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Die Bucht der Dickschädel

Nach Alma Rogge

Elfriede Thomas, die helläugige Tochter des Krämers Willem Thomas, stand im Laden und wog den Zucker ab. Der Zollaufseher Trampel, jung, schlank und unbeholfen, trat herein.

»Guten Tag auch«, sagte er und grüßte höflich, indem er die Hand an die Mütze legte.

Büschen unbeholfen bist du ja, dachte Elfriede, aber die grüne Uniform steht dir ganz gut.

»Ich komme dienstlich!« sagte Trampel. Elfriede bedauerte: »Ich dachte. Sie kämen –«

»Was dachten Sie, Fräulein Elfriede?« Trampel wurde rot.

Elfriede wurde auch rot: »Ich dachte eben, Sie kämen – Sie kämen nicht dienstlich!« stotterte sie.

»Wie meinen Sie das, Fräulein Elfriede?« erkühnte sich Trampel weiter in sie zu dringen.

»Ich dachte, Sie wollten was kaufen!« sagte Elfriede, die nun ihre Sicherheit zurückgewann. »Wir haben Zucker, Tee, Reis, Rosinen, Butter, Schmalz …«

»Haben Sie auch Rum?« fragte Trampel plötzlich sehr ernst. – »Gewiß!« Elfriede holte eine Flasche und nannte den Kaufpreis.

»Der ist zu teuer«, sagte Trampel, »haben Sie keinen anderen, billigeren? Geschmuggelten?«

»Wir schmuggeln hier nicht an der Bucht!« Elfriedens Augen blitzten. Sie mochte den grünen Trampel ganz gern, aber wenn er ihre Leute bespitzeln wollte, dann war es aus. Sie wurde ganz eisig. Trampel merkte es: »So hab ich's doch nicht gemeint!« jammerte er. – »Dann ist's etwas andres«, sagte Elfriede, »dann setzen Sie sich man ein bißchen bei mir hin!«

Der Zollaufseher setzte sich zu ihr. Er saß so, daß er nicht sehen konnte, wie der Krämer Willem Thomas mit kurzem flinken Blick feststellte, daß das Auge des Gesetzes angenehm beschäftigt war. Gert Tielbein, Jan Heimann und Fiete Spohr standen vorm Laden. Mit einem Gesicht, als ob sie kein Wässerlein trüben könnten, gingen sie zum Strand. Und kamen bald darauf, keiner hat es gesehen, mit drei Kisten Rum zurück. Das Meer muß was abwerfen, das ist altes Friesenrecht. Da kann kein Gesetz gegen an.

Ebensowenig wie gegen die Liebe, die, trotz allem, zwischen Trampel und Elfriede glühte.

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