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2. Familie: Krontauben ( Gouridae)

Die größten aller gegenwärtig lebenden Girrvögel sind die Krontauben, von den bisher beschriebenen Arten abweichende Vögel und deshalb Vertreter einer besonderen Familie ( Gouridae). Sie kennzeichnen sich durch bedeutende Größe und etwas plumpen Bau, fast kopflangen, beinahe gleichmäßig dünnen, nur vor der Spitze ein wenig und zwar ziemlich gleichmäßig oben wie unten verdickten Schnabel, sehr hochläufige, aber verhältnismäßig kurzzehige, auf dem Laufe mit großen Pflasterschuppen bekleidete Füße, mittellange, stumpfe Flügel, unter deren Schwingen die vierte bis siebente die Spitze bilden, sehr langen und breiten, sanft abgerundeten Schwanz und großfederiges, weitstrahliges Gefieder, insbesondere auch den prachtvollen Kopfschmuck, welcher aus einer fächerartigen, aufrichtbaren Haube von zerschlissenen Federn besteht.

siehe Bildunterschrift

Krontauben.

Die Familie umfaßt nur drei, auf Neuguinea und den benachbarten Eilanden des Indischen Inselmeeres heimische Arten, von denen zwei nicht allzu selten in unsere Käfige gelangen.

 

Die Krontaube ( Goura coronata, Columba coronata und mugiens, Lophyrus coronatus) erreicht eine Länge von fünfundsiebzig Centimeter; die Fittiglänge beträgt achtunddreißig, die Schwanzlänge sechsundzwanzig Centimeter. Das Gefieder ist vorherrschend licht schieferblau, auf Unterrücken, Flügel und Schwanz etwas dunkler, der Zügel schwarz, der Mantel, einschließlich der Schultern, schmutzig braunroth gefärbt; die größten Flügeldeckfedern sind in der Mitte weiß, wodurch eine Längsbinde entsteht, an der Wurzel schwarz, an der Spitze braunroth, die Schwanzfedern am Ende mit einer breiten, licht schiefergrauen Binde geziert. Das Auge ist scharlachroth, der Schnabel düster horngrau, der Fuß roth, weißlich überpudert.

Bei der etwas größeren Fächertaube ( Goura Victoriae, Lophyrus Victoriae) herrscht ebenfalls Schieferblau vor; die Unterseite aber ist kastanienrothbraun, die Flügelbinde blaugrau und die breite Schwanzendbinde weißgrau; auch sind die Federn der Kopfhaube nicht einfach zerschlissen, sondern am Ende mit kleinen Fahnen besetzt, welche die Gestalt länglicher Dreiecke zeigen. Das Auge ist zinnoberroth, der Fuß fleischfarbig.

Schon im Jahre 1699 sah der alte Dampier die Krontaube in ihrer Heimat; später wurden viele nach Ostindien und den Sundainseln ausgeführt und hier auf den Höfen wie Hühner gehalten.

siehe Bildunterschrift

Fächertaube ( Goura Victoriae). ⅕ natürl. Größe.

Mehrere kamen auch nach Holland und zierten hier die Sammlungen reicher Liebhaber. Doch wußten wir bis in die neueste Zeit über ihr Freileben so gut wie nichts, und auch heutigen Tages noch ist unsere Kenntnis hiervon sehr dürftig.

»Die Krontaube«, sagt von Rosenberg, »lebt in Menge auf der Küste von Neuguinea sowie auf den Inseln Waigiu, Salawati und Misul. In ihrer Lebensweise ähnelt sie den Fasanen, streicht in kleinen Trupps im Walde umher und hält sich gern auf dem Boden.« Wallace hat sie auf Neuguinea oft auf den Waldpfaden umherlaufen sehen; denn sie bringt den größten Theil des Tages auf dem Boden zu, sich hier von herabgefallenen Früchten nährend, und fliegt nur, wenn sie aufgescheucht wird, auf einen der unteren Zweige des nächsten Baumes, welchen sie auch zum Schlafen erwählt. »Die Krontaube«, fährt Rosenberg fort, »ist nicht schwer zu schießen. Auf der Fahrt längs des oberen Karufaflusses an der Westküste von Neuguinea wurde von unserem Boote aus ein auf dem Neste sitzendes Weibchen erlegt. Das Nest bestand aus lose zusammengefügten Zweigen und enthielt einen eben aus dem Eie gekommenen jungen Vogel.

»Zu Dore heißt die Krontaube Mambruk, an der Südwestküste Titi. Sie wird ziemlich häufig lebendig nach Amboina, Banda, Java und von da nach Europa gebracht, was zu der falschen Annahme geführt hat, daß sie auch auf diesen Inseln zu Hause sei. Die Fächertaube scheint seltener zu sein und bewohnt südlichere Gegenden Neuguineas.«

Auch gegenwärtig noch sieht man lebende Krontauben am häufigsten in den holländischen Thiergärten. Sie halten sich bei einfacher Nahrung recht gut, überstehen in geschützten Räumen den Winter leicht und schreiten, wenigstens im Thiergarten zu Regents-Park, ziemlich regelmäßig zu Fortpflanzung. »Die Anzahl der Krontauben des Londoner Thiergartens«, erzählt Mitchell, »waren bis auf ein Männchen der Kron- und ein Weibchen der Fächertaube ausgestorben. Ich ließ deshalb beide in einen Raum des alten Vogelhauses bringen. Im Anfange des Juni beobachtete man, daß sie sich gepaart hatten, und zwei Monate später etwa begannen sie ihre Vorarbeiten zum Nestbaue. In dem offenen Theile des Vogelhauses befand sich ein dicker Ast, in ungefährer Höhe von zwei Meter über dem Boden, welcher als Sitzstange diente. Auf die äußerste Spitze gedachten Astes trugen sie Zweige und Reiser, welche zu diesem Zwecke ihnen gegeben waren, bemühten sich aber vergeblich, auf der glatten und nicht genügenden Unterlage ein plattes Nest zu begründen. Der aufmerksame Wärter nahm ihre Verlegenheit wahr und unterstützte sie, indem er ein breites Stück Korbgeflecht unternagelte. Nunmehr begannen sie ernsthaft zu bauen. Am fünfzehnten August ruhten sie von ihrer Arbeit, bei welcher das Männchen den Zuträger, das Weibchen den Verarbeiter gemacht hatte; es wurde aber, wie wir vermuthen, an diesem ereignisvollen Tage das Ei gelegt, obgleich der Wärter nicht im Stande war, dasselbe jetzt zu sehen, da ein oder der andere Vogel es beständig bedeckte. Das Nest war nicht weit von der Außenwand des Vogelhauses entfernt, und während der Brutzeit gingen hier tausende von Besuchern vorüber; die Vögel brüteten aber so eifrig und ununterbrochen, daß der Wärter nur einmal das Ei sehen konnte, und zwar gerade in dem Augenblicke, wo ein Vogel den anderen ablöste. Die ausgesetzte Lage des Nestes, welches nur durch das dünne Gelaube einer Kletterrose einigermaßen geschützt war, machte mich wegen des Einflusses der Witterung besorgt um das Junge, welches am dreizehnten September nach achtundzwanzigtägiger Brutzeit ausgekrochen war. Dieses aber wurde fortwährend von einem der Eltern bedeckt und gefüttert, während es unter ihnen saß. Am Morgen des siebzehnten wurde das Junge jedoch todt im Neste gefunden, ob infolge des Uebermaßes von Vorsorge oder infolge eines Zufalles, will ich unentschieden lassen. Die Mutter saß auch noch auf dem Todten mit ungeminderter Beharrlichkeit und wärmte den Leichnam mit ihrer Brust, als ob sie an ihren Verlust nicht glauben könne. Da ich mir wohlbewußt war, welche Theilnahme dieser Fremdling verdient, bat ich meinen Freund Wolf, ihn abzubilden. Am vierundzwanzigsten Oktober wurde ein anderes Ei gelegt, dasselbe fiel aber leider vom Zweige herab und wurde zerbrochen am Boden gefunden.« Auch in holländischen Thiergärten haben die Krontauben wiederholt gelegt und gebrütet, soviel mir bekannt, jedoch niemals Junge aufgebracht.


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