Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Veränderungsmusik

Nach Ludwig Tügel

»Was das betrifft, da sei'n Sie man ganz außer Sorge, Bogumil, ganz außer Sorge sei'n Sie da man. Die Schleusenanlagen kauf ich, das geht in Ordnung, das mach ich, und wenn Kattrepel zu Ihnen sagt: das mach ich, dann macht er das auch. Natürlich werd ich den Preis noch drücken, das ist ja klar, das versteht sich von selber, der Quatschkopf braucht ja dringend Zaster, und da leg ich ihm die Scheine so lange vor die Nase, bis ihm die Augen aus dem Kopfe rausfallen.

»Noch zwei Halbe, Bosselmann, aber bis zum Strich voll schenken, Sie alter Gauner, sonst tauch ich Sie rein in Ihr elendes Gesöff. Trinken Sie mit, Bogumil, Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, ich hab es immer so gehalten und ich bin nicht schlecht dabei gefahren, umsonst wiegt man ja nicht seine 200 Pfund, netto 2 Zentner Lebendgewicht. Sie sollten auch mehr trinken, ja, das sollten Sie. Aber das mit den Schleusen, verstehen Sie, das mache ich, und wenn sie alle über die Veränderungsmusik unken, die Nachteulen, die traurigen, deshalb mach ich es doch. Schade, Bogumil, daß Sie so ein Tüttelitümann sind, mit Ihnen könnte man Pferde stehlen, so doof sind Sie. Aha, Bosselmann, das ist sauber geschenkt, das geht in Ordnung, das ist allright.

»Nu gucken Sie sich mal das Weibsstück an, das da reinkommt. Wo kommt die denn her? Die kenn ich ja gar nicht. Aber Klasse, was? Was sagen Sie, Bogumil? Na natürlich, Sie altes Schwein haben immer Ihre Hintergedanken, aber das stimmt gar nicht, was Sie sagen. Wo rohe Kräfte sinnlos walten, das haben diese ganz Zarten gern, weiß ich aus eigener Erfahrung.

»Meine Frau, die fährt zur See, Frollein, schiebt mit Schollen an der Elbchaussee. Na, kleines Blondes, nun komm mal'n büschen ran und erzähl uns was Nettes. Was treten Sie denn dauernd auf meinem Fuß rum, Bogumil? Ich verbitt mir das. Was ist los? Das Frollein mit den melankolischen Augen ist verheiratet? Großordig! Is mir viel lieber. Und ihr Mann sitzt dahinten am Tisch? Der da mit dem mürrischen Gesicht? Das ist mir nicht unangenehm. Pipe ist mir das, verstehen Sie mich! Kann ja herkommen, der, wenn er was will. Bis zum ersten Schlaganfall nimmt es der alte Kattrepel noch mit jedem auf!«

Der Mann mit dem mürrischen Gesicht erhob sich. Die Frau mit den »melankolischen« Augen wollte ihn festhalten. Er riß sich los. Er ging zur Theke. Eigentlich wollte er dem groben Bauern nur seine Meinung sagen. Aber als er dies Gesicht sah, voll Dumm-Schläue und Selbstbewußtsein, da wußte er, daß Worte hier sinnlos wären. Kattrepel lachte: »Na, Jungchen!« Da holte das Jungchen zum Schlage aus. Prima Kinnhaken. Gelernt ist gelernt. Kattrepel sackte zusammen wie ein Luftballon, aus dem man die Luft rausläßt. Mit sieben Mann trugen sie ihn rüber ins Ratszimmer.

Der junge Mann ging an seinen Tisch zurück. Er freute sich seines Sieges nicht. Er war mürrisch und traurig. Und die zarte Frau an seiner Seite dachte: »Wann wird er wieder so sein wie er früher gewesen ist? Aber das soll wohl nicht sein!« Und sie beschloß, künftig nur noch schwarze Kleider zu tragen, wie alle Frauen hier am Deich.

.


 << zurück weiter >>