Autorenseite

 << zurück weiter >> 

9. Familie: Webervögel ( Ploceidae),

Bezeichnende Erscheinungen des Äthiopischen Gebietes sind die Webervögel oder Webefinken ( Ploceidae), welche außer Afrika nur noch in Südasien und Australien auftreten. Innerhalb dieser Familie, welche in gewisser Beziehung der unserer Finken ebenbürtig erscheinen mag, vereinigt man etwa zweihundertundfunfzig sehr verschiedenartige Sperlingsvögel und betrachtet als gemeinschaftliche Merkmale derselben den mehr oder minder dicken, immer aber kegelförmigen, nach der Wurzel zu abgeplatteten, auf der Firste breiten, hinten zwischen das Stirngefieder einspringenden Schnabel, die vorn getäfelten, seitlich geschienten Läufe der Füße und die Bildung des Handflügels, welcher stets zehn Schwingen zählt. Alle übrigen Kennzeichen schwanken so erheblich, daß ihnen nur zur Bestimmung der Unterfamilien einiger Werth zugesprochen werden kann. Die Webervögel sind, wie Wallace sehr richtig bemerkt, noch niemals eingehend untersucht worden, und es erscheint daher sehr fraglich, ob sich die Familie in ihrem derzeitigen Umfange aufrecht erhalten läßt. In jedem Falle erleichtert es die Uebersicht, wenn ich mehrere Unterfamilien annehme und jeder einzelnen derselben allgemein gültige Bemerkungen vorausschicke, wie ich im nachstehenden zu thun beabsichtige. Auf die Gesammtheit genauer einzugehen, verbietet mir Mangel an Raum; wer die Webervögel kennen lernen will, mag zu meinen »Gefangenen Vögeln« greifen.

Prachtfinken ( Spermestinae),

Ueber alle Theile des Wohngebietes der Familie verbreiten sich die Prachtfinken, wie ich sie genannt habe ( Spermestinae), kleine Arten mit kurzem, dickem oder schlankem Kegelschnabel ohne Endhaken, schwächlichen Füßen, mittellangen Flügeln, deren erste Handschwinge verkümmert zu sein pflegt, kurzem, stufigem Schwanze, dessen Mittelfedern über die anderen verlängert sein können, und knapp anliegendem, nach Geschlecht und Alter gewöhnlich verschiedenem Gefieder.

Die dieser Unterfamilie angehörigen Arten leben entweder in lichten Waldungen oder im Schilfe und hohem Grase oder endlich auf fast pflanzenlosen Strecken ihrer heimatlichen Länder. Gesellig, munter und regsam wie wenige Finken, tragen sie zur Belebung des von ihnen bewohnten Gebietes wesentlich bei; denn außer der Brutzeit schweifen sie, ihrer Nahrung nachgehend, auf weithin durch das Land und finden sich dann überall, wo die Erde, sei es auch kümmerlich, das tägliche Brod ihnen spendet. Die Männchen versuchen durch ihren Eifer im Singen den Mangel an Begabung zu ersetzen; die große Mehrzahl aber stümpert erbärmlich, und kaum ein einziger dürfte mit den bevorzugten Finken des Nordens wetteifern können. Hinsichtlich ihrer Bewegungen stehen die Prachtfinken hinter keinem Mitgliede ihrer Familie zurück. Sie fliegen gut, einzelne Arten pfeilschnell, obwohl mit stark schwirrendem Flügelschlage, hüpfen, ihrer schwachen Füße ungeachtet, geschickt auf dem Boden umher, klettern auch an den Halmen des Grases oder des Schilfes auf und nieder. Ihre Brutzeit trifft mit dem erwachenden Frühlinge ihrer Heimat zusammen, währt aber länger als dieser; die meisten Arten brüten auch dann noch, wenn der heiße Sommer bereits winterliche Armut über das Land verhängte. Freilich läßt dieser Sommer sie nicht Sorge leiden; denn gerade er reift ihre Nahrung, welche vorzugsweise aus dem Gesäme allerhand Gräser oder schilfartiger Pflanzen besteht. Ungeachtet ihres schönen Gefieders und ihrer liebenswürdigen Sitten sind sie nirgends beliebt. Auch sie erlauben sich Plünderungen im reifen Getreide und müssen von den Feldern vertrieben werden, wenn sie zu tausenden hier sich einfinden. Außer dem Menschen, welcher ihnen oft schonungslos entgegentritt, werden sie von allen in Frage kommenden Raubthieren ihrer Heimat verfolgt, von dem schnellen Edelfalken an bis zu den Schleichkatzen oder Raubbeutelthieren und selbst zu den Schlangen und großen Eidechsen herab. Für gewisse Falken bilden sie die gewöhnliche Speise.

Schon seit langer Zeit werden viele Prachtfinken unter dem Namen »Bengalisten« lebend auf unseren Markt gebracht, und gegenwärtig kommt kaum ein einziges Schiff von der Westküste Afrikas oder aus Australien an, welches nicht eine Ladung dieser Vögel an Bord hätte. Sie halten bei der einfachsten Pflege jahrelang im Käfige aus, brüten auch, wenn ihnen dazu Gelegenheit geboten wird, ohne Umstände im kleinsten Gebauer und eignen sich daher in besonderem Grade für angehende Liebhaber von Stubenvögeln, für welche jede ihrer Lebensäußerungen noch neu und daher fesselnd ist. Mit unseren einheimischen Finken lassen sie sich in dieser Beziehung nicht vergleichen, und hinter Sängern, Drosseln und anderen Stubenvögeln ähnlicher Art stehen sie so weit zurück, daß der erfahrene Pfleger lächeln muß, wenn er sie über alles Verdienst loben und rühmen hört.


Der Bandvogel oder Halsbandfink ( Amadina fasciata und detruncata, Loxia fasciata, und jugularis, Fringilla detruncata, Sporothlastes fasciatus) darf als bekanntester Vertreter der Unterfamilie gelten. Der Schnabel ist sehr stark, kaum länger als breit und hoch, der Oberschnabel am Firstengrunde platt, seitlich der Firste bogenförmig in die Stirn tretend, der Unterschnabel sehr breit, der Flügel mittellang, die zweite und dritte Schwinge etwa gleich lang und am längsten, der Schwanz kurz und abgerundet. Die Gesammtlänge dieses niedlichen Vogels beträgt einhundertfünfundzwanzig, die Breite zweihundertundzehn, die Fittiglänge dreiundsechzig, die Schwanzlänge vierzig Millimeter. Beim Männchen bildet ein angenehmes Fahlbraun die Grundfärbung; der Rücken ist dunkler, die Unterseite lichter, jede Feder schwarz gewellt, oder, wie auf der Oberbrust, schwarz gesäumt; einzelne Brust- und Seitenfedern zeigen einen schwarzen, wie ein V gestalteten, die Oberflügeldeckfedern am Ende einen großen grauröthlichen Fleck, welcher durch einen schwarzen Halbmond vor ihm besonders hervorgehoben wird; die Schwingen sind braun, fahl gesäumt, die Schwanzfedern mattschwarz, unten graulich, auf der Außenfahne der Außenfedern weiß; ein ebenso gefärbter Endfleck ziert die übrigen, mit Ausnahme der beiden mittleren ganz schwarzen. Das Männchen unterscheidet sich vom Weibchen durch schönere Färbung und ein breites, prächtig karminrothes Halsband, welches von einem Auge zu dem anderen über das weiße Untergesicht und die weiße Kehle verläuft. Das Auge ist dunkel-, Schnabel und Füße sind blaßbraun.

Wir kennen den Bandvogel seit mehreren Jahrhunderten als Bewohner Westafrikas; sein Verbreitungsgebiet beschränkt sich aber nicht bloß auf den Westen des Erdtheiles, sondern reicht von hieraus bis zur Ostküste. In den Nilländern begegnet man ihm vom sechzehnten Grade nördlicher Breite an überall in den dünn bestandenen Wäldern der Steppe. Die eigentliche Wüste meidet er; mit der Grenze des Regengürtels aber findet er sich, und wo er vorkommt, ist er nicht selten. In den Urwaldungen fehlt er oder verweilt, wenn er sie wirklich besucht, in ihnen immer nur kurze Zeit. Diese Waldungen bieten ihm nicht die samenreichen Gräser und andere niedere Bodenpflanzen, auf und unter denen er sein Futter sucht. Ob er Früchte frißt, vermag ich nicht zu sagen; in Ostafrika ist dies wahrscheinlich nicht der Fall. Hier würde er auch lange suchen müssen; denn außer den kleinen Früchten des Christusdornes findet er nichts weiter. Die Gefangenen knabbern jedoch gern an Obst und dergleichen, und so dürfen wir annehmen, daß der Bandvogel unter Umständen solch leckere Kost wohl nicht verschmäht. Körner, und namentlich Grassämereien, bleiben immer sein Hauptfutter.

siehe Bildunterschrift

Webervögel
1 Bandvogel; 2 Paradieswida, Weibchen, 3 Männchen; 4 Blutfink; 5 Feuerweber.

In Nordostafrika begegnet man ihm gewöhnlich in Gesellschaften von zehn bis vierzig Stück. Ich meinestheils habe ihn nie paarweise gesehen, ihn während seiner Brutzeit freilich auch nicht beobachten können. Der Flug vereinigt sich oft mit anderen Verwandten, und es mag wohl sein, daß die bunte Gesellschaft dann längere Zeit gemeinschaftlich im Lande auf und nieder streicht. Ein solcher Schwarm nähert sich furchtlos der Hütte des Dörflers. In den Vormittagsstunden sieht man ihn, emsig mit Aufnehmen der Nahrung beschäftigt, auf dem Boden umherlaufen, niemals aber auf den niederen Gräsern klettern. Stört man die Gesellschaft, so erhebt sie sich, fliegt einem der benachbarten Bäume zu, putzt und nestelt im Gefieder, und die Männchen beginnen zu singen. Sobald die Störung vorüber ist, kehren alle zum Boden zurück; naht ein Raubvogel, so fliegt der Schwarm geschlossen pfeilschnell davon, irgend einem dichten dornigen Busche oder Baume zu, welcher die nöthige Sicherheit verspricht. In den Mittagsstunden sitzt die Gesellschaft still in den Zweigen eines schattigen Baumes und gibt sich einem Halbschlummer hin. Nachmittags fliegt sie wiederum nach Nahrung aus.

Das Nest kenne ich nicht; ich weiß aber, daß die Brutzeit, in Ostafrika wenigstens, in den September und Oktober fällt, welcher Zeitabschnitt unseren letzten Frühlingsmonaten zu vergleichen ist. Gefangene tragen die ihnen gereichten Baustoffe zu einem mehr oder weniger geordneten Neste zusammen, legen sechs bis neun weiße Eier, brüten abwechselnd, zeitigen die Eier in dreizehn Tagen und füttern gemeinschaftlich die Jungen auf. Letztere erhalten sofort das Kleid ihrer Eltern.

In den oberen Nilländern stellt dem Bandfinken niemand, in Westafrika fast jedermann nach, um ihn an die Vogelhändler in den Küstenorten zu verkaufen. Durch Vermittelung dieser Leute erhalten wir ihn alljährlich zu tausenden, da er die Reisebeschwerden trefflich übersteht. Er hält sich bei der einfachsten Pflege, schreitet, paarweise gehalten, regelmäßig zur Fortpflanzung, fesselt anfänglich durch die Schönheit seines Gefieders oder die Anmuth seiner Bewegungen und wird mit der Zeit ebenso langweilig wie alle seine Verwandten.


Um auch einen dünnschnäbeligen Prachtfinken aufzuführen, will ich den Blutfinken oder Amarant, das Feuervögelcheu, Tausendschön etc. ( Lagonosticta minima und ignita, Fringilla minima und senegala, Estrelda minima und senegala, Pytelia minima), einer kurzen Beschreibung würdigen. Die Sippe der Blutastrilden ( Lagonosticta), welche der Vogel vertritt, kennzeichnet sich durch verhältnismäßig langen, gestreckten, seitlich zusammengedrückten Schnabel, kurzen, gerundeten Schwanz und blutfarbenes, weiß getüpfeltes Gefieder. Der Blutfink ist purpurweinroth, auf Mantel und Schultern rehbraun, jede Feder am Ende purpurn gesäumt, die Brustseite durch weiße Pünktchen gezeichnet, das Unterschwanzdeckgefieder blaßbräunlich; Schwingen und Schwanzfedern sind braun, außen purpurroth gesäumt. Das fast durchaus rehbraune Weibchen ist nur am Zügel und auf dem Bürzel purpurroth, an der Brust aber ebenfalls weiß gepunktet. Das Auge ist tiefbraun, der Schnabel roth, mit schwarzer Firsten- und Dillenkante, der Fuß röthlich. Die Länge beträgt neunzig, die Breite einhundertundzwanzig, die Fittiglänge fünfundvierzig, die Schwanzlänge fünfunddreißig Millimeter.

Der Blutfink bewohnt ganz Mittelafrika, von der West- bis zur Ostküste und vom zweiundzwanzigsten Grade nördlicher bis zum fünfundzwanzigsten Grade südlicher Breite. Hartmann, welcher wenige Jahre nach mir die oberen Nilländer bereiste, möchte ihm eine ähnliche Stellung zuweisen, wie solche unser Haussperling erworben hat, und in der That darf er als Hausvogel betrachtet werden. Zu gewissen Zeiten fehlt er keiner der Dorfschaften Südnubiens und Ostsudâns, nicht einmal der mitten im Walde stehenden einzelnen Hütte. Er ist einer der ersten Vögel der Wendekreisländer, welchen man bemerkt, wenn man von Egypten aus dem Sudân zuwandert. Nur ein Honigsauger und der Stahlfink gehen weiter nach Norden hinauf als er. Gewöhnlich sieht man ihn in der Nähe der Dorfschaften, mit anderen Familienverwandten zu oft unzählbaren Schwärmen vereinigt; er lebt aber auch fern von den Menschen in der einsamen Steppe und selbst im Gebirge, bis zu anderthalbtausend Meter Meereshöhe, obgleich hier seltener.

Der Blutfink ist nicht bloß ein zierlich gefärbtes, sondern auch ein anmuthiges und liebenswürdiges Thierchen, an welchem man seine rechte Freude haben kann. So lange die Sonne am Himmel steht, ist er thätig; höchstens in den Mittagsstunden sucht er im schattigen Gelaube der immergrünen Bäume Schutz gegen die drückende Sonne. Sonst fliegt er ohne Unterbrechung von Zweig zu Zweig oder trippelt mit rascher Geschäftigkeit auf den Aesten, den Häusern und endlich auf dem Boden umher. Kaum einer seiner Verwandten übertrifft ihn in der Eilfertigkeit seines Fluges, sicherlich keiner in der Rastlosigkeit, welche ihn kennzeichnet. In den letzten Monaten der Dürre hat er seine Mauser vollendet und denkt mit dem ersten Frühlingsregen, etwa im Anfange des September, an seine Fortpflanzung. Bis dahin lebte er in Scharen; jetzt trennt er sich in Paare, und diese kommen nun vertrauensvoll in die Dörfer und Städte herein und spähen nach einer passenden Stelle unter dem Dache des kegelförmigen Strohhauses oder der würfelförmigen Lehmhütte des Eingeborenen. Hier, in irgend einer Höhlung oder auf einer anderen passenden Unterlage, wird ein wirrer Haufen von dürren Halmen zusammengetragen, dessen Inneres aber eine wohlausgerundete, jedoch keineswegs auch sorgfältig ausgelegte Höhlung enthält. Im Nothfalle brütet der Blutfink auf Bäumen oder selbst nahe am Boden. So bemerkte ich im Januar in den Waldungen des oberen Blauen Nils ein Weibchen dieses Vogels, welches an einer und derselben Stelle ängstlich über den Boden hin- und herflog, vermuthete, daß es in der Nähe wohl sein Nest haben möge, suchte und fand dieses auf dem Boden in noch nicht zusammengetretenem dürrem Grase stehen, wo es der Umgebung auf das vollständigste ähnelte. Es enthält drei bis sieben, vierzehn Millimeter lange, elf Millimeter dicke, weiße, sehr rundliche und glattschalige Eier. Hieraus geht hervor, daß der Blutastrild mehrmals im Jahre brütet, und dies stimmt denn auch mit den Erfahrungen überein, welche an Gefangenen dieser Art gesammelt wurden. Das Männchen benimmt sich ebenfalls ungemein zärtlich der Gattin, streitsüchtig einem Nebenbuhler gegenüber und brütet abwechselnd mit dem Weibchen. Die Eier werden binnen dreizehn Tagen gezeitigt, die Jungen mit Kerbthieren und vorher im Kropfe aufgeweichten Sämereien aufgefüttert.

Des hübschen Gefieders und anmuthigen Wesens halber hat man den Blutfink in Cayenne einzubürgern versucht, günstige Erfolge jedoch, so viel bekannt geworden, nicht erzielt.

Webervögel (Ploceinae)

Nester der Webervögel verleihen gewissen Bäumen Mittelafrikas und Südasiens einen prächtigen Schmuck. Bäume, welche mit einem Theil ihrer Krone ein Gewässer beschatten, werden von diesen gefiederten Künstlern allen übrigen vorgezogen und manchmal mit Nestern förmlich bedeckt. Webervogelansiedelungen können daher geradezu als hervorstechendes Merkmal für Innerafrika, Indien und die Eilande des Indischen Inselmeeres gelten. Es ist bezeichnend für die eigenthümlichen Künstler, daß sie stets in größeren Gesellschaften brüten. Ein Webervogelnest an einem Baume ist eine Seltenheit; gewöhnlich findet man ihrer zwanzig, dreißig, selbst hundert und mehr. Die ungemeine Festigkeit dieser künstlichen Nester läßt sie jahrelang Wind und Wetter Trotz bieten, und so kann es kommen, daß man an demselben Baume, welcher eben von einer Ansiedelung der Vögel bevölkert ist, noch die Nester von drei und vier früheren Jahrgängen hängen sieht. Einen solchen Schmuck gewahrt man innerhalb des Verbreitungsgebietes der Unterfamilie überall, im Gebirge wie in der Ebene, in dem einsamen Walde wie unmittelbar über dem Hause des Dörflers.

Die Webervögel (Ploceinae) sind die größten Mitglieder und bilden den Kern der nach ihnen benannten Familie. Meist gestreckt gebaut, zeichnen sie sich außerdem durch ihren verhältnismäßigen langen und schlanken, obwohl noch immer kräftigen Kegelschnabel, ihre hochläufigen, langzehigen, mit derben, scharf gekrümmten Nägeln bewehrten Füße, langen, jedoch stumpfen Flügel, unter deren Schwingen die vierte die längste zu sein pflegt, und ihren kurzen, leicht gerundeten Schwanz aus, lassen sich daher mit anderen Familienverwandten kaum verwechseln. Gelb oder Röthlichgelb und Schwarz sind die vorherrschenden Farben ihres Gefieders; es gibt aber auch vorwaltend schwarze, rothe, sperlingsgraue und weißliche Weber. Der Kopf oder das Gesicht pflegt dunkel gefärbt zu sein; der Rücken ist meist grünlich oder röthlichgelb, die Unterseite reingelb, licht- oder dunkelroth gefärbt.

Alle Webervögel treten häufig auf und zeichnen sich durch eine auch während der Fortpflanzungszeit nicht gestörte Geselligkeit aus. Nach der Brutzeit schlagen sie sich in Flüge zusammen, welche oft zu vielen tausenden anwachsen und unter Umständen wahrhaft verheerend in die Felder einfallen können, schwärmen längere Zeit im Lande umher, mausern dabei und kehren schließlich zu demselben Baume, welcher ihre oder ihrer Jungen Wiege war, oder wenigstens in dessen Nähe zurück. Hier herrscht einige Monate lang ein sehr reges Leben; denn der Bau der Nester erfordert viel Zeit, und die Vögel sind so eifrig und baulustig, daß sie oft das fast ganz fertige Nest wieder einreißen und ein neues errichten. Die Nester sind ohne Ausnahme Kunstbauten und entweder aus Pflanzenfasern oder aus biegsamen Grashalmen, welche, wie es scheint, durch den Speichel der Vögel noch besonders geschmeidigt werden, zusammengeschichtet oder gewebt. Wahrscheinlich brüten alle Webervögel mehrmals im Jahre, und daraus dürfte es zu erklären sein, daß man selbst in wenig verschiedenen Gegenden eines und desselben Landstriches frische Nester und Eier in verschiedenen Monaten des Jahres findet. Die Jungen sind in solchen Nestern wohl geborgen. An dem schwankenden Gezweige kann sich keine der so gern nesterplündernden Meerkatzen, kein anderes Raubsäugethier erhalten: es stürzt zum Boden, ins Wasser hinab, wenn es mit Räubergelüsten sich naht. Bei gewissen Arten, so beim Mahaliweber, wird das Nest noch außerdem gegen Angriffe verwahrt, indem die bauenden Eltern Dornen mit den Spitzen nach außen einflechten. Innerhalb ihres Nestes also sind alte und junge Weber gegen jeden gewöhnlichen Feind gesichert.

Die Ostafrikaner betrachten auch diese Kunsterzeugnisse unserer Vögel mit gleichgültigem Auge; andere Völkerschaften aber haben sie wohl, wenn auch theilweise mit dem Sinne des Märchendichters, beobachtet. So hat man in mehreren Lehmklümpchen gefunden, und das Volk hat sich dies flugs zu erklären gewußt, indem es sagt, daß der Webervogel des Nachts in diesen Lehm Leuchtkäfer einklebe, welche dazu bestimmt sein sollen, sein Nest zu erleuchten. Nach Bernsteins Angaben hat der feste Bau des Bayawebervogels die Grundlage gegeben zu der malaiischen Sage, daß derjenige, welcher so glücklich ist, eines dieser Nester aus einander zu nehmen, ohne dabei einen der dasselbe zusammensetzenden Halme zu zerbrechen, in seinem Inneren eine goldene Kugel finde.

Sämereien aller Art, namentlich aber auch Getreide, Körner und Schilfgesäme, bilden die bevorzugte Nahrung der Webervögel. Außerdem jagen sie sehr eifrig Kerbthiere und füttern namentlich mit solchen ihre verhältnismäßig zahlreiche Brut heran. Raubzüge gegen die Felder unternehmen sie hauptsächlich nach der Brutzeit, während sie die gewaltigen Schwärme bilden. Dann nöthigen sie den Menschen, zumal den Bewohner ärmerer Gegenden, welcher in seinem Getreidefelde sein Ein und Alles besitzt, zur ernsten Abwehr. Außer dem Menschen haben sie in den Edelfalken und Sperbern ihrer Heimatsländer viele und gefährliche Feinde.

Auf unserem Thiermarkte kommen mehrere, wenn auch fast nur westafrikanische Arten ziemlich häufig vor; denn sie sind zählebige Vögel, welche die Beschwerden, Entbehrungen und Qualen des Versandes leicht ertragen und bei einigermaßen entsprechender Pflege vortrefflich im Käfige ausdauern, falls man ihnen Gelegenheit gibt, ihre Kunst auszuüben, auch bald zu weben beginnen und in Gesellschaft ihresgleichen unbedingt zur Fortpflanzung schreiten. Aus diesen Gründen dürfen sie als die empfehlenswerthesten Käfigvögel bezeichnet werden, welche ihre Familie zu bieten vermag. Ihr Gesang ist allerdings nicht viel werth; dafür aber weben sie, so lange ihre Brutzeit währt, zur wahren Augenweide ihres Gebieters außerordentlich fleißig an ihren kunstvollen Bauten.


Zwei von mir in Nordostafrika und später im Käfige vielfach beobachtete Arten der Sippe der Edelweber ( Hyphantornis), deren Merkmale im wesentlichen die der Unterfamilie sind, mögen die theilnahmswerthen Vögel genauer kennen lehren.

 

Der Goldweber ( Hyphantornis galbula, Ploceus und Textor galbula) zählt zu den kleineren Arten der Sippschaft: seine Länge beträgt etwa einhundertunddreißig, die Fittiglänge siebzig, die Schwanzlänge fünfundvierzig Millimeter. Die Stirne bis zum vorderen Augenrande, Zügel, Kopfseiten und Kinn sind kastanienrothbraun, Oberkopf, Hals und Unterseite gelb, die Obertheile olivengelb, auf dem Bürzel lebhafter, die Schwingen und deren Deckfedern olivenbraun, außen olivengelb, innen breiter schwefelgelb gerundet, die größten Oberflügeldecken am Ende gelb, eine Flügelquerbinde bildend, die Schwanzfedern bräunlich olivengelb, außen und am Ende olivengelb gesäumt. Der Augenring ist roth, der Schnabel schwarz, der Fuß fleischröthlich. Beim Weibchen ist die olivengrünlichgraue Oberseite auf Mantel und Schultern mit dunklen Schaftflecken gezeichnet; ein Augenstreifen, die Kopfseiten und die Untertheile sind blaßgelb, auf dem Bauche ins Weißliche ziehend.

Der Goldwebervogel findet sich in Habesch von der Küste des Rothen Meeres an bis in das Hochgebirge hinauf, sonst aber auch im ganzen Ostsudân, an geeigneten Orten in großer Anzahl.

 

Der Masken- oder Larvenwebervogel ( Hyphantornis abyssinica, larvata und flavoviridis, Loxia abyssinica, Ploceus larvatus und flavoviridis, Textor flavoviridis) ist merklich größer als der Goldweber. Seine Länge beträgt einhundertundsiebzig, die Breite zweihundertundachtzig, die Fittiglänge neunzig, die Schwanzlänge fünfundfunfzig Millimeter. Vorderkopf und Kehle sind schwarz, auf dem Hinterkopfe in Rothbraun übergehend, Nacken, Hinterhals und Unterseite hochgelb, zwei Schulterflecken wiederum schwarz, die dunkel olivenbraunen Schwingen außen schmal oliven-, innen breit schwefelgelb gesäumt, Armschwingen und Schulterfedern lebhaft gelb umrandet, die matt olivengelbbräunlichen Steuerfedern innen breit gelb gesäumt. Der Augenring ist karminroth, der Schnabel schwarz, der Fuß röthlich hornfarben. Im Winterkleide gleicht das Männchen dem oberseits auf olivengrünem Grunde durch dunkle Schaftstriche gezeichneten, auf der Braue, den Kopfseiten, und Untertheilen gelben Weibchen, zeigt auch wie dieses eine breite, durch die gelben Endränder der größten Oberflügeldeckfedern gebildete Flügelquerbinde.

Die Webervögel vereinigen gewissermaßen die Eigenschaften verschiedener Finken in sich. Dies spricht sich in ihrem ganzen Wesen aus. Nur die unter allen Umständen sich gleichbleibende Geselligkeit ist ihnen eigenthümlich. Morgens und abends erscheinen sie scharenweise auf gewissen Bäumen, während der Brutzeit selbstverständlich auf denen, welche die Nester tragen. Die Männchen sitzen auf der Spitze der höchsten Zweige und singen. Der Gesang ist keineswegs schön, aber im höchsten Grade gemüthlich. Es spinnt, schnalzt und schnarrt und pfeift durch einander, daß man gar nicht daraus klug werden kann. Die Weibchen setzen sich neben die Männchen und hören deren Liedern mit wahrer Begeisterung zu. So treibt es die Gesellschaft bis ein paar Stunden nach Sonnenaufgang; dann geht sie auf Nahrung aus. In den Mittagsstunden sammeln sich verschiedene Flüge, manchmal tausende, in Gebüschen um Lachen oder in solchen, welche an einer seichten Stelle des Stromes stehen, schreien und lärmen in ihnen nach Art unserer Sperlinge und stürzen plötzlich alle zusammen auf einmal an das Wasser, nehmen hier einen Schluck und eilen so schnell als möglich wieder in das Gebüsch zurück. Zu diesem eiligen Trinken haben sie ihre guten Gründe; denn ihre Hauptfeinde, die Sperber und die kleinen Falken, lauern über den Bäumen auf sie und stoßen pfeilschnell unter sie, sowie sie das sichere Gebüsch verlassen. Gewöhnlich verweilt eine Webervogelschar stundenlang an einer und derselben Stelle, und während dieser Zeit fliegt sie vielleicht zehn- oder zwanzigmal an das Wasser hinab. Nachmittags geht es wieder zum Futtersuchen, und abends vereinigt sich die Schar auf demselben Baume wie am Morgen, um dasselbe Lied zu singen. Die Mauser, welche im Ostsudân in den Monaten Juli bis August stattfindet, vereinigt noch größere Scharen als gewöhnlich, und diese streifen nun längere Zeit miteinander umher.

siehe Bildunterschrift

Gold- und Maskenwebervogel ( Hyphantornis galbula und abyssinica). ¾ natürl. Größe.

In den Urwäldern am Blauen Flusse wurden die ersten Nester mit Beginn der Regenzeit angelegt, und schon im August fand ich die Eier. In den Bogosländern dagegen brüteten die Webervögel im März und April. Die meisten Arten nisten mindestens zweimal im Jahre, immer im Frühlinge ihrer Heimat. Beim Ausbaue des Nestes wird zuerst aus langen Grashalmen ein Gerippe gefertigt und an die äußerste Spitze langer biegsamen Zweige befestigt. Man erkennt in ihm die Gestalt des Nestes bereits deutlich; doch ist dasselbe noch überall durchsichtig. Nun wird es weiter ausgebaut und namentlich an den Wänden mit großer Sorgfalt verdichtet. Die ersten Halme werden von oben nach unten gezogen, um so ein möglichst wasserdichtes Dach herzustellen, die später verwandten auch quer durch das Gerippe gestickt. Auf der einen Seite, gewöhnlich nach Süden hin, bleibt das kreisrunde Eingangsloch offen. Das Nest gleicht jetzt seiner Gestalt nach einem stumpfen Kegel, welcher auf eine Halbkugel gesetzt ist. Noch ist es jedoch nicht vollendet; es wird nun zunächst die Eingangsröhre angefertigt. Diese heftet sich an das Schlupfloch an, läuft an der ganzen Wandung herab und wird mit ihr fest verbunden. An ihrem unteren Ende befindet sich das Einflugloch. Ganz zuletzt erst wird auch das Innere vollends ausgebaut und mit einer Unterlage von äußerst feinen Grashalmen ausgefüttert. Erscheint dem Männchen, welches der alleinige Baumeister des Nestes ist, ein Zweig nicht haltbar genug, so verbindet es zunächst deren zwei durch eine Brücke, welche dann zur Ansatzstelle der schaukelnden Wiege dient. Wenn erst das Rippenwerk hergestellt ist, schreitet die Arbeit sehr rasch fort, so schwierig es dem Vogel zuletzt auch wird, noch einen Halm mehr zwischen die bereits verbauten einzuschieben. Nachdem das Nest vollendet ist, schlüpft das Weibchen aus und ein, um innen nachzubessern, wo es nöthig scheint. Unmittelbar darauf, manchmal schon, ehe das Nest vollendet ist, beginnt es zu legen. Das Männchen baut währenddem, selbst wenn das Weibchen bereits brütet, noch eifrig fort. So lange es arbeitet, befindet es sich in größter Aufregung, nimmt die wunderbarsten Stellungen an, bewegt zitternd die Flügel und singt ohne Ende. Ist das Nest endlich vollendet, so nimmt es ein zweites in Angriff, zerstört vielleicht auch dieses wieder, um mit den Baustoffen ein drittes zu errichten, ohne das eine wie das andere zu benutzen.

Das Gelege besteht aus drei bis fünf Eiern von zwanzig bis fünfundzwanzig Millimeter Länge und dreizehn bis sechzehn Millimeter Dicke, welche auf grünem Grunde braun gefleckt sind. In manchen, den geschilderten ganz gleichen Nestern, fand ich jedoch Eier, welche der Größe nach den eben beschriebenen zwar gleich waren, anstatt der grünen aber eine weiße Grundfarbe zeigten. Auch Heuglin gibt an, daß die Webervögeleier von Weiß durch Röthlich zu Grün abändern. Das Weibchen brütet allein, übernimmt auch alle Elternsorgen. Nach vierzehntägiger Bebrütung entschlüpfen die Jungen; drei Wochen später sind sie ausgeflogen, kehren anfänglich aber unter Führung der Mutter immer wieder ins Nest zurück, bis sie endlich Selbständigkeit erlangt haben. Der Vater bekümmert sich nicht um sie.

Es ist ein hübsches Schauspiel, Webervögel am Neste zu beobachten. Ihre Regsamkeit ist, wenn die Weibchen brüten und noch mehr, wenn die Jungen heranwachsen, ungemein groß. Von Minute zu Minute beinahe kommt das Weibchen angeflogen, hängt sich unten an das Nest an und steckt den Kopf durch den Eingang, um die hungrige Brut zu atzen, ohne eigentlich ins Nest einzutreten. Da nun ein Nest dicht neben dem anderen hängt, gleicht der ganze Baum wirklich einem Bienenstocke. Fortwährend kommen einige, fortwährend fliegen andere wieder dahin.

Im Käfige halten sich alle Webervögel vortrefflich, schreiten auch, wenn man sie gesellschaftsweise in einen größeren Raum bringt und mit geeigneten Baustoffen versieht, regelmäßig zur Fortpflanzung. Wie sie leben und sich gebaren, wie man sie pflegt und unterstützt, habe ich in den »Gefangenen Vögeln« ausführlich geschildert.


Die Viehweber ( Textor) unterscheiden sich von den Edelwebern durch bedeutendere Größe, starken, kegelförmigen, seitlich zusammengedrückten, an der Wurzel aufgeworfenen, an den Schneidenrändern geschweiften Schnabel, die sehr kräftigen Füße und den rundlichen Fittig, unter dessen Schwingen die vierte oder fünfte die längste ist.

 

Im Ostsudân habe ich den Alektoweber ( Textor alecto, Dertroides, Alecto und Alectornis albirostris) kennen gelernt. Seine Länge beträgt fünfundzwanzig, die Breite sechsunddreißig, die Fittiglänge zwölf, die Schwanzlänge neun Centimeter. Das Gefieder ist einfarbig, mattglänzend schwarz, das Kleingefieder aber an der Wurzel weiß, welche Färbung hier und da zur Geltung kommt, die zweite bis fünfte Schwinge außen in der Mitte schmal weißlich gesäumt, das Auge braun, der Schnabel horngelb, an den Schneiden und an der Spitze bläulich, der Fuß schmutzig grau.

 

Eine zweite Art der Sippe, der Viehweber ( Textor Dinemelli, Alecto Dinemelli, Dinemellia leucocephala), ist merklich kleiner, nur zwanzig Centimeter lang. Kopf und Unterseite sind weiß, der Mantel, die Schwingen und der Schwanz chokoladebraun, alle Federn lichter gesäumt, ein kleiner Fleck am Flügelbuge, der Bürzel und die Schwanzdecken aber scharlachroth, die Zügel endlich schwarz. Der Schnabel ist unrein schwarzblau, der Fuß dunkelblau.

Der Alektovogel bewohnt ganz Mittelafrika, der Viehweber das Innere des Erdtheils und Habesch. Ersterer wird in Süd- und Ostafrika durch nahe Verwandte, den Büffel- und Mittelweber, vertreten, deren ich aus dem Grunde Erwähnung thun muß, als sich die nachstehende Lebensbeschreibung zum Theil auf sie bezieht.

siehe Bildunterschrift

Vieh- und Alektoweber ( Textor Dinemelli und alecto). ½ natürl. Größe.

Die Viehweber zählen zu den auffallendsten Mitgliedern ihrer Familie. Sie verleugnen die Sitten und Gewohnheiten der Verwandten nicht, erinnern jedoch in mehr als einer Hinsicht an die Drosseln; sie sind Webervögel, ihre Nester aber haben mit denen unserer Elster mehr Aehnlichkeit als mit den zierlichen Bauten, welche ihre Verwandten aufführen. Alle Arten leben vorzugsweise auf Viehweiden, am liebsten in der Nähe von Herden, meist in Gesellschaft von Glanzstaaren und Madenhackern. Vom Büffelweber sagt A. Smith folgendes: »Erst als wir nördlich über den fünfundzwanzigsten Grad südlicher Breite gelangt waren, trafen wir diesen Vogel, und wie die Eingeborenen versichern, kommt er auch selten weiter südlich vor, aus dem einfachen Grunde, weil dort die Büffel seltener sind. Wo wir ihn antrafen, fanden wir ihn stets in Gesellschaft der Büffel, auf deren Rücken er saß, und zwischen denen er umherflog. Er hüpfte auf den Thieren herum, als ob er ein Madenhacker wäre, und bekümmerte sich nur um seine Nahrung, welche vorzugsweise aus den Zecken bestand, die sich an die Büffel festgesetzt hatten. Dies lehrte uns die Eröffnung ihrer Magen zur Genüge. Auf den Boden kamen sie, um den Koth der Büffel zu durchsuchen. Nächst dem Dienste, welchen sie den Büffeln durch Ablesen gedachter Schmarotzer erweisen, nützen sie noch dadurch, daß sie ihre Freunde warnen, wenn irgend etwas verdächtiges sich zeigt. Dann erheben alle Büffel die Köpfe und entfliehen. Die Büffelweber besuchen nur Büffel, und diese haben keinen anderen Wächter, während die Madenhacker dem Nashorn gehören.« Den Alektovogel habe ich zwar nicht auf den Büffeln beobachtet, zweifle jedoch nicht, daß auch er dem Herdenvieh Ostsudâns unter Umständen die gleichen Dienste leistet. Er gehört übrigens nicht unter die häufigen Vögel des Landes. Ich habe ihn erst südlich des sechzehnten Grades der nördlichen Breite und nicht oft gefunden. Wo er vorkommt, bildet er Gesellschaften; einzeln sieht man ihn nicht. Die Trupps sind nicht so zahlreich wie die der Edelweber, immerhin aber noch ziemlich stark, wie man am besten nach der Anzahl der Nester einer Ansiedelung schließen kann. Ich zählte auf einzelnen Bäumen drei, sechs, dreizehn und achtzehn solcher Nester. Es gehört aber auch schon ein ziemlich großer Baum dazu, um so viel dieser sonderbaren Gebäude zu tragen. Jedes Nest ist nämlich ein für die Größe des Vogels ungeheurer Bau von mindestens einem Meter im Durchmesser. Es besteht aus Reisern und Zweigen, zumal aus denen der Garat-Mimose, welche trotz ihrer Dornen benutzt werden. Diese Zweige legt und flicht der Vogel zu Astgabeln, aber so wirr unter einander und so unordentlich zusammen, daß man beinahe bis in das Innere der Nestkammer blicken kann. Von außen sieht das Nest kratzborstig aus. Ein Eingang führt in das Innere. Er ist im Anfange so groß, daß man bequem mit der Faust eindringen kann, verengert sich aber mehr und mehr und geht endlich in einen Gang über, welcher gerade für den Vogel passend ist. Der innere Theil des Nestes ist mit feinen Würzelchen und mit Gras ausgefüllt. Heuglin gibt an, daß die Nester zuweilen noch viel größer seien, nämlich zwei bis drei Meter Länge und einen bis anderthalb Meter Breite und Höhe erreichen können. In einem solchen Haufen sind dann drei bis acht Nester angelegt; jedes einzelne ist in der beschriebenen Weise mit feinem Grase und Federn ausgefüttert und enthält drei bis vier, sechsundzwanzig Millimeter lange, zwanzig Millimeter dicke, sehr feinschalige Eier, welche auf weißlichem Grunde mit größeren und kleineren, grauen und leberbraunen Punkten und Flecken gezeichnet sind. Ein solcher Nestbaum wird nun zu gewissen Zeiten des Jahres von einer überaus lärmenden Gesellschaft bewohnt. In der Nähe Chartums beobachtete ich, daß der schwarze Weber zu Anfange der Regenzeit, also zu Ende des August, brütet. In der Samhara nistet er im April. Ich weiß nicht, ob die Viehweber während der übrigen Zeit des Jahres ebensoviel Lärm verursachen wie während der Brutzeit. Die Ansiedelungen, welche ich kennen lernte, machten sich schon von weitem durch das Geschrei der Vögel bemerklich. Die Stimme ist sehr laut und verschiedenartig. Während weniger Minuten, welche ich unter einem Baume verweilte, schrieb ich mir folgende Laute nieder: Eines der Männchen begann: »Ti, ti, terr, terr, terr, zerr, zäh«, das andere antwortete: »Gai, gai, zäh«, ein drittes ließ den Ton »Guik, guik, guk, guk, gäh« vernehmen. Andere schrieen: »Gü, gü, gü, gü, gäh«, und einige spannen nach Kräften. Es ging zu, wie bei einem Bienenschwarme. Die einen kamen, die anderen gingen, und es schien beinahe, als hätten sich fast noch alle ausgeflogenen Jungen auf dem Baume versammelt; denn mit den wenigen Nestern stimmte die erhebliche Menge der Vögel nicht überein.

Der Alektovogel klettert meisterhaft, läuft rasch und behend und fliegt leicht, viel schwebend, jedoch ziemlich langsam und mit auffallend hoch getragenen Fittigen dahin. Sein Wesen ist friedfertig, sein Hang zur Geselligkeit nicht geringer als bei seinen Verwandten. Im Käfige verträgt er sich mit allen Vögeln, welche ihn nicht behelligen, dauert bei einfacher Nahrung trefflich aus und schreitet unter geeigneter Pflege ebenfalls zur Fortpflanzung.


Die meisten Vogelkundigen zählen die Feuerweber zu den Widavögeln; ihre Merkmale sind jedoch so eigenthümlicher Art, daß es richtiger erscheint, für sie eine besondere Unterfamilie ( Euplectinae) zu bilden. Es genügt, ein einziges Mitglied der Gruppe zu schildern, da alle ebensowohl in Gestalt und bedingungsweise Färbung wie in ihrem Wesen sich ähneln.

 

Wenn in Südnubien die grüne Durrah, welche jeden bebaubaren Streifen der Nilufer bedeckt, der Reife sich naht, kann man ein prachtvolles Schauspiel gewahren. Einfacher, zwitschender Gesang richtet die Aufmerksamkeit nach einem bestimmten Theile des Feldes hin, und hier sieht man auf einem der höchsten Fruchtkolben, einem leuchtenden Flämmchen vergleichbar, einen prachtvollen Vogel sitzen und unter lebhaften Bewegungen sich hin- und herdrehen. Er ist der Sänger, dessen Lied man vernahm. Der einfache Ton findet bald Echo in dem Herzen anderer, und hier und da huscht es empor, über das ganze Feld vertheilt es sich, Dutzende, ja vielleicht Hunderte der brennendrothen Thierchen erscheinen in der Höhe und werden dem Grün zum wunderbarsten Schmucke. Es hat den Anschein, als wollte jeder der Sänger, welcher emporstieg, die Pracht seines Gefieders von allen Seiten zeigen. Er hebt die Flügeldecken, dreht und wendet sich, brüstet sich förmlich im Strahle der Sonne. Ebenso schnell als er gekommen, verschwindet er wieder, aber nur, um wenige Minuten später von neuem emporzusteigen. Noch heute stehen in meiner Erinnerung die auftauchenden und verschwindenden Glühpunkte auf dem dunkelgrünen Halmenmeere leuchtend vor mir.

Der Vogel, von welchem ich rede, ist der Feuerweber, Feuerfink oder Orangevogel ( Pyromelana franciscana, Loxia franciscana, Euplectes franciscanus und ignicolor, Fringilla ignicolor, Ploceus franciscanus und ignicolor). Er und seine Sippschaftsverwandten kennzeichnen sich mehr als durch andere Merkmale durch ihr Gefieder, welches im Hochzeitskleide eigentümlich weichfederig oder sammetartig beschaffen und mit Ausnahme der Flügel und Steuerfedern schwarz und feuerroth gefärbt ist. Hierzu treten als anderweitige Merkmale der ziemlich starke, jedoch nicht kurze, längst der Firste gewölbte, an den Schneiden eingezogene Schnabel, dessen Ränder gegen die Spitze hin seicht gebogen sind und dessen Firste spitzwinkelig in die Stirn tritt, der hochläufige, lang- und dünnzehige, mit starken Krallen bewehrte Fuß, die bis zur Schwanzmitte herabreichenden Flügel, deren erste Schwinge außerordentlich schmal und kurz ist, während die vier folgenden fast gleich lang sind, und der kurze, nur wenig abgerundete Schwanz. Außer der Paarungszeit tragen alle Feuerweber, die Männchen wie die Weibchen oder Jungen, ein ungemein bescheidenes sperlingsfarbiges Kleid; gegen die Brutzeit hin aber verändert sich das Gefieder des Männchens vollständig und zwar nicht bloß hinsichtlich der Färbung, sondern auch hinsichtlich der Beschaffenheit der Federn. Diese sind dann nicht allein weich und sammetartig, sondern auch in der Steuergegend förmlich zerschlissen und dabei von auffallender Länge. Nur die Schwung- und Steuerfedern bewahren sich das gewöhnliche Gepräge. Im Hochzeitskleide ist der männliche Feuerfink auf Oberkopf, Wangen, der Brust und dem Bauche sammetschwarz, im übrigen brennend scharlachzinnoberroth, auf den Flügeln dunkelbraun mit fahlbrauner Zeichnung, welche dadurch entsteht, daß alle Federränder bedeutend lichter gefärbt sind als die Federmitte. Die Schwanzdeckfedern erreichen in diesem Kleide eine so bedeutende Länge, daß sie die wirklichen Steuerfedern beinahe verdecken. Der Augenstern ist braun, der Schnabel schwarz, der Fuß bräunlichgelb. Das Weibchen ist sperlingsfarben auf der Oberseite, blaß gilblichbraun auf der Unterseite, an der Kehle und am Bauche am lichtesten. Ein gelber Streifen zieht sich über das Auge. Schnabel und Fuß sind hornfarben. Die Länge beträgt zwölf, die Breite neunzehn, die Fittiglänge sechs, die Schwanzlänge vier Centimeter.

Der Feuerfink bewohnt alle Durrah- und Dohhenfelder wasserreicher Gegenden, von Mittelnubien an bis in das tiefste Innere Afrikas. Er zieht bebaute Gegenden unter allen Umständen den unbewohnten vor und findet sich nur im Nothfalle in rohrartigen Gräsern. Ein Durrahfeld ist das Paradies, aus welchem er sich schwer vertreiben läßt. Hier lebt er mehr nach Art der Rohrsänger als nach der anderer Webervögel. Geschickt klettert er, wie jener, an den Halmen auf und nieder, gewandt schlüpft er durch das Schilfgras am Boden, und wie der Rohrsänger verbirgt er sich bei Gefahr in dem Dickichte der Halme. Erst nachdem die Felder abgeerntet sind, welche ihm während der Brutzeit Herberge gaben, streift er, wie andere seiner Familie, im Lande umher.

Man kann nicht sagen, daß der Feuerfink eigentliche Ansiedelungen bilde; wohl aber muß man auch ihm Geselligkeit nachrühmen. Obgleich die Männchen sich gegenseitig zum Gesange anfeuern und wie verliebte Hähne balzend auf den Durrahspitzen sich wiegen, gerathen sie doch selten oder nie in Streit. Es herrscht unter ihnen Wetteifer der harmlosesten Art: sie Vergnügen sich gegenseitig mehr, als sie sich erzürnen. Die Nester sind ebenfalls kunstreich zusammengewebt, aber doch viel leichtfertiger gebaut als die anderer Webervögel. Sie bestehen auch aus Grashalmen, werden aber nicht aufgehängt, sondern in kleine versteckte oder gänzlich von hohem Grase umgebene Büsche zwischen die Stengel der Durrah oder selbst in das hohe Gras gebaut. Nach Gestalt und Größe weichen sie sehr von einander ab. Einige sind rundlich, andere sehr gestreckt; doch darf man im Durchschnitte ihre Länge zu achtzehn bis zwanzig, ihren Querdurchmesser zu zehn bis zwölf Centimeter annehmen. Die Wandungen sind gitterartig und so locker zusammengefügt, daß man die drei bis sechs himmelblauen, sechzehn Millimeter langen, zwölf Millimeter dicken Eier durchschimmern sieht. Nicht selten findet man zehn bis zwölf solcher Nester auf dem Raume eines Ar. Ich glaube, daß das Weibchen allein brütet, kann dies mit Sicherheit jedoch nicht behaupten und kenne auch die Brutdauer nicht. Nur so viel vermag ich zu sagen, daß die Jungen ausgeflogen sind, bevor die Durrah eingeerntet wird, und daß nach dem Ausfliegen alte und junge sich zu großen Scharen zusammenschlagen und jetzt oft zur Landplage werden. Dann sind die armen Nubier, welche jeden fruchtbaren Schlammstreifen benutzen und bebauen müssen, genöthigt, gegen dieselben Vögel, welche bis dahin ihren Feldern zum prächtigsten Schmucke gereichten, Wachen aufzustellen, deren Thätigkeit durch die Feuerfinken fortwährend rege gehalten wird.

Der Feuerfink kommt häufig lebend auf unseren Thiermarkt, wird aber von Nichtkundigen hier oft übersehen, weil er nur wenige Monate im Jahre sein Prachtkleid anlegt. Im Käfige hält man ihn beim gewöhnlichsten Futter ohne alle Mühe und sieht ihn unter geeigneter Pflege auch zur Fortpflanzung schreiten.

Widavögel ( Viduinae)

In der letzten Unterfamilie vereinigen wir die Widavögel oder Witwen ( Viduinae), mittelgroße Webervögel, welche sich vor allen übrigen dadurch auszeichnen, daß während der Brutzeit einige, in der Regel vier, Schwanzfedern eine eigentümliche Gestalt erhalten und eine unverhältnismäßige Länge erreichen. Nach der Brutzeit verlieren sie diesen Hochzeitsschmuck vollständig und legen dann auch ein unscheinbares Kleid an. Der Schnabel ist kurzkegelförmig, spitzig, vorn zusammengedrückt, an der Wurzel aber etwas ausgetrieben, der Fuß kräftig, großzehig und mit starken Nägeln bewehrt, der Flügel mittellang, in ihm die dritte oder vierte Schwinge die längste.

Alle Witwen sind in Afrika zu Hause, und die meisten verbreiten sich weit über den Erdtheil, doch besitzen ebensowohl der Süden wie der Westen und Osten ihre eigentümlichen Arten. Sie erinnern mehr als andere Webervögel an die Ammern. Während der Brutzeit leben sie paarweise; nach der Brutzeit und Mauser schlagen sie sich in starke Flüge zusammen. Die Männchen ändern je nach ihrem Kleide ihr Benehmen. Wenn sie im Hochzeitskleide prangen, nöthigt sie der lange und schwere Schwanz zu eigentümlichen Stellungen und Bewegungen. Im Sitzen lassen sie die langen Federn einfach herabhängen; im Gehen aber müssen sie dieselben hoch tragen, und deshalb stelzen sie den Schwanz dann ein wenig, während sie dies sonst nicht thun. Den größten Einfluß übt der Schwanz auf ihren Flug aus. Er hindert sie an den raschen Bewegungen, welche sie sonst zeigen; sie schleppen denselben mit ersichtlicher Mühe durch die Luft und werden bei einigermaßen starkem Winde durch ihn ungemein aufgehalten. Sobald sie gemausert haben, bewegen sie sich leicht und behend nach anderer Webervögel Art, durch wechselseitiges Zusammenziehen und Ausbreiten der Schwingen, wodurch eine bogenförmige Fluglinie entsteht. Die meisten Arten scheinen Erdfinken zu sein, welche am Boden ihre hauptsächlichste Nahrung finden. Man sieht sie hier nach Art anderer Verwandten sich beschäftigen, um die ausgefallenen Grassämereien, ihr hauptsächliches Futter, und nebenbei Kerbthiere aufzulesen. Während der Brutzeit halten sich namentlich die Männchen mehr auf Bäumen auf und suchen hier nach Nahrung umher; denn der lange Schwanz hindert sie auch während ihrer Mahlzeit.

Die Brutzeit fällt mit dem Frühlinge ihrer Heimat zusammen, bald nachdem das Männchen sein Hochzeitskleid angelegt hat. Im Sudân brüten sie zu Ende des August; in den abessinischen Gebirgen in unseren Frühlingsmonaten. Die Nester ähneln denen der Webervögel, sind aber doch leicht kenntlich.

 

Ganz Mittelafrika bewohnen die Hahnschweifwitwen (Vidua). Bei ihnen ist der Schnabel kaum länger als hoch, auf der Firste sanft gebogen, mit ihr spitzwinkelig in die Stirn tretend, der Flügel mittellang, der Schwanz im Hochzeitskleide beim Männchen bis auf die vier mittleren Federn einfach gestaltet, das heißt nur wenig gesteigert, während die vier Mittelfedern verlängert und abweichend gebildet sind. Die beiden inneren sind hahnschwanzartig gebogen, sehr breit und sehr lang, nach der Spitze zu aber verschmälert, die neben ihnen nach außen hin stehenden kürzer, geradeaus stehend, stumpf zugerundet und mit einzelnen langen Borsten besetzt.

 

Das Kleid der männlichen Paradieswida oder Paradieswitwe (Vidua paradisea, sphaenura, und Verrauxii, Emberiza paradisea, Fringilla africana, macroura und paradisea, Steganura paradisea und sphaenura) ist schwarz; ein breites Halsband, die Halsseiten und der Kropf sind orangezimmetroth, die übrigen Untertheile blaß rostgelb, die Schwingen dunkelbraun, außen fahlbraun gesäumt. Der Augenring hat schwarzbraune, der Schnabel schwarze, der Fuß braune Färbung. Das Weibchen ist sperlingsfarbig, auf dem Kopfe fahl, mit zwei schwarzen Scheitelstreifen und schwarzem Zügel, auf der Brust roströthlich; die schwarzen Schwingen sind rostfarben gesäumt. Die Länge des Vogels, mit Ausschluß der langen Schwanzfedern, beträgt funfzehn, mit diesen dreißig, die Breite fünfundzwanzig, die Fittiglänge acht, die Länge der äußeren Schwanzfedern sechs Centimeter.

Die Paradieswida bewohnt Mittelafrika und zwar vorzugsweise die dünn bestandenen Wälder der Steppe. Den Ortschaften nähert sie sich nicht gern, obgleich sie auch keinen Grund hat, den Menschen und sein Treiben zu meiden. In baumreichen Gegenden Mittelafrikas trifft man sie überall, während der Fortpflanzungszeit paarweise, sonst in kleinen Gesellschaften oder selbst in größeren Flügen. Ihr Prachtkleid trägt sie während der Regenzeit, etwa vier Monate lang. Die Mauser geht ungemein rasch von statten, und namentlich die großen Schwanzfedern wachsen sehr schnell. Vier Monate später sind sie bereits gänzlich abgenutzt, und mit Beginn der Dürre fallen sie aus. Der Gesang, welchen das Männchen, so lange es sein Hochzeitskleid trägt, zum besten gibt, ist einfach, entbehrt jedoch nicht aller Anmuth. Anderen ihrer Art oder Verwandtschaft gegenüber zeigt sich die Paradieswida auch während der Fortpflanzungszeit ziemlich friedfertig. Das Nest habe ich nicht gefunden, kenne auch keine verläßliche Beschreibung desselben.

Gefangene Paradieswidas gelangen regelmäßig in unsere Käfige, dauern mehrere Jahre aus, sind anspruchslos, schreiten jedoch im Gebauer nur äußerst selten zur Fortpflanzung.


 << zurück weiter >>