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Einer nahm mich bei der Hose

Nach Dirks Paulun

Einer nahm mich bei der Hose und sprach:

»Niemand sollte sich unnütz in Unkosten stürzen!«

»Hä –?« sagte ich.

»Aber manchmal geht es nicht anders«, fuhr er fort. Ich seufzte zustimmend.

»Sehen Sie«, meinte er und packte meine Hose fester, »und was sind überhaupt Unkosten? Steuerrechtlich sind sie etwas andres als privatim. Wenn ich mir einen Hut kaufe, sind das Unkosten, die ich auf Inventar verbuche. Aber das Finanzamt sagt, es sei eine Privatausgabe.«

»Da hat das Finanzamt recht«, sagte ich und ergänzte leichtfertig: »Wie immer!«

»Alle Leute urteilen vorschnell«, gab er zurück. »Man soll nicht jedes Vorurteil hinnehmen. Man soll zue Türen aufmachen. Man soll, mit einem Wort, die Unkosten ganz streichen!«

Ich verstand es nicht, aber er sprach mit soviel Pathos, daß ich »Bravo!« schrie.

Das ermutigte ihn. »An den Unkosten gehen wir noch mal zugrunde«, setzte er abermals ein. »Ich weiß, was ich zu tun habe. Und was den Hut betrifft, so gehe ich künftig ohne. Sieht auch viel besser aus und ist gesünder!«

»Mit dem Hut können Sie es ja machen!« sagte ich, »aber wie ist es zum Beispiel mit der Hose?«

Er verstand den Wink nicht und hielt meine Hose noch fester. »Sehen Sie, auch Hosen braucht der Mensch weniger, als man denkt.« Er atmete tief und holte zu neuen Erklärungen aus.

Aber ich habe mir lieber eine neue Büx gekauft.

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