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Verdammte Sommernacht

Nach Frank Thieß

»Dreh dich um, Axel!« sagte sie, »ich will mich entkleiden.« Axel drehte sich um, konnte es aber nicht lassen, hin und wieder über die Achsel zu schielen. Donnerwetter, er war doch ein Mensch, frank und frei, und das Blut kreiste rascher in seinen Adern.

»Laß uns philosophieren!« sagte sie.

»Jawohl«, erwiderte er gedehnt, »denn es philosophiert sich gut mit einer Frau, die sich entkleidet.«

Sie sagte: »Manchmal möchte ich ein Kind sein!«

Und er, immer noch gedehnt, gab zurück: »Was nützte es? Einmal müßte man doch jene Schwelle überschreiten.« Er sah, daß die Haut ihres Rückens braun war. »Wie Bronze«, dachte er, und er dachte laut, so daß sie fragte: »Was meinst du?«

Da war er ganz verwirrt, schlug die Beine übereinander und nahm eine Zigarette.

Am Rascheln der Seide erkannte Axel, daß sie nun das Abendkleid anzog. Er drehte sich um. Schön sah sie aus. Und doch – mußte das sein, daß sie ein Kleid trug, jetzt – und überhaupt?

»Laß uns essen!« sagte sie.

»Ja, laß uns essen«, entgegnete Axel. Er war sehr traurig.


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