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Sechzehntes Kapitel

Der Cherusker Fritz Kühne stieg in sein viertes Semester. Die großen Ferien mit dem Wiesengrün ihrer sonnerfüllten Tage, mit dem Brandrot ihrer dämmerigen Nächte waren vorüber. Nebel und Frost, Regen und Finsternis hatten sich eingefunden und belagerten die Seele mit Weltschmerz und Groll.

›Der Teufel hole die herbstliche Schlappmacherei!‹ Aber sie war nun einmal da und verlangte winselnd ihr Daseinsrecht.

Am dritten November war Antrittskneipe.

Also Koffer gepackt, vom Vater den Wechsel eingeheimst, der Mutter zwei Küsse auf die Backen gedrückt, den Schwestern schöne Bräutigams gewünscht – und dann los!

Horazens »atra cura« saß mit auf dem Wagen.

Denn im Corps war nicht alles, wie es sein sollte.

Zwar mit den Mensuren stand es nicht schlecht.

Im Gegenteil. Die übliche Anzahl war längst überschritten. Drei Abfuhren – auf der Gegenseite natürlich. Haltung untadelhaft. Aussicht noch mehr als bisher, zu den schwersten Partien bestellt zu werden. Doch warum war man bei der Chargiertenwahl übergangen worden? Warum kamen Leute an die Reihe, die einem nicht das Wasser reichten? Warum fühlte man sich seit etlicher Zeit von einem Dunstkreis des Fremdseins umgeben, den ab und zu ein Hohnwort, ein Giftspritzen peinigend durchbrach?

Trotz war nicht am Platze. Vergrätzte man sich, so war man verloren. Aber das ewige Auf-dem-Posten-Sein machte Mühe und schuf eine Unsicherheit, deren man vergebens Herr zu werden versuchte.

Freilich hatte man sein Mundwerk vom Herrgott nicht umsonst bekommen, und mancher, der mit einem anbinden wollte, zog sich nach der ersten Anzapfung mit einem »Blutigen« in der Fresse zähneknirschend zurück. Aber was scherten einen die ewigen Rempeleien, wenn man in Frieden sein Bier zu trinken gedachte?

Der Grund von dem allen war nicht schwer zu erkennen. Man hatte nur nötig, sich an ein paar Diskurse zu erinnern, die bald nach dem letzten Besuche bei Professor Sieburth am Kneiptische geführt worden waren.

Thema: Bismarck.

Natürlich Bismarck.

Wie hätte man, wenn man die Nase über das Kollegienheft oder das Bierseidel erhob, an ihm vorübersehen können? War er doch das Zentrum, der Richter, die Hoffnung, das Sprachrohr deutschen Denkens und deutschen Empfindens.

Aber Professor Sieburth dachte anders. Und wie er dachte fortan auch der Cherusker Fritz Kühne.

Es war, als hätte ihm jener den Star gestochen. Ganze Fluten eines brünstig düsteren Lichtes drangen fortan auf ihn ein und vernichteten alles, was solange an vaterländischem Stolze, an nationaler Zuversicht auf dem Grunde seiner Seele gelebt hatte.

Bismarck war nicht mehr der leuchtende Heros, der treue Eckart, der schwertumgürtete Cherub, der den deutschen Garten Eden hütete. Bismarck war Dämon, Verderber, Vampir, Höllenfürst. Bismarck war der arge Hagen Tronje, der die Nibelungen dem Untergange entgegenführte.

Und wenn Fritz Kühne diese Ansicht hatte, so war er auch Manns genug, aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen.

Darob erhob sich die Kneiptafel entlang ein bedenkliches Schütteln des Kopfes.

Denn Fürst Bismarck galt hier nicht bloß als der glorreiche Gründer des neuen Reiches – dann hätte die Ketzerei noch hingehen können – er war auch Alter Herr der Göttinger »Hannovera« und als solcher Stolz und Stern des deutschen Corpsstudententums.

Gegen ihn anzuulken, bedeutete eine Blasphemie, die nicht ungerügt bleiben durfte.

Zwar ging es nicht an, offizielle Corpsstrafen gegen den Missetäter in Anwendung zu bringen, denn nach den S.C.-Statuten war es untersagt, die politische Richtung der Mitglieder zu beeinflussen, aber Mittel und Wege gab es trotzdem zur Genüge, ihn fühlen zu lassen, daß sein Sanskülottentum auf keine Duldung zu rechnen hatte.

Und alsbald begann der versteckte, doch darum nicht weniger erbitterte Feldzug gegen ihn, der den Zweck verfolgte, ihn mürbe zu machen und als bereuenden Sünder zu der alleinseligmachenden Lehre von der Gottähnlichkeit des allmächtigen Kanzlers zurückzuführen.

Eine nächste Folge war, daß er über Gebühr herausgestellt wurde und Gegnern ins Auge zu sehen hatte, deren Überlegenheit auch dem Nichtkenner der Paukverhältnisse längst offenbar war. Wehe ihm, wenn er in der Verwirrung sich einen Fehl zuschulden kommen ließ! Aber das Gegenteil trat ein. Nicht bloß, daß er mit immer wachsender Schneid auch die blutigsten Partien durchpaukte, er hatte sogar das Glück, den allgemein gefürchteten Dreibändermann Zenthöfer von den Masuren aufs eleganteste abzustechen.

Nun hätte man sich mit seiner politischen Querköpfigkeit wohl abfinden können, aber man fürchtete für den Ruf des Corps, und da man ohnehin einen Normalcorpsburschen aus ihm zu machen gedachte, blieb man dabei, ihn so lange und so gründlich zu »erziehen«, bis der letzte Rest von demokratischer Rauhbeinigkeit ihm ausgetrieben wäre.

So stand er auf der Höhe seiner Corpsstudentenlaufbahn dem Hauptteil des Verbandes in dumpfem Widerstande gegenüber. Eine kühl abgemessene und säuerliche Freundlichkeit kennzeichnete den täglichen Verkehr. Und je sorgsamer er die ihm auferlegten Pflichten erfüllte, desto weiter wuchs die Spannung, die keinen Namen hatte und nirgends zu greifen war.

Am Tage vor der Antrittskneipe traf er in Königsberg ein, entschlossen, jeder neu sich ergebenden Fährlichkeit mit heiterem Gleichmut entgegenzutreten.

Aber das war leichter gedacht als getan. Schon die ersten Begegnungen zeigten ihm, daß die Verstimmung gegen ihn sich seit dem Kaiserkommers nur noch verstärkt hatte. Witzworte flackerten auf, die, wenn auch nicht unmittelbar gegen ihn gerichtet, ihn doch zu treffen bestimmt waren, und selbst die Spitzmaus, die als sein einstiger Leibbursche ihm bisher eine zutunliche Gönnerschaft bewiesen hatte, zog sich nach lauer Begrüßung in erkennbarer Absicht von ihm zurück.

Trotzdem war es augenscheinlich kein Zufall, daß, als er um elf Uhr abends nach seinem Mantel griff, die Spitzmaus plötzlich neben ihm stand und zu ihm sagte: »Wenn es dir recht ist, wollen wir eine Strecke zusammengehen.«

Fritz stimmte höflich zu. Und als sie nebeneinander daherschritten und die Frage des vergangenen Feriengenusses flüchtig behandelt hatten, begann die Spitzmaus mit der ihr eigenen krähenden Wurstigkeit plötzlich: »Hoffentlich haben die drei Monate Eichelmast auch in gedanklicher Beziehung wohltätig auf dich eingewirkt.«

Fritz fühlte, wie er rot wurde. »Was willst du damit sagen, Leibbursch?« fragte er.

»Du hast im vorigen Semester gelegentlich so viel Blödsinn verzapft«, antwortete jener, »daß eine Umkrempelung deines werten Ich dir von höchstem Nutzen sein würde.«

Fritz wußte, daß mit diesem Augenblick der offene Kampf seinen Anfang nahm.

»Eine Frage zuvor«, erwiderte er. »Sprichst du aus eigenem Antriebe so zu mir, oder bist du beauftragt, mir diese Eröffnungen zu machen?«

»Teils – teils«, sagte die Spitzmaus und ließ ihr Stöckchen schwirren. »Auf der einen Seite dauert mich deine Verbiesterung, auf der andern erfahre ich, daß man im Corps entschlossen ist, gewisse Sauhiebe unmöglich zu machen, wie du sie in verspäteter Fuchsenhaftigkeit gegen unsern großen Kanzler geführt hast.«

»Ich habe das Recht, meine politische Überzeugung zu äußern, wie jeder andere es hat«, erwiderte Fritz, »und wenn sie den wohllöblichen Corpsbrüdern nicht gefällt, so ist das nicht meine Schuld.«

»Ausgezeichnet!« rief die Spitzmaus. »Bloß daß du dich auf diese Weise sanft aber sicher um dein Band quasseln wirst.«

»Ich möchte mal sehen«, erwiderte Fritz, »wer die Stirn haben wird, mir das Band abzuerkennen, wenn ich auf Mensur meinen Mann stehe und es an Corpsinteresse nicht fehlen lasse.«

»Wenn man mit deinen Mensuren nicht so zufrieden wäre, Kerlchen«, sagte die Spitzmaus, »glaubst du, daß man sich bemüßigt fühlen würde, soviel Umstände mit dir zu machen? Ich habe dich erzogen, mein Sohn. Ich fühle mich auch heute noch verantwortlich für dich. Und wenn du dich an dem nationalen Geiste des Corpsstudententums versündigst –«

»Was ist nationaler Geist?« fiel Fritz dem ehemaligen Leibburschen ins Wort. »In Knechtschaffenheit vor dem Mann ersterben, der das deutsche Volk in zwei feindliche Heerlager geteilt hat, heißt das national sein?«

»Ich möchte nur wissen, von wem du diese Bockbeinigkeit bezogen hast«, erwog die Spitzmaus. »Als ich dich unter den Fingern hatte, war nicht der leiseste Ansatz dazu in dir.«

Und Fritz dachte triumphierend: ›Du selbst hast mich zu ihm geführt, der jetzt Beherrscher meines Denkens ist.‹

»Jedenfalls, ich habe dich gewarnt«, fuhr die Spitzmaus fort. »Wenn du eines Tages im schwarzen Bibi 'rumläufst und die Hunde dich anp…, meine Schuld ist es nicht.«

Damit verabschiedete er sich, und Fritz suchte den glücklichen Winkel auf, in dem die blechernen Silberfischchen die Glasvase des Aquariums bevölkerten und Shakespeare und Goethe segnend auf ihn herniederlächelten.

Der Stand der Landwirtschaft und der damit verbundene väterliche Wechsel erlaubten ihm, das Zimmer auch während der Monate seiner Abwesenheit zu behalten, so daß er alleweile in dem alten Neste unterkriechen konnte, statt wie die meisten andern bei jedem Semesterbeginn von neuem auf die Budenjagd zu gehen.

Jener Novemberabend kam ihm zu Sinn, als er, aus Sieburths erstem Kolleg heimkehrend, diesen Raum betreten hatte, erfüllt von dem Worte »Weib und Gedanke«, das der fremde, seltsame Mann vom Katheder her gleich einem Schicksalsspruche auf ihn herabgeschleudert hatte. »Weib und Gedanke!« Für seine Gedanken fühlte er sich bereit, in Not und Kampf zu gehen. Das Weib jedoch war ihm noch immer nicht näher gerückt, als zarte Beziehungen zu Kellnerinnen und Ladenmädchen es mit sich brachten.

Die Madonna in jenem Hurenhause fiel ihm ein, in das der Professor ihn mit den andern geführt hatte. Zweimal war er noch dort gewesen, aber er hatte es nicht gewagt, sie sich zu eigen zu machen. Er hatte sie als Besitz seines Lehrers betrachtet und darum für sakrosankt gehalten.

Und dann plötzlich stand Helenes Bild vor ihm. – So fleischlich leibhaftig, daß er hätte aufspringen können, um ihr »guten Tag« zu sagen.

Seit jenem Frühlingsgewitterabend hatte er keinen Versuch mehr gemacht, ihr zu begegnen. Allemal wurde ihm weh zumute, wenn er ihrer gedachte. Oft hatte er ihr schreiben wollen, aber er hatte nicht gewußt, was, und darum war es unterblieben. Schließlich beruhigte er sich und gab sie verloren. Die Welt wimmelte von hübschen Mädchen. Warum mußte es gerade diese sein?

Jetzt fand die alte Empfindung sich wieder ein und gab ihm die Hoffnung zurück, das, was sie beide trennte, sei nur ein Mißverständnis gewesen.

›Wie wär's, wenn ich den Professor aufsuchen ginge?‹ überlegte er.

Schließlich trug der die Schuld an seiner fatalen Lage und war zuerst befugt, ihm aus der Patsche zu helfen. Und wenn er bei dieser Gelegenheit Helene wiedersah, konnte sich auch hier alles zum besten wenden.

Gleich morgen sollte es geschehen, doch als der nächste Tag herankam, fanden sich so viele Besorgungen, daß er es wieder verschieben mußte.

Und inzwischen erfüllte sich sein Schicksal.

Bei der Antrittskneipe gab es großen Betrieb. Die Aktiven waren vollzählig versammelt. Auch Inaktive und Alte Herren in Fülle, wie es die Wichtigkeit des Anlasses mit sich brachte, denn die Gäste, die zu Beginn des neuen Semesters von befreundeten Corps als Mitkneipende hergesandt worden waren, mußten betreut werden.

Vor allem aber galt es, sich der Muli zu versichern, die als Spefüchse zu allerhand Hoffnungen berechtigten.

Man hatte sie geschickt an der Tafel verteilt, so daß sie vor lauter Verwunderung nicht zu Atem kamen.

An Fritzens Seite setzte man keinen von ihnen, wahrscheinlich, weil man der Art seines Einflusses nicht sicher war.

Die offizielle Kneipe wickelte sich in den üblichen Formen ab.

Die Lieder, die Begrüßungen stiegen, genau wie die Vorschrift es verlangte. Bei jedem Salamander hatten die Füchse natürlich nachgeklappert, und die Muli, die den ganzen Zauber längst vom Hörensagen kannten und sich als höhere Wesen erschienen, weil sie ihn endlich in Wirklichkeit mitmachen durften, schrien vor Glück und vor Wichtigkeit aus vollem Halse.

Zur Rechten Fritzens saß Klafittchen, der drei der ahnungslosen Kinder mit schnoddrigen Witzen dauernd zu krampfhaften Jubelausbrüchen antrieb, zur Linken ein Gleichsemestriger, der sich vor lauter Talentlosigkeit zu einem puppigen Musterknaben ausgebildet hatte.

Der »feine Herr Petereit«, der in diesem Semester die erste Charge versah, präsidierte.

Mit einer sanften und doch schneidenden Fistelstimme, in der die Konsonanten zischten und pfiffen wie scharfe Hiebe, leitete er die Kneipe.

Die Gesichter erhitzten sich, das Lärmen wuchs, nur er blieb blaß und kühl.

Schon nahte der offizielle Teil sich seinem Abschluß. Da erhob er sich noch einmal und schickte sein »Silentium!« in den Saal.

Fritz dachte: ›Ich irre mich wohl, aber es scheint, als ob er mich ganz besonders ins Auge faßt.‹

Und der »feine Herr Petereit« begann: »Ich bin der Ansicht, daß wir gerade heute noch einer Ehrenpflicht zu genügen haben. Mir scheint gewiß, daß ich nicht bloß im Sinne aller Anwesenden« – wieder suchte sein Auge nach Fritz –, »sondern der gesamten Corpsstudentenschaft spreche, wenn ich einem ihrer Alten Herren, den sie mit Stolz den ihren nennt und der soeben aus einem neuen, schweren Kampfe glorreich hervorgegangen ist, Worte ehrerbietigen Glückwunsches darbringe. Wir geben der frohen Hoffnung Ausdruck, daß der Mann, dem Deutschland alles verdankt – –«

›Halt! Was wird das?‹ schnitt es wie ein Säbelhieb durch Fritzens Hirn.

»– seine unschätzbaren Kräfte in perpetuum dem Reiche zur Verfügung stellen werde, und trinken auf ein ewiges Vivat, crescat, floreat des Fürsten Otto von Bismarck einen donnernden Schoppensalamander.«

›Jetzt zeig, daß du ein Mann bist‹, schrie es in Fritzens Seele.

»Ad exercitium – –«

Und diesmal war es kein Irrtum, daß, während alles aufsprang, zwölf Augenpaare sich auf ihn richteten.

Was er jetzt tat, war nichts Freiwilliges mehr. Als hätte ein höherer Befehl ihn angepackt und ihn jeder eigenen Willensbildung beraubt, lachte er hell und höhnisch auf, drehte die Mütze um, so daß der Schirm im Genick saß, wie es bei manchem Ulkspiel Sitte war, und stemmte, sitzenbleibend und ohne sein Glas zu berühren, die Ellenbogen frech auf den Tisch.

Ein mehrstimmiger Schrei der Empörung und des Entsetzens unterbrach das Rasseln der Gläser … Viele Hände streckten sich weisend gegen ihn aus … Das Schlußwort blieb dem »feinen Herrn Petereit« in der Kehle stecken.

Aber er wußte sofort, was zu tun war.

»Silentium!« ging seine Stimme durch den Saal. Und vibrierte sie auch ein wenig, ihre kühle Bestimmtheit hatte sie nicht verloren.

»Silentium! Offizielle Kneipe suspendiert. Bitte die Aktiven und Inaktiven sowie die geehrten Alten Herren zum außerordentlichen C.C.«

Damit schritt er den andern voran ins Nebenzimmer, in dem der Corpskonvent zu tagen pflegte, wenn er vom Wirte nicht gerade anderweitig vergeben war.

Der Aufbruch der Gäste war allgemein.

Die Angehörigen der auswärtigen Gäste zuckten mitleidig die Achseln, als wollten sie sagen: »Das hätte bei uns vorkommen sollen.« Und die Muli machten dumme Säuglingsgesichter. Den Bemühungen etlicher eifriger Füchse gelang es, zwei oder drei von ihnen zum Bleiben zu bewegen, aber die andern verflüchtigten sich, wahrscheinlich, um nie mehr wiederzukehren.

Fritz, von allen gemieden, trottete mit dem Strome der andern Corpsburschen in den anliegenden Raum, der unbeleuchtet und ungeheizt ihm entgegenstarrte.

Rasch wurden die Gashähne aufgedreht, und die Flammen sangen durch das unheilbedeutende Schweigen.

Und als man an dem langen Gasthaustische Platz genommen hatte, begann der »feine Herr Petereit« seine Anklagerede.

Ein Vorfall, wie er in der Geschichte des Corps »Cheruskia« – ja vielleicht des ganzen Corpsstudententums – als unerhört dastehe, habe sich soeben zugetragen. Eines seiner Mitglieder, von dem man übrigens nach seinen Leistungen auf Mensur annehmen könne, daß es in den Geist corpsstudentischen Wesens eingedrungen sei, habe sich nicht allein erkühnt, gegenüber der Ordnung der offiziellen Kneiptafel offene Widersetzlichkeit zur Schau zu tragen, es habe auch den traurigen Mut besessen, dem größten Corpsstudenten aller Zeiten, dem jeder Angehörige des Kölner S.C. zu unauslöschlicher Dankbarkeit verpflichtet sei, den schuldigen Tribut der Ehrerbietung zu versagen. Ehe er darangehe, Anträge zu stellen, frage er den Corpsburschen Kühne, was er zur Rechtfertigung seines disziplinlosen Verhaltens beizubringen habe.

Fritz fühlte, wie er am ganzen Leibe zitterte. Ob vor Kälte, ob vor Erregung, hätte er nicht zu sagen gewußt. Ihm war klar, daß es um Leib und Leben ging, denn war er einmal an die Luft gesetzt, würde seine ganze Zukunft nicht ausreichen, die gesellschaftliche Achtung wieder zu erlangen, deren jeder in akademischen Berufen Stehende nötiger bedurfte als des täglichen Brotes.

Und von neuem schlug die Mahnung an seine Seele: ›Jetzt sei ein Mann!‹

»Ich behaupte«, sagte er, dem ersten Chargierten fest ins Auge schauend, »daß mein unkommentmäßiges Verhalten nur die gebotene Antwort war auf die Kommentwidrigkeit, die der Präsidierende selber begangen hat.«

Ein entrüstetes »Hallo« fegte die Tafel entlang.

Der »feine Herr Petereit« benahm sich wieder korrekt. Er erhob sich und sagte: »Nach der gegen mich erhobenen Anschuldigung fühle ich mich nicht in der Lage, den Vorsitz weiterzuführen. Ich bitte dich« – hiemit wandte er sich an den zweiten Chargierten – »an meine Stelle zu treten.«

Dieser, ein schwerblütiger und hilfloser Tolpatsch, der seine Wahl nur den armlähmenden Terzen verdankte, mit denen er den Gegner verdrosch, wußte nicht, was beginnen.

Da setzte ein Alter Herr sich hinter ihn, der am Oberlandesgericht eine hohe Stellung innehatte, und raunte ihm zu: »Begründung verlangen!«

»Ich verlange Begründung!« echote der zweite Chargierte.

Und Fritz fuhr fort: »Man wird von mir nicht erwarten, daß ich die ganzen S.C.-Statuten auswendig kann. Aber das weiß ich, daß eine Bestimmung darin enthalten ist, die jede Beeinflussung in religiöser, wissenschaftlicher oder politischer Beziehung verbietet. Wenn der Präsidierende sich nicht daran kehrte und einen Glückwunschsalamander auf den Fürsten Bismarck kommandierte, den ich hingegen für Deutschlands Verderben halte, so war es meine Pflicht, mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln dagegen zu opponieren, sonst wäre ich nicht wert, das blau-weiß-goldene Band zu tragen.«

»Du wirst es nicht lange mehr tragen!« rief eine krähende Stimme in das verlegene Schweigen hinein.

Die Spitzmaus war's, die sich hiemit endgültig von ihm abwandte.

»Das wollen wir sehen, Leibbursch!« rief Fritz zurück, von einem Trotze erfaßt, der ihm die Rippen hob und die Seele mit Frohmut erfüllte.

»Silentium verlangen und Zwischenruf rügen!« flüsterte der Alte Herr dem Präsidierenden zu, und dieser tat gehorsam, was ihm geboten wurde.

Da bat der »feine Herr Petereit« ums Wort.

»Ich habe bisher nicht Gelegenheit gefunden«, begann er mit der kühlen Beflissenheit, die ihn auch jetzt nicht verließ, »den Vorwurf zurückzuweisen, den der angeklagte Corpsbursch Kühne gegen mich gerichtet hat. Ich möchte hiezu geltend machen, daß es sich für mich nicht um eine politische, sondern um eine nationale Angelegenheit gehandelt hat – –«

»Bravo!« schallte es die Tafel entlang.

»– und hiemit befrage ich offiziell den C.C.: Sollen wir deutschen Corpsstudenten unser nationales Empfinden unter den Scheffel stellen, weil es einem unter uns beliebt, es nicht zu teilen?«

Fritz sprang in die Höhe. »Wer mein nationales Empfinden in Zweifel stellt, beleidigt mich. Ich verlange Revokation.«

Wie der Aufschrei eines gequälten Tieres schlug die Stimme an jedes Ohr.

Der Präsidierende wandte sich ratlos nach seinem Hintermanne um. Aber ehe dieser ihm seine Hilfe zuwenden konnte, hatte der »feine Herr Petereit« schon einen Ausweg gefunden: »Ich wollte damit sagen: die Art unseres nationalen Empfindens«, erläuterte er, »und daß der Corpsbursch Kühne die nicht teilt, das wird er nach dem Vorgefallenen kaum bestreiten können.«

Damit war der Zwischenfall erledigt – zu Fritzens Ungunsten erledigt. Aber noch hatte er einen Pfeil in seinem Köcher. Wenn der sein Ziel verfehlte, dann war er geliefert.

Er verlangte abermals das Wort und sagte: »In der Rede, die der an der Kneiptafel Präsidierende seinem Salamander voraufschickte, kamen einige Worte vor, die ich mir genau gemerkt habe. Sie bezogen sich auf Fürst Bismarck und lauteten: ›Der soeben aus einem neuen, schweren Kampfe glorreich hervorgegangen ist.‹ Ich frage den ersten Chargierten: Hat er mit diesem Kampfe die eben vollzogenen preußischen Landtagswahlen gemeint oder nicht?«

Zum ersten Male geriet der »feine Herr Petereit« aus dem Konzept. »Ach was!« zischte er und machte eine Bewegung, als wolle er eine lästige Fliege mit den Fingergelenken von sich wegwischen.

Und Fritz fuhr fort: »Dann frage ich den Präsidierenden, ob ich das Recht habe, eine Antwort zu verlangen oder nicht?«

Der sah sich um und gewahrte zu seinem Schrecken, daß der hohe Jurist leise vor sich niedernickte.

»Also ja in Teufels Namen!« schrie Herr Petereit, seine Feinheit ganz und gar vergessend.

Fritz zog auf der Stelle die Folgen.

»Und nun befrage ich den C.C. und ersuche ihn zu entscheiden, ob wir es hier mit einer politischen oder überpolitischen – das heißt nationalen – Angelegenheit zu tun haben.«

Abermals entstand ein Schweigen. Ein jeder mochte nach einer Ausflucht suchen, dem Zwange dieser Logik zu entrinnen.

Da meldete sich der Alte Herr, der den zweiten Chargierten bisher über Wasser gehalten hatte, zum Worte.

Lang und schlank und lächelnd stand er da, und das hinters Ohr zurückgelegte Kneiferband wippte in dem sich kräuselnden Grauhaar.

»Meine lieben Corpsbrüder«, sagte er, die feingliedrigen Richterhände aneinander reibend. »Es ist kalt hier, und es wird Zeit, daß wir zu Ende kommen. Unser lieber erster Chargierter wolle mir verzeihen, wenn auch ich sein Verfahren an der Kneiptafel als nicht ganz kommentmäßig bezeichnen muß, da nach dem Wortlaut seiner Anrede deren politischer Charakter nicht zu bezweifeln ist. Mögen wir alle fühlen wie er, wenn ein einziger unter uns sich durch die von ihm dem großen Kanzler dargebrachte Huldigung in seinem Gewissen beengt fühlte, so war sie nicht am Platze, zumal sie überraschend kam und dem Betreffenden keine Zeit ließ, sich unauffällig zurückzuziehen. So ist es zu verstehen und zu verzeihen, daß er als junger Mensch von Charakter kein anderes Gegenmittel fand, als das ihm vermeintlich angetane Unrecht durch ein anderes Unrecht zu vergelten … Immerhin hätte er sich fragen müssen, ob seine Handlungsweise nicht geeignet sein würde, dem Corps einen erheblichen Schaden zuzufügen. Und das hat sie ohne Zweifel getan. Er hätte sich sagen müssen, daß der Intaktheit seiner Gesinnung Genüge geschehen würde, wenn er gleich hinterher in einem Zwiegespräch mit dem Präsidierenden oder im Verlaufe des nächsten Konvents gegen dessen Verfahren Protest einlegte, und daß das Exerzitium des Salamanders als eine Zwangshandlung zu betrachten war, für deren Ausübung er sich vor seinem Gewissen nicht verantwortlich zu machen brauchte … Ich muß zu seinen Gunsten geltend machen, daß die Zeit zu kurz war, um solche Überlegungen anzustellen. Aber sein durch corpsstudentische Schulung geweckter Instinkt hätte dafür eintreten können. Und daß dieser Instinkt während des entscheidenden Moments in ihm nicht tätig war, dafür scheint mir eine verhältnismäßig milde Strafe am Platze. Ich rate, gegen den Corpsburschen Kühne die Dimission von vierzehn Tagen zu beschließen.«

Gegen den Redner, der nicht bloß in Corpskreisen uneingeschränktes Ansehen besaß, erhob sich keine Stimme des Widerspruchs, und der Präsidierende stellte den entsprechenden Antrag.

Fritz, der auch seinerseits sich der Gewalt dieser Darlegungen beugen zu müssen glaubte, verzichtete auf das ihm zustehende Schlußwort.

Das Urteil wurde einstimmig gefällt und lautete dem Antrag gemäß. Aber in den feindlichen Blicken, die ihn trafen, las er ein anderes, dessen Vollzug erst einsetzen würde, wenn er nach dem Verlaufe der Strafzeit sich mit Mütze und Band von neuem auf der Kneipe einfand.

Nur ein einziger wagte noch, mit ihm zu reden. Das war Klafittchen, der lustige Held.

Als sie nebeneinander vor der Garderobe standen, raunte er ihm zu: »Du scheinst ja ein gottverfluchter Roter zu sein. Aber stramm hast du dich gehalten. Gratulor!«

Und er drückte ihm heimlich die Hand. –

 

Einsame Zeit brach über Fritz herein.

Fast immer saß er auf seiner Bude fest. Denn er schämte sich, ohne Farben auf der Straße gesehen zu werden. Das Essen trugen ihm seine Wirtsleute aus dem nächsten Gasthause herbei. Und erst, wenn es dunkel geworden war, unternahm er Spaziergänge in Stadtgegenden hinaus, in denen er keinem Angehörigen des eigenen oder eines fremden Corps begegnen konnte.

Mit Grausen gedachte er der drohenden Wiederaufnahme der längst schon unhaltbar gewordenen Beziehungen. Was sollte werden, wenn all die Feindschaft gegen ihn, die in den Gemütern seiner Corpsbrüder aufgestapelt lag, sich in die Tat umsetzen wollte?

Kaum ein einziger würde so gerecht und so einsichtig mit ihm verfahren, wie jener Alte Herr es getan hatte. Und wenn selbst sein ehemaliger Leibbursch ihm die kalte Achsel zeigte, wie würden erst alle diejenigen sich benehmen, mit denen ihn kein persönliches Freundschaftsverhältnis verband?

Nicht einen Berater hatte er. Keine Menschenseele stand ihm bei in seiner Not.

Da fiel aufs neue Professor Sieburth ihm ein. Und zugleich das Mädel, das in jenem Gewittersturm so tapfer an seiner Seite gestanden hatte.

Daß sie fremd auseinander gegangen waren, das galt nun nichts mehr. Ein Wort der Klärung würde das Mißverständnis erledigen.

Sieburth und sie wuchsen ihm in eins zusammen. Wenn er ihn aufsuchte, kam er zugleich auch in ihre Nähe. Wenn er seinen Rat in Empfang nahm, drückte sie das Siegel darauf.

Also nicht länger zögern! Der Weg lag offen, der einzige, auf dem noch eine Hoffnung zu finden war.

Und folgenden Abends zog er die Klingel, die er seit bald einem halben Jahr nicht mehr berührt hatte. Niemand kam. Ungehört verhallte droben das Läuten, das durch die geschlossene Tür an sein Ohr schlug.

›Ich werde also warten‹, entschloß er sich.

Geduldig trampelte er auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig hin und her, das Haus im Auge behaltend.

Nachtfrost lag in der Luft. Nebelhöfe umrandeten die Laternen, die sich allmählich entzündeten.

Und endlich kam sie daher. Sie, sie – niemand anders als sie.

Sie schien noch gewachsen seither, wiewohl sie den Kopf gebeugt trug und mit krummen Knien müde des Weges ging.

»Fräulein Helene!«

Ein kleiner Aufschrei.

»Herr Kühne, Sie! Herr Kühne – Sie!«

Von jener Verstimmung keine Spur mehr. Freude war's, gewiß war's Freude, was ihm entgegenschlug. Aber dahinter lag noch etwas anderes: eine Hoffnung, eine Erlösung, ein Aufatmen in der Not.

Und dann: »Wie gut, daß Sie wieder da sind! An Sie habe ich gar nicht gedacht. Aber Sie werden gewiß eine Hilfe wissen. Sie werden mir beistehen! Werden Sie?«

»Wenn ich kann, selbstverständlich! Aber leider brauche ich Hilfe geradeso wie Sie! Wahrscheinlich noch mehr als Sie!«

»Sie wollten wohl zum Professor?«

Er bejahte.

»Der arbeitet auf der Bibliothek tagtäglich bis sieben. Bis dahin müßten Sie warten.«

»Und Ihre Mutter? Ich läutete, aber niemand machte mir auf.«

»Meine Mutter! Das ist es ja eben! Kommen Sie mit mir 'rauf. Bitte, kommen Sie, kommen Sie!«

Sie stieß den Drücker ins Schloß und eilte vor ihm die Treppe hinan. Als er die Stube betrat, hatte sie schon Licht gemacht und war dabei, den Zylinder der Lampe über den Docht zu stülpen.

»Es ist warm hier. Bitte, ziehen Sie den Überzieher aus und nehmen Sie Platz!«

Er tat nach ihrem Wunsche. Alles war eilig, ängstlich und befehlend an ihr. Sie schien wie eine, die keinen Sinn und keine Zeit hat, sich Bedenken zu machen.

»Es ist ein Glück, daß Sie da sind. Ich war recht dumm das letzte Mal.«

»Ich auch«, sagte er.

»Ich habe Ihnen immer schreiben wollen!«

»Ich auch!« sagte er.

»Aber nun ist alles gut – ja? Und ich darf Ihnen alles sagen – ja?«

»Alles«, bestätigte er.

»Also hören Sie zu!« Sie stieß einen Stuhl in seine Nähe und warf sich darauf nieder. »Es war vorgestern morgen … Wir saßen am Frühstückstisch, und Mutter las die Zeitung … Mit einem Male schrie sie auf. Ich fragte: ›Was ist?‹ Sie sagte: ›Nichts.‹ … Ich fragte wieder und wieder. Aber sie sagte jedesmal: ›Es ist nichts – gar nichts ist.‹ … Doch als ich das Zeitungsblatt an mich nehmen wollte, riß sie es mir weg und steckte es in die Tasche … Da war ich natürlich noch neugieriger, aber sie wurde böse und sagte: ›Kümmere dich um deine Angelegenheiten und frage nicht länger.‹ … Und dann fing sie an, 'rumzugehen von einem Zimmer ins andere. Und dabei redete sie immer leise vor sich hin. Viel verstand ich nicht. Nur ab und zu ein Wort: ›Solch eine Niedertracht!‹ und: ›Wie wird das wirken?‹ Und: ›Was wird er bloß machen?‹ Und dabei sah sie immer nach der Wand des Professors hin. Es war kein Zweifel möglich, daß es ihn betraf und keinen andern. Und als ich mittags aus der Selekta kam, da war sie nicht da, und auf dem Tische lag ein Zettel: ›Mach Mittag für ihn, es steht alles da. Ich hab' keine Zeit.‹ … Ich machte also Mittag und trug es ihm 'rein. Sie können sich denken, wie mir das Herz klopfte … Aber er war ganz vergnügt und machte noch Scherze darüber, daß ich ihn jetzt plötzlich bediente … Da wurde ich wieder daran irre, daß es ihn betraf, oder aber er wußte noch nichts … Nachmittags mußte ich wieder zur Schule, und als ich um viere zurückkam, da war sie noch immer nicht da … Erst gegen die Abendbrotzeit kam sie, ganz blaß vor Hunger und ganz verstört. Ich weinte und bat, sie möchte es mir sagen, aber sie biß die Zähne zusammen und wehrte mich ab … In der Nacht hörte ich sie durch die angelehnte Tür seufzen und sich herumwälzen. Und auch wieder Worte: ›Man muß es ihm sagen. Ich kann's ihm nicht sagen‹ und so … Als der Morgen kam, setzte sie sich wieder nicht an die Maschine. Sie wissen ja, wie fleißig sie ist. Nie geht sie aus, höchstens am Sonnabend ins Geschäft, um sich den Wochenverdienst zu holen … Aber wieder zog sie ihr Besuchskleid an, und als ich mittags zurückkam, war es wie tags vorher … Und heute wieder … Da hielt ich mich nicht länger und schwänzte die Schule und lauerte ihr heimlich auf, um ihr nachzugehen, denn ich mußte doch wissen, was sie heimlich tut … Ja was tut sie? Ich hab's nicht 'rausgekriegt … Nur soviel weiß ich: Zu Bekannten geht sie. Zu entfernten Bekannten … Mit denen wir mal verkehrt haben … Bei denen bleibt sie dreiviertel Stunden. Oder auch nur eine halbe … Und dann kommt sie 'runter, sieht auf ein Blatt Papier, das sie aus der Handtasche zieht, und geht weiter … Ich wär' ihr noch länger gefolgt, aber ich mußte ja heim, dem Professor Mittag kochen.«

»Und er ist noch immer der gleiche?« fragte Fritz Kühne dazwischen.

»Immer der gleiche«, erwiderte sie. »Ja fröhlicher fast als sonst. Als er im Frühherbst aus Rauschen zurückkam, da war sein Wesen wohl etwas eigentümlich. Er hörte nicht recht, was man zu ihm sprach, und sah immer ins Leere … Er war wie einer, der Trauer hat, oder wie – man kann es nicht recht definieren … Erst als die Bibliotheksarbeit losging und als abends« – sie stockte ein wenig und fuhr dann im Flüstertone fort: »Ja, als abends wieder ab und zu eine Mädchenstimme durch die Wand zu hören war – im Sommer hatte er eigentlich fast niemals solchen Besuch gehabt – als das nun wiederkam – da – kann man sagen – war er auch wieder der alte … Und morgens ist das Bassin der Lampe meistens fast leer. Das bedeutet: er hat wieder die Nacht durchgearbeitet. Und er darf's ja auch noch, denn die Kollegien beginnen erst Montag.«

»Sie glauben also, daß ihm ein Unglück geschehen ist? Und daß er nichts davon ahnt?« fragte Fritz.

»Wie soll es anders sein? Denn daß er sich leichten Herzens darüber hinwegsetzen sollte, während Mutter sich daran verzehrt, das kann doch nicht sein. Wir haben ihn ja beide so lieb, und ich weiß wahrhaftig nicht, um wen ich mehr Angst haben soll, um Mutter oder um ihn … Ach, lieber Herr Kühne, helfen Sie, was soll ich tun?«

Fritz dachte nach, aber nirgends fand sich ein Punkt, an dem er einsetzen konnte.

»Sind Sie nicht auf die Idee gekommen«, fragte er, auf einen Stapel alter Zeitungen weisend, der auf dem Fensterbrett lag, »sich die Nummer zu besorgen, die Ihre Mutter vor Ihnen verbarg?«

»Oh, wie dumm!« rief sie, sich vor die Stirn schlagend. »Das hätte mir auch einfallen können.«

»Ich werde sie gleich morgen früh von der Expedition holen gehen«, sagte er, »und dann wollen wir weiter sehen.«

In diesem Augenblicke kamen flink und beflügelt Männerschritte die Treppe empor, und an der Tür des Nebenzimmers suchte tastend ein Schlüssel.

»Er ist es«, sagte Helene und preßte die Hand aufs Herz. »Ich werde ihm Licht machen gehen und gleichzeitig sagen, daß Sie da sind.«

Damit schlüpfte sie zur Tür hinaus.

Ein paar Minuten vergingen – beider Stimmen drangen durch die Wand – da kam sie wieder, die Stubentür hinter sich offen lassend, und bedeutete ihm schweigend, er werde erwartet.

Und zwei, drei Augenblicke später stand er vor ihm. Die kühle Porzellanhand hing in der seinen.

»Das ist nett von Ihnen«, hörte er die vertraute Stimme, »daß Sie gleich bei Beginn des Semesters hier vorsprechen. Wenn die Juristerei Ihnen immer noch Zeit läßt, bei mir herumzunaschen, können wir gleich beraten, was Ihnen am zuträglichsten sein wird.«

»Selbstverständlich werde ich wie bisher bei Ihnen hören, Herr Professor«, erwiderte Fritz, »aber das ist es nicht, was mich zu Ihnen führt.«

»Also los«, sagte jener, ihn in die bekannte Sofaecke drückend, und schob den Drehsitz des Schreibstuhls zurecht, so daß er ihm dicht gegenübersaß. Das Lampenlicht lag nun ebenso scharfrandig auf seinem hageren Angesicht wie an jenem Winterabend, als er die »triumphierende Bestie« hatte tanzen lassen.

Und Fritz begann zu berichten. Erzählte von dem Wandel seiner Gesinnungen, den er, der Professor, in ihm verursacht hatte, wie er dadurch in einen Konflikt mit seinen Corpsbrüdern gekommen war und was sich in den jüngsten Tagen katastrophal ereignet hatte. Von des Professors Weltkenntnis erhoffe er einen Rat, der ihm fortan als Richtschnur dienen solle.

Das ungefähr war die Rede, die er sich zurechtgelegt hatte, aber während er die Worte heruntersprach, zuckte immerzu der quälerische Gedanke durch sein Hirn: ›Da sitzt er nun, und hinter ihm steht ein Unheil, und er ahnt nichts davon.‹

»Mir scheint, da habe ich ein schönes Malheur angerichtet«, sagte auflachend der Professor, als Fritz geendet hatte. »Und ich habe allen Grund, mir deshalb Vorwürfe zu machen. Denn ich hätte mir überlegen müssen, daß derlei Gedanken junge Köpfe wie den Ihren zu Weißglut erhitzen, während sie in reiferen Lebensaltern nur eine wohltemperierte Wärme schaffen, in der die Lebensklugheit nicht zum Schmelzen kommt … Selbstverständlich sind Sie in dem Ausdruck Ihrer Gefühle zu weit gegangen, denn wir dürfen nie vergessen, daß die Träger gegnerischer Gedanken überzeugungsgemäß dasselbe Daseinsrecht besitzen, das wir uns selber zumessen. Wenn wir den Gegner nicht auch menschlich zu werten verstehen, entwerten wir zugleich uns selber. Wir können ihm ruhig unsere Reverenz erweisen und werden dabei lernen, den Haß aus unserem Gemütsleben auszuschalten.«

»Aber Sie selbst treiben doch manchmal eine Polemik, Herr Professor«, warf Fritz ein, »die keine Gnade kennt.«

»Man treibt Polemik nach Bedürfnis«, erwiderte er. »Selbsterhaltung heißt ihr Maßstab. Notwehr meinetwegen. Und nach deren Rechtsgrundlagen hat niemand je gefragt … Aber kehren wir zu Ihrem Fall zurück! Ich besinne mich, daß ich bei Ihrem ersten Besuche Ihrem Lebensplan alle Ehre erwies und Sie vor dessen Umgestaltung warnte. Heute ist die Sachlage eine andere. Und ich muß die entgegengesetzte Ansicht vertreten: Kehren Sie Ihrem Corps so rasch, wie Sie können, den Rücken und seien Sie froh, daß Sie dieser Schwefelbande entronnen sind, die nur dazu da ist, Mittelmäßigkeiten zu züchten und durch ödesten Schematismus jedes zum Eigenwuchse bestimmte Talent im Keime zu ersticken … Sie werden vielleicht eine minder gesegnete Karriere machen, Sie werden sich von der Futterkrippe der hohen Funktionäre ausgeschlossen sehen, aber Sie werden zum Entgelt etwas in sich heranwachsen fühlen, das Goethe höchstes Glück der Menschenkinder nennt und das höchste Glück bleibt, selbst wenn es auf dem Schafotte der Vereinsamung endet.«

»Ist denn die Einsamkeit so schlimm«, fragte Fritz, »daß Sie von einem Schafotte sprechen?«

»Ich sage nicht Einsamkeit, sondern Vereinsamung«, erwiderte der Professor. »Und das ist so sehr zweierlei wie Himmel und Hölle … Dann hab' ich noch einen andern Rat für Sie in Bereitschaft: Halten Sie sich von unnützen Spannungen fern, wie das Gefühl des Deplaciertseins sie mit sich bringt. Sie führen leicht zur Verbitterung, und die muß verhütet werden, als wäre sie die Beulenpest selber. Sie sind in der glücklichen Lage, Ihren Widersachern einfach den Rücken wenden zu können. Und das ist es, was ich Ihnen ans Herz gelegt haben möchte. Ich werde ja Ihr Gesicht ungern auf den Bänken meines Auditoriums vermissen. Aber ich kann Ihnen nur eines sagen: Nehmen Sie schleunigst Exmatrikel und gehen Sie ins Reich. Damit löst sich Ihr Verhältnis zum Corps ganz von selber, denn das Band mitzubekommen, darauf verzichten Sie wohl.«

Fritz sah auf der Stelle ein, daß ein klügerer Rat ihm nicht erteilt werden konnte, und wunderte sich, daß der erlösende Gedanke ihm nicht von selber gekommen war.

Er stand auf und streckte dem Professor die Hand entgegen.

Dabei fiel die Gefahr ihm wieder ein, von der jener augenscheinlich bedroht war. Er hatte sie während dessen ruhig abwägender Rede ganz und gar vergessen und schalt sich eigennützig, weil er nur an sich selber dachte.

Gerne hätte er ihm ein Wort der Warnung gesagt, aber er wußte nicht, in welche Form sie kleiden, und empfahl sich, zugleich befreit und bedrückt.

»Wenn Sie wieder einmal in Königsberg sind, versäumen Sie nicht, bei mir vorzusprechen«, rief der Professor ihm nach, und Fritz dankte mit abermaligem Kratzfuß.

Als er an die Tür des Familienzimmers pochte, war's die Stimme der Mutter, die ihn hereinrief. Endlich war sie von ihren geheimnisvollen Gängen heimgekehrt.

In der Sofaecke saß sie verstört und verelendet, mit zerzaustem Haar und erloschenen Augen, eine, die sich vor Erschöpfung kaum noch aufrecht erhält.

Doch als sie ihn erkannte, sprang sie mit zuckender Kraftanspannung in die Höhe.

»Sie, Herr Studiosus!« rief sie in jähem Freudenausbruch und schüttelte Helene von sich ab, die sie hütend umfaßt hielt. »Sie kommen mir recht. Sie kann ich gerade brauchen … Geh in die Küche, mein Kind, und mach dem Professor sein Abendbrot zurecht. So geh doch, geh!«

Und sie schob die unschlüssig Zögernde mit raschem Griffe zur Tür hinaus.

Dicht vor Fritz pflanzte sie sich auf, tiefatmend und zitternd, und ihre Mundwinkel hingen.

»O Gott, Herr Studiosus«, wehklagte sie, »was wird das bloß werden?«

»Erzählen Sie doch«, drängte er.

»Ach, Sie wissen noch nichts?« Ich dachte, Sie wären deswegen gekommen … Wissen Sie's wirklich noch nicht?«

Und als er verneinte, riß sie ein zerlesenes und beschmutztes Zeitungsblatt aus der Tasche und streckte es ihm hin, die entfaltete Rückseite nach oben gekehrt.

Ratlos irrte sein Blick über die Warenpreisungen aller Art.

»Da, da, da!« Und sie wies mit dem Finger auf eine unvordringliche Stelle.

Er las:

 

Aufforderung!

Herr Universitätsprofessor Sieburth kann sich das Armband, das er meiner Tochter geschenkt hat, aus meiner Werkstatt abholen kommen, da eine Verwendung dafür nicht vorhanden ist.

Königsberg i. Pr.,
Oberhaberberg 16. Krupkat,
Schlossermeister.

 

»Was heißt das?« fragte er verblüfft.

»Wenn Sie das noch nicht einsehen!« rief sie in verzweifeltem Hohne. »Das heißt, daß er blamiert werden soll … Das heißt, daß er unmöglich gemacht werden soll … Das heißt, daß er den Lehrstuhl nicht kriegen soll … Und noch viel anderes heißt das. Es ist gar nicht abzusehen, was das alles heißt.«

»Sie meinen, daß eine Intrige dahinter steckt?« fragte er.

»Warum Intrige?« lachte sie auf. »Nein, nein, es wird schon alles seine Richtigkeit haben. Es sind genug solcher kleiner verdorbener Dinger bei ihm gewesen, denn was anständig ist, das hat er immer in Ehren gehalten … Und eine offene Hand hat er auch immer gehabt … Viel zu offen für die kleinen Kanaillen … Die tun's auch umsonst, wie sie's von ihren Studenten gewöhnt sind … Und da hat sich eine zu Hause geprahlt … oder der Vater ist ihr dahinter gekommen … und um sich weiß zu brennen, hat sie sich als unschuldig ausgegeben und als verführt … Und das ist nun seine Rache.«

Fritz dachte an seine eigenen Erfahrungen. In der Junkerstraße und auf Königsgarten liefen sie herum zu Dutzenden, allabendlich, wie sie aus den Geschäften kamen, eine immer niedlicher als die andere. Und gelang die Anbandlung, dann nahm man sie mit oder man ließ sie laufen, wie es einem gefiel. Viele gingen nie zu Dirnen, weil diese bequemer und reizvoller waren. Aber manchmal waren sie noch Jungfern. Ganz unversehens. Und dann wollten sie richtige Liebe, Herzensliebe, und man wurde sie schwer wieder los. Drum hatte er sich ihnen meistens ferngehalten. Doch wenn sie einem im Vorbeigehen einen zärtlichen Blick zuwarfen, dann wurde es manchmal recht schwer. Trug man Couleur, dann war das Ansprechen ohnehin verboten, und dann mußte man ihnen in dunkle Gegenden folgen, wo es von niemand bemerkt wurde.

Dies alles war Regel im studentischen Leben, und niemand nahm Anstoß daran.

Der Professor hatte es offenbar genauso gemacht, nur daß er in angesehener und verantwortlicher Stellung war, in der die gesellschaftlichen Folgen bedacht werden müssen.

Und Frau Schimmelpfennig fuhr fort: »Wenn man bloß wüßte, was man noch tun könnte, um das Unglück wieder gut zu machen! Seit drei Tagen lauf ich herum von einem Bekannten zum andern. Wo ich irgend einmal eine Beziehung gehabt habe, da such' ich Einlaß und erzähle, wie gut er ist und wie gewissenhaft, und daß das alles bloß Niedertracht ist und Verleumdung … Aber nun weiß ich bald niemand mehr. Wissen Sie jemanden, Herr Studiosus, zu dem man noch gehen könnte?«

»Natürlich, Sie meinen es gut«, erwiderte Fritz, »aber ich fürchte, das Übel wird dadurch nur größer, denn in die Kreise, in denen man eigentlich Anstoß daran nimmt, dringen Sie doch nicht vor, und wen Sie aufklären, der hat es entweder gar nicht bemerkt, oder wenn, dann interessiert es ihn jetzt erst.«

Da sank sie entmutigt in sich zusammen, ein Jammerbild hilfloser Sorge.

Und Fritz beruhigte sie: »Schließlich wird es gar nicht so schlimm sein. Der Professor ist nicht verheiratet. Unehrenhaftes kann ihm niemand nachsagen. Und wer sich da sittlich entrüstet, der ist nichts wie ein Heuchler. Höchstens lachen wird man ein bißchen.«

Frau Schimmelpfennig schlug mit einer Handbewegung all seine Tröstungen in den Wind.

»Wenn die Weiber nicht wären!« sagte sie mit einem verzweifelten Erstarren des Blickes.

»Was ist's mit den Weibern?«

Aber sie beachtete ihn gar nicht. Mit sibyllenhaftem Murmeln wiederholte sie: »Wenn die Weiber nicht wären! Wenn die Weiber nicht wären!«

Und dann plötzlich sprang sie auf und rief: » Sie müssen's ihm sagen!«

»Wie komm' ich dazu?« wehrte er sich. »Er wird mich an die Luft setzen, wenn ich mich unberufen in seine Privatangelegenheiten mische.«

Aber sie blieb dabei. Und als er immer noch nicht zustimmen wollte, legte sie sich auf's Bitten. In seiner Unwissenheit dürfe der Professor nicht gelassen werden, sonst geb' es vielleicht schon morgen ein Unglück. Sie selbst fühle sich außerstande dazu, sie müsse vor Scham in die Erde sinken. Er sei der einzige, der die Kraft dazu hätte.

»Legen Sie ihm das Blatt auf den Tisch«, sagte er, »oder schicken Sie's ihm durch die Post. Dann hat er's schon in der Frühe.«

»Nein, nein, nein!« Und sie bat immer weiter. Sie beschwor ihn bei aller Gunst, die der Professor ihm erwiesen, bei aller Weisheit, die er von ihm gelernt habe, bis er halb lachend sagte: »Also geben Sie meinetwegen den Fetzen her! Mehr als einen Fußtritt kann ich nicht kriegen!« Und sich zusammenreißend klopfte er noch einmal an die dunkle Tür.

Als der Professor ihn eintreten sah, ging der Schatten eines kleinen Mißmuts über sein Gesicht.

»Haben Sie etwas bei mir vergessen?« fragte er, den Blick über den Schreibtisch hin spazieren führend.

»Verzeihen Sie, Herr Professor«, stammelte Fritz. »Sie haben mir soviel Gutes getan – und jetzt eben noch … Glauben Sie nicht, daß ich Ihnen das mit Bösem vergelten will – ich glaube vielmehr – daß es meine Pflicht ist – Ihnen den Dienst zu erweisen – den kein anderer – Ihnen –«

Und nun stockte er doch.

»Was haben Sie da?« fragte der Professor herrisch, auf das Zeitungsblatt hinweisend, das Fritz in seiner Beklommenheit zwischen den Fingern drehte. Statt einer Antwort legte er es zurechtgestrichen vor ihn hin, auf den Namen hinweisend, der die bedenkliche Aufforderung einleitete.

Mit zusammengekniffenen Brauen blickte der Professor eine Weile lang darauf nieder. Dann lehnte er sich in den Schreibstuhl zurück und sagte mit dem lautlosen Lachen, das allemal den Höhepunkt seines Vergnügens bezeichnete: »Ja, lieber Freund, das heißt Malheur!«

Und nach kleinem Schweigen fortfahrend: »Die Geschichte muß übrigens längst Moos angesetzt haben … Ich habe zwar immer so einigen Kram in der Schublade, mit dem ich zarte Verpflichtungen regle, wo Geld mir nicht angebracht scheint, aber ein Armband gerade! … Ich besinne mich nicht, seit einem Jahre irgendein Armband verschenkt zu haben … Na, wie dem auch sei, ich danke Ihnen jedenfalls. Sie haben sich als ein wirklicher Freund zu mir benommen.«

Und er streckte die Hand zu Fritz empor, die diesmal mit festem Männerdruck die seine umschloß.

Dann wieder in das alte Lachen ausbrechend: »Vorhin haben Sie wohl nicht die Courage gehabt, was?«

»Vorhin hab' ich's ja noch gar nicht gewußt«, verteidigte sich Fritz.

»Dann haben Sie's wohl eben – von meiner Wirtin erfahren?«

Und als Fritz bejahte: »Die gute Person mag sich schön geängstigt haben … Da muß ich sie gleich ein bißchen aufmuntern gehn … Und die Kleine?«

»Die weiß noch nicht, was. Aber ängstigen tut sie sich auch.«

»Man hat immer viel mehr Liebe in der Welt, als man verdient. Aber um die Kleine tut es mir leid. Der müßten solche Sachen noch fernbleiben … Adieu, lieber Freund! Was ich Ihnen vorhin predigte, wird unter Umständen jetzt auch auf mich Anwendung finden … Wollen mal sehen, wie unser Rückgrat sich bewährt.«

Und mit nochmaligem Händedruck geleitete er ihn zur Tür.

Als Fritz das Familienzimmer betrat, kam Helene ihm entgegen.

»Mama ist nicht wohl«, sagte sie. »Sie hat sich aufs Bett gelegt und läßt Sie grüßen.« Und dann, sich zu seinem Ohre neigend, leise: »Jetzt weiß ich's! Mama hat's mir eben gesagt.«

»Und was sagen Sie dazu?«

Sie seufzte tief auf. »Was soll man dazu sagen? Wir armen Dinger!«

Und dann geleitete sie ihn die Treppe hinunter, denn die Haustür war schon verschlossen.

Als sie sich verabschiedeten, sagte er: »Wir werden uns lange nicht sehen, Fräulein Helene. Ich gehe ins Reich.«

Sie zuckte ein wenig auf, streckte ihm lebhaft die Hand entgegen und sagte: »Vergessen Sie uns nicht ganz.«

Die Tür schlug zu. Schon lag eine Welt zwischen ihnen.


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