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Herrn Meier sein Schwein Esau

Nach Bruno Nelissen-Haken

Der Leser glaubt natürlich:

Hund ist Hund.

Das ist aber grundverkehrt.

Vom Bundhund zum Beispiel bis zum Dackel Haidjer ist ein langer Weg.

Dennoch sind beide Hunde von Erfolg gekrönt. Das kann man wohl sagen.

Auf ihre Art.

Aber wir wollen nun von ihnen ablassen.

Wir sperren die Hunde in den Stalling.

Jetzt kommen ein paar Bücher von Herrn Meier seinem Schwein Esau.

Die Nachbarn sagen, es sei gar kein Schwein:

Es könne ja gar nicht richtig grunzen.

Esau beachtet das nicht.

Er stößt mit dem Rüssel gegen die Wand seiner Koje:

Bringt mir mal mein Essen.

Wenn er gegessen hat, liegt er unbeweglich.

Er paßt auf die Fliegen auf.

Esau liebt Herrn Meier.

Herr Meier bringt immer so großartige Steckrüben.

Außerdem weiß Herr Meier so freundliche Schimpfnamen, imponierende Neuschöpfungen: Dreckborste, Grunz-Anton, Schinken-Emilie, Doof-Fettchen.

Das ist doch was.

Frau Meier sagt immer nur Esau.

Wahrscheinlich ist sie zu dumm.

Manchmal darf Esau auf die Wiese.

Herr Meier sagt dann: Los, du fauler Fleischhaufen, lauf ein bißchen, tummle dich, lüfte unsern künftigen Braten.

Esau hat aber gar keine Lust zum Laufen:

Er mag viel lieber im Dreck liegen.

Schwein ist Schwein.

Frau Meier sagt zu allem Überfluß:

So, kleiner Esau, nun darfst du auch mal auf die Wiese, da wachsen all die schönen Blumen, da wirst du dich freuen!

Blumen! Ist er eine Kuh? Esau grunzt ärgerlich.

Dämliche Frau Meier!

Nicht das geringste versteht sie von der Seele eines Schweines.

Naja – eine Frau.

Esau blinzelt.

Esau schläft ein.

Esau träumt von Steckrüben.

.


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