Adolph Freiherr Knigge
Geschichte Peter Clausens
Adolph Freiherr Knigge

 << zurück weiter >> 

Erstes Capitel

Etwas von Heyrathsangelegenheiten.

»Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sey«, dachte ich, und da das Schicksal wirklich schon mir eine Gehilfin zugeführt hatte, ich mich auch nunmehr in den Umständen befand, Diese mit Anstand ernähren zu können, so war mein erster Vorsatz, sobald mir der Gedanke an ein eheliches Leben durch den Kopf lief, an meinen alten Freund, den Hauptmann von Dobelmayer, zu schreiben und ihn zu bitten, die Sache mit dem Meinhardtschen Hause in Ordnung zu bringen.

Um offenherzig zu seyn, gestehe ich, daß meine jetzige glänzende Lage mir eine solche Sicherheit und Selbstgenügsamkeit einflößte, daß es mir gar nicht anders einfiel, als daß die Eltern meiner angetraueten Frau sich eine Ehre daraus machen würden, ihre Tochter an einen so angesehenen und vornehmen Cavalier verheyrathet zu sehn – So sehr hatten sich die Umstände verändert – Ja! es kamen Augenblicke, wo ich wankte, ob ich nicht besser thäte, mit einer altadeligen Familie in Bündnis zu treten und Jene im Stiche zu lassen. War es aber aus Gefühl von Pflicht oder aus Furcht, ich könne heut oder morgen böse Händel wegen der wirklich in Hamburg vollzognen priesterlichen Einsegnung bekommen, oder floß noch zu viel bürgerliches Blut in meinen Adern, das mit dem Blute, worauf der Geist von sechzehn Ahnen schwamm, nicht sympathisieren konnte? – Ich weiß es nicht, aber das ist gewiß, daß mir alle Fräulein in der Stadt mißfielen.

Wenn ich so des Morgens um zehn Uhr in das Cammercollegium fuhr und dann die blassen Gesichter, eben erst mit Mühe aus den Betten hervorgekrochen, am offnen Fenster standen, des lieben Müßiggangs zu pflegen und die vergiftete Stadtluft einzuathmen, bis die Stunde herankäme, wo der Friseur die dünnen Haare über Kissen ziehn sollte, die mit allerley heterogenen Producten ausgestopft wären; wenn ich mir vorstellte, wie er, was auf fremdem Boden gewachsen war, hier wurzellos einpflanzte, um ein ungeheures gothisches Gebäude aufzuführen, welches auf den Abend am Hofe prangen sollte; wie dann die Schönen die rothen Wangen aus ihren Büchsen hervorholten oder wohl gar die Zähne mit Draht befestigten, die an die Stelle derer kämen, welche ihnen gewürzte Speisen und warme Getränke weggenagt hatten; oder wie sie die großen Füße schmerzenvoll in kleine Schuhe zwängten; wie sie vielleicht mit allerley Polstern die Fehler ins Gleiche brächten, welche sie einer verwahrloseten, höchst unnatürlichen Wartung zu verdanken hatten, damit nach und nach gegen Mittag eine Art von menschenähnlicher Puppenfigur zum Vorschein käme, die dem reichen fremden Reisenden, den der Herr Vater zu einer noch nicht bezahlten Mahlzeit eingeladen hatte, das Herz fesseln sollte; wenn ich des Abends auf dem Schlosse im Vorzimmer den Circel dieser armen Dingerchen in Kleidern, welche auf Credit ausgenommen waren, um Geld spielen sah, das man eine Stunde vorher auf eine versetzte goldne Dose geliehn hatte; wenn ich ihren unwichtigen, seelenlosen Gesprächen über Putz, unbedeutende Bücher und ärgerliche Anecdoten zuhörte; wenn ich sah, wie so alles, was Gepräge, Natur und edle Einfalt hinreißend Bezauberndes hat, aus ihren Seelen vertilgt war; wie die unglücklichen Geschöpfe nicht fühlten, welche traurige, genußleere Zukunft, welches elende Alter, welche reuevolle letzte Stunde sie sich zubereiteten; so konnte ich mir unmöglich einbilden, daß ein ehrlicher, grader Mann mit einem solchen weiblichen Wesen ein glückliches häusliches Leben führen könnte.

Dann kam ich zuweilen auf den Gedanken, um ein gutes, wackres Landfräulein anzuhalten. Ich hätte hoffen dürfen, daß mein Rang und mein Ansehn schon einen armen Edelmann mit verschuldeten Gütern bewegen haben würden, über meinen Mangel an geerbten Verdiensten hinwegzusehn. Allein wenn mir wieder der Dünkel in den Kopf kam, ich müsse eine Frau haben, welche die Ehre meines Hauses machen, meine Gäste unterhalten und uns eine gewisse Würde geben könnte, die meiner Lage angemessen und fähig wäre, die Fremden zu bewegen, auswärts zu erzählen, des Herrn Cammerdirectors Claus von Clausbach Haus sey eines der glänzendsten in . . . – Mein Gott! dann fürchtete ich wieder, ein Provinzialfräulein möchte mir Schande machen, sie möchte etwa einmal, wenn sie sich um die Küche bekümmerte, nach Rauch riechen, oder eine schiefe Verbeugung machen oder nicht Französisch reden können oder, wenn sie ihren Gästen ein Spiel anbiethen sollte, vielleicht das Blindekuhspiel vorschlagen, oder im Gespräche, wenn von dem procès des trois roisEine kleine pasquillartige Schrift, die mehr Aufsehn gemacht hat, wie sie verdiente. Erwähnung geschähe, glauben, es sey von den heiligen drey Königen die Rede, und mich auf diese Art oft in Verlegenheit setzen. Ich gab also auch diesen Plan auf.

Endlich schien mir also der erste Gedanke, meine rigaische Schöne aufzusuchen, der Vernunft und Rechtschaffenheit am gemäßesten. Zwar kannte ich auch Diese nicht weiter als von dem kurzen Augenblicke her, da ich sie in Kindesnöthen gesehn hatte. Allein nicht zu erwähnen, daß es wirklich eine Schickung des Himmels schien, die mich mit ihr verbunden hatte, so ließen auch die Gespräche des Hauptmanns über die Vermögensumstände, die Lebensart der Meinhardtschen Familie und über den sanften Character der Tochter mich muthmaßen, daß sie eine so gute Erziehung genossen und sich so gebildet haben würde, daß sie vollkommen der Ehre würdig wäre, zur gnädigen Frau Cammerdirectorin Claus von Clausbach erhoben zu werden.

Ich schrieb also so ziemlich im Cavalierstone einen Brief an meinen ehrlichen Dobelmayer, von dem ich wußte, daß er in Riga war, erzählte ihm, wie das Glück mich auf eine so wunderbare Weise auf den Leuchter gestellt hätte und daß ich nun im Stande wäre, eine Frau glücklich zu machen; daß ich dabey weniger auf Geburt wie auf gute Eigenschaften des Herzens Rücksicht zu nehmen entschlossen sey; daß ich zwar Gelegenheit genug hätte, unter den Fräulein aus den ersten Häusern zu wählen, daß ich aber dennoch den Winken des Schicksals folgen wolle, welches mir einst durch seine Vermittlung eine Ehehälfte zugeführt hätte. Er möchte also nun der Familie die ganze Lage der Sache entdecken und veranlassen, daß einer von den Verwandten meiner künftigen Frau, welche ich hier als die Witwe des jungen Haftendonk ankündigen würde, herbegleitete, da wir uns dann noch einmal einsegnen lassen wollten – Und was des adeligen, vornehmen Unsinns mehr war –

 

Indes ich mir nun im Geiste vorstellte, wie das Meinhardtsche Haus mit beyden Händen diesen vorteilhaften Antrag ergreifen würde, fing ich an, ohne in der Stadt etwas von meinen Absichten kund werden zu lassen, mich zu einer vollständigen Haushaltung einzurichten. Es wurde allerley neumodischer Hausrath gekauft, für zwey schöne seidne Betten gesorgt, ein Kammermädchen mit einer großen Haube im Vorrath gemiethet und ein Bedienter angenommen, der Damen frisieren konnte. Die Domestiken und der Kutscher bekamen Haarbeutel und neue Livreen, nach meinem Wappen eingerichtet und mit Schnüren besetzt, auf welchen mehr als fünfzigmal der Bär aus meinem Petschafte mit dem Schwerte zu sehn war.

Riga ist weit, und während die Posten hin- und herreiten, habe ich Zeit genug, meinen Lesern zu erzählen, was für Wirkung diese Vorkehrungen auf das Publicum machten und wie es mit meiner politischen Lage aussah.

Die geneigten Leser werden sich erinnern oder, wenn sie sichs nicht erinnern, so können sie es unmaßgeblich im zweyten Theile, Seite 267, nachschlagen, daß ich ziemlich glücklich in meinen Plänen zu Verbesserung der fürstlichen Finanzen war. Jetzt will ich ihnen auch sagen, wie das zuging. Der Fürst hatte die Gewohnheit, die manche Fürsten haben sollen, gern mehr auszugeben, wie er einzunehmen hatte. Der Aufwand am Hofe war groß, und die Cammer sollte immer Geld schaffen. Von Einschränkung der Pracht durfte nicht geredet werden, und da unter des Herrn Präsidenten von Mehlfeld Regierung Bestechung und Betrug auch ihr Theil ziehen, Jeder sich bestmöglich bereichern und, solange Jener mit der Maitresse gut stand, auch Diese auf den allgemeinen Schatz loswirthschaften durfte, war in der That das Land von allen Seiten gewaltsam ausgesogen worden. Sobald ich nun an das Ruder kam, war ich ernstlich darauf bedacht, den Betrügereyen der Räthe und Beamten zu steuern, wodurch wohl viel gewonnen wurde, ich aber auch eine mächtige Parthey gegen mich bekam, die, wenn sie jetzt nicht offenbar auftreten konnte, doch auf eine schickliche Gelegenheit lauerte, mir den Stuhl zu rücken.

Um aber die Schulden des Fürsten zu tilgen und auf einmal eine große Summe Geldes in die Gasse zu liefern, erfand ich das Mittel, die Ämter, welche bis itzt sehr ungewissenhaft administriert worden waren, zu verpachten. Die Pächter mußten Bürgschaft an barem Gelde leisten, und wenn auf diese Art zwar eigentlich die Schulden des Herrn nicht getilgt wurden, weil doch früh oder spät die Cautionssummen wieder herausgegeben werden mußten, so leuchtete es doch dem Fürsten, der so weit nicht dachte, sehr in die Augen, auf einmal so große Capitalien in die Hände zu bekommen. Mein Credit bey ihm wuchs dadurch sehr, und man konnte nicht begreifen, wie der alte Mehlfeld nicht einmal so viel Geschick gehabt hatte, dergleichen Hilfsquellen zu finden.

Sobald die Maitresse Wittrung von der Silberflotte hatte, welche aus den Ämtern in die Residenz ankam, machte sie Plan darauf, ihren Antheil davon zu ziehn, und es fiel ihr gar nicht ein, daran zu zweifeln, ob ich, der ihr oder vielmehr ihrem Bologneserhunde sein ganzes Glück zu verdanken hatte, zu diesem Unternehmen die Hände biethen würde. Allein diesmal irrte die gute Person, und der Eifer für meine Pflicht und für den Dienst meines Herrn erlaubte mir nicht, aus Dankbarkeit eine Schelmerey zu begehn. Ich lehnte daher ehrerbiethig alle Anträge von der Art ab, Madame Novanelle (so hieß sie) bekam vor wie nach ihre Pension, und nichts weiter. Dieser Umstand aber zog einen bitterkalten Nebel zwischen uns, den das aufmerksame Hofgesindel nur zu bald merkte und der unfehlbar meinen Sturz würde nach sich gezogen haben, wenn nicht ein andrer unvermutheter Vorfall dazwischengekommen wäre, der mich diesmal noch über Wasser hielt. Hier ist die Erzählung davon:

Wenn ein unverheyratheter Mann an irgendeinem Hofe sein Glück macht und zu hohen Ehren kömmt, pflegen die alten Damen, welche erwachsene Töchter haben, nebst diesen lieben Kindern so lange ziemlich gut auf ihn zu sprechen zu seyn, bis er sich unglücklicherweise bestimmt, entschieden erklärt oder durch actus concludentes gezeigt hat, daß er nicht gewillt sey, eine von ihnen zu seiner Ehefrau zu nehmen – Dann sey der Himmel ihm und seiner künftigen Gattin gnädig! – Diese Erfahrung machte auch ich. Kaum hatte ich meinen Adelsbrief in der Tasche, als ich, wider mein Vermuthen, in allen Häusern der Noblesse (Nota bene, wo große Töchter waren) vorgezogen und mit Liebe und Güte aufgenommen wurde. Man scherzte dann zuweilen über die Hagestolzen, man neckte mich, warf mir vor, ich sey in das Fräulein B. oder in das Fräulein C. oder in das Fräulein D. verliebt, und wenn ich mich dessen wehrte, hieß es: »Nun! was wäre es dann mehr? Sie sind ein junger Mann, und wer würde Ihnen nicht gern seine Tochter geben?« und was dergleichen mehr war, wobey ich gewöhnlich verzweifelt albern aussah. Die etwas coketten Dämchen schossen auch wohl schmachtende, in Empfindsamkeit und Mondschein getauchte Pfeile aus ihren holden Äugelein auf mich ab, aber sie streiften kaum meine Haut, und ich schüttelte sie von mir, aus Rücksichten, die ich oben entwickelt habe. Man kundschaftete meine Geburtstage und Namenstage aus, und da ich nur einen Vornamen, Peter, hatte, mußte sogar Petri Kettenfeyer mit herhalten, da ich dann eine reiche Ernte von Stockbändern und Geldbeuteln, auch wohl ein Verslein dazu bekam, in welchem gar artig auf die Ketten, welche Petrus getragen hatte, im Gegensatze mit denen, welche man mir wünschte, angespielt wurde – Die lieben Kinderchen! Der Cammerdirector Claus von Clausbach wollte von dem allen nichts merken. Diese Angriffe verdoppelten sich indessen, sobald man erfuhr, daß ich Miene machte, meinen Hauhalt zu erweitern, ohne daß man etwas von meiner Braut wußte.

So unentschieden blieben die Sachen, als von einer andern Seite das Ding noch viel feiner angelegt wurde. Der Präsident nämlich, der nie verheyrathet gewesen war, hatte eine Nichte, gleiches Namens mit ihm und etwa zweyundzwanzig Jahre alt, ein bißchen verbuhlt, aber hübsch, artig, angenehm und mit einem Paar funkelnden schwarzen Augen versehn, ach! mit einem Paar Augen, die so kerzenhell brannten, daß die Fliegen und Mücken darnach wie in ein Licht flogen und die Stutzer wie Fledermäuse daran herumschwärmten.

Sobald der Herr Präsident sah: primo, daß meine Cameraloperationen mich immer fester in die Gunst des Fürsten setzten; secundo, daß ich nicht Miene machte, eines von den Stadtfräulein zu ehlichen; tertio, daß ich dennoch nicht abgeneigt seyn möchte, zu heyrathen, und quarto, daß ich itzt mit der Maitresse, gegen welche sein Haß unauslöschlich blieb, über den Fuß gespannt war, veränderte er seinen Plan und beschloß, mit mir in eine Of- und Defensivallianz zu treten. Der Vereinigungspunct aber sollte das Fräulein von Mehlfeld seyn. Die Präliminairartikel fingen damit an, daß man mich ein paarmal zum Mittagsessen einladete. Hier sagte man mir dann allerley verbindliche Sachen, wünschte dem Fürsten und dem Lande Glück, daß ein so thätiger und geschickter Mann ein Geschäft übernommen hätte, welches des Herrn Präsidenten Kräfte bey seinem hohen Alter nicht mehr zu ertragen vermöchten. »Und wenn Ihnen, mein lieber Freund!« hieß es, »in irgendeiner Sache eine Nachricht fehlt, die ich vielleicht noch im Kopfe habe, da ich so lange Zeit mit diesen Geschäften umgegangen bin, so bitte ich Sie, disponieren Sie über mich! Überhaupt möchte ich, daß Sie mein Haus wie das Ihrige ansähen, daß wir nur Eine Familie ausmachten. Sie haben hier niemand von den Ihrigen, und an einem fremden Orte weiß man wohl, wie es geht. Man kann es nicht Jedem recht machen, und es thut wohl, wenn man dann wenigstens Ein Haus hat, das es gewiß gut mit uns meint. Auf mich und meine Nichte können Sie sicher rechnen, mehr als Sie vielleicht glauben – Nicht wahr, Caroline? – Nun! du brauchst nicht roth zu werden – Das Mädchen ist jetzt meine einzige treue Gesellschaft. Ehemals habe ich oft bedauert, daß ich unverheyrathet geblieben bin; aber seit der Zeit, daß sie bey mir ist, denke ich daran nicht. Sie ist ein gar gutes Kind, auch soll sie einst mein bißchen Habe und Gut erben. Ich würde, glaube ich, sterben, wenn ich mich ganz von ihr trennen sollte. Um alles in der Welt möchte ich sie nicht auswärts verheyrathet sehn.« u. s. f.

Ich war wirklich fein genug, um zu merken, wohin das hinauswollte, und dies um so mehr, da auf einmal die ganze Parthey des Präsidenten öffentlich zu meinem Lobe redete, ja! Einer oder der Andre von seinen Anhängern mich fragte, ob man mir Glück wünschen dürfte. Nun hielt ich es, in dem Verhältnisse, darin ich mit der Maitresse stand, der Klugheit gemäß, mich nicht bestimmt gegen die Sache zu erklären. So blieb es dann, und da der Herr von Mehlfeld noch immer hoffte, seinen Zweck zu erreichen, hatte ich an ihm und seinem Anhange die mächtigste Stütze in der Zeit, da Madame Novanelle ungnädig auf mich war.

Weil ich indessen täglich auf Antwort von Riga wartete, welche alles entscheiden und, sobald das Ding bekannt würde, den Herrn Präsidenten und Consorten gegen mich aufbringen mußte, war ich so politisch, unter der Hand an meiner Versöhnung mit der Maitresse zu arbeiten, und dazu fand ich bald eine Gelegenheit, die mit meiner Gewissenhaftigkeit bestehn konnte. Sie wollte nämlich gern ein Gut außer Landes kaufen. Ich verschaffte ihr eines um sehr billigen Preis, rieth auch dem Fürsten, ihr ein Geschenk zu machen, um ihr den Kauf zu erleichtern, wodurch dann bald der Friede unter uns geschlossen wurde. Ich habe schon oben gesagt, daß sie kein boshaftes Geschöpf war; da dachte ich nun bey mir: »immer besser Diese wie eine Schlimmere!« und die Folge überzeugte mich, daß ich Recht gehabt hatte.

Endlich kam die Antwort des Hauptmanns von Dobelmayer an, die mir freylich nicht ganz gefiel, weil sie meiner Eitelkeit eben nicht schmeichelte. Er schrieb nämlich, der alte Meinhardt sey sehr betroffen über die Entdeckung gewesen, daß man nicht den jungen Haftendonk, sondern mich seiner Tochter in Hamburg angetrauet hätte. Er sey ein Feind aller Unwahrheit und Verheimlichung. Indessen wäre die Sache nun geschehn, aber er wolle dennoch lieber seine Tochter mit einem unehelichen Kinde bei sich behalten, möchte auch die ganze Welt die Sache wissen, als sie einem Manne hingeben, den sie Alle nicht kennten. Recht und Ansprüche auf sein Kind gestünde er mir gar nicht ein. Er hielte nicht viel auf solche neugebackne Edelleute, die ohne weitre Ursache, bloß aus Titelsucht, sich ein von hätten anhängen lassen. Noch weniger hielte er von Cammerdirectorn kleiner teutscher Fürsten, weil Diese gewöhnlich ein sehr unsichres Stück Brot hätten und heute oder morgen, wenn ihren Duodezdespoten einmal der Kopf schief stünde (vorausgesetzt, daß sie einen hätten), wieder fortgejagt würden. Also sähe er es eben nicht für ein Glück an, seine Tochter an einen frisch geadelten fürstlichen Plusmacher zu überlassen. Wenn aber der Herr von Clausbach übrigens ein guter Mann sey, so wäre ihm das Ding schon recht und ließe sich davon reden. Aber ich müsse kommen und mich zeigen. Er sey nicht gewillt, seine Tochter aufs Markt zu bringen.

Offenherzig zu gestehn, so schlug diese Antwort meinen Stolz sehr nieder. Doch flößte sie mir von einer andern Seite wieder Achtung für den braven alten Kaufmann ein, und die Sache war einmal angefangen, folglich nicht gut zurückzugehn. Ich verschwieg gegen jedermann meinen Vorsatz, vertrauete nur dem Fürsten, man habe mir eine reiche Witwe zur Frau vorgeschlagen (welches ihm sehr gefiel in Betracht des fremden, ins Land kommenden Geldes), bat um Urlaub nach Riga, reiste ab und erfuhr nachher, was ich vorher hätte wissen können, wenn ich Prinzen gekannt hätte, daß, ehe ich die erste Post erreicht hatte, mein Geheimnis aus des Fürsten Munde in die ganze Stadt ausgeflossen war.


 << zurück weiter >>