Ferdinand Gregorovius
Gedichte
Ferdinand Gregorovius

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I. Gedichte aus Italien.

Harpokrates.

       

Manch' eines Gottes Spruch hört' ich erschallen,
Dem Schüler mocht' er gern Belehrung geben,
Stand ich vor ihm mit innerstem Erbeben,
Andächtig, willig fast, in's Knie zu fallen.

Die Lyra hört' ich des Apollo hallen,
Mich mahnte Pallas weise stets zu leben,
Der Rede Kunst bot mir der Gott der Reben,
Und Eros, größester Sophist von allen.

Doch dich vernahm ich nicht, noch deine Lehre:
Den Finger auf dem Mund, mit holdem Neigen,
Fragt stumm dein Lotoshaupt, ob ich's verehre.

O Isis' Sohn! willst du mir Gunst erzeigen,
Lehr' deine Tugend, Meister, mich die schwere:
Das Schicksal groß zu dulden und zu schweigen.

Genzano, 14. Juli 1854.

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