Johannes Freumbichler
Philomena Ellenhub
Johannes Freumbichler

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Das Neue Licht

Daß die Mena wirklich einen guten Kopf hatte, zeigte sich in der nächsten Zeit, wo sie die Mutter vertreten mußte. Das war keine Kleinigkeit. Da war der Ähnl, der zuweilen recht grantig werden konnte, besonders wenn man ihm mit etwas kam, wovon er nichts hören wollte. Und jetzt gab es gleich zwei solche Neuigkeiten. »Ähnl, ein Brief aus Wien ist gekommen, und das Neue Licht sollen wir holen; die Mutter hat's bestellt.«

Der Ähnl nahm die Pfeife aus dem Munde; das war ein schlechtes Zeichen. Er sah das Enkelkind fast zornig an: »Daß man doch niemals seine heilige Ruh haben kann!« Wie wohl einem Menschen die heilige Ruh tun kann, weiß nur einer, der an die fünfzehn oder sechzehn Stunden auf den Feldern gearbeitet hat.

Einer der Schnitter nahm das Wort; der mit der Schildhahnfeder, der Schindertoni, auch Pieringertoni genannt, weil die Pieringer seit alters auf dem Schindergut saßen. »Ich hab's schon gesehen«, sagte er, »das Neue Licht. Der Kramer Lambert hat ein ganzes Regiment auf seinen Stellagen. Es soll so stark leuchten, daß man im entferntesten Stubeneck noch einen größeren Druck lesen kann.«

Es war die Neuheit und es war der Lobpreiser schuld, daß der Alt-Ellenhuber auf einmal heller brannte als das hellste Licht. »Als ob wir bisher kein Licht gehabt hätten und wie die Katzen und Mäus im Finstern herumgelaufen wären! Das Neue Licht? – Ich hab gelebt, mein Vater hat gelebt, und hat keiner ein neues Licht gebraucht. Da schau einmal einer an! – Ist doch der Ölstock selber noch eine Neuheit! Hab ich doch in meinen jungen Jahren nie etwas anderes brennen sehen als den Kienspan. Und der Kienspan hat ein schönes Licht gegeben! Und ein billiges! – Ein paar Tage Arbeit, in der lässigen Zeit, grad nur so zum Spiel, und man hat Licht genug für den ganzen Winter gehabt. Nun ja, der Ölstock war freilich schöner. Ich kann mich noch erinnern, wie er aufgekommen ist. Man hat ihn nur sonn- und feiertags angezündet. Heutigentags möchten die Leut im Galopp in die neumodische Welt hinein. Aber 30 wer galoppiert, der vergaloppiert sich leicht, und besser ist's, erwarten als erlaufen!«

Alles, was der Alt-Ellenhuber sagte, hatte Hand und Fuß, und man hörte ihm gern zu. Es war gut weilen in der Stube. Die Hausleute, die Kinder und die Schnitter hatten es sich bequem gemacht. Die Männer rauchten, die Weibsbilder spannen, die weiblichen jüngeren Geschwister drehten die Garnhaspel. Die Mena ging, den Ölstock in Stand zu setzen. Sie war gerührt, wie sie ihn aus seinem spinnwebenumzogenen Winkel im Küchenfenster hervorholte. Im Sommer brauchte man ihn nicht, also war er unnütz, und um ein solches Ding, mag es tot oder lebend sein, kümmert sich der Mensch einen Pfifferling. Begreiflich, wie ein Ding nutzt, so wird es geputzt, und da die Mena noch sehr an dem liebtrauten Ölstock hing, scheuerte sie ihn, bis er wie Gold glänzte. Der Ölstock schien übrigens etwas von seiner Lage zu ahnen: er stach mit seinem spitzen Lichtlein ziemlich armselig in den einbrechenden Dämmer; man freute sich aber trotzdem seines Lichts und der durch ihn angekündigten Veränderung im täglichen Leben.

Die Brüder wurden durch sein Erscheinen auf andere Gedanken gebracht. Es war ein Stutzen, noch aus der Franzosenzeit, im Hause; sie schoben den kleinen Schuber am Schaft zurück, zeigten sich die glänzenden Kupferkapseln, bogen den Ladestock überm Knie und erklärten sich untereinander, wie man das Pulver einschütten und die Kugel nachstoßen müßte. Plötzlich krachte es, und die Ölstockflamme erlosch.

»Ihr Sakramentsbuben!« schalt der Ähnl, aber nicht besonders ernst. Sonst sehr empfindlich gegen jede Art von Lärm, der nicht mit einer praktischen Tätigkeit verbunden war, konnte er doch seine Vorliebe für jede Art von Waffen und Waffenlärm niemals unterdrücken. Die Älteren hatten noch das Gewehrfeuer und den Kanonendonner der napoleonischen Schlachten in den Ohren, und diese Erinnerungen machten ihr Herz lachen. Auch mußte man dem jungen Volk daheim etwas erlauben, sonst lief es woanders hin und machte dort noch gröberen Unfug. Die Mannerleute lachten, man hörte Getappe und Gewisper, und mancher schien den Spaß zu seinem besonderen Zweck auszunützen.

Als der Ölstock wieder brannte, erinnerte der Ähnl sich an den Brief. Es war schließlich keine Kleinigkeit, wo nur höchstens alle 31 halbe Jahre einmal der Postbote kam. Auch war es unangenehm, daß man nicht lesen und schreiben gelernt hatte. Freilich, im allgemeinen kamen auf dem Hof selten Ereignisse vor, wo man dieser Künste bedurfte. Eine Weile blieb der Alte in der Betrachtung des Briefes versunken; er war ohne Umschlag, aber so gefaltet, daß seine Enden durch mehrere Siegel aus Petschierwachs zusammengehalten wurden. Endlich sagte er: »Wird ihm auch hart angekommen sein, daß er Vater und Mutter nimmer gesehen hat. Nun, leben tut er, und gesund wird er auch sein. Jetzt will ich mir gleich den Staatsschuldenmann heraufzitieren lassen; der kann lesen und schreiben wie ein Advokat, wenn er auch sonst ein Falott ist. – Buben, wer von euch kann am schnellsten laufen?«

Das konnten natürlich alle, und da der Ähnl keinen von ihnen zurücksetzen wollte, gingen alle zugleich los, Paul natürlich ausgenommen, der für solche Spassetteln sich schon viel zu ernst hielt. Den Allerjüngsten aber fing die Mena kunstgerecht ab. Er zappelte wie ein Fisch unter ihren Händen. »Jörgei«, sagte sie und band ihm unter heimlichem Geflüster einen Silbergulden in den Schneuztuchzipf, »geh zum Kramer und bring das Neue Licht.« So sind sie einmal, die Weiber; eben hatte sie dem Ölstock seine Ehre gegeben, und nun war die Neugier schon wieder wach, wobei sie freilich auch erwog, daß der Kramer keineswegs die bestellte Lampe zurücknehmen würde.

Inzwischen, da der Ähnl so über den Brief gebeugt saß, drohte die Rede zu stocken, bis der Pieringertoni, der stets ein Fünklein Bosheit in seinen Geieraugen hatte, wiederum vom Neuen Licht zu reden anhub. »Ja, was die Menschen heutigentags nicht alles erfinden! Gestern ist zu den Waldbauern ein Krainer, ein himmellanger Kerl, heraufgestiegen, der hat seinen Rückenkasten mit den neuen Lampen voll gehabt und den Leuten schon von weitem zugerufen: ›Aufgeschaut, das Neue Licht kommt!‹ – Das ist eben der Fortschritt! Und es wär überhaupt im allgemeinen gut, wenn etwas mehr Licht in unser Land käm.«

»Mehr Licht?« brummte der Ähnl. »Mein Gott und Herr! Licht ist alleweil genug dagewesen in unserm Land. Und was das Neue Licht anbelangt: Geht mir mit dem modischen Gelump! Zuviel Licht sticht einem die Augen aus. Schaut euch das Fliegenzeug und die dummen Weinfalter an, wie sie sich hirnlos in die Kerzenflamm 32 stürzen. Wo gedeiht denn alle Kreatur? – Das Waldgetier, die Fisch, die Vögel? – Im Dunkel!«

Der Schindertoni lachte. »Ellenhuber«, sagte er, »die Menschen sind aber keine Fisch und keine Vögel. – Es ist halt einmal so in der Welt: der Fortschritt marschiert, und das Alte muß in die Rumpelkammer.«

Der Ähnl wollte auffahren, aber jetzt polterten die Buben in die Stube und riefen: »Er kommt schon! Er kommt schon!«

Der Mensch, der hereintrat, wurde sogleich von der ganzen Ellenhuberischen Brut schreiend umringt, und alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß sie ihn liebten. Er war so groß, daß er sich bücken mußte, um nicht mit dem Kopf an den Tramling zu stoßen. Die Latze seiner nie geschmierten, rötlich schimmernden Stiefel standen wie Ohren weit ab. In seinem ganzen Wesen lag eine Mischung von versteckter Brutalität und zur Schau getragener Gutmütigkeit, die er, auf die natürlichste Weise der Welt, den Kindern gegenüber zeigen konnte, wodurch er sich auf jedem Hof mehr oder minder einschmeichelte. Er flocht ihnen Reitpeitschen aus biegsamen Felbergerten, Wandtaschen aus Rinde, schnitzte ein Wasserrad und dergleichen, auch gab es immer, wenn seine Gestalt auf einem Hof erschien, ein Schauspiel, einen Diskurs, kurz irgendeine Sensation, und sie sperrten Augen und Maul auf, um ja nichts zu überhören und zu übersehen. Sie spürten wohl: hier war die hohe Schule des Lebens.

Während nun dieser Mann fleißig dem Mostkrug und einer Schüssel mit Hasenohren zusprach, hatte er für jedes Kind ein Scherzwort und für die Mena eine besondere Schmeichelei, wie sie, als jüngste Bäuerin der Gemeinde, so überaus gut kochen könnte.

In dieses Lob, das durch allgemeines Brummen bestätigt wurde, knallte wiederum der Stutzen, und das Licht erlosch. Jetzt fuhr der Ähnl mit einem wirklichen Donnerwetter auf. »Teufelsbuben«, sagte er, »wo hat denn euer Vater den Ochsenziemer hingetan?«

Da nun ein richtiges Frauenzimmer jede Gelegenheit zu benützen weiß, um beim allgemeinen Lebensrennen den eigenen Karren vorwärts zu bringen, sagte die Mena schnell: »Die Bosnickel werden wir gleich drankriegen.« Und schon stand die brennende Lampe auf dem Tisch. Die Sache ging so schnell, daß zum Einspruch keine Zeit war. »Das Neue Licht!« rief die Stube wie aus einem Mund. 33

Es erfüllte wirklich den Raum mit einer prachtvollen Helligkeit, und die Mena und die Mägde setzten sich sogleich versuchend an die Spinnräder. Nein, aber nein, so ein Wunder! Da war ja das Spinnen die reinste Lustbarkeit! Da gab es ja überhaupt keine langen und oft so langweiligen Winternächte mehr! – Aber da sagte der Ähnl mit tiefem Ernst: »Wenn desselbig in allen Stucken so wär, möcht das Leben viel zu leicht werden!«

Diesem sonderbaren Einwurf folgte Schweigen.

Der Ähnl warf mißtrauische Blicke auf das Neue Licht. »Es soll hoch feuergefährlich sein«, sagte er. »Auch sollen deswegen die Gendarmen schon von Hof zu Hof gehen, um Nachschau zu halten, ob die Leut richtig mit dem Petroleum hantieren.«

Er fing an, den Siegellack vom Papier abzulösen. Die Ernteleute wußten, was sich gehörte, schützten Müdigkeit vor und machten sich davon; auch die Mägde gingen in ihre Kammer. Die Mena drehte das Licht höher. Die Kinder saßen, das Kinn in die Hand gestützt, erwartungsvoll. Der Vorleser wollte schon anfangen, rief aber plötzlich mit wichtiger Miene: »Halt! Was steht denn da? – ›In verdächtigem Siegelzustand in Linz angekommen.‹« Er pfiff durch die Lippen.

Der Ähnl sagte lächelnd: »Der ist wohl durchs schwarze Kabinett geschloffen; sie werden nicht ruhig zuschauen, wie die Lotter Thron und Altar unterminieren!«

Aber wie nun der Staatsschuldenmann den Brief entfaltete, kam es trotzdem nicht zum Lesen: es fiel nämlich eine Photographie heraus, eine Sache, worüber man auf Ellenhub bisher nur vom Hörensagen eine Ahnung bekommen hatte. Wie der Ähnl das kleine, glänzende Bildchen in der Hand hielt, sah es aus, als ob ein brauner Wurzelstock herumgewachsen wäre, und wie er so das lebensgetreue Konterfei seines Enkels vor sich hatte, so wirklich und sprechend, als ob er selber vor ihm stünde, übermannte ihn eine plötzliche Rührung: »Das ist ein Mirakel!« sagte er. »Nein, das freut mich bis in die tiefste Seel hinein, daß ich das noch hab erleben dürfen.« Da er sich aber über seine Gerührtheit gleich wieder ärgerte, suchte er den Eindruck bei seinen Enkeln dadurch zu verwischen, daß er ihr allzu energisches Vordrängen durch Kopfnüsse wieder in die richtige Linie brachte.

Das Lichtbild zeigte einen Prachtkerl in der Uniform eines 34 Studenten, das Haar an den Schläfen nach vorn gekämmt, in der Mitte wie eine Flamme emporlodernd, eine schöne, starke Nase, ein zierliches Schnurrbärtchen über einem sinnlichen Mund, der eben begeistert die Schillerschen Worte: Seid umschlungen, Millionen! auszusprechen schien. Freilich, der Brief selbst erregte andere Empfindungen; das über den jähen Tod der Eltern und den Schmerz, nicht an ihrem Sterbebett weilen zu können, gefiel, aber dann wurde von der wachsenden Unzufriedenheit des Volkes gesprochen, Veränderungen im Staate angekündigt, und endlich fielen Worte, an deren Stelle der Ähnl die Hand auf den Brief legte, damit nicht weitergelesen wurde: Revolution . . . Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit . . . Würfelspiel auf Leben und Tod zwischen Volk und Volksbedrückern . . . Völkerfrühling, dem ein neues, glückseliges Reich auf Erden folgen würde . . .

Das waren also die neumodischen Ideen, von denen der Ähnl schon öfter läuten gehört hatte, und sein Enkel Sylvester war sozusagen einer ihrer Apostel . . . Aber er wollte ihm schon eine gute Antwort geben; er war ja auch nicht auf den Kopf gefallen, hatte sein Stück Welt gesehen und wußte, daß jeder Mensch, wer er auch war, selbst der Kaiser und der Papst, sich nach der Decke strecken mußten, wollten sie nicht an den Füßen frieren, und den Mantel nach dem Winde hängen, wollten sie sich nicht das Gliederreißen holen.

Die Buben, die vermeinten, der Ähnl wäre so zwischendurch, wie es seine Gewohnheit war, etwas eingenickt, wollten sich schon an den Vorleser heranmachen, aber mit ihrer etwas boshaften Absicht war es für eine Weile noch nichts. Der Ähnl wurde noch einmal lebendig: »Weil du schon einmal da bist, so revidieren wir auch gleich die Dokumente der Kinder, damit sie dann paratliegen.«

Er sperrte unter Geseufz das sogenannte Wandkastl auf, das zwischen zwei Fenstern, ziemlich hoch über der Bank, in die Mauer eingelassen war. Der Mena war bei dem letzten Satz, und insbesondere bei dem so eigentümlich betonten Wort »dann« ein Schreck zum Herzen gefahren. – Dann? Was war denn dann, und warum sollten die Dokumente paratliegen? – Die anderen Geschwister hingegen achteten darauf nicht im geringsten. Es ist wirklich schwer, eine richtige Vorstellung davon zu geben, welche Kräfte den Dingen in diesem Behältnis innewohnen mußten, welchen Wirbel von Empfindungen sie in den Kinderseelen erregten, wenn 35 sie in der dunklen, quadratischen Öffnung mattglänzende Ahornschüsseln, steife, braune Lederbeutel, kleine, dicke, abgegriffene Bücher und das Blinken von Gold und Silber sahen.

Der Ähnl nahm ein Paket, in Blaupapier geschlagen und mit einem Bindfaden umwickelt, heraus und legte es vor sich auf den Tisch. Dann pickte er mit dem Zeigefinger einige Brosamen auf und gab durch bedeutsame Blicke zu verstehen, daß nicht das kleinste Bröslein mißachtet werden dürfte. »Ja«, redete er, »sie essen das Brot der Bosheit und trinken den Wein der Grausamkeit. Aber die Bahn des Gerechten ist ein hellendes Licht, das größer wird und heller bis zum hohen Mittagslichte.«

Die Kinder blickten mit einem seligen Ernst in das Gesicht des alten Mannes. »Der Schnitt«, fuhr er fort, »muß einmal getan werden, wenn's auch tief ins Fleisch geht. Lies vor!«

Der Staatsschuldenmann nahm den obersten Bogen, entfaltete ihn und las in einem singenden Tonfall: »Taufschein. – Laut diesamtlicher Taufmatrik, Tom. 19, Fol. 143, wurde zu Helldorf Nr. 28 am 3. September 1830 (achtzehnhundertdreißig) geboren und am gleichen Tage vom hochwürdigen Herrn Pfarrer Franz Gries, und der Patenschaft der Anna Langer, geborene Ellenhub, Bäuerin, nach katholischem Ritus getauft:

Philomena . . .«

»Gut«, sagte der Ähnl. »Den legen wir zuunterst, und dann einen schön nach dem andern, wie sie im Alter folgen.« So wurde Taufschein für Taufschein gelesen, und sobald der Name fiel, mit verstärktem Ton und Augenzwinkern, legte der Ähnl seine schwielige Hand für einen Augenblick auf den Kopf des betreffenden Kindes und sagte: »Das bist du, kleiner Schneck! – Und das bist wohl jetzt du!« Und zwei verwunderte Augen starrten jedesmal auf das Stück Papier mit den Schriftzeichen und Stempeln, als gälte es, in das Urgeheimnis alles Lebens einzudringen. Dann schloß der Ähnl das Wandkastl und stopfte seine Pfeife. Damit sahen die Buben ihren Zeitpunkt gekommen. Sie blinzelten pfiffig und fragten: »Jokl, wie hoch sind denn jetzt unsere Staatsschulden?«

Der Jokl zog eine alte Lederbrieftasche aus seinem Rock, nestelte einen Zettel heraus und las mit einer falschen und geölten Stimme, als verkündete er den Untergang der Welt: »Dreihundertfünfundachtzig Millionen . . . vierzehntausendsiebenhundertvierzig . . .«, 36 wahrhaftig, eine ganz unaussprechliche, ja schaudererregende Zahl, die bei den Kindern eine Art Gruseln hervorbrachte und sogar den Ähnl aus seinem Halbschlummer schreckte. Es war ein Wunder, wie man eine solche Schuld überhaupt machen durfte, machen konnte, und wie und in welcher Weise und Zeit man sie mit Zins und Zinseszinsen zurückzahlen würde? – »So einen Haufen Geld kann sich kein Mensch vorstellen«, sagte der Ähnl.

»Kein Mensch!« echote der Staatsschuldenmann in einem Ton, als ob nun alles verloren wäre.

Der Ähnl nahm den ausgelöschten Ölstock vom Tisch und schob ihn unter die Achsel. »So ein Ölstock«, sagte er, »ist genau wie ein abgedankter Mensch: Niemand kann ihn mehr brauchen. Und jetzt: gute Nacht miteinander! Und schlaft alle gesund!«

Die Kinder antworteten im Chor: »Wie Gott will, du auch!« 37

 


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