimōsa no Ryōgoku ni,
         Futatabi hiraku hanano Iromachi;
Sono iriguchi ni Ama-no-Iwato no
         Mitochō hiraite,
Sorya deta, mata deta,
         Ue mite, shita mite
Hachi-mon ja yasui monda,
         Iwo no suki na yatsu-a, metsuki de shireru,
                Kirai na okata ga
                        nani aru mono ka!
                                Sono wake dan yo
                                        Sono wake dan yo!«

»Am Ryōgoku von Musashi Shimōsa hat man wieder einmal ein lustiges Freudenmädchenviertel eröffnet; am Eingang desselben hob eine Schaustellerin die Röcke in die Höhe; da kam jenes Ding zum Vorschein, erschien noch einmal wieder; wir können es nicht aushalten, wenn das so oft zum Vorschein kommt! Sieh hinauf und sieh herunter, für ein Eintrittsgeld von acht Hellern, wie billig! Die sinnlich erregten Männer kann man an dem Ausdruck ihrer Augen erkennen, aber es gibt ja keinen Mann, der die Wollust haßt! Ja, so ist es! Ja, so ist es!« Ama-no-Iwato no Mitochō bedeutet, wie wir oben gesehen haben, den Vorhang vor dem Felsentor, und da Mitochō, der Vorhang vor den buddhistischen Götterbildern, in der Gassensprache das Lendentuch der Frauen bezeichnet, ist mit dem ganzen Ausdruck gesagt: Das Lendentuch vor dem Cunnus. Nach dem Liede müssen wir uns die einzelne Vorstellung so denken, daß die junge Frau das Lendentuch mehrere Male hintereinander wegnimmt und wieder an seinen Platz bringt. Und das alles für ein Hachimon! Wie billig!

siehe Bildunterschrift

Ama-no-Iwato.

Aus einem Rätselbuch aus jener Zeit, dem »Shinsaku Nazo Zukushi« von Sumida-Uji (eine Sammlung von neuen Rätseln), führen wir folgendes Rätsel an, zu dem das beigegebene Bild gehört:

»Onna yu,
Ryōgoku no misemono;
Hachi-mon ja yasui mono mo mieru.«

»Ein öffentliches Frauenbad, eine Schaustellung am Ryōgoku; wir können ein Ding sehen für den verhältnismäßig niedrigen Betrag von acht Hellern.« Das ist natürlich kein Rätsel für denjenigen, der die ganzen Verhältnisse kennt, und ein anderer wird es nie erraten; wir dürfen aber annehmen, daß die Schaustellungen am Ryōgoku sich in ganz Japan eines gewissen Rufes erfreuten. Das Bild zeigt uns oben eine Frau im Bade, das ist der Hinweis auf den Cunnus, den man in den Frauenbädern sehen kann; in der Mitte ist die Schaustellerin und unten sind die acht Mons dargestellt, das bekannte Geldstück mit dem Loch in der Mitte. Ein Mon war das kleinste von ihnen. Die Schriftzeichen bei jedem Bild geben die oben angeführten drei Zeilen des Rätsels wieder. –

Die öffentliche Zurschaustellung eines Cunnus, die während der Yedo-Periode bis zum Beginn der Meiji-Ära (1688–1872) auch am Ryōgoku gezeigt wurde, war das Yaretsuke-Soretsuke, auch Soretsuke-Yaretsuke genannt. Dieser Ausdruck bedeutet: »Laßt uns hineinstoßen! Stoßt gut hinein!« Das war der ermunternde Zuruf, mit dem die Besucher der Schaustellung einander anfeuerten; der Zweck dieses Zurufes ergibt sich aus den Angaben in dem Buche »Morisada Mankō« (Morisada's Manuskript), verfaßt von Kitagawa Morisada. Darnach war das Yaretsuke-Soretsuke ganz ähnlich dem Sorefuke-Yarefuke, von dem wir gleich sprechen werden. Die Eigentümlichkeit des Yaretsuke-Soretsuke bestand darin, daß es darauf ankam, die Geschlechtsteile der Darstellerin mit einem langen Stock zu treffen, der am Ende einen nachgemachten Penis aus mit rotem Tuch umwickelter Baumwolle hatte. Während der Vorstellung wurde das folgende, allgemein bekannte Liedchen gesungen:

»Yare tsuke, Sore tsuke
         Ue tsuite, shita tsuite
Hachimon ja, yasui monja!«

»Laßt uns hineinstoßen! Stoßt gut hinein! Auf und nieder, wie es euch paßt! Für acht Heller! Was ist das für ein niedriger Preis!« Ein anderes Liedchen lautet:

»Sorya tsuke, Yare tsuke
         Soko tsukya Oheso da,
Sanzun sagareba
         Mito-sama goryobun!«

»Stoßt gut hinein! Laßt uns hineinstoßen! Aber dieses da ist doch mein Nabel! Wenn Ihr drei Zoll weiter hinuntergeht, gelangt Ihr in das Gebiet des Fürsten von Mito!« Zum Verständnis dieses Liedchens sei zunächst darauf hingewiesen, daß Sanzun drei Zoll bedeutet. Drei Zoll unter dem Nabel, das ist der Cunnus. Heso, der Nabel, wird in dem obigen Liedchen mit dem »anständigen« Wort »Oheso« bezeichnet. Der Fürst von Mito wurde Mito Kōmon (Fürst Kōmon, d. h. Gelbes Tor) genannt, das Wort Kōmon klingt aber wie das Wort »Kōmon« (das Loch im Hintern), wenn es mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben wird. Wir werden auf dieses Wort treffen, wenn wir uns mit der männlichen Gleichgeschlechtlichkeit befassen.

Der Sinn des Liedchens ist also der, daß das Mädchen, die Darstellerin, sagt: »Das ist mein Nabel; drei Zoll tiefer trefft Ihr auf das Loch im Hintern und damit habt Ihr eben daneben getroffen!« Allem Anschein nach handelt es sich, wie beim Sorefuke-Yarefuke, um eine Art Wettspiel; wer daneben trifft, hat verloren.

In dem erotischen Buche »Kiku-Gasane Yuzuri no Sugatami« (Ein ererbter großer Spiegel von Chrysanthemumblüten), verfaßt von Insuitei Bokō (Utagawa Kunimori) und veröffentlicht gegen das Ende der Yedo-Periode, ist am Anfang des Buches eine Geschichte mit dem Titel »Yaretsuke« enthalten, die so lautet:

»Ein Gehilfe der Darstellerin, es war die Frau des Leiters der Schaubude, hatte sich heftig in diese verliebt. Eines Tages stieß er seinen Stock irrtümlicherweise tief in die Scheide der Darstellerin. Der Leiter der Schaubude, der dicht dabei saß, schaute dieser Tat des Gehilfen zu, geriet in eine fürchterliche Wut und schrie ganz laut, daß der Gehilfe einen Ehebruch begangen hätte. Es gab ein großes Durcheinander.«

Ein volkstümliches Liedchen lautet:

»Soretsuke Yaretsuke
         Ama-no-Iwato no Otobira hiraite« usw.

»Laßt uns hineinstoßen! Stoßt gut hinein! Gerade eben öffnet sich das Tor der himmlischen Höhle ...« Otobira ist ein Türflügel. Hier wird also für das Lendentuch der Frau der Ausdruck: Tür zur himmlischen Höhle verwendet.

Die Schaustellung hielt sich bis zum fünften Meiji-Jahr (1872) und wurde dann durch ein in diesem Jahr erlassenes Verbot unterdrückt. –

Die als Sorefuke-Yarefuke bezeichnete »unzüchtige« Schaustellung kam im elften Tempō-Jahr auf und hielt sich bis zum sechsundzwanzigsten Meiji-Jahr (von 1840 bis 1893). Sie war in verschiedenen Gegenden Japans üblich. Der Ausdruck »Sorefuke-Yarefuke« bedeutet: »Blast da hinein! Oh, blast!« und wird durch die nachfolgende Beschreibung erklärt werden.

siehe Bildunterschrift

Äußere Ansicht der Schaubude.

Im »Morisada Mankō« (Morisada's Handschriften), Buch 32, Teil 2, findet sich im Kapitel »Ōsaka Imamiya Tōka Ebisu« D. h. ein Fest zu Ehren des Ebisu, des Gottes des Reichtums, beim Ebisu-Heiligtum von Imamiya-mura, Ōsaka, das am 10. Oktober abgehalten wurde. folgendes:

»In der Mitte (der äußeren Wand) der Hütte, die mit Strohmatten umgeben ist, befindet sich ein Schaugerüst, auf dem eine Bank steht. Auf dieser Bank sitzt eine junge Frau, die schön geschmückt ist und ein prächtiges Übergewand trägt. Von der Außenseite her sieht man nur den oberen Teil ihres Rückens, da der untere Teil des Körpers durch eine Querwand aus Brettern verdeckt ist. Der untere Teil ihres Gewandes hängt über diese Bretterwand herunter. Am Eingang der Hütte ist ein Aushängeschild angebracht, auf dem das Bild einer hübschen Frau sich befindet. Als Eintrittsgeld wird ein Hachimon (acht Heller) erhoben. Die Frau schlägt dann vor den Besuchern ihren Rock auseinander und entblößt ihren Geschlechtsteil. Wenn dann mit der Pfeife aus Bambusrohr (fukidake) auf den Geschlechtsteil geblasen wird, bewegt die Frau ihren Leib nach links und rechts hin und her. Jeder Besucher, der während dieser Aufführung nicht lacht, erhält einen Preis.«

Aus dieser Beschreibung ersieht man, daß es sich beim Sorefuke, wie auch beim Soretsuke, um eine Art Wettspiel handelt. Wer lachte, verlor; wer ernst blieb, gewann. Ob das Wettspiel die Hauptsache war oder nur durch den in Aussicht stehenden Gewinn als Lockmittel dienen sollte, läßt sich aus den vorhandenen Unterlagen nicht entscheiden. Jedenfalls war der Preis nicht leicht zu verdienen, denn wir haben gesehen und werden später noch sehen, daß der Japaner in den geschlechtlichen Dingen sehr leicht eine komische Seite herausfindet, die ja auch in allen diesen Schaustellungen sehr gut zum Ausdruck kommt. Die beiden Bilder stammen aus dem Buch »Kaidan Hana-no-Kumo«.

Ein Senryū sagt über die Preisverteilung beim Sorefuke:

» Fuke fuke wa
         Warawanu hō e
                 Fuku atae!«

»Bei einer Blast!-Schaustellung werden denjenigen Preise angeboten, die niemals gelacht haben.«

In der Yedo-Periode fanden jedes Jahr an dem Ryōgoku-Bashi am Sumidafluß mindestens eine oder zwei Schaustellungen dieser Art statt. Die Schaustellung verdankt ihre Namen »Sorefuke Yarefuke« »Blast da hinein! Oh, blast!« den Ermunterungsrufen, den die Gehilfen der Schaustellerin fortwährend ausstießen. Ohne dieses Geschrei der Anreißer ist ja auch bei uns keine Jahrmarktsbude denkbar.

siehe Bildunterschrift

Innenansicht der Schaubude.

Die größte Schaustellung dieser Art ihrem Umfang nach war wohl diejenige auf dem Tempelgebiet des Mandara-Ji, des buddhistischen Tempels beim Dorf Hiho im Landkreis Tamba der Provinz Kyōto. Dort war eine sehr große Hütte gebaut, auf deren Schaugerüst mehrere Musikanten erschienen und sich in einer Reihe aufstellten; jeder von ihnen hatte ein Samisen, die japanische Gitarre mit drei Saiten, in der Hand. Dann betraten drei oder vier Darstellerinnen das Schaugerüst und tanzten zu der Musik der Samisen, wobei sie ihre Röcke bis über den Leib emporhoben, den Unterleib entblößten und sich von rechts nach links hin und her bewegten. Keiner gewann den Preis, ohne in lautes Lachen auszubrechen. Zu dieser Schaustellung betrug das Eintrittsgeld ein Jūnimon (12 Heller), aber die Gehilfen schrien trotzdem: »Fuite mo fukai demo Hachimon ja!« »Ihr bezahlt ein Hachimon, ob Ihr blast oder nicht blast!« Deshalb wurde das Wort Hachimon noch nach Jahren als Bezeichnung für solche »unzüchtigen« Schaustellungen gebraucht.

Auf dem Gebiet des Manshōji, eines berühmten Tempels in Nagoya, war auch diese Art Schaustellungen während der mittleren Meiji-Ära (1887–1893) üblich. Bei dieser Schaustellung saß die Darstellerin mit halb offenen Röcken auf einer Bank und hatte die »Lippen ihres unteren Mundes« mit der Spitze einer Bambusflöte auseinandergeschoben und ließ die Besucher auf dieser Bambusflöte blasen. Wenn ihr die Zuschauer kein Geld hinwarfen, dann schlug die schön geschminkte Darstellerin ihre Röcke selbst auseinander und steckte als Anreiz zwei Finger in ihre Scheide. Der Verfasser von Morisada's Handschriften sagt, daß die Schaustellerinnen zwar sehr hübsch aussahen, wenn man sie von hinten erblickte, daß sie aber, wenn man sie von vorn besah, meistens ein sehr häßliches Gesicht hatten und daß man nur selten eine Frau mit einem alltäglichen oder auch nur einigermaßen hübschen Gesicht finden konnte. Dies ist auch leicht erklärlich, wenn man bedenkt, daß eine hübsche Frau auf andere Weise leichter Geld verdienen konnte, als sich für eine solche Schaustellung herzugeben. –

Bei den bisherigen Schaustellungen hat es sich um die natürlichen, wir wollen einmal sagen: regelrechten Geschlechtsteile gehandelt. Daß man aber auch mit Regelwidrigkeiten und Mißbildungen ein Geschäft zu machen suchte, werden wir mit den folgenden Angaben zeigen.

So wurde z.B. eine Frau mit überlangen Schamlippen (sog. Hottentottenschürze) zur Schau gestellt. Man nannte sie »Sane-naga«, die Frau mit den langen Schamlippen; gemeint sind die Nymphae, die kleinen Schamlippen. Das Wort Sane bedeutet, wie wir oben gesehen haben, den Kern einer Frucht und wird gewöhnlich für die Klitoris gebraucht, aber auch für die kleinen Schamlippen, wie ein Volksliedchen aus der Provinz Fukushima beweist:

»Nurete mo nurete mo kusaranu mono wa,
         Niwa no tobiishi Bobo no Sane.«

»Die (beiden) Dinge, die nicht verderben, sie mögen noch so oft durch und durch naß werden, das sind die Schrittsteine Tobi-ishi, wörtlich: die Springsteine, d. h. Steine, die im Garten oder auf schlechten Wegen liegen, damit man bei nassem Wetter von einem Stein auf den andern springen kann, ohne sich nasse Füße zu holen. in einem Garten und die kleinen Schamlippen des Cunnus!« Nure, im Sinne von naß, feucht, wird auch von den Geschlechtsteilen gebraucht, worüber wir weiter unten sprechen werden. Bobo, der Cunnus, ist oben ausführlich behandelt.

siehe Bildunterschrift

Sanenaga-musume.

Über die Sane-naga stehen in dem Buche »Misemono Kengyū« (Eine Untersuchung über die öffentlichen Schaustellungen), verfaßt von dem verstorbenen Gelehrten Musei Asakura, genaue Angaben. Darnach fand diese Schaustellung zu Yamashita, Ueno und an der Hauptstraße des Ryōgoku in der Yedo-Periode statt, und zwar im sechsten Tempō-Jahr (1836). Dieses Mädchen war die Tochter eines gewissen Genyemon aus Anesawamura, Niigatagun in der Provinz Echigo. Sie hieß Oshun und war damals 21 Jahre alt. Sie hatte sehr lange kleine Schamlippen, von denen die eine, die rechte Nympha, 7½ cm und die andere, die linke, 13 ½ cm lang war. Es wurde auch erzählt, daß das Mädchen beide Ohren bewegen konnte, wie bei einem Tier. Sie war schwachsinnig und kam nach dem Tode ihrer Eltern in die Hände eines Yashi, eines Schaubudenbesitzers. Da solche mißgestalteten Frauen vorher niemals auf Schaustellungen zu sehen gewesen waren, verbreitete sich die Kunde von dem Mädchen rasch durch die ganze Stadt. Ein Schriftsteller aus Liebhaberei, Nabeshima Takumi-no-kami, Takumi-no-kami ist eigentlich: der Oberste der Zimmerleute; es bedeutet: Vorsteher des Bauamtes im kaiserlichen Haushalt. es war ein Lehnsmann, der in späteren Jahren Bürgermeister der Stadt Yedo wurde, hat auch diese Schaustellung besucht und schrieb in seinem Buche »Kinsei Hyakumonogatari« (Mannigfaltige Geschichten aus der heutigen Zeit), daß »Unmengen von neugierigen Leuten sich vor dem Eingang der Schaubude ansammelten«.

Das beigegebene Bild ist dem bebilderten erotischen Buche »Shunjō Anasagashi« (Ein Bekrittler der Wollust) entnommen. Es steht zwar mit der oben geschilderten Schaustellung in keinem Zusammenhang, ist aber ein Beweis dafür, daß solche Sanenaga-musume, Mädchen mit langen Nymphen, bekannt waren. Man hatte in der Umgangssprache sogar ein besonderes Wort dafür: Maedare, die Schürze, das Schurzfell. Es ist eine Abkürzung von Maedare-Bobo, der Cunnus mit den langen Nymphen, die sich von dem Wort Hottentottenschürze dem Sinne nach nicht unterscheidet.

Am Ryōgoku-bashi bei Tokyo, wo eine Art Rummelplatz gewesen zu sein scheint, gab es auch einmal eine Schaustellung, bei der ein Mädchen mit außergewöhnlich langen Schamhaaren gezeigt wurde. Man benennt im Volksmunde solche Frauen, die sehr lange Schamhaare haben, mit dem Spitznamen Kenaga, das eigentlich nur »mit langem Haar« bedeutet. Das zur Schau gestellte Mädchen wurde deshalb »Kenaga-Musume«, das langhaarige Mädchen genannt. Im Abschnitt über die Vulva im Volksmund werden wir weitere Belege dafür beibringen, daß außergewöhnlich lange Schamhaare das Interesse des Volkes erregten und in Gassenhauern festgehalten wurden. Man vergleiche auch die angebeteten Schamhaare der Shichinan im Abschnitt »Götter und Geister«. –

Auch Männer mit geschlechtlichen Mißbildungen wurden zur Schau gestellt. In dem bereits erwähnten Buch »Misemono Kenkyū« (Eine Untersuchung über die öffentlichen Schaustellungen) von Asakura Musei befindet sich folgender Bericht:

»Im Monat August des sechsten Tempō-Jahres (1835) wohnte in einem Gasthaus zu Baku-rochō, Yedo, ein blinder Mann, der einen sehr langen Penis hatte, so daß er ihm im steifen Zustand bis an das Kinn reichte. Dieser Mann trat sehr bald auf dem Schaugerüst einer Bude auf. In dieser öffentlichen Schaustellung zeigte er seinen Penis vor, hielt ihn mit den Zähnen fest oder schlug damit auf seinen Leib (wie auf eine Trommel), unter Begleitung durch ein Liedchen und die Musik eines Samisen, der Gitarre mit drei Saiten, sowie einer Trommel. Dieser Mann war der Sohn eines Bauern namens Jirobei und stammte aus dem Dorfe Ikemori, Landkreis Tsuga in der Provinz Shimotsuke. Zu dieser Zeit war er siebenundzwanzig Jahre alt. Als junger Mann war er von einem Augenleiden befallen worden und erblindete. Nach dem Tode seiner Eltern wurde er von seinem Onkel in Pflege genommen. Dieser führte ihn in die Gesellschaft der Zatōs ein, das sind die Blinden, die man allgemein so bezeichnet, wenn sie mit glattrasiertem Kopf als Musikant oder Masseur sich ihr Brot verdienen. Von diesen wurde er Chōetsu (etwa: Non plus ultra!) genannt. Unter diesem Namen war er bald in den Dörfern weit und breit bekannt, weil er einen so langen Penis hatte, daß er mit einem Pferde wetteifern konnte. Am 7. Februar des fünften Tempō-Jahres (1834) verschwand er aus dem Hause, als sein Onkel Hatsugorō gerade abwesend war. Hatsugorō suchte ihn an verschiedenen Plätzen, bis er in Tochigimachi auf eine öffentliche Schaustellung traf, an deren Eingang eine Tafel mit dem Bild eines Mannes aufgestellt war, der einen sehr großen Penis hatte. Hatsugorō ging zufällig in die Schaubude hinein und sah darin Chōetsu, der auf dem Schaugerüst seine Kunststückchen machte. Hatsugorō geriet in große Wut und verhandelte mit dem Schausteller über die Auslieferung des Chōetsu. Aber dieser Schausteller, namens Monjirō, ließ sich auf eine Freigabe des Chōetsu nicht ein, sondern behauptete, daß er den Blinden durch einen Mann namens Chūjiro aus Tochigimachi von Kimbei aus dem Dorfe Ikemori gekauft habe. Nun entwickelte sich aus der Angelegenheit ein Rechtsstreit. Aber Hatsugorō hatte gar keine Aussicht, daß die Sache rasch erledigt wurde, weil es schien, als ob Monjirō die Rechtsgelehrten bestochen hätte. Schließlich nahm sich ein Verwandter des Hatsugorō namens Yagorō als Anwalt der Sache an und unterrichtete Naitō Hayato no Shō, einen Kanjōbugyō, Ein Kanjōbugyō war in der Tokugawaregierung ein Finanzkommissär, der neben seinen Finanzgeschäften noch die Aufsicht über die Verwaltungs- und Justizangelegenheiten der Zivilbevölkerung in dem unmittelbaren Hausbesitz der Shogune zu führen hatte.s, über den Vorfall. Monjirô und zwei andere Leute wurden verhaftet, während Chōetsu an Yagorō übergeben wurde und an seinen Geburtsort zurückkehrte. Damit fand diese öffentliche Schaustellung ihr Ende. Aber es gelang als Ersatz die oben beschriebene Sanenaga-Musume, das Mädchen mit den langen Nymphen, aufzutreiben, mit der die Bude weitergeführt wurde.«

Der Volksmund hatte sich für die Schaustellung mit dem langen Penis einen besonderen Namen zurechtgemacht. Man nannte sie »Mudaoe«, nutzlos aufrichten, oder »Mudamara-Oyashi«, den Penis nutzlos aufrichten. Das sollte bedeuten: der blinde Mann muß seinen Penis den Leuten im aufgerichteten Zustand vorzeigen, aber zum Koitus kommt er nicht. Ein Senryū macht sich über die Zuschauer folgendermaßen lustig:

»Mudaoe ni Kenryō wo dasu ōwarai.«

»Das ist doch geradezu lächerlich, wenn sich einer eine Eintrittskarte kauft, um einen Penis zu sehen, der nutzlos aufgerichtet ist!«

Statt mit Mudaoe und Mudamara-Oyashi bezeichnete man einen Mann, der einen steifen Penis hatte, aber den Beischlaf nicht ausführte, als »Okanurashi«, als einen, der den Hügel oder das Land naß macht. In dem erotischen Buch »Kōshoku Aka Ebōshi« (Die wollüstige rote Kappe) Das Ebōshi war eine in alter Zeit viel getragene Kappe; man kann sie auf mehreren unserer Bilder sehen, z. B. im Abschnitt »Akasubari und Ui-ana«. steht im Kapitel »Ono no Komachi« folgendes:

»Amata no hito wo Okanurashi shitamai sude ni Tokoiri no dan ni narite wa jōzu kokashi ni shitamai on Yugu wo makurase tamawazu.«

»Manche Männer haben ganz nutzlos einen steifen Penis, wenn es Zeit ist, zu Bett zu gehen, denn sie weicht ihm geschickt aus und macht die Unterkleidung nicht auf.« Tokoiri bedeutet Mann und Frau, die zusammen zu Bett gehen; Yugu ist eine Art Unterrock, der von der Körpermitte bis unter die Knie herunter geht; während der Yedo-Periode trugen die Frauen das Yugu, wenn sie ins Bad gingen, daher sagt man auch Yumaki, d. h. das was man trägt, wenn man ins Bad geht; das Lendentuch oder der Unterrock. Über die Dichterin Ono no Komachi au anderer Stelle mehr. –

Eine sehr beliebte Schaustellung scheint der Geschlechtsverkehr einer Frau mit einem Pferde gewesen zu sein. Es sind Nachrichten vorhanden, daß solche »Vorstellungen« vom zehnten Kwansei-Jahre (1798) an bis zum dritten Tempō-Jahr (1863) gegeben wurden, und zwar in Tōkyō, Ōsaka, Kyōto und Nagaya. Im Jahre 1863 wurden diese Schaustellungen verboten, weil ein solches abgerichtetes Pferd eine Frau angegriffen hatte, die auf dem Weg zu einer andern Schaubude vorüberging.

Man nannte eine solche Schaustellung ganz harmlos »Miiregoma«, das verhexte Pferd. In dem »Misemono Zasshi«, dem Buch über die öffentlichen Schaustellungen, wird folgende Schilderung des Vorganges gegeben:

»Zuerst erscheint die Darstellerin auf der Bühne und winkt mit der Hand. Dann erscheint durch eine Tür der Bühne ein Pferd. Die Frau wendet daraufhin ihr Gesicht dem Pferde zu und sagt: ›Liebes Pferdchen!‹ und als Antwort wiehert das Pferd: ›Hi-hin!‹ Dann fragt sie geziert-verführerisch: ›Liebst du mich?‹ Sobald es diese Worte hört, gibt das Pferd mit einem abermaligen: ›Hi-hin!‹ sofort Antwort und dann wird der Geschlechtsverkehr von den beiden ausgeführt. Es wird behauptet, daß eine solche Frau den Geschlechtsteil einer Stute habe und daß deshalb der Hengst den Koitus mit ihr ausführe. Andere wieder sind der Ansicht, daß die Frau in ihren Ärmeln etwas verborgen halte, wofür das Pferd eine große Vorliebe habe.« –

Daß bei der Unbefangenheit, mit der man allen Äußerungen des Geschlechtslebens gegenüberstand, man auch auf der eigentlichen Schaubühne, dem Theater, nicht Liebesdingen aus dem Wege ging, ist ohne weiteres verständlich. Solche Szenen kamen in Theaterstücken seit der Yedo-Periode bis zur Mitte der Meiji-Ära vor. Man nannte diese Darbietungen Nure Maku oder Nure no Maku, beides bedeutet: nasser oder feuchter Auftritt. Maku, die Szene, der Auftritt, hat außerdem heute noch die Bedeutung Vorhang und Zelt, die aber beide in Beziehung zu dem ursprünglichen Sinn stehen. In diesem Sinn ist der Ausdruck im folgenden Senryū gebraucht:

»Nure-no-maku Yome wa
         Kōbe wo tarete iru!«

»Während die Liebesszene auf der Bühne sich abspielte, beugte die Braut (verschämt) den Kopf hinunter.« Mit anderen Worten: sie tat so, als ob sie das nicht sehen wollte. In Wirklichkeit wollte sie aber bei dem Bräutigam einen guten Eindruck machen, und dies ist es, was das Senryū zum Ausdruck bringen will. Denn die Braut wird wohl gewußt haben, was ein Nure-no-maku ist und daß »Nure«, das »Naß-sein« im Volksmund soviel wie Koitus bedeutet. Auch die Anspielung, die in Nurebumi, ein Liebesbrief, ein Billetdoux, liegt, wird sie verstanden haben. Die Bezeichnung: Nuru, naß werden, für: Geschlechtsverkehr haben, ist dann selbstverständlich. Schließlich hat wohl Nure-no-maku die Beziehung zum Theater vollständig verloren und ist lediglich ein Wort für den Koitus geworden, wie in dem folgenden Senryū:

»Dai chinji Nure-no-maku nite
         Gejo kizetsu.«

»Es ist doch ein Mißgeschick, wenn man auf einmal findet, daß das Dienstmädchen während des Koitus ohnmächtig geworden ist!« Dies hat natürlich nur eine humoristische Bedeutung, wenn man annimmt, daß die Sache einem Ehemann passiert ist. Vielleicht knüpft das Senryū, wie das bei diesen »Gelegenheitsgedichtchen« wohl meistens der Fall sein wird, an eine wirkliche Begebenheit an und ist dadurch zum Gassenhauer geworden, nachdem es in einem engeren Kreis zunächst ein Spottvers war. Diesem Umstand verdankt das Senryū, wie so viele andere, seine Erhaltung.

Nure ist eigentlich nur eine Abkürzung von Nuregoto, ein Ding, das naß macht. Allerdings ist die wörtliche Bedeutung sozusagen ganz verloren gegangen, denn Nuregoto ist heute: Eine Liebesaffäre, eine Liebesintrigue, Liebe schlechthin, Liebelei, Liaison (namentlich auf der Bühne). Hier schimmert der alte Sinn immer noch etwas durch, während in dem ähnlich lautenden Wort Irogoto, das auch Liebesverhältnis usw. bedeutet, der Begriff des damit verbundenen Koitus die Oberhand gewonnen hat. Deshalb ist auch der Irogotoshi, wörtlich ein Vergnügungsmensch, in der Umgangssprache zu einem Verführer, Ehebrecher, Hurenkerl, Leichtfuß usw. geworden. Das Wort Iro, Liebe, wird uns im guten und im schlechten Sinne noch öfter begegnen.

Nure kann auch als »beim Koitus in Schweiß geraten« aufgefaßt werden, gewöhnlich meint man aber damit das Feucht- oder Naßwerden der beiden Geschlechtsteile beim Koitus. Daher bedeutet Nure-mara, wörtlich der tröpfelnde Stachel, im Volksmund einen Penis, »von dem das Wasser herunterläuft«, mit andern Worten: der von der Absonderung des Cunnus ganz feucht ist. Dies trifft auch auf das Wort: Nurekakaru, anfangen naß zu werden, zu, da damit: einen Koitus beginnen gemeint ist. In launiger Weise wirft dies ein Senryū in beiden Bedeutungen zusammen:

»Sanza shigura ka kayano no ame ka
         Oto mo sede kite Nurekakaru.«

»Ach! Was ist das für ein Schauer oder Regen auf dem Felde! Und dabei wird man ganz naß, ohne irgendein Geräusch zu hören!«

Das Stammwort nuru, feucht sein, auch nureru und nururu, haben alle in der Umgangssprache die verdächtige Nebenbedeutung, sodaß man diese Wörter besser nicht gebraucht. Nure als Eigenschaftswort ist in demselben Sinne in Zusammensetzungen zu finden. Eine Nure-Goke, eine feuchte Witwe, ist eine geile, wollüstige Witwe, die sich um die den Witwen auferlegte Keuschheit nicht kümmert, sondern oft mit einem Manne Geschlechtsverkehr hat; sie ist eben dauernd im Zustand der Feuchtigkeit. Eine Nure-Ama, eine feuchte (buddhistische) Nonne, ist eine solche Nonne, die ihre Keuschheit verkauft. Wir werden in dem Abschnitt über die geheimen Freudenmädchen auf sie zurückkommen.

Als Abschluß für die Erklärungen zu Nure, seinem Stammwort und seinen anderen Verwendungen ein Senryū, in dem das »Feuchtwerden« umschrieben ist:

»Hito koso shiranu kawaku ma no
         Yome wa nashi!«

»Kein Mensch weiß, weshalb die Braut niemals trocken wird!«

Als gewissermaßen humoristischen Ausdruck für das Feuchtsein beim Koitus braucht man auch: Mizuasobi, im Wasser spielen oder herumplätschern. Und im Gegensatz zu dem aufregenden Zwiegespräch der Liebenden auf der Bühne nennt man den Geschlechtsverkehr auch »Shimeyaka«, wörtlich: still, sanft. Der Scherz beruht darauf, daß man unter Shimeyaka ein ruhiges, vertrauliches Gespräch mit einem Angehörigen des anderen Geschlechts versteht. –

Eine Schaustellung, die zwar nicht in einer Schaubude stattfindet und für die auch kein Eintrittsgeld erhoben wird, die aber trotzdem in der Absicht des Geldverdienens stattfindet, muß hier erwähnt werden, weil sie sich eines gewissen Rufes erfreute und sogar zur Bildung eines besonderen Ausdrucks führte. Das war das »Bobo-Dashi-Imoya«, der Cunnus-Ausstellung-Kartoffelladen. Das komische Element in dieser Bezeichnung wird wohl auch im Deutschen nicht verlorengegangen sein. Es handelt sich um das Eheweib eines Gemüsehändlers, die zeitweise in ihrem (nach außen vollständig offenen) Laden ihre Geschlechtsteile zur Schau stellte, um lüsterne Kunden anzulocken und ihnen von ihren Vorräten etwas zu verkaufen. Darüber wird folgendes berichtet:

»In den Anfangsjahren der Meiji-Periode (1868–1911) war nahe beim Torii, dem Torwegbogen des Shintō-Tempels Kasamori-Inari zu Misakichō, Yanaka, Tōkyō, ein kleiner Kartoffelladen. Die Inhaberin des Ladens hockte gewöhnlich mit aufgehobenen Röcken vor dem Laden und stellte so ihren Geschlechtsteil zur Schau, während sie Kartoffeln (zum sofortigen Verkauf) röstete. Die Leute in der Stadt hatten ihr deshalb den Spitznamen »Bobo-Dashi-Imoya«, Cunnus-Ausstellung- Kartoffel-Laden, gegeben. Sie schien damit lüsterne Kunden anlocken zu wollen, aber der Anblick war keineswegs schön, denn es handelte sich um eine Frau von etwa vierzig Jahren, die häßlich war und sehr dünnes Schamhaar hatte. Obendrein wurde gesagt, daß aus der Schamspalte die bräunlich gefärbten kleinen Schamlippen heraushingen, so daß der Anblick für die Leute schon eher ekelhaft gewesen sei.«

Man könnte aus dieser Beschreibung vermuten, daß es der Frau gar nicht um das Anlocken von Kunden zu tun gewesen sei, sondern daß sie, aus uraltem Glauben heraus, ihren Cunnus sowohl als glückbringend, als auch als Böses abwehrend entblößte. Es könnte sich dabei in erster Linie um Abwehr des bösen Blicks handeln, gegen den ja der Cunnus in vielen Gegenden der Erde benutzt wurde und heute noch benutzt wird. Für japanische Verhältnisse erinnern wir an das im Abschnitt »Götter und Geister« Beigebrachte, namentlich an den Mae-Dashi-Jizō, den »Jizō, der einen Cunnus herzeigt« und an den Affen vom Sannō-Heiligtum.

Im Frühjahr des 5. Meiji-Jahres (1872) zog eine Bettlerin mit einem kleinen Kind und einem Wohnwagen umher. Auf den Straßen sang sie ein Liedchen, wobei sie eine Handtrommel schlug. Sobald sich einige Leute um sie versammelt hatten, deckte sie ihren Unterleib auf und ließ ihren Geschlechtsteil betrachten, wobei sie eine Art Sündenbekenntnis ablegte. Ob es sich hier lediglich um eine Bettelei handelt, oder ob nicht Glaubensvorstellungen den Hintergrund dieser öffentlichen Beichte bildeten, ist zweifelhaft. Satow sagt dazu, daß es sich nicht um ein außergewöhnliches Vorkommnis handelt, sondern daß es schon in der Yedozeit Bettlerinnen gegeben habe, »die mit abscheulichen Darbietungen Geld sammelten«.


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