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Volkslied aus Siebenbürgen

Hannes Maler

Nächten um neun bei dem lichten Mondenschein
Da der Hannes Maler auf die Gasse ging.

Er ging, er ging, bis vor das lederne Tor,
Da dreht sich eine schöne junge Frau hervor.

»Euer jung Gemahl, Euer jung Gemahl ist gewiß nicht daheim,
Daß Ihr jetzt auf der Gassen steht ganz allein.«

Sie faßten sich bei schneeweißer Hand
Und leiteten sich die Treppen den leisen Gang.

* * *

Es stund nicht an eine halb Viertelstund,
Daß der Hannes Maler gefangen stund.

»Herr Königsrichter, Herr Bürgermeister, erweisen Sie Gnad!
Zum Geschenk will ich malen den ganzen Rat.«

* * *

Auf der Wiesen, auf der Wiesen, auf der Kleinen Erd
Da glänzt dem Maler Hannes das bloße Schwert.

»Hau zu! Hau zu! du zigeunischer Hund!
Nun nimmer laß dich's reuen, du stolzer Mund!«

Wiese und Kleine Erde: Stadtteile in Hermannstadt. – Zigeuner:
als Henker verwendet.


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