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Fünf deutsche Zeitschriften besingen den Sommer

1. Daheim

Die Sonne lacht. Da lach auch ich
aus übervollem Herzen.
Ich fühl mich heut so königlich
und aufgelegt zum Scherzen.

Die Halme und die Gräser sind
so sommerlich, so heiter.
Es weht der liebe Wind so lind,
und ich – ich eile weiter.

Ein Mädchen kömmt, ein holdes Kind
mit rosaroter Schleife.
Gestatte mir, daß ich geschwind
mit einem Blick dich streife.

O Halm, o Kind, o Gras, o Herz,
o runde Jubel-Sonne.
Nun reim ich doch nochmal auf Schmerz
sowie, ach ja, auf Wonne!

2. Simplicissimus

Die Sonne brennt auf unsre Birne,
sie meint es gut, wir danken sehr.
Es rinnt der Schweiß von unsrer Stirne,
und im Gehirne wirds so leer.

Der Mensch, man kann das ja verstehen,
wehrt sich dagegen, wie er kann.
Der eine wird ins Freibad gehen,
den andern zieht das Wirtshaus an.

Du siehst: Das Feuchte soll hier nützen,
teils inner-, teils auch äußerlich.
Am Ufer und am Biertisch sitzen
schützt gegen Sonnenbrand und -stich.

Man sage nicht: nur der ist edel,
der sich ins kühle Freibad setzt.
Vielleicht sind's nur die Bade-Mädel
an deren Tun er sich ergetzt?!

Am klügsten scheint mir der zu handeln,
der Bockbier in den Rucksack tut,
um damit an den Strand zu wandeln.
Der Schlaukopf hat's doch doppelt gut.

3. Das Innere Reich

Metallen
schwirrt und zittert die Luft,
bereit nun,
den Aggregatzustand zu ändern,
vom Gasförmigen
ins Flüssige
hinüberzutreten.

Wir aber schreiten,
entzückt und gehoben,
hinaus aus den Städten
in die Ebene des Lands.
Die Kornfelder liegen,
gefüllte Fruchtschalen,
golden vor uns.
Die Obstbäume harren noch
letzter Reife.

Auch du und auch ich
harren, du Süße,
der letzten Reife.
Aber auch Ungereiftes,
aber auch Ungereimtes
kann ja so schön sein.

4. Film-Welt

Wo sich die Filmstars dieses Jahr
aufhielten, wo manch einer war,
das werden nun die nächsten Spalten
wahrheitsgenau und echt enthalten:

Der Moser will am Strand sich kuscheln,
er wird dort mit den Muscheln nuscheln.

George sitzt und schimpft in Hessen.
Er hat sein Götz-Zitat vergessen.
Er sagt: mein Gott, wie hieß es doch,
verdammt nochmal, ich brauch es noch!

Die Nagy badet vorderhand
am milden kühlen Ostseestrand.
Der Strandanzug, den sie hier trägt,
ist todschick mit Perlmutt belegt.


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