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7. Familie: Lerchen ( Alaudidae)

Die Lerchen ( Alaudidae) sind kräftig gebaute Sperlingsvögel mit großem Kopfe, kurzem oder mittellangem Schnabel von verschiedener Stärke, ziemlich niedrigen Füßen und mittellangen Zehen, deren hinterste oft einen spornartigen Nagel trägt, langen und sehr breiten Flügeln, nicht besonders langem oder kurzem, meist gerade abgeschnittenem Schwanze und erdfarbenem Gefieder, welches nach dem Geschlechte wenig, nach dem Alter sehr verschieden ist. Der innere Leibesbau kommt im wesentlichen mit dem anderer Sperlingsvögel überein. Das Gerippe ist kräftig, zum großen Theil marklos und luftführend. Die Singmuskeln sind wohl entwickelt; der Magen ist fleischig, also muskelkräftig, ein Kropf nicht vorhanden.

Obwohl in allen Erdtheilen vertreten, gehören die Lerchen, von denen man etwa einhundertundzehn verschiedene Arten kennt, doch vorzugsweise der Alten Welt an; denn das nördlich neuweltliche, südlich neuweltliche und australische Gebiet beherbergen je nur eine Art. Freie Gegenden, das bebaute Feld ebensowohl wie das Unland, die Wüste wie die Steppe bilden ihre Wohnsitze. In den asiatischen Steppen sind sie es, welche der oft einförmigen Gegend Sang und Klang verleihen. Ein Paar der einen Art wohnt dicht neben dem der anderen, und gemeinschaftlicher Gesang füllt im Frühlinge zu jeder Tageszeit das Ohr des Reisenden. Eine von ihnen sieht man stets am Himmel schweben, sei es auch nur, daß der vorüberfliegende Wagen oder der vorbeieilende Reiter sie aufgescheucht und zu kurzem Sangesfluge begeisterte. Alle im Norden wohnenden Lerchen sind Zug- oder wenigstens Wander-, die im Süden lebenden Stand- oder Strichvögel. Ihre Reisen sind nicht sehr ausgedehnt, und der Aufenthalt in der Fremde währt immer nur kurze Zeit. Sie gehören zu den ersten Vögeln, welche der Frühling bringt, und verweilen bis zum Spätherbste bei uns.

Unter allen Sperlingsvögeln sind sie die besten Läufer; aber auch ihr Flug ist durch vielfachen Wechsel ausgezeichnet. Wenn sie Eile haben, fliegen sie in großen Bogenlinien rasch dahin; beim Singen hingegen erheben sie sich flatternd gerade empor oder drehen sich in großen Schraubenlinien zum Himmel auf, senken sich von dort aus erst langsam schwebend hernieder und stürzen zuletzt plötzlich mit ganz eingezogenen Flügeln wie ein lebloser Gegenstand zum Boden herab. Ihre Sinne scheinen durchgängig wohl entwickelt zu sein; ihr Verstand hingegen ist gering. Sie sind lebhaft, selten ruhig, vielmehr immer in Bewegung, in gewissem Sinne rastlos. Mit anderen ihrer Art leben sie, so lange die Liebe nicht ins Spiel kommt, höchst friedfertig, während der Paarungszeit hingegen in fortwährendem Streite. Um fremde Vögel bekümmern sie sich wenig, obwohl einzelne Arten den Schwärmen der Finken und Ammern sich beimischen; stärkere Thiere fürchten sie sehr, den Menschen nur dann nicht, wenn sie sich durch längere Schonung von ihrer Sicherheit vollständig überzeugt haben. Die meisten von ihnen sind gute, einige ganz ausgezeichnete Sänger. Das Lied, welches sie vortragen, ist arm an Strophen, aber ungemein reich an Abwechselung; wenige Töne werden hundertfältig verschmolzen und so zu einem immer neuen Ganzen gestaltet. Alle Arten besitzen die Gabe, fremde Gesänge nachzuahmen: in der Steppe singen alle dort wohnenden Lerchen im wesentlichen ein und dasselbe Lied; denn jede lernt und empfängt von der anderen.

Die Nahrung besteht aus Kerbthieren und Pflanzenstoffen. Während des Sommers nähren sie sich von Käfern, kleinen Schmetterlingen, Heuschrecken, Spinnen und deren Larven; im Herbste und Winter fressen sie Getreidekörner und Pflanzensämereien, im Frühlinge genießen sie Kerbthiere und junge Pflanzenstoffe, namentlich die Schößlinge des Getreides. Sie verschlucken die Körner unenthülst und verschlingen deshalb stets Sand und kleine Kiesel, welche die Zerkleinerung der Nahrung befördern. Zum Trunke dient ihnen der Thau aus den Blättern; sie können das Wasser aber auf lange Zeit gänzlich entbehren, baden sich auch nicht in ihm, sondern nehmen Staubbäder.

Das liederlich, aber stets aus der Bodendecke gleich gefärbten Halmen und Grasblättern erbaute, daher trefflich verborgene Nest steht in einer von ihnen selbst ausgescharrten Vertiefung des Bodens; das Gelege enthält vier bis sechs, bei der zweiten Brut drei bis fünf gefleckte Eier.

Allerlei Raubthiere, Säugethiere, Vögel und Kriechthiere, nicht minder auch die Menschen, treten den Lerchen feindlich gegenüber; sie aber vermehren sich so stark, daß alle ihren Bestand treffenden Verluste sich ausgleichen, nehmen auch mit der gesteigerten Bodenwirtschaft stetig zu.


Die Feldlerche, Brach-, Korn-, Saat-, Tag-, Sing- und Himmelslerche ( Alauda arvensis, vulgaris, segetum, agrestis, italica, callipeta, montana, cantarella, triborhynchus, dulcivox, crassirostris, bugiensis, albigularis, tenuirostris, minor, pekinensis und intermedia), kennzeichnet sich durch verhältnismäßig schlanken Leibesbau, schwach kegelförmigen, ziemlich kurzen Schnabel, mittellange, spitzige Flügel, in denen die dritte Schwinge die längste ist, einen mittellangen, ausgeschnittenen Schwanz und zarte Füße mit ziemlich kurzen Zehen. Die Länge beträgt achtzehn, die Breite zweiunddreißig, die Fittiglänge zehn, die Schwanzlänge sieben Centimeter. Die Federn der Obertheile sind erdbraun, seitlich fahlbraun gesäumt und dunkler schwarzbraun geschäftet, Zügel, Augenstreifen und Kinn fahlweiß, Backen und Ohrgegend rostbräunlich, dunkel gestrichelt, Kehle, Kopf, Oberbrust und Seiten ebenso, die Schaftstriche jedoch breiter, die übrigen Untertheile fahlweiß, die Schwingen schwarzbraun, die erste mit weißem, die übrigen mit schmalem rostfahlen Außensaume, welcher an den hinteren Armschwingen und deren Deckfedern sich verbreitert und auch am Ende einen rostbräunlichen Rand bildet, infolge dessen zwei hellere Querbinden entstehen, die hinteren Arm- und vorderen Handschwingen am Ende weißlich, die unteren Flügeldecken schwarzbraun, die Schwanzfedern braunschwarz, außen fahlbraun gesäumt, die äußersten Federn aber weiß mit breitem schwarzen Innenrande, welcher auf der zweiten Feder jederseits innen bis zum Schafte reicht. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel hornbraun, der Fuß gelbbräunlich.

Ganz Europa und ganz Mittelasien, ersteres vom nördlichen Norwegen und Nordrußland, letzteres von der südlichen Waldgrenze an bis zu den Randgebirgen, sind die Heimat der Feldlerche, welche im Winter bis Nordafrika und Südindien wandert.

 

In den Steppen Osteuropas und Nordasiens gesellt sich ihr die etwas größere Spiegellerche ( Alauda sibirica und leucoptera, Melanocorypha, Phileremos und Calandrella sibirica, Bild S. 269), welche sich auch schon bis Deutschland verflogen hat. Die Obertheile, die hinteren Armschwingen und deren Deckfedern sind dunkelbraun, außen fahlbraun gesäumt, Oberkopf, Ohrgegend, Eckflügel, Handschwingen, Flügel- und Oberschwanzdecken zimmetroth, Zügel, undeutlicher Augenstreifen, Kopfseiten, Untertheile, Unterflügeldecken und die Armschwingen an der Spitze weiß, die Unterbacken und die rostfahl angeflogene Kropfgegend mit verwaschenen, dunklen Punkten, die zimmetrothen, gegen den Bauch hin ins Bräunliche übergehenden Brustseiten mit dunklen Schaftstrichen gezeichnet, die Armschwingen schwarzbraun, außen fahlbraun, am Ende weiß, die Schwanzfedern schwarz, fahl gesäumt, die äußersten ganz, die zweiten außen weiß. Das Auge ist braun, der Schnabel gelblichgrau, auf der Firste dunkler, der Fuß röthlichbraun.

siehe Bildunterschrift

Heide-, Feld- und Haubenlerche ( Alauda arborea, arvensis und cristata). 2/5 natürl. Größe.

Uns gilt die Feldlerche als Frühlingsbote; denn sie erscheint zur Zeit der Schneeschmelze, bisweilen schon im Anfange des Februar, hat zu Ende dieses Monats meist bereits ihre Wohnplätze eingenommen, verweilt auf ihnen während des ganzen Sommers und tritt erst im Spätherbste ihre Winterreise an, welche sie bis Südeuropa, höchstens bis nach Nordafrika führt. Sie ist ein unsteter Vogel, welcher selten lange an einem und demselben Orte verweilt, vielmehr beständig hin- und herläuft, hin- und wiederfliegt, sich mit anderen ihrer Art streitet und zankt und dazwischen lockt und singt. Sie geht gut, bei langsamem Gange nickend, bei raschem Laufe fast wie ein Strandläufer, fliegt ausgezeichnet, je nach dem Zwecke welchen sie zu erfüllen trachtet, sehr verschiedenartig, bei eiligem Fluge mit bald angezogenen, bald wieder schwirrend bewegten Schwingen in weiten Bogenlinien dahin, im Singen endlich in der allbekannten langsamen, oft schwebenden Weise mit gleichmäßigen Flügelschlägen, welche sie höher und höher heben. Auf dem Boden zeigt sie sich gern frei, stellt sich deshalb auf Erdschollen, kleine Hügelchen oder Steine, zuweilen auch auf die Spitzen eines Strauches, Baumes oder Pfahles, und behauptet solche Lieblingsplätze mit zäher Beharrlichkeit. Der Lockton ist ein angenehmes »Gerr« oder »Gerrel«, welchem ein hellpfeifendes »Trit« oder »Tie« zugefügt wird. Bei dem Neste vernimmt man ein helles »Titri«, im Aerger ein schnarrendes »Scherrerererr«. Ihren allbekannten Gesang, welcher Feld und Wiese der Ebene und des Hügellandes, selbst nicht allzu nasse Sümpfe, in herzerhebender Weise belebt, beginnt die Lerche unmittelbar nach ihrer Ankunft und setzt ihn so lange fort, als sie brütet. Vom frühesten Morgengrauen an bis zur Abenddämmerung singt sie, ein um das andere Mal vom Boden sich erhebend, mit fast zitterndem Flattern allmählich höher und höher aufsteigend, dem Auge zuweilen beinahe verschwindend, ohne Unterbrechung, ausdauernder als jeder andere Vogel, beschreibt dabei weite Schraubenlinien, kehrt allmählich zur Aufgangsstelle zurück, senkt sich mehr und mehr, stürzt mit angezogenen Flügeln wie ein fallender Stein in die Tiefe, breitet hart vor dem Boden die Schwingen und läßt sich wiederum in der Nähe ihres Nestes nieder. Der Gesang besteht zwar nur aus wenigen hellen, reinen, starken Tönen, aber unendlich vielen Strophen, welche bald trillernd und wirbelnd, bald hell pfeifend erklingen, von den verschiedenen Sängern aber in mannigfach abändernder Weise vorgetragen, von einzelnen Meistern auch durch nachgeahmte Theile aus anderen Vogelliedern wesentlich bereichert werden. Selbst die Weibchen zwitschern, und schon die jungen, erst vor wenigen Wochen dem Neste entflogenen Männchen erproben ihre Kehle.

Mit anderen ihrer Art lebt die Feldlerche nur während der Zugzeit und in der Winterherberge im Frieden. So lange die Liebe in ihm mächtig ist, streitet das Männchen eines Paares mit jedem anderen, dessen es ansichtig wird, oft sehr hartnäckig. Beide Streiter packen und zausen sich; gar nicht selten aber schlägt sich noch ein drittes Männchen ins Spiel, und dann wirbeln alle drei vereint aus der Höhe zum Boden hernieder. Der Streit erreicht hier zunächst sein Ende, beginnt aber in der nächsten Minute von neuem wieder. Zuweilen gehen zwei Gegner auch zu Fuße auf einander los und nehmen dabei ähnliche Stellungen an wie kämpfende Haushähne; dabei wird wacker gefochten, freilich ohne wesentlichen Schaden für irgend einen der Streiter. Der Besiegte muß fliehen, der Sieger kehrt frohlockend zu seinem Weibchen zurück, welches, wie Naumann sagt, gar nicht selten »an den Prügeleien des Männchens« theilnimmt. Infolge dieser Zänkereien ist das Brutgebiet ausgedehnter als nothwendig wäre; denn während man bei uns auf den Hektar kaum zwei Lerchenpaare zählt, leben in der Steppe auf gleich großem Raume dreimal soviel, jedoch stets verschiedenartige Lerchenpaare, deren Männchen zwar ebenfalls untereinander hadern, aber doch verhältnismäßig friedlich nebeneinander hausen.

Das Nest findet man oft schon im Anfange des März, gewöhnlich auf Getreidefeldern und Wiesen, jedoch auch in Brüchen auf erhöhten Inselchen, welche mit Gras oder Seggen bewachsen, sonst aber ganz eng von Wasser umgeben sind. Die kleine Vertiefung, in welcher das Nest steht, wird im Nothfalle von beiden Lerchen selbst ausgescharrt oder wenigstens erweitert und bezüglich gerundet; dann baut sie das Weibchen unter Mithülfe des Männchens dürftig mit alten Stoppeln, Grasbüscheln, zarten Wurzeln und Hälmchen aus und bekleidet die Nestmulde vielleicht noch mit einigen Pferdehaaren. Das Gelege besteht aus fünf bis sechs Eiern, welche zweiundzwanzig Millimeter lang, funfzehn Millimeter dick und auf grüngelblichem oder röthlichweißem Grunde mit vielen Punkten und Flecken von graulichbrauner oder grauer Farbe sehr ungleichartig gezeichnet sind. Beide Geschlechter brüten abwechselnd und zeitigen die Eier binnen funfzehn Tagen. Die Jungen entschlüpfen, wenn sie laufen können, dem Neste. Sobald sie selbständig geworden sind, schreiten die Alten zur zweiten, und wenn der Sommer gut ist, zur dritten Brut.

Alle kleinen vierfüßigen Räuber, von der Hauskatze oder dem Fuchse an bis zum Wiesel und der Spitz- und Wühlmaus herab, und ebenso Weihen, Raben, Trappen und Störche gefährden die Lerchenbrut, Baumfalk, Merlin und Sperber auch die alten Vögel. Wie diese sich angesichts des Baumfalken, ihres schlimmsten Feindes, benehmen, habe ich bereits (Band IV, Seite 556) mitgetheilt; daß der Mensch, selbst wenn er Massenfang betreibt, nicht entfernt so schlimm unter den Lerchen haust als die genannten natürlichen Feinde, verdient hervorgehoben zu werden. Die Feldlerche nimmt mit der gesteigerten Bodenwirtschaft an Menge zu, nicht aber ab.

Unsere liebliche Heidelerche, Baum-, Busch-, Wald-, Holz-, Dull- und Lulllerche, Wald- oder Heidenachtigall ( Alauda arborea, nemorosa, cristatella und anthirostris, Galerita nemorosa und musica, Lullula und Chorys arborea, Bild S. 259), ihres zarten Schnabels, der kleinen Füße, großen, runden, breiten Flügel und der kurzen Holle halber auch wohl als Vertreter einer gleichnamigen Untersippe ( Chorys) angesehen, ist die kleinste in Deutschland brütende Art ihrer Familie. Ihre Länge beträgt einhundertdreiundfunfzig bis einhundertachtundfunfzig, ihre Breite durchschnittlich zweihundertundneunzig, ihre Fittiglänge neunzig, ihre Schwanzlänge vierundfunfzig Millimeter. Obertheile und Flügel sind rostfahlbraun, die Bürzelfedern mehr graubraun, Oberkopf, Mantel und Schultern mit breiten schwarzbraunen Schaftflecken, die rostweißlichen, seitlich bräunlichen Untertheile auf Kropf und Brust mit schmalen, scharfen, auf den Leibesseiten mit undeutlichen Schaftstrichen, die Kehlfedern mit dunklen Punktflecken geziert, Zügel und Schläfenstrich rostweißlich, die Schwingen braunschwarz, die der Hand mit schmalen, rostfahlen, die des Armes mit breiteren roströthlichen Außensäumen, die Handschwingdecken außen vor dem rostweißen Ende mit dunkelbraunen Flecken gezeichnet, die mittleren beiden Schwanzfedern braun, breit rostbraun gerandet, die übrigen schwarz mit weißer Spitze, welche Färbung auf der äußersten ins Blaßbräunliche übergeht und sich verbreitert. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel hornbraun, unterseits roth, der Fuß lichter hornbraun.

Ganz Europa vom mittleren Schweden an und Westasien beherbergen diesen liebenswürdigen Vogel. Aber er beschränkt seinen Aufenthalt mehr als andere Lerchen; denn er gehört den ödesten Heide- und Waldgegenden an. »In den fruchtbaren Feldern weiter Ebenen«, sagt mein Vater, welcher sie besser als jeder andere geschildert hat, »in den üppigen Laubgehölzen oder in den hochstämmigen Nadelwäldern sucht man die Heidelerche vergebens. Lehden, grasarme Schläge und Bergebenen bis hoch hinauf, wo wenig andere Vögel hausen, sind ihre Wohnplätze. Nach der Brutzeit kommt sie mit ihren Jungen auf die gemähten Wiesen, und auf dem Zuge besucht sie die Brach- und Stoppelfelder der ebenen Gegenden; denn sie macht auf der Wanderung kleine Tagereisen, weil sie Zeit haben muß, die ihr spärlich zugemessene, in kleinen Käfern und winzigen Sämereien bestehende Nahrung aufzusuchen. Sobald der Schnee auf den Bergen geschmolzen ist, in der letzten Hälfte des Februar, kehrt sie von ihrer Wanderung, welche gewöhnlich schon in Südeuropa endet, aber auch bis Afrika sich erstreckt, zurück in unser Vaterland und nimmt ihren alten Wohnplatz wieder ein. Ich habe sie mehrmals im März vormittags über unseren beschneiten Bergen fröhlich singen hören und stets gefunden, daß der Schnee in den Mittagsstunden wegthauete.

»In ihrem Betragen ist sie ein allerliebstes Thierchen, rasch und gewandt in ihren Bewegungen; da, wo sie geschont wird, zahm und zutraulich, wo sie Verfolgung erfährt oder auch nur fürchtet, vorsichtig und scheu. Sie läuft hurtig mit kleinen Schritten, etwas empor gerichteter Brust und kleiner Holle, und nimmt sich dabei sehr gut aus. Kommt ein Sperber oder Baumfalk in ihre Nähe, so drückt sie sich, d. h. legt sich platt auf den Boden und gewöhnlich so geschickt in eine kleine Vertiefung, daß sie äußerst schwer zu sehen ist und gewöhnlich der ihr drohenden Gefahr entgeht. Sie setzt sich aber nicht nur, wie ihre Verwandten, fast immer auf den Boden, sondern auch auf die Wipfel und freistehenden Aeste der Bäume: daher ihr Name ›Baumlerche‹. Im Frühjahre lebt sie paarweise; weil es aber mehr Männchen als Weibchen gibt, so fehlt es nicht an heftigen Kämpfen, in denen der Eindringling gewöhnlich in die Flucht geschlagen wird. Bei der Paarung zeigt das Männchen seine ganze Liebenswürdigkeit. Es läuft nahe um sein Weibchen herum, hebt den ausgebreiteten Schwanz etwas in die Höhe, richtet die Holle hoch empor, und macht allerliebste Verbeugungen, um ihm seine Ergebung und Zärtlichkeit zu bezeugen.

»Ihr zierliches Nest findet man nach der Beschaffenheit der Frühlingswitterung früher oder später, zuweilen schon in den letzten Tagen des März, unter einem Fichten- oder Wacholderbusche oder im Grase. Es ist in einer gescharrten, von Zweigen nicht überdeckten Vertiefung aus zarten, dürren Grashalmen und Grasblättern gebaut, tiefer als eine Halbkugel und inwendig sehr glatt und schön ausgelegt. Das Gelege zählt vier bis fünf, selten drei, zwanzig Millimeter lange, funfzehn Millimeter dicke, weißliche, mit grau- und hellbraunen Punkten und Fleckchen dicht bestreute Eier, welche das vom Männchen mit Nahrung versorgte Weibchen allein, aber mit größter Hingebung ausbrütet. Nach der ersten Brut führen beide Eltern ihre Jungen nur kurze Zeit; denn sie machen bald zu einer zweiten Brut Anstalt. Nach dieser vereinigen sie sich mit allen ihren Kindern in eine kleine Gesellschaft und wandern entweder familienweise oder in Flügen, welche aus zwei oder mehreren Familien bestehen, die sich zusammengefunden haben. Sie verlassen uns in der letzten Hälfte des Oktober oder zu Anfang des November.

»Das herrlichste an der Heidelerche ist ihr vortrefflicher Gesang. Man ist auf einer Fußreise begriffen und befindet sich in einer öden Gegend, in welcher vielleicht nicht einmal eine Aussicht in eine schöne Ferne für den Anblick der ärmlichen Pflanzenwelt entschädigen kann. Alles Thierleben scheint gänzlich erstorben. Da erhebt sich die liebliche Heidelerche, läßt zuerst ihren sanften Lockton ›Lullu‹ hören, steigt in die Höhe und schwebt, laut flötend und trillernd, halbe Stunden lang unter den Wolken umher, oder setzt sich auf einen Baum, um dort ihr angenehmes Lied zu Ende zu führen. Noch lieblicher aber klingt dieser Gesang des Nachts. Wenn ich in den stillen Mitternachtsstunden ihren ärmlichen Wohnplatz durchschritt, in weiter Ferne eine Ohreule heulen oder einen Ziegenmelker schnurren, oder einen näh vorüberfliegenden Käfer schwirren hörte und mich so recht einsam in der öden Gegend fühlte, war ich jederzeit hoch erfreut, wenn eine Heidelerche emporstieg und ihren schönen Triller erschallen ließ. Ich blieb lange stehen und lauschte auf diese gleichsam vom Himmel kommenden Töne. Gestärkt setzte ich dann meinen Wanderstab weiter. Ich weiß recht gut, daß die Heidelerche zu singen anfing, weil ein innerer Drang sie dazu trieb, und sie ihr Weibchen durch ihren Gesang unterhalten und erfreuen wollte; allein es schien mir, als sei sie emporgestiegen, um mir, ihrem alten Freunde, ihre Aufmerksamkeit zu beweisen und ihm die Einsamkeit zu versüßen.«

Die Heidelerche kann sich hinsichtlich ihres Gesanges mit der Nachtigall nicht messen, und dennoch ersetzt sie diese. Das Lied der Nachtigall erklingt nur während zweier Monate: die Heidelerche aber singt von Anfang des März bis zum August und nach der Mauser noch in der letzten Hälfte des September und in der ersten des Oktober, und sie singt in den öden, armen Gegenden, im Gebirge, wo außer ihr nur wenige andere gute Sänger wohnen, da, wo sie lebt, kaum ein einziger! Sie ist der Liebling aller Gebirgsbewohner, der Stolz der Stubenvögelliebhaber, die Freude des während der ganzen Woche an die Stube gefesselten, in ihr gefangen gehaltenen Handwerkers; sie verdient reichlich alle Liebe, welche ihr wird, allen Ruhm, welcher sie umstrahlt. Leider nimmt sie nicht an Zahl zu wie Feld- und Haubenlerche, vielmehr in beklagenswerther Weise ab, ohne daß man dafür einen durchschlagenden Grund anzugeben wüßte.


Die Haubenlerche, Schopf-, Kamm-, Zobel-, Weg-, Koth- und Hauslerche ( Galerita cristata, abyssinica und Boysii, Alauda cristat, undata, matutina, senegalensis, galerita, Lulula cristata, Heterops cristatus, Certhilauda Boysii, Bild S. 259), vertritt eine ihr gleichnamige Sippe ( Galerita), deren Merkmale in dem gedrungenen Baue des Leibes, dem starken Schnabel, den mittelhohen Füßen mit fast geraden Sporen an der Hinterzehe, den großen, breiten und stumpfen Flügeln, dem sehr lockeren Gefieder und der Holle oder Haube auf dem Kopfe begründet sind. Ueber die Färbung des Gefieders läßt sich schwer bestimmtes sagen; denn die Haubenlerche ändert sehr ab, und wir wissen heutigen Tages noch nicht, ob wir auf diese Abweichungen Arten zu begründen oder ob wir es nur mit Spielarten zu thun haben. Die bei uns in Deutschland wohnenden Lerchen dieser Art sind oberseits auf röthlich lehmbraunem Grunde dunkelbraun, die Schopffedern schwarz geschäftet, Zügel und ein undeutlicher Augenstreifen isabellweißlich, die Kopfseiten lehmbräunlich, die Untertheile isabellweißlich, auf Brust und Seiten ins Röthliche ziehend, auf Kropf und Brust mit breiten, verwaschenen, dunklen, auf den unteren Schwanzdecken mit solchen, jedoch mehr verwaschenen Schaftflecken geziert, die Schwingen dunkelbraun, außen und am Ende schmal, innen breit rostfarbig gerandet, die letzten Armschwingen und Flügeldecken außen und am Ende breit lehmbräunlich, die schwarzbraunen Schwanzfedern außen und am Ende schmal gesäumt, die beiden äußersten an der ganzen Außenfahne roströthlich. Das Auge ist tiefbraun, der Schnabel hornbräunlich, die Wurzelhälfte des Unterschnabels und der Fuß horngelblich. Die Länge beträgt einhundertundachtzig, die Breite dreihundertunddreißig, die Fittiglänge fünfundneunzig, die Schwanzlänge fünfundsechzig Millimeter.

Unsere Haubenlerche bewohnt, mit Ausnahme des hohen Nordens, fast ganz Europa und einen beträchtlichen Theil Afrikas, tritt im Süden häufiger auf als im Norden und ist in Spanien und Nordafrika die häufigste Art dieser Familie, verbreitet sich aber auch in Deutschland, den Hochstraßen folgend, von Jahr zu Jahr weiter und nistet sich allmählich da ein, wo sie früher fehlte. Im Süden Europas findet man sie in und bei den Dörfern ebensowohl als auf der einsamen, menschenleeren Ebene oder im Gebirge; in Deutschland bevorzugt sie die Nähe des Menschen, kommt in das Innere der Dörfer und Städte und wird zum Bettler von Scheuer und Küche.

 

Im Süden Spaniens vertritt sie die Lorbeerlerche ( Galerita Theclae), welche sich durch kürzeren Schnabel, längere Haube, schmale, scharf ausgeprägte dunkle Bruststrichelung, dunkel gefleckte Unterbacke und in der Endhälfte der Innenfahne roströthliche äußere Schwanzfedern unterscheidet.

Außer der Begattungszeit ist die Haubenlerche ein stiller Vogel, welcher sich nur durch seine Allgegenwart bemerkbar macht, im übrigen aber höchst anspruchslos erscheint. Von der Feldlerche unterscheidet sie sich leicht durch ihre gedrungene Gestalt und die spitzige Haube, welche sie fast immer aufgerichtet trägt. Im Sitzen und Laufen, auch im Fluge ähnelt sie den übrigen Verwandten sehr. Ihre Stimme ist ein leises »Hoid hoid«, welchem ein helles angenehmes »Qui qui« zu folgen pflegt. Der Gesang zeichnet sich durch Abwechselung aus und hat seine Vorzüge, obwohl er weder mit dem der Feldlerche, noch vollends mit dem der Heidelerche verglichen werden kann. Alexander von Homeyer, der beste Kenner des Vogelgesanges, rühmt besonders das Lied der Lorbeerlerche und sagt: »Das klagende der Heidelerche ist ihr nicht nur eigen, sondern sie übertrifft diese liebe Sängerin gerade in dieser Eigenthümlichkeit noch bedeutend. Auch der Ton ist durchaus verschieden von dem der deutschen Haubenlerche: er ist so weich, so klagend, so silberrein wie bei der Heidelerche, aber noch schwermüthiger. Der Vortrag steht mit dieser Tonweise im engsten Zusammenhange: ich kenne kaum etwas schöneres als den gefühlvollen Gesang dieser Lerche, während im Vergleiche damit der oft schreiende Ton und die Sangesweise unserer Haubenlerche mir oft zuwider war. Als ich jener Gesang hörte, wollte ich ihn durchaus nicht für den einer Haubenlerche halten.«

Die Nahrung ist gemischter Art. Im Herbste, im Winter und im Frühlinge begnügt sie sich mit Gesäme aller Art; im Frühjahre pflückt sie zarte Grasspitzen und andere grüne Kräuter ab.

Das Nest wird auf Feldern, trockenen Wiesen, in Weinbergen, Gärten und an ähnlichen Orten, oft sehr nahe bei bewohnten Gebäuden, in viel besuchten öffentlichen Gärten, selbst auf Bahnhöfen, angelegt, steht aber immer verborgen und ist schwer zu finden. In seiner Bauart unterscheidet es sich wenig von anderen Lerchennestern; die vier bis sechs, seltener drei, Eier, deren Längsdurchmesser zweiundzwanzig und deren Querdurchmesser funfzehn Millimeter beträgt, sind auf gelbem oder röthlichweißem Grunde mit sehr vielen aschgrauen und gelbbraunen kleinen Punkten und Flecken über und über bestreut. An einem von ihm gepflegten Haubenlerchenpaare hat Liebe Beobachtungen gesammelt, welche die Fortpflanzungsgeschichte dieser und vielleicht aller Lerchen in unerwarteter Weise aufklären. Das Weibchen brütet allein, sitzt aber, wenn die Witterung nicht zu kalt ist, übertages wenig auf den Eiern, sondern verläßt sie etwa alle halbe Stunden, um sich zu putzen und um Nahrung zu suchen, da es vom Männchen nicht gefüttert wird. Am dreizehnten Tage schlüpfen die Jungen aus und werden, obgleich sie nur spärlich mit Flaum bedeckt sind und die violettschwärzliche Haut allenthalben durchschimmert, doch wenig gehudert. Nur des Nachts oder bei rauhem Wetter sitzt die Alte fest auf dem Neste. Das Männchen betheiligt sich bloß mittelbar bei der Fütterung, indem es Kerbthiere zusammensucht, mit dem Schnabel zubereitet und sodann dem Weibchen vorlegt, damit dieses sie verfüttere. Am neunten Tage laufen die Jungen aus dem Neste und kehren nicht wieder dahin zurück. Ihr Gang ist zuerst ein unbeholfenes Hüpfen, und erst vom zwölften Tage ab lernen sie nach Art ihrer Eltern laufen. Des Nachts verstecken sie sich in einer Bodenvertiefung, werden hier aber von der Alten nicht gehudert, sondern vom Männchen mit einigen Halmen und dürren Blättern zugedeckt. Auch jetzt füttert der Vater nur selten selbst und begnügt sich damit, der Mutter die für die Jungen bestimmte Atzung vorzulegen. Er betheiligt sich aber anderweitig bei der Fütterung. Wenn nämlich die Mutter mit vollem Schnabel ankommt und vergeblich nach den Jungen sucht, ruft er sie mit lauter Stimme, worauf jene leise, aber deutlich genug, um von der Mutter gehört zu werden, antworten. Am vierzehnten Tage nach dem Ausschlüpfen versuchen die Jungen ihre Schwingen, und am sechzehnten Tage können sie schon über ziemlich weite Strecken hinweg fliegen. Sobald sie selbständig geworden sind, schreiten die Eltern zur zweiten und beziehentlich dritten Brut.

Die Haubenlerche genießt insofern ein glücklicheres Loos, als sie nicht in so großer Menge wie die Feldlerche für die Küche gefangen und außerdem kaum verfolgt wird. Ihre Feinde sind dieselben, welche auch anderen Erdvögeln nachstellen. Im Käfige hält man sie selten.


Von dem uns geläufigen Gepräge weichen die Stelzenlerchen ( Alaemon) wesentlich ab. Sie kennzeichnen der schlanke Leibesbau, der lange, verhältnismäßig dünne, mehr oder weniger stark gebogene Schnabel, der hochläufige Fuß mit mittellangen Zehen, deren hinterste einen ziemlich kurzen, sanft gebogenen Sporn trägt, die sehr langen und breiten Flügel, unter deren Schwingen die dritte, vierte und fünfte die längsten sind, der mäßig oder ziemlich lange Schwanz und das reiche, glatt anliegende Gefieder.

 

Als Verbindungsglied mit den Feldlerchen darf die unserer Haubenlerche ungefähr gleich große, verhältnismäßig kurzschnabelige Bogenschnabellerche ( Alaemon Dupontii, Alauda Dupontii und ferruginea, Certhilauda Dupontii) gelten, welche in der Sahara lebt und zufällig in Südfrankreich vorgekommen ist. Die Federn der Obertheile sind erdbraun, außen rostfahlweißlich gesäumt und dunkel geschäftet, Zügel und ein undeutlicher Augenstreifen, Kopf- und Halsseiten und Untertheile weißlich, Kehle, Kropf und Halsseiten mit braunen, weiter unten sich verbreiternden Schaftstrichen gezeichnet, Schwingen und Schwanzfedern braunschwarz, erstere außen, die Schwingdeckfedern auch am Ende rostfahlweißlich, die beiden mittleren Schwanzfedern breit rostbräunlich, die äußersten weiß, breit braun gerandet, die zweiten jederseits nur an der Außenfahne weiß.

 

Die Wüstenläuferlerche ( Alaemon desertorum und Jessei, Alauda desertorum und bifasciata, Certhilauda desertorum, bifasciata, meridionalis, Doriae und Salvini) ist oberseits isabellröthlich, auf den hinteren Armschwingen zimmetröthlich; Zügel, Augenstreif, Kopfseiten und Untertheile sind weiß, die Kropftheile zart isabellfahl, mit feinen dunklen Schaftstrichen geziert, die Handschwingen schwarz, die hintersten am Ende, die vorderen von der dritten an an der Wurzel, die Armschwingendecken am Ende weiß, die Armschwingen weiß, eine breite Querbinde bildend, die Schwanzfedern braunschwarz, außen und am Ende isabellröthlich gesäumt, die äußersten Federn außen ganz weiß, die beiden mittleren zimmetröthlich, längs des Schaftes braun. Die Länge beträgt zweiundzwanzig, die Fittiglänge zwölf, die Schwanzlänge neun Centimeter.

Das Verbreitungsgebiet der Läuferlerche, welche wiederholt auch in Südeuropa erlegt wurde, umfaßt ganz Nordostafrika und Westasien, Palästina, Persien und Sindh. Sie ist in allen Wüsten Nordostafrikas nicht gerade selten; in der Steppe habe ich sie jedoch nie bemerkt. Besonders häufig habe ich sie zwischen Kairo und Sues beobachtet. Ich fand sie höchstens in kleinen Familien zu vier bis sechs Stück, niemals in Flügen, gewöhnlich in Paaren. Von diesen wohnt eines dicht neben dem anderen, und wie es scheint, besuchen sich die Nachbarn oft gegenseitig in aller Freundschaft.

siehe Bildunterschrift

Wüstenlerche (Ammomanes deserti) und Wüstenläuferlerche (Alaemon desertorum). ½ natürl. Größe

In ihrem Betragen ist die Wüstenläuferlerche ein wirkliches Mittelglied zwischen ihren engeren Verwandten und den Rennvögeln. Sie läuft absatzweise, ungemein rasch, viel mehr strandläufer- als lerchenartig, fast ganz wie der Wüstenrennvogel, fliegt leicht, viel schwebend und sehr oft schnurgerade, nicht langsam steigend wie andere Lerchen, sondern mit jähen Flügelschlägen rasch in die Höhe, schwebt einige Augenblicke lang auf einer und derselben Stelle und läßt sich plötzlich mit zusammengelegten Flügeln wieder zum Boden oder auch wohl auf einen Busch herabfallen, springt von diesem sodann auf den Boden hernieder und läuft nun eilfertig weiter. Dieses Spiel wiederholt sie unter Umständen mehrmals kurz hinter einander. Ich glaube, daß das Männchen allein derartige Flugkünste ausführt; es schien mir, als wären sie ein Spiel zur Freude des Weibchens. Die Paare halten außerordentlich treu zusammen, rennen stets dicht nebeneinander dahin und erheben sich fast gleichzeitig. Der Wille des einen scheint dem anderen Gesetz zu sein. Vor dem Menschen scheut sich die Wüstenläuferlerche nicht im geringsten; den bewohnten Haltestellen der ostindischen Straße zwischen Kairo und Sues nähert sie sich mit der Zutraulichkeit der Haubenlerche: ich traf sie mehrmals im Innern der weitläufigen Höfe dieser Gebäude an. Den Jäger läßt sie nahe an sich herankommen; Verfolgung aber macht sie bald außerordentlich scheu. Ihre Stimme ist ein traurig-klagendes Pfeifen, ihr Gesang eigentlich nichts anderes als eine mehrfache Wiederholung des Lockrufes, an welche sich ein Triller reiht. Taczanowski hörte drei aufeinander folgende Töne der Tonleiter mit reiner und kräftiger Stimme pfeifen, sie dreimal wiederholen und das Ganze mit einem Triller endigen. Ueber das Brutgeschäft habe ich eigene Erfahrungen nicht gesammelt. Tristram beschreibt das Ei, nicht aber auch das Nest. Ersteres hat einen Längsdurchmesser von fünfundzwanzig, einen Querdurchmesser von achtzehn Millimeter und ähnelt dem gewisser Spielarten unseres Raubwürgers. Bemerkt mag noch sein, daß dieser Vogel, ebenso wie andere der Wüste angehörige, Wasser gänzlich entbehren zu können scheint, da man ihn oft viele Kilometer von demselben entfernt auf den verbranntesten Stellen der dürrsten Wüsten antrifft.

Im Magen der von mir erlegten Läuferlerchen fand ich nur Kerbthiere; demungeachtet will ich nicht behaupten, daß der Vogel Sämereien verschmähe.


Ein herrlicher und deshalb hochgeschätzter Sänger Südeuropas, die Kalanderlerche (Melanocorypha calandra,albigularis, subcalandra und semitorquata, Alauda calandra und collaris), ist der Vertreter der Sippe der Ammerlerchen (Melanocorypha), deren Merkmale in dem kräftigen, gedrungenen Baue, dem auffallend großen dicken Schnabel, den hohen, starken, verhältnismäßig langzehigen, hinterseits mit entsprechenden Sporen bewehrten Füßen, den großen, breiten Flügeln, unter deren Schwingen die zweite und dritte die Spitze bilden, und dem fast geraden, kurzen, kaum ausgeschnittenen Schwanze zu suchen sind. Die Länge der Kalanderlerche beträgt bis einundzwanzig, die Breite bis vierundvierzig, die Fittiglänge dreizehn, die Schwanzlänge sieben Centimeter. Die Federn der Obertheile sind fahlbräunlich, außen isabellfahl gesäumt und verwaschen dunkel geschaftet, Zügel und undeutlicher Augenstreif, Kinn, Kehle, Kopf und Brust zart rostgelblich, letztere mit feinen dunklen Schaftstrichen geziert, die übrigen Unterteile weiß, seitlich isabellbräunlich, Ohrgegend und ein undeutlicher Bartstreifen bräunlich, zwei große, zuweilen fast sich berührende Flecke an den Halsseiten schwarz, die Schwingen braunschwarz, Armschwingen erdbraun, erstere außen schmal, letztere breit isabellbräunlich gesäumt, die hintersten Hand- und Armschwingen auch am Ende weiß gerandet, die Schwanzfedern braunschwarz, außen breit fahl gesäumt, äußerste Federn und die Spitzen des zweiten und dritten Paares weiß, rostgelblich überhaucht. Die Iris ist tiefbraun, der Oberschnabel hornbraun, der untere horngelb, der Fuß röthlich.

Südeuropa, insbesondere die Umgebung des Mittelmeeres, Istrien, Dalmatien, Griechenland, Süditalien und Spanien, ebenso Nordwestafrika und die Steppen Turkestans sind die Heimat der Kalanderlerche, welche von den angegebenen Ländern aus Nordostafrika, aber nur selten die oberen Nilländer besucht, hier wie in Palästina, Persien, ganz Mittelasien und den nordwestlichen Provinzen Indiens vielmehr durch die ihr sehr nahestehende, artlich vielleicht nicht einmal verschiedene, etwas kleinere, auf der Oberseite deutlicher längsgestreifte, außerdem an den nicht mit Weiß endenden Schwingen und mit Ausnahme der beiden mittelsten rostweißlich geendeten Schwanzfedern zu erkennende Halsbandlerche (Melanocorypha bimaculata, torquata, alboterminata und rufescens, Alauda bimaculata) vertreten wird. Sie bewohnt am liebsten dürre, nicht bewässerte Felder oder ausgedehnte Viehweiden, in Asien in Gemeinschaft von mindestens fünf anderen Arten, welche sie in jeder Beziehung beherrscht, die Steppe.

siehe Bildunterschrift

Kalanderlerche ( Melanocorypha calandra). ½ natürl. Größe.

In ihrem Betragen unterscheidet sie sich nicht wesentlich von unserer Feldlerche. Auch sie lebt während der Fortpflanzungszeit paarweise in einem bestimmten Gebiete, aus welchem sie andere ihrer Art eifersüchtig vertreibt; schlägt sich aber nach der Paarungszeit in Flüge, welche zuweilen ebenfalls sehr zahlreich werden können: einen solchen, welcher wohl über tausend Stück enthalten mochte, sah ich in den Steppenwaldungen am oberen Blauen Flusse. Bestimmt zu unterscheiden ist sie von unserer und allen anderen mir bekannten Lerchen an ihrem aufrechten Gange und den zwar etwas langsamen, aber ungemein kräftigen Bewegungen ihrer sehr breiten Flügel, welche in Verbindung mit dem sie unterseits säumenden lichteren Endrande ihrem Flugbilde ein so bezeichnendes Gepräge aufdrücken, daß man sie nie verkennen kann. Ebenso kennzeichnet sie sich durch ihren herrlichen Gesang. Wer sie zum ersten Male singen hört, bleibt überrascht stehen, um ihr sodann mit Entzücken zu lauschen. Ihr Lied zeichnet sich vor allen mir bekannten Lerchengesängen durch einen wunderbaren Reichthum und ebenso große Fülle und Kraft aus. In der Steppe vereinigt, verschmilzt, vertönt sie aller dort lebenden Lerchen Gesänge in dem ihrigen, gibt sie veredelt wieder und beherrscht hierdurch wie durch ihre gewaltige Stimme den wunderbaren Lerchengesang, welcher hier während der Frühlingszeit ununterbrochen vom Himmel herabströmt. Nicht alle erringen sich vollen Ruhm, denn nicht alle verwenden ihre unerschöpflichen Stimmmittel in einer unserem Ohre wohlthuenden Weise; einzelne aber sind geradezu unvergleichliche Meister in ihrer Kunst, welche man gehört, im Freien gehört haben muß, um ihre Bedeutung gebührend zu würdigen. »Sowie die Kalanderlerche alle übrigen Mitglieder der Familie an Größe übertrifft«, sagt Cetti, »so überbietet sie dieselben an Gesang. Sie kann mit jedem anderen Vogel hierin um den Vorrang streiten. Ihre natürliche Stimme scheint mir ein Geschwätz von nicht großer Annehmlichkeit zu sein; ihre Einbildungskraft aber faßt alles, was sie zu hören bekommt, und ihre dichterische Kehle gibt alles verschönert wieder. Auf dem Lande ist sie ein Echo aller Vögel; man braucht, um so zu sagen, anstatt all der anderen nur sie zu hören. Sie verwendet ebenso das Geschrei der Raubvögel wie die Weise der Sänger und verschwendet, in der Luft schwebend, tausende in einander geflochtene Strophen, Triller und Lieder. Sie lernt so viel, wie man ihr vorspielt; das Flageolet hat keine bessere Schülerin als sie. Ihre erlangte Geschicklichkeit macht sie nicht eitel: sie, die Künstlerin, singt vom Morgen bis an den Abend. Eine vor dem Fenster hängende Lerche dieser Art ist hinreichend, die ganze Gegend zu erheitern. Sie ist die Freude und der Stolz des Handwerkers, das Entzücken der Vorübergehenden.« Alle übrigen Beobachter sind einstimmig in diesem Lobe. »Ihr Lockton«, schreibt Graf Gourcy meinem Vater, »gleicht, einen tiefen Ton ausgenommen, der Lockstimme der Haubenlerche sehr. Ihr Gesang ist herrlich und wegen seiner außerordentlichen Abwechselung wirklich wunderbar. Ihre Nachahmungskunst setzt die seltene Gabe voraus, die Stimme nach Willkür verändern zu können; denn nur dadurch ist es möglich, bald jene hohen kreischenden, bald jene hellen Töne hervorzubringen, welche den Hörer in Erstaunen setzen. Wenn sie ihren Lockton einige Male hat hören lassen, folgen gewöhnlich einige Strophen aus dem Gesänge der Bastardnachtigall; dann kommt der lang gezogene, sehr tiese Ruf der Amsel, in welchem sich namentlich das ›Tack, tack‹ sehr hübsch ausnimmt. Hierauf folgen Strophen, ja zuweilen der ganze Gesang der Rauchschwalbe, der Singdrossel, des Stieglitz, der Wachtel, der Finkmeise, des Grünlings, des Hänflings, der Feld- und Haubenlerche, des Finken und Sperlings, das Jauchzen der Spechte, das Kreischen der Reiher, und dies alles wird in der richtigen Betonung vorgetragen. Sie schnalzt wie ein Mensch; sie trägt allerhand Töne vor, welche sie gewiß von anderen, mir gänzlich unbekannten Sängern annahm; sie ahmt alles so täuschend nach, daß der Kenner jedes Vogels Gesang sogleich erkennen muß. Als ich sie erhielt, kannte sie den Gesang der Baumlerche und den Ruf der Schwanzmeise noch nicht: in kurzer Zeit hatte sie beiden Vögeln ihre Töne so gut abgelernt, daß sie dieselben herrlich vortrug. Zuweilen ist ihre Art zu singen äußerst sonderbar; sie scheint dann die Töne, ohne die Kehle im geringsten dabei zu bewegen, nur aus dem Schnabel heraus zu werfen. Schade nur, daß ihr Gesang für das Zimmer zu laut ist, daß er im geschlossenen Raume auf die Länge nicht ertragen werden kann. Ich mußte meine Gefangene der lästigen Stärke dieses Gesanges halber endlich weggeben. Der Händler verkaufte sie wiederholt; doch keiner der Liebhaber konnte die starken Töne im Zimmer vertragen.«

Das Nest ist ein kunstloser Bau aus trockenen Stengeln und feinen Wurzeln, welcher an einer verborgenen Stelle hinter Erdschollen, kleinen Büschchen oder im Getreide, immer aber in einer kleinen Vertiefung angelegt wird. Die drei bis fünf Eier sind vierundzwanzig Millimeter lang, achtzehn Millimeter dick, rundlich, in der Mitte stark ausgebaucht und auf glänzend weißem oder gelblichweißem Grunde mit gelbbraunen und grauen Flecken und Punkten, welche gegen das dicke Ende hin oft kranzartig zusammenlaufen, dicht bedeckt.

Um die auch in Spanien hochbeliebte Sängerin zu fangen, geht man hier des Nachts auf geeignete Feldstücke; einige der Fänger tragen Herdenglocken, andere Blendlaternen, die übrigen Handnetze. Die Lerchen werden durch den Lichtschimmer geblendet, durch den Klang der Herdenglocken aber irre geführt, und zu der Meinung verleitet, daß ihnen eine Rinder- oder Schafherde nahe. Sie warten die Ankunft der Fänger ruhig ab, drücken sich auf den Boden nieder und werden dann entweder mit den Netzen überdeckt oder sogar mit der Hand gegriffen. Mein Bruder hat derartigem Fange beigewohnt.

 

In den asiatischen Steppen gesellt sich der Kalanderlerche die ungefähr gleich große Mohrenlerche oder Tatarenlerche ( Melanocorypha yeltonensis und tatarica, Alauda yeltonensis, tatarica, mutabilis und nigra, Tanagra nigra, Saxilauda tatarica), welche sich ebenfalls einige Male nach Westeuropa verflogen hat. Das Herbstkleid ist tiefschwarz, Mantel, Schultern, hintere Armschwingen und Schwanzfedern am Ende deutlich, die Brustseitenfedern undeutlich isabellweißlich gesäumt. Diese Säume reiben sich bis zum Frühjahre hin ab, und der Vogel erscheint dann fast rein schwarz. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel horngrau, der Fuß schwarz. Beim Weibchen sind die Obertheile blaßbräunlich und durch dunkle Schaftflecke, die Untertheile fahlweiß und durch schwärzliche, an den Halsseiten zu einem größeren Fleck zusammenlaufende Strichelchen, die Leibesseiten bräunlich und durch schwarze Schaftstriche gezeichnet, die Schwingen und Schwanzfedern braunschwarz, außen schwarzbraun gesäumt, die ersten Schwing- und Schwanzfedern jederseits außen weiß. Die Länge beträgt dreißig, die Fittiglänge vierzehn, die Schwanzlänge acht Centimeter.

siehe Bildunterschrift

Mohrenlerche ( Melanocorypha yeltonensis), Spiegellerche ( Alanda sibirica) und Stummellerche ( Calandritis brachydactyla). ½ natürl. Größe.

Alle Salzsteppen Mittelasiens beherbergen diese Lerche in Menge jahraus jahrein; denn, wie es scheint, wandert sie nicht weit, sondern sucht sich höchstens die Stellen auf, wo der Schnee nicht liegen bleibt. Eversmann sah sie im Winter in ungeheueren Scharen; Radde traf sie ebenfalls sehr häufig an. Während unserer Reise durch die Steppen Südsibiriens und Turkestans sind auch wir oft ihr begegnet, und ich habe so aus eigener Anschauung ein, wenn schon unvollständiges, Bild ihres Sommerlebens gewinnen können. Sie bewohnt keineswegs ausschließlich schwarzerdigen Boden, wie man voraussetzen möchte, nimmt vielmehr auf sehr verschiedenartigem Gelände, obwohl keineswegs überall, ihren Aufenthalt. Nach meinem Dafürhalten darf man sie als eine der anmuthigsten, falls nicht als die reizendste Erscheinung der Steppe ansehen. Da, wo sie vorkommt, wohnt ein Paar ziemlich nahe neben dem anderen, und der große, schwarze Vogel, welcher auf lichtem Grunde schon von fern sichtbar wird, ziert dann die Erde ebenso wie die Luft. Im Laufen und im niedrigen Fluge durchaus Lerche, trippelnd dahin rennend oder eilfertig mit vielen Schwenkungen unter raschen Schwingenschlägen fliegend, zeigt sie sich bei ihrem Hochfluge sehr eigenartig. Obgleich sie am meisten noch der Kalanderlerche ähnelt, unterscheidet sie sich doch stets durch ganz absonderliches, nur ihr eigenthümliches Flattern beim Niedergehen aus der Höhe. Die breiten Flügel kommen beim Schweben besonders zur Geltung, und das Flugbild läßt sie schon daran unter allen Umständen erkennen. Mehr aber noch fällt sie dadurch auf, daß sie, nachdem sie die Höhe gewonnen, beide Flügel schief nach unten senkt, einige Sekunden lang ohne Flügelschlag gleitet, dann wiederum sich hebt und durch einzelne in längeren Zeiträumen sich folgende Flügelschläge auf einer und derselben Stelle sich erhält, hierbei an eine große Fledermaus nicht allein erinnernd, sondern ihr thatsächlich ähnelnd. Beim Niederfallen fliegt sie zunächst wagerecht fort, senkt sich hierauf allmählich und stürzt endlich, nicht gleich einem fallenden Steine senkrecht, sondern im flachen Winkel zum Boden oder lieber noch auf einen erhöhten Gegenstand, die Spitzenzweige eines gestrüppartigen Busches oder selbst eine Telegraphenstange hernieder. Vor dem reitenden oder fahrenden Reisenden scheut sie sich nicht, weicht dem herankommenden Wagen meist nur soweit aus, als unbedingt erforderlich und fliegt auch, so lange nicht auf sie geschossen wurde, selten weit, ebenso als sie beim Singen nur ausnahmsweise zu größeren Höhen aufsteigt. Ihr Gesang hat mich am meisten an den der Kalanderlerche erinnert; ich bin jedoch zweifelhaft geblieben, ob ich von ihr eigene oder nur angelernte Lieder vernommen habe. Ein Nest haben wir nicht gefunden, wohl aber schon am vierten Mai flügge Junge erhalten, woraus hervorgehen dürfte, daß sie wenigstens in Südwestsibirien schon früh im Jahre zur Fortpflanzung schreitet. Das Nest, ein höchst kunstloser Bau, ist, laut Pallas, auch auf dürrem, kaum mit Pflanzen bewachsenem Boden so vortrefflich versteckt, daß man es schwer findet. Das Gelege besteht aus vier Eiern, welche auf bläulichem Grunde mit grauen Unter- und braungrauen Oberflecken gezeichnet sind und bei achtundzwanzig Millimeter Länge einen Querdurchmesser von achtzehn haben. Genaueres hierüber ist mir und, wie es scheint, auch anderen nicht bekannt.

Während der Brutzeit ernährt sich die Mohrenlerche hauptsächlich von allerlei Kerbthieren; später dienen ihr und ihren Jungen die Samen der Salzpflanzen fast zur alleinigen Nahrung. Gegen den Herbst hin verläßt sie ihr Brutgebiet, gewöhnlich in Gesellschaft von Kalanderlerchen, um südlich zu reisen, wandert aber nicht weit, sondern überwintert bereits in den Steppen Südrußlands am unteren Djnepr und Don, häufig auch in der Nähe von Odessa. Einzelne dehnen ihre Reise weiter aus und erscheinen gelegentlich in westlichen Gebieten, gehören hier, insbesondere in unserem Vaterlande, aber stets zu den größten Seltenheiten.

Gefangene, welche ich aus Südrußland erhielt, betrugen sich wie Kalanderlerchen.


Eine Kalanderlerche im kleinen, von ihr auch nur durch schwächeren Schnabel und kürzere Zehen unterschieden, ist die Stummellerche, Kalandrelle oder Gesellschaftslerche (Calandritis brachydactyla, Kollyi und macroptera, Alauda brachydactyla, calandrella, arenaria, testacea, dukhunensis und Kollyi, Melanocorypha brachydactyla, itala, arenaria, macroptera, obsoleta, Phileremos brachydactyla, moreatica und Kollyi, Calandrella brachydactyla, immaculata und hermonensis, Bild S. 269). Die Obertheile sind fahl lehmbräunlich, durch dunkle Schaftflecke gezeichnet, Zügel und Schläfenstrich weißlich, letzterer unterseits von einem dunkeln Saume begrenzt, Ohrgegend und Backen rostfahl, dunkel gestrichelt, die Untertheile, bis auf einen schwärzlichen Fleck an den Halsseiten, weiß, seitlich rostfahl, die Schwingen schwarzbraun mit zimmetrostfahlen, nach hinten sich verbreiternden Außensäumen, die Armflügeldecken mit weißlichen, die Oberflügeldecken mit zimmetrostfahlen Enden, die Schwanzfedern braunschwarz, außen rostfahl gesäumt, die beiden äußeren rostweißlich, das äußerste Paar innen in der Endhälfte weiß. Der Augenring ist dunkelbraun, der Schnabel horngelblich, an der Spitze dunkler, der Fuß horngelb. Beim Weibchen ist der Halsfleck kleiner.

Mehrere als besondere Arten unterschiedene Stummellerchen (Calandritis pispoletta, C. minor und andere) müssen wahrscheinlich mit der Gesellschaftslerche vereinigt werden.

Der Verbreitungskreis der Kalandrelle ist ausgedehnter als der ihrer großen Verwandten. Alle Ebenen Südeuropas und Mittelasiens sowie endlich Nordwestafrika beherbergen die kleine Lerche in großer Anzahl. Sie bevorzugt die ödesten Gegenden, ohne jedoch Felder zu meiden. Jene wüstenartigen Strecken des Südens und die asiatischen Steppen sind ihre wahre Heimat. Der Boden dort gleicht ihrem Gefieder so täuschend, daß sie des verdeckenden Getreides nicht bedarf. Mir ist es vorgekommen, daß sie schon auf zehn Schritt Entfernung dem Auge vollständig zu entschwinden wußte, indem sie sich einfach niederduckte. In Nordspanien wandert sie mit Beginn des Frühlings in ungeheueren Scharen ein; diese zertheilen sich rasch in Paare; jedes von ihnen erwählt sich ein kleines Gebiet, und hier verbringt es den Sommer.

Wesen und Betragen lassen die Lerche nicht verkennen. Im Fluge beschreibt sie in der Luft unregelmäßige Bogen, beim Emporsteigen klettert sie, um mich so auszudrücken, in schiefer Linie empor, beim Herabkommen läßt sie sich einfach zur Erde herabfallen. Sie singt im Fliegen, oft aber auch im Sitzen. »Der Gesang ist«, wie Alexander von Homeyer sehr richtig sagt, »lauter Stückwerk, nichts zusammenhängendes. Es gehen lang gezogene Töne voran, denen sehr schnell gegebene Nachsätze folgen, welche weder im Wohllaute, noch im Tonfalle zum Gesange passen. Die lang gezogenen Flötentöne sind schreiend, die Schlußstrophen hölzern und ohne Klang. Dabei werden einige Strophen ganz genau oder nur mit Abänderung des Schlusses bis zum Ueberdrusse wohl zehn- bis zwanzigmal wiederholt, und man wird dadurch an die langweilige Sangesweise mancher schlecht singenden Haubenlerchen erinnert. Trotz alledem besitzt auch diese Lerche große Fertigkeit im Nachahmen fremder Vogelstimmen«.

Das wohl verborgene Nest ist kunstlos; die drei bis fünf, zwanzig Millimeter langen, sechzehn Millimeter dicken Eier sind auf lichtgelblichem oder grauem Grunde mit schwach röthlichbraunen und deutlichen Punkten gezeichnet, aber erheblichen Veränderungen unterworfen.

Im Anfange des September scharen sich die Kalandrellen zu Flügen zusammen, welche bald förmliche Heeresmassen werden, und wandern nun nach Süden. Sie erscheinen in den waldigen Steppen des inneren Afrika in ganz ungeheueren Scharen, welche auf halbe Stunden hin und im buchstäblichen Sinne des Wortes den Boden bedecken oder beim Auffliegen Wolken bilden. Ganz so ist es nach Jerdon in Indien, woselbst die aus Mittelasien wandernden Kalandrellen regelmäßig im Oktober und November eintreffen und bis zum April verweilen. Dieser Gewährsmann versichert, daß er mit einem Doppelschusse seines Gewehres zwölf Dutzend Kalandrellen erlegt habe, und für mich, der ich die Heermassen derselben Vögel im inneren Afrika gesehen habe, hat die Angabe durchaus nichts unwahrscheinliches. Auch in Spanien werden diese Thierchen zu hunderten und tausenden erlegt und gefangen. Demungeachtet gleicht ihre starke Vermehrung ihre Verluste rasch wieder aus.


Die Wüste hat ebenfalls ihre Lerchen, diese aber sind ebenso gefärbt, wie der Sand selber. Die Sippe der Sandlerchen (Ammomanes) kennzeichnet sich durch mittelgroßen, aber starken Schnabel, kurzzehige, am Daumen mit kurzem, geradem Nagel bewehrte Füße, lange, spitzige und breite Flügel, verhältnißmäßig großen, in der Mitte mehr oder minder ausgerandeten Schwanz und ein sand- oder isabellfarbiges Gefieder.

 

Die Wüstenlerche (Ammomanes deserti und isabellina, Alauda deserti und isabellina, Melanocorypha deserti, isabellina, arabs, galeritata, lusitanica, Calandrella deserti, Mirafra deserti und phoenicuroides, Bild S. 265) ist oberseits graulich zimmetbräunlich, auf dem Bürzel roströthlich, unterseits isabellweißlich, in der Ohrgegend, auf Kropf, Seiten, Unterschwanz- und Unterflügeldecken zart isabellröthlich, auf dem Kropfe undeutlich dunkel längsgestrichelt; die Schwingen und Schwanzfedern sind olivenbraun, erstere außen zimmetroströthlich, die beiden äußersten Schwanzfedern außen bis gegen die Spitze hin rostisabell. Das Auge ist braun, der Schnabel hornbräunlich, der Fuß dunkelbraun. Die Länge beträgt einhundertundsechzig, die Breite zweihundertunddreißig, die Fittiglänge fünfundneunzig, die Schwanzlänge fünfundsechzig Millimeter.

Das Verbreitungsgebiet der Wüstenlerche umfaßt den größten Theil Nord- und Nordostafrikas, Westasien und Mittelindien; als Besuchsvogel erscheint sie zuweilen, immer aber sehr selten in Südeuropa, wird von Erhard jedoch unter den Sommervögeln der Kykladen aufgezählt.

 

Hier und da in Nordafrika und auf den Inseln des Grünen Vorgebirges wird sie durch die einmal auf Malta erlegte, nah verwandte, aber etwas kleinere, oberseits zimmetröthliche, unterseits isabellweiße, an den blaßbräunlichen Spitzen der zimmetröthlichen Schwingen und den braunschwarzen Endflecken der den Schwingen gleichgefärbten Schwanzfedern leicht kenntliche Sandlerche (Ammomanes cinctura, pallida, elegans, regulus und arenicolor, Melanocorypha cinctura, Alauda arenicolor und elegans) vertreten.

Ich habe beide, zumal die Wüstenlerche, während meines Aufenthalts in Afrika, in ganz Egypten und Nubien überall in der Wüste angetroffen, letztere selbst inmitten der »Hammadas« oder ausgedehnten Sandstrecken gefunden. Sie meidet das bebaute Land und findet sich erst da, wo der dürre Sand der belebenden Kraft des Wassers zu spotten scheint. Im Sande verschwindet sie dem Auge ihrer Feinde, im Sande findet sie ihre Nahrung; der Wüste gehört sie vollständig und ausschließlich an. Ihren Ruf vernimmt man schon in Oberegypten, sobald man den Fuß über den letzten Damm setzt, welcher die dem Strome enthobenen fruchtbaren Fluten vor dem nach ihnen verlangenden Sande schützt; sie ist es, welcher man zwischen den großartigen Zeichen vergangener Zeiten des Pharaonenlandes begegnet; sie ist es, welche in den hehren Räumen der Tempel wie ein aus alter Zeit zurückgelassener, verwandelter Priester der Isis waltet; sie ist es aber auch, welche im Zelte des braunen Nomaden förmlich als Hausvogel auftritt. Sie ist ein liebenswürdiges, aber ein stilles, ernstes Thierchen. Der Lauf ist äußerst rasch, der Flug behend und gewandt, obwohl etwas flatternd. Der gewöhnliche Lockruf hat etwas so schwermüthiges, daß man über diesem Eindrucke fast den ihm eigenen Wohllaut vergißt. Sie tritt, wo sie vorkommt, häufig auf, lebt gewöhnlich paarweise, mit anderen ihrer Art friedlich zusammen, seltener zu Flügen geschart. Einige hundert Geviertmeter Sandfläche, ein paar Steine darauf und ein wenig dürftiges Riedgras zwischen ihnen genügen ihr, und vergeblich fragt man sich, wie solcher, dem menschlichen Auge vollkommen todt erscheinender Wohnsitz dem Vogel Heimat sein, wie er ihn ernähren könne. Und doch muß dies der Fall sein, denn jedes Paar hängt treu an dem einmal erwählten Wohnorte. Wenn man diesen mehrere Tage nach einander besucht, wird man diese Lerche fast immer an derselben Stelle, ja auf demselben Steine finden.

In den ersten Monaten des Jahres schreitet die Wüstenlerche zur Fortpflanzung. Ihr Nest steht entweder wohlverborgen unter einem überhängenden Steine, in einer Vertiefung oder in einem Grasbusche, ist recht zierlich gebaut und enthält im Frühlinge drei bis vier, zweiundzwanzig Millimeter lange, sechzehn Millimeter dicke Eier, welche auf gelblichem Grunde, zumal gegen das dicke Ende hin, braun und roth gefleckt sind. Das Männchen bekundet seine Liebe durch einen leisen, hübschen, jedoch ziemlich armen Gesang, aus welchem der erwähnte schwermüthige Lockton am öftersten wiedertönt. Nach dem Singen umgeht es sein Weibchen mit etwas von dem Körper abgehaltenen Flügeln; dann fliegen beide zusammen gewöhnlich auf den höchsten Punkt ihres Wohnortes, auf einen der Steine z. B., und das Männchen beginnt von neuem zu singen.

Die Wüstenlerche scheut den Menschen nicht. Mit innigem Vergnügen bin ich ganz nahe an sie herangegangen, und mit wahrem Entzücken habe ich gesehen, wie sie vertrauensvoll in das Zelt eines Wanderhirten kam, welcher an einem Brunnen der Bahiuda zeitweilig sich aufhielt. Dem Araber fällt es nicht ein, dem traulichen Vogel feindselig entgegenzutreten, und auch der Europäer gewinnt ihn bald so lieb, daß er sich förmlich scheut, ihn zu erlegen.


Eine der anmuthigsten aller Arten der Familie ist die Alpenlerche, Berg-, Küsten- und Hornlerche (Phileremus alpestris, cornutus, rufescens und striatus, Alauda alpestris, flava, rufa, minor, cornuta, nivalis, glacialis und chrysolaema, Eremophila alpestris, Octocoris [Otocorys, Otocoryx] alpestris, cornuta, crysolaema, occidentalis), Vertreter der Sippe der Hornlerchen (Phileremus), deren Kennzeichen in dem mittellangen, geraden, ziemlich schwachen Schnabel, den starken Füßen mit mittellangen Zehen und kurzen, wenig bogenförmigen Sporen am Daumen, den langen Flügeln, in denen die zweite, dritte und vierte Schwungfeder fast gleich lang und die längsten sind, sowie endlich in dem sehr reichen Gefieder, zwei kleinen Federohren an den Seiten des Hinterkopfes und der eigenartig bunten Zeichnung zu suchen sind. Ihre Länge beträgt siebzehn, die Breite zweiunddreißig, die Fittiglänge elf, die Schwanzlänge sieben Centimeter. Stirne, Augenstreifen, Kinn und Kehle sind blaßgelb, eine Querbinde auf dem Hinterkopfe, welche seitlich über den Schläfen in eine hervorragende Spitze ausläuft, Zügel und Ohrgegend sowie ein breiter halbmondförmiger Kropfschild schwarz, Oberkopf, Hinterhals und Oberflügeldecken zart weinröthlich, die übrigen Obertheile erdbraun, durch dunkle Schaftflecke gezeichnet, die Untertheile weiß, seitlich weinröthlich, die Schenkel dunkel längsgestrichelt, die Schwingen braun, außen fahlbräunlich, die erste jederseits aber weiß gesäumt, die Deckfedern der Armschwingen und größten Flügeldecken auch am Ende so umrandet, die Schwanzfedern, mit Ausnahme der beiden dunkelbraunen, fahlbraun gesäumten Mittelfedern, schwarz, die beiden äußersten außen weiß. Der Augenring ist dunkelbraun, der Schnabel bläulich grau, der Fuß hornbraun. Beim Weibchen ist das Gelb im Gesichte und auf der Kehle blasser, die schwarze Querbinde auf dem Kopfe nicht vorhanden, der schwarze Fleck auf den Kopfseiten und dem Kropfe mehr beschränkt und durch schmale hellere Federspitzen etwas verwischt, auch die Brust mit verwaschenen dunklen Schaftstrichen gezeichnet.

siehe Bildunterschrift

Alpenlerche (Phileremus alpestris). ½ natürl. Größe.

Die Alpenlerche trägt ihren Namen nicht von den Schweizer, sondern von den Nordischen Alpen. Sie ist ein Kind der Tundra und gegenwärtig in diesem Gebiete überall Brutvogel, demgemäß ebensowohl in der Neuen wie in der Alten Welt zu Hause. Früher gehörte sie in Nordwesteuropa zu den Seltenheiten; seit etwa fünfzig Jahren aber hat sie sich mehr und mehr verbreitet, und gegenwärtig ist sie in Nordskandinavien eine regelmäßige Erscheinung. In Finnmarken oder norwegisch Lappland lebt sie, nach meinen Beobachtungen, keineswegs auf den höheren Gebirgen, sondern von der Seeküste an bis zu höchstens anderthalbhundert Meter unbedingter Höhe aufwärts, findet sich hier aber nur auf steinigem Grunde, in menschenleersten Einöden ebensowohl wie in unmittelbarer Nähe von den Wohnungen. Wenige Schritte hinter dem Hause des Kaufmanns und Naturforschers Nordvy traf ich ein nistendes Pärchen an, welches um die Mitte des Juli bereits zum zweiten Male Junge erzeugt hatte. Der kundige Vogelfreund sagte mir, daß diese schöne Lerche noch während seiner Knabenjahre zu den seltensten Erscheinungen gehört habe, allgemach aber eingewandert sei und jetzt als Sommervogel überall vorkomme. Zu Ende des Oktober verläßt sie die Tundra Lapplands, um die Mitte des September ihre nordsibirischen Brutstätten; hier kehrt sie schwerlich vor Anfang des Mai, dort in der Mitte des April zurück. Zu Ende dieses Monats haben die in Finnmarken hausenden Paare das Nest bereits gebaut und gewöhnlich auch schon Eier. Gelegentlich ihrer Winterreise besucht sie gegenwärtig regelmäßig Deutschland, namentlich die Ostseeküste, und es scheint, daß dies, seitdem sie sich in Finnmarken angesiedelt, viel öfter geschieht, als es früher der Fall war. Nach mündlichem Berichte des jüngeren Schilling gehört sie jetzt auf Rügen und den benachbarten Inseln, namentlich auf Hiddensöe, zu den Erscheinungen, welche jeder Winter bringt; nach Versicherung kundiger Freunde wandert sie alljährlich durch Ost- und Westpreußen; ebenso hat sie Gätke in den letzten Jahren sehr häufig auf Helgoland in Scharen von sechzig, achtzig bis hundert Stück beobachtet. Solche Wanderscharen werden unzweifelhaft alljährlich Südskandinavien durchreisen, so wenige von ihnen daselbst auch beobachtet wurden, und sie werden ebenso im Inneren Deutschlands viel häufiger erscheinen, als man glaubt, wahrscheinlich aber von Gebirge zu Gebirge fliegen und deshalb der Beobachtung sich entziehen. Am Ob begegneten wir in dem sehr günstigen Herbste des Jahres 1876 vom zwanzigsten September an zahlreichen Zuggesellschaften, welche am kiesigen Stromufer und in den Dörfern Nahrung suchten. Wie weit sie im Winter nach Süden oder Südwesten hin vordringt, bedarf noch der Feststellung. Radde fand sie um diese Zeit auf den Hochsteppen Dauriens, im Gouvernement Cherson und in Bessarabien; Barthélemy-Lapommeraye erwähnt, daß sie einige Male in der Provence, Salvadori, daß sie wiederholt in Italien vorgekommen ist.

In ihrem Wesen und Betragen hat die Alpenlerche so große Aehnlichkeit mit der Feldlerche, daß ich keinen wesentlichen Unterschied wahrnehmen konnte. Doch sah ich jene niemals singend in die Luft steigen, vielmehr entweder von Steinen oder Baumzweigen herab ihr einfaches, aber ansprechendes Liedchen vortragen; laut Collett steigt jedoch auch sie und singt dabei ganz anders als im Sitzen. Die Nahrung besteht aus Pflanzenstoffen, zumal Sämereien, und Kerbthieren, namentlich aus den in allen Tundren so überaus häufigen Mücken und deren Larven, mit denen auch die Jungen aufgefüttert werden.

Das verhältnismäßig kunstreiche Nest wird zwar ebenfalls in einer Vertiefung des Bodens angelegt, innen aber mit feinen Halmen und selbst mit Pflanzenwolle und zarten Samenhülsen sehr nett ausgelegt. Das Gelege enthält vier bis fünf Eier, welche etwa zweiundzwanzig Millimeter lang, siebzehn Millimeter dick und auf gelblichem Grunde mit außerordentlich feinen Strichelchen von etwas dunklerer Farbe, am dicken Ende oft kranzartig, gezeichnet sind. Einige Eier zeigen auch wohl schiefergraue Schalenflecke oder dunkelbraune Haarzüge. Das Nest ist schwer aufzufinden, weil die Tundra sehr gute Versteckplätze bietet. Ob nur die Weibchen oder abwechselnd beide Geschlechter brüten, weiß ich nicht, wohl aber, daß die Alpenlerche Störungen nicht verträgt, vielmehr infolge deren Nest und Eier verläßt.

Gefangene Alpenlerchen sind anmuthig in einem kleinen Raume, viel anmuthiger noch in dem Gesellschaftsbauer, vertragen sich mit anderen Vögeln nicht nur vortrefflich, sondern scheinen sogar an deren Gesellschaft Freude zu haben, dauern auch lange Jahre aus.


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